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FREI.WILD - Dresden

31.12.2010 | 10:31

26.12.2010, Messehalle

Ein Tag im FREI.WILD-Gehege! Krachen lassen!

"FREI.WILD hier – FREI.WILD dort!" So tönt es nicht nur im Song 'Freiwild' sondern auch im Rest der Republik. Viele putzten verwundert ihre Kontaktlinsen, als das "Gegengift" urplötzlich auf Platz 2 der Deutschen Albumcharts knallte. Who the fuck? Doch gerade die Band, die niemand kennt, hat 2010 wie kaum eine andere auf ganzer Linie abgeräumt. Dass damit natürlich die Stunde der Kritiker gekommen war und diese breitbeinig auf das Südtiroler Quartett einprügelten, hemmte den Erfolg nicht – im Gegenteil. Was nicht umbringt, macht einen stark. Schon die Festivals versprachen einen heißen Herbst, was mit der randvollen "Gegengift"-Tour auch in die Tat umgesetzt wurde. Doch die Zeit der Geschenke ist nun einmal Weihnachten und so schwangen sich Phil, Jonas, Zegga und Föhre auf ihren Tourschlitten um die Fans erneut zu beglücken. Während im Rest der Republik seit Wochen jeweils ein Ausverkauft-Schild die unartigen Fans zur Verzweiflung brachte, ging man in Dresden in die Vollen – Messehalle. 6.500 Fans kündigten sich an und bescherten sich und den heiligen vier Freiwildlern die größte Headliner-Show der Band-Historie.

Um 17 Uhr ist das Innere der riesigen Halle fast ausgestorben. Die Kisten mit Shirts, Schals (der Renner heute) und Pullovern liegen noch schläfrig am Stand, das Bier holt Luft für den Abend und die Toiletten sind abgeschlossen. Nur auf der Bühne bewegt sich was – und dieses Etwas trägt Hut. Kann also nur Frontmann Philipp sein, der gerade mit der Akustikklampfe 'Wahre Werte' durch das weite Rund trällert. Fein! Ab hinter die Bühne und ins Catering um die Weihnachtspfunde mit Kuchen und süßem Kaffee noch einmal in Wallung zu bringen. Im Nebenraum irritiert bereits jetzt schon eine große grüne Wand – what the fuck? Die Auflösung ist denkbar einfach. Da die heutige Show für die DVD aufgezeichnet wird, legt man noch ein wenig Arbeit oben drauf und führt ein ganz spezielles 3D-Fotoshooting durch. Hübsch lächeln – und klick! Nach getaner Arbeit geht es für uns erst einmal in die Halle, welche seit 18 Uhr eine Heimat für alle Frierenden ist. Also Kameramann (Thomas – nimm das Teil aus dem Auspuff!) und Mikro geschnappt und ab in die Menge, um die Fans ein wenig auszuquetschen. Dabei kommen ungeahnte Weihnachtslieder-Kenntnisse ans Tageslicht. Aber auch schon jede Menge Promille, sodass der heutige Abend sicherlich als feucht-fröhlich eingestuft werden kann.

Ab zum Catering und während RAVEN HENLEY die Meute zum Mitgrölen bewegen, gibt es heute lecker Rinderbraten, Hühnchen, Klöße und den ganzen anderen Spaß. Besonders das Tiramisu hat es den Mädels angetan. Während sich Phil und Co. für die heutige Show fit machen, geht es bei SERUM 114 vor der Bühne nun langsam richtig ab. Gitarreneinlagen inmitten des Pogos sieht man auch nicht alle Tage. Fett!

Doch irgendwann hat auch die beste Vorband Feierabend – der Zeiger schlägt 22 Uhr und 6.500 Fans machen kräftig Rabatz. Das Dach fliegt fast in die Luft, als die ruhige Mitsingmelodie von 'Hoch hinaus' aus den Boxen fließt. Fußball-Stimmung taucht Dresden in ein Meer aus Armen, Bierbechern und Handys. Mit "Wir sind wieder da..." schreien die Fans den letzten Staub von den Wänden und bescheren den Jungs einen wahnsinnigen Empfang. Da bleibt auch Philipp kurz der Atem stehen, bevor es mit der Band-Hymne 'Freiwild' energisch weiter rappelt. Bierbecher und sogar Leuchtstäbe (sind wir hier bei UNHEILIG?) fliegen durch die Luft, sodass man nur den Mund aufmachen muss, um etwas Gerstensaft zu erhaschen. "Wer ist überzeugter Sachse?" fragt Philipp und kündigt natürlich damit die Ode auf ihre Heimat an. Also – 'Südtirol' mitgrölen und ausflippen! Nach 'Niemand' bedankt sich Phil nun zum ersten Mal bei allen Menschen für diesen grandiosen Abend. Wirklich keiner konnte noch vor wenigen Monaten glauben, dass solch eine Show überhaupt möglich sein könnte. Er berichtet von den mehrfachen Locationwechseln – immer wieder wurde Ausverkauft gemeldet, bis man schließlich entschloss, den großen Schritt in die Messehalle zu wagen.

