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Eagles Of Death Metal - Berlin

11.03.2007 | 19:23

13.02.2007, Postbahnhof

Welche Band bringt reihenweise Mädchen dazu, kreischend in Ekstase zu fallen und ihre Unterwäsche auf die Bühne zu werfen? Die BACKSTREET BOYS? Weit gefehlt! Keine Geringeren als die EAGLES OF DEATH METAL sollen heute die Herzen der Damen zum Schmelzen bringen. Kein Wunder, dass der Berliner Postbahnhof wieder einmal restlos ausverkauft ist. Das exzessive Anpreisen dieses Events durch die lokalen Radiostationen hat sicher nicht unwesentlich dazu beigetragen.

Die KAMIKAZE QUEENS heizen den Saal mit einer Rock-'n'-Roll-Mischung an, die in der Bandbreite von punkig bis klassisch reicht. Als ich mir den ersten Gitarristen mit der Kamera vorknöpfe, muss ich erstmal stutzen: Das Gesicht kenne ich doch. In der Tat, im Januar stand Tom Schwoll mit seinem unverwechselbaren breiten Grinsen bei den SKEPTIKERN auf der Bühne, nun gerät er mir mit dieser Combo vor die Linse. Über Langeweile kann der Herr sicherlich nicht klagen. Erwähnenswert weiterhin ist Luscious Lloyd am Kontrabass. Nicht immer sattelfest versteht er es aber, die leichten spieltechnischen Defizite mit Posing und Instrumentenakrobatik auszugleichen. Die zwei stimmgewandten Damen am Mikrofon hören auf die Namen "Trinity Tarantula" und "Mad Kate". Zusammen geben sie dem Ganzen eine romantisch-rockige Note mit leichtem Tarantino-Einschlag. Adrett gekleidet - fast die gesamte Band ist im Matrosenlook - und tätowiert besingen sie in ihren Songs hauptsächlich (enttäuschte) Liebe und Knarren. Man nimmt den beiden sofort ab, dass sie aus Herzschmerz ein Blutbad anrichten würden.

Bevor es dazu kommt, lassen THE SPORES die Puppen tanzen. Sozusagen als Vorband der Vorband rockt erstmal ein Puppen-DJ mit einer Hardcore-Hip-Hop-Mischung den Saal. Ähnlich wie bei den PUPPETMASTAZ stehen bei THE SPORES die Puppen im Vordergrund, die Band wird fast zur Nebensache. Der gesamte Auftritt ist sehr liebevoll gestaltet. Lichtschläuche ranken sich an den Mikrofonständern entlang. Molly und Greg tragen beleuchtete Ringe an den Fingern. Ein simpler Effekt, der beim Spielen umwerfend aussieht. Die Musik bezeichnet die Band selbst als Electro-Stoner-Doom-Pop. Wenn man mich fragt, klingt sie wie eine aggressive Mischung aus SONIC YOUTH und DRESDEN DOLLS. Begleitet wird das Trio von einem Füllhorn elektronischer Loops, die aus der Feder von Gitarrist Greg stammen. Dazu singt Molly mit Engelsstimme 'Kill Yourself' - verstörend schön. Neben den Hits des aktuellen Albums "Imagine The Future" spielen THE SPORES eine sehr schöne Coverversion von 'The Sound Of Silence'.

Noch etwas paralysiert von den SPORES drängle ich mich an einem Roadie mit imposantem Schnauzbart vorbei. Moment, das ist doch Jesse Hughes! Der Frontmann der EAGLES OF DEATH METAL lässt es sich nicht nehmen, vor dem Konzert noch ein wenig mit den Damen im Publikum zu flirten und einige davon direkt in den Pulk aus "VIPs" und Fotografen zu delegieren, der am Bühnenrand herumlungert.

Als das letzte Kabel umgestöpselt ist, betritt die "schwulste Heteroband der Welt" schließlich die Bühne. Der Schnurrbartkult erlebt an diesem Abend einen kleinen Höhepunkt, nicht wenige Damen tragen ebenfalls eine Popelbremse im Gesicht. Das freut natürlich Herrn Hughes, der vor dem ersten Song nahezu alle Ladies in der ersten Reihe persönlich mit Umarmung und Küsschen begrüßt.

