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FINNTROLL - Münster-Breitefeld

21.05.2005 | 12:34

07.05.2005, Live Arena

Schon wieder FINNTROLL! Juhu! Juhu? Auch wenn ich persönlich und momentan eher unter einer Humppa/Viking/Pagan/Folk-Übersättigung leide, so übte das schwedisch-finnische Package aus den Frickelpäpsten von AMORAL, der Blackie-Institution NAGLFAR mitsamt neu-altem Sänger und Basser sowie den stets präsenten FINNTROLL einen gewissen Reiz aus. Zwar sieht man gerade letztere irgendwie ständig auf den Bühnen dieser Welt herumhopsen, aber gerade der letztjährige Auftritt in der Live Arena war mir noch in überaus positiver Erinnerung.
AMORAL musste ich nach dem grandiosen Debüt unbedingt mal live erleben, und hinzu kam, dass es sich um das Abschlusskonzert der Tour handelte, was noch einige lustige Überraschungen auf der Bühne sorgen sollte. Hinein ins Vergnügen!
(Rouven)

Alter Finne! Da hatte Ben im Interview vor ein paar Monaten nicht zuviel versprochen: Das finnische Death-Metal-Quintett AMORAL klingt live noch besser als auf CD. Zwar war der Durchschnitts NAGLFAR- und FINNTROLL-Fan leicht überfordert mit dem am ehesten an DEATHs Spätphase erinnernden Sound. Dabei will ich nicht die Fans verunglimpfen, denn selbst für mich, der das Technical-Death-Meisterwerk "Wound Creations" mindestens zwanzig Mal gehört hat, war es schwer im Takt zu bangen. Dabei kann man ohne Umschweife sagen, dass AMORAL mehr Taktwechsel in einem Song hatten als NAGLFAR und FINNTROLL in ihren Sets zusammen! Während der eher schmächtige Niko die Live-Arena in Schutt und Asche brüllte, brillierte Ben mit einem genialen Solo nach dem anderen. Auch die restliche Band füllte jedes Soundloch und alles in allem tickten die Jungs wie ein Schweizer Uhrwerk. Dabei wurde ausschließlich auf das Material von "Wound Creations" zurückgegriffen. Absoluter Höhepunkt war dabei das knapp acht Minütige 'The Last Round'. Manch ein Hobbymusiker wird nach dem Gig wohl nie wieder sein Instrument freiwillig anfassen! Während Kollege Rouven ein bisschen Wischmopp gespielt hat, und während dem gesamten Set nonstop am Bangen war, versuchte ich das Ganze auch, aber nur im Takt (Vorsicht, Freundchen! Ich war immer on time ;-P - Rouven). (Ja, "on time" mir vor der Kameralinse ;-b - Carsten) Und ich muss euch sagen: Ich bin kläglich gescheitert. Das so viel Engagement und musikalische Expertise einen nicht einfach kalt lassen kann, muss ich wohl nicht erwähnen. Ich würde die Reaktionen nicht unbedingt unter der Kategorie "frenetischer Jubel" einordnen, aber das war definitiv mehr als der übliche Höflichkeitsapplaus. Hoffen wir auf die nächste Tour, und diesmal hoffentlich etwas weiter oben im Billing!
(Tolga)

Yeppa, dem gibt es herzlich wenig hinzuzufügen. Der Sound war im Großen und Ganzen in Ordnung, und über mangelnde Bühnenakrobatik will man ob der Komplexität und des Schwierigkeitsgrades der Mucke nicht wirklich meckern.
Sehr schön anzusehen, wie die blutjunge Truppe das anspruchsvolle Material auch auf der Bühne ohne merkliche Probleme umzusetzen vermag, und Spaß hatten die Jungs dabei auch noch. Drummer Juhana gewinnt im Übrigen den Coolness-Preis des Abends: Wer den ganzen Gig mit einer potthässlichen Sonnenbrille absolviert, der hat sie definitiv nicht mehr alle. Kasper! (Das scheint Mode in der Live Arena zu werden, siehe Arkhon Infaustus. - Carsten)
(Rouven)