Wie man sieht, hat sich das Risiko ausgezahlt. Phil schnappt sich zum Dank die Akustik-Klampfe und schmettert mit 'Die Zeit vergeht' die erste Ballade durch die Messehalle. Von erhöhtem Standpunkt aus, ein wahnsinniger Anblick – ein Bild für die Götter. Dresden dreht nun kollektiv am Rad und singt "Oh, wie ist das schön." Doch 'Die Zeit vergeht' auch hier, aber 'Irgendwer steht dir zur Seite'. Geiler Song, auch wenn der Sound gerade im hinteren Teil der Halle etwas matschig ausfällt. Also vor in die wilde Meute – am besten nackt, denn so pogt es sich doch am einfachsten. Leider führt dies wie so oft zu Verletzungen, sodass das Rote Kreuz auch heute wieder kräftig am Arbeiten ist. Mit 'Mehr als 1000 Worte' besingt man wieder die Liebe, bevor Phil für 'Weil du mich nur verarscht hast' einige große Tanzlöcher sehen will. Denn nun ist Zeit für einen gepflegten Ska-Circle-Pogo. Was der Meister will, bekommt er auch, und so erlebt Dresden die wohl wildesten Tanzeinlagen seit vielen, vielen Jahren, während Phil gemütlich auf dem Barhocker Platz nimmt. Kult! Auf einem Barhocker trinkt es sich natürlich auch am Besten, daher folgt mit 'Brüderlein, zum Wohl' ein alter Trinkklassiker – nun sind die Schläuche wieder gut geölt, sodass 'Das Land der Vollidioten' von über 6.000 Fans lautstark und textsicher mitgegrölt werden kann. Das nenne ich Stimmung!

Mit 'Die Hölle schenkte uns das Licht' und 'Feuer, Erde, Wasser, Licht' endet der reguläre Teil explosiv. Während die Band die Bühne verlässt, ahnt der Schreiber dieser Zeilen noch nicht, was auf ihn zukommt. Denn Philipp hat heute was Besonderes vor und dirigiert den Jüngling erst zu sich und dann auf die Bühne: "Geh auf die Bühne und kündige eine Wall Of Death an." Öhm – okay! Also rauf auf die Bretter und in die Augen von 6.500 Fans gestarrt. Check, Check – Mikro funzt und nun die Sachsen zum Mauerbau anstacheln. Geht leichter als man denkt und schon glänzt ein hübsches großes Loch vor der Bühne. "Ich will euch schwitzen sehen, ihr Schweine!" und schon ist Mikrowechsel angesagt. Mit 'Sieger stehen da auf, wo Verlierer liegen bleiben' nutzen die Südtiroler die Vorarbeit und treiben die Fans zu einer fiesen Wall Of Death. Doch es geht auch nach dem Tod noch munter weiter und so blasen 'Halt deine Schnauze' und 'Rückgrat und Moral' zum Frontalangriff, bevor mit 'Alkohol' die letzte Runde ausgeschenkt wird. Prost!

Meine Herren – die kleine Rumpelkapelle (O-Ton Philipp) hat es geschafft und Dresden in Grund und Boden gerockt. Daher haben sich die Jungs ihr Feierabendbier redlich verdient und so wird bis zur Abfahrt in geselliger Runde bei Bier, MANOWAR und Babyfotos der fantastische Abend ausgechillt.

Besten Dank für die tollen Pix geht wie immer an Christin Kersten.

Setlist FREI.WILD
01. Hoch hinaus
02. Freiwild
03. Sie hat dir nen Arschtritt gegeben
04. Allein nach vorne
05. Südtirol
06. Niemand
07. Die Zeit vergeht
08. Irgendwer steht dir zur Seite
09. Mehr als 1000 Worte
10. Weiter immer Weiter
11. Weil du mich nur verarscht
12. Brüderlein, zum Wohl
13. Unser Wille, unser Weg
14. Das Land der Vollidioten
15. Stück für Stück
16. Die Hölle schenkte uns das Licht
17. Feuer, Erde, Wasser, Licht
- - - - -
18. Sieger stehen da auf, wo Verlierer liegen bleiben
19. Halt dein Schnauze
20. Rückgrat und Moral
21. Alkohol

Redakteur:
Enrico Ahlig

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