Schon bevor überhaupt ein Song gespielt wird, ist die Stimmung im Postbahnhof äußerst gut, hunderte Arme recken sich der Band, also hauptsächlich Jesse, entgegen. Als die EODM ihr Set mit 'Don't Speak' beginnen, schäumt die Stimmung quasi über, jede Beckenbewegung des Moustache-Kings wird gefeiert, während es auf der Brandung aus Händen kontinuierlich Crowdsurfer vor die Bühne spült. Die Band ist sichtlich beeindruckt und freut sich ebenfalls. Jesse verkündet schon nach zwei Songs, dass die Stimmung viel besser sei als auf den gerade absolvierten Konzerten in Norwegen. Die Meinungsumfrage "Do you have a good time? Girls say 'Yeah!', boys say 'Uuuh!'" schlägt leicht fehl. Entweder sind nur noch Damen im Saal, oder alle haben gerade einen riesengroßen Spaß.

Gespielt werden an dem Abend wirklich alle großen Hits der beiden EODM-Alben, trotz moderater Gesamtspielzeit kommen alle Fans auf ihre Kosten. Großartig ist das Posingrepertoire, das Jesse an den Tag legt. In jeder anderen Situation wären diese Bewegungen an der Grenze zur Peinlichkeit, auf der Bühne machen sie ihn zu einem Gott. Natürlich muss der göttliche Schnurrbart gepflegt werden, das wird stilecht mit einem Plastikkamm erledigt. Dieser kommt auch im Haupthaar zum Einsatz, wird letztendlich ins Publikum verschenkt und verlebt wahrscheinlich seinen Ruhestand als einziger Kamm der Welt auf einem Schnurrbart-Altar.

Um Mitternacht wird am Monitor-Mixer der Sekt geöffnet, und kurz darauf verkündet Jesse, dass nicht nur Valentinstag ist, nein es ist auch der Geburtstag des Sound-Technikers, der für den guten Klang auf der Bühne sorgt. Darauf muss natürlich angestoßen werden. Dazu gibt es ein Geburtstagsständchen des ganzen Saals. Wer kann schon behaupten, mit so vielen Leuten Geburtstag gefeiert zu haben ...

Der Abend vor dem Berlin-Konzert muss gut und alkoholgeschwängert gewesen sein: Die erste Zugabe widmet Jesse dem Berliner Club "White Trash", "weil man in dem Laden so verdammt viel Spaß haben kann". Sehr höflich ist auch die Frage "Would you allow us to play two more songs?". Natürlich wollen alle das, und so erklingt eine langsame, andächtige Version des '76er RAMONES-Klassikers 'Beat On The Brat', was mein RAMONES-Fanboy-Herz höher schlagen lässt und dafür sorgt, dass ich mich endgültig in die EAGLES OF DEATH METAL verliebe.

Diese Band ist das pure Vergnügen, ich habe auf einem Konzert lange nicht mehr so viel gelacht. Einziger Wermutstropfen ist die Abwesenheit Josh Hommes. Er ließ sich an den Drums vertreten, wahrscheinlich weil er wieder mit anderen Projekten beschäftigt ist. Vermutlich ist das besser so, beide Herren gleichzeitig auf einer Bühne wäre wohl eine Überdosis an Sexyness.


Setlist:

Don't Speak (I Came To Make A BANG!)
Kiss The Devil
Bad Dream Mama
I Like To Move In The Night

English Girl
Cherry Cola
Whorehoppin' (Shit, Gaddamn)
Already Dead
Stuck In The Metal
Flames Go Higher

I Want You So Hard (Boy's Bad News)
I Gotta Feelin (Just Nineteen)
I Only Want You
Speaking In Tounges

Midnight Creeper
New Rose
Beat The Brat
Brown Sugar

Redakteur:
Thomas Mellenthin

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