Dann war ein wenig banges Warten angesagt. So sehr ich NAGLFAR auf Konserve mag und verehre (insbesondere "Vittra" wird auf ewig einen Ehrenplatz in meinem CD-Regal haben), so sehr haben sie mich live bisher enttäuscht. Und das mit einer geradezu beängstigenden Konstanz, die mich schon daran zweifeln ließ, ob ich eine der besten schwedischen BM-Truppen jemals angemessen live präsentiert bekommen würde. Der Weggang von Jens Rydén war im Vorfeld alles andere als ein gutes Omen, zeichnete sich doch die Musik der NAGLFAR-Recken nicht nur durch den hohen Melodieanteil aus, sondern vor allem auch durch Jensens einprägsames und variables Organ. Dazu noch der Bericht aus Berlin von Kollege Henri - die Vorzeichen hätten an diesem Abend nicht schlechter stehen können.
Um es kurz zu machen: Sämtliche Befürchtungen haben sich bestätigt. Mit Neu-"Fronter" Kristoffer und einem mageren Sound gesegnet war der Auftritt von NAGLFAR eine herbe bis bodenlose Enttäuschung. Am guten Songmaterial konnte selbst Herr Olivius mit seiner unterirdischen Performance nicht kratzen, jedoch brillierte der arg höhenlastige Sound nicht gerade mit Feinheiten oder Differenzierungen der einzelnen Instrumente. Wieder mal. Songs wie 'Emerging From Her Weepings' (Kristoffer macht sich heute zum Tourabschluss den Spaß, sämtliche Songs mit FINNTROLL-Songtiteln anzusagen) sind nach wie vor erste Sahne, aber was ist das bitte für ein Gesang? Fast schon kraftlos, absolut limitiert, nicht genügend Power für die ganz tiefe Abteilung, nicht genügend Eier für die geilen Screams wie Rydén? Scheint so. "Rob Halford für Arme" trifft leider voll und ganz zu, und der gute Mensch ist natürlich derart böse, dass sämtliche Ansagen gekrächzkreischt werden müssen. Gähn. "Sprich doch normal!" höre ich an diesem Abend nicht nur von mir. 'I Am Vengeance' veranlasst Kollege Carsten zu wilden Banganläufen, doch selbst der beinharte NAGLFAR-Verehrer vermag ob dieser Performance nur noch mit dem Kopf zu schütteln. "Als stünde da eine ganz andere Band auf der Bühne" ist der redaktionsinterne Konsens. Schade. Sehr schade. (Jepp, zumal ich die Erwartungen nach der legendären und sehr agilen Peformance von Ex-Shouter Jens beim vorjährigen WFF und UFTG sehr hoch gelegt hatte. Da kommt der zwar stets böse guckende, aber sich kaum bewegende Kristoffer einfach nicht ran. Er hätte lieber am Bass bleiben und einen ganz neuen Sänger einstellen sollen. - Carsten)
Neue Songs von der in Bälde erscheinenden "Pariah" gibt es im Übrigen auch zu hören. Wirklich begeistern können die aber nicht.
Absolutes Highlight ist dann der Stampfer 'The Brimstone Gate', bei dem zwei Jungs von AMORAL mit einem Pappwikingerschiff (!) über die Bühne gondeln. Alleine dieser Anblick war schon das Eintrittsgeld wert - und spätestens, als FINNTROLLs Wilska stilecht in schwarz und mit Handtuch über'm Arm ganz NAGLFAR eiskalte Drinks serviert, ist der Ärger über diesen Auftritt verflogen.
Im Übrigen sei noch angemerkt, dass die meisten der Anwesenden augenscheinlich auf ihre Kosten kamen. Vielleicht war's ja doch nicht so mies. Je nach dem, was man von NAGLFAR erwartet.
(Rouven)

FINNTROLL, wieder einmal. Das Problem ist nicht einmal, dass die Beklopptentruppe derart überpräsent auf der Bühne ist, sondern vielmehr, dass es seit dem letzten Auftritt vor gut einem Jahr kein neues Material gab. Und derart prall gefüllt ist der Backkatalog nun auch nicht ...
Egal, denn die fast rammelvolle Live Arena hatte mächtig Spaß. Ein einziges Pogen, Bangen, Hüpfen und Abfeiern der Trolle, ganz egal, zum wievielten Male nun vergrunzte Humppa-Perlen wie 'Jaktens Tid', 'Trollhammaren' oder 'Födosagan' erschallen. Die Band lässt sich feiern, und auch der neue Mann an den Tasten erweist sich als gute Ergänzung. NAGLFAR wollen sich artig für die servierten Drinks bedanken, und so machen zwei bis auf neckische Hotpants nackte Bandmitglieder die Bühne unsicher und versorgen die trollischen Recken mit Alkoholischem. Überhaupt geschahen gar komische Dinge während des Gigs, insbesondere die Roadies und AMORAL hatten ihren Spaß hinter den Kulissen, beispielsweise als immer wieder ein ferngesteuertes Auto über die Bühne flitzte und Wilska ärgerte. (Das war ein ferngesteuertes Vikinger-Schiff ;-) - Carsten)
Ansonsten gibt es recht wenig zu berichten - Business as usual eben, musikalisch tadellos dargeboten, vor allem auch mit einer gehörigen Portion Motivation seitens der Band und vor allem des Publikums. Tolle Stimmung!
Eigentlich wollte man FINNTROLL am liebsten gar nicht mehr von der Bühne lassen, aber auch diese Setlist hatte irgendwann mal ihr Ende gefunden - zum krönenden Abschluss der Tour versammelten sich allerdings nochmals fast alle Bands auf der Bühne und zockten spontan ein eher mäßiges Cover von STRYPERs 'Soldiers Under Command', stimmlich gut intoniert vom Tourmanager - das hätte bei den anwesenden Truppen wohl niemand erwartet. Lustige Sache. (Jo, vor allem der eine Gitarrist mit Spiderman-Maske und der abschließende Sprung des anderen Gitarristen in die Menge. - Carsten)
(Rouven)

Summa summarum ein sehr unterhaltsamer Abend mitsamt überragenden Höhen (AMORAL), enttäuschenden Tiefen (NAGLFAR) und zu erwartender Klasse (FINNTROLL) - gerne wieder, aber das nächste Mal bitte mit neuen Songs!
(Rouven)

Redakteur:
Carsten Praeg

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