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EMPEROR (Livestream) - Notodden i Telemark

27.05.2021 | 16:54

23.05.2021, Notodden Teater

Die norwegische Black-Metal-Legende hat besondere Gäste geladen.

Hier und da entspannt sich die Pandemielage derzeit zwar ein wenig, doch nach wie vor kann man sich kaum vorstellen, demnächst wieder in einem Club oder einer Konzerthalle zu stehen, und live eine Band anzufeuern. Hoffen wir, dass das bald wieder möglich ist, doch derweil gibt es als Ersatzvergnügen glücklicherweise die eine oder andere Band, die zum Streaming Event per Internet einlädt.

Diese Idee fand auch in der norwegischen Telemark bei EMPEROR Anklang, dies wohl auch, um die in diesen Zeiten arg geschröpfte Kriegskasse etwas aufzubessern. Die Eintrittskarte kostete daher auch 19,- Euro -, was zwar auf den ersten Blick teuer erscheint, sich jedoch dadurch ein gutes Stück weit relativiert, dass der Fan wohl meist doch nicht so ganz alleine zu Hause am Bildschirm sitzt, sondern einen oder zwei Kumpels bei sich hat. Sicherlich dient das Event aber auch dazu, im Gespräch zu bleiben, und nicht zuletzt auch dazu, den Fans etwas Besonderes zu bieten.

So wurden bereits vor einigen Wochen zwei namhafte Gäste angekündigt und zwar ex-Drummer Bård 'Faust' Eithun (BLOOD TSUNAMI), der in der Vergangenheit immer mal wieder den einen oder anderen Gastauftritt mit EMPEROR spielte, speziell zum Jubiläum der "In The Nightside Eclipse", weitaus überraschender aber auch Original-Bassist Håvard 'Mortiis' Ellefsen (MORTIIS, VOND), der seinerseits nun zum ersten Mal seit 1992 den Proberaum und die Bühne mit seinen alten Weggefährten teilt.

So findet sich die gemischte Truppe nach einigen Rehearsals im bandeigenen Proberaum also an diesem Sonntagabend des 23. Mai 2021 vor einem hörbar kleinen Auditorium im heimischen Notodden Teater in der norwegischen Telemark ein, und wir, draußen in der Welt, schauen zu, wie zunächst die Band im aktuellen Line-up zu den Klängen des mystischen Intros der "In The Nightside Eclipse" die nebelige Bühne betritt.

Es ist also die heutige Band, die den Anfang macht, also namentlich Frontmann Ihsahn, Gitarrist Samoth, Drummer Trym, Bassist Secthdaemon und Keyboarder Jørgen Munkeby, und die Herren steigen mit 'In A Wordless Chamber' von der "Prometheus" direkt unerwartet und ungewohnt ein, denn diesen Song hat die Band seit vierzehn Jahren nicht mehr live gespielt. Dieser Einstieg ist selbstredend eindrucksvoll, denn wer die "Prometheus" kennt, der weiß, dass man deren Songmaterial nicht mal eben mit Links herunter spielt, handelt es sich doch um das komplexesten und technisch anspruchsvollste Werk der Band, das - irgendwie folgerichtig - auch deren kreativer Schwanengesang wurde.

Ihsahn führt das Auditorium durch den Set, macht Ansagen auf Norwegisch und auf Englisch, doch natürlich fehlt ein bisschen was, wenn die sonst bei Gigs der Band zu beobachtende eindrucksvolle Kulisse und auch das entsprechende Feedback des Publikums fehlen. Dennoch wird der Zuschauer durch die Musik, durch die Lichtshow und durch die Präsenz der Musiker in eine vernünftige Clubkonzertstimmung versetzt, und wann hat man EMPEROR schon mal mit gefühlt zwanzig Anwesenden aus der ersten Reihe vor sich. Eben!

Wollen wir daher nicht meckern und uns freuen, dass uns die Band ein wenig die Zeit vertreiben möchte, und so fordert Ihsahn die wenigen Leute in der Halle - wir gehen mal von Crew und Anhang aus, die man hier und da applaudieren hört - auch immer wieder dazu auf, wenigstens etwas Lärm zu machen, für die alten Leute zu Hause. Das funktioniert leidlich, aber unter Pandemiebedingungen ist in der Halle schlicht nicht mehr drin, und ein kleines Häuflein Norweger steht nun auch nicht im Ruf, so zu klingen, als wäre man beim Monsters of Rock in Rio de Janeiro.

Es folgt also im eher beschaulichen äußeren Ambiente ein beeindruckend tight gespielter und fein zusammengestellter Block mit vier Stücken von der "Anthems At The Welkin At Dusk", von denen mich vor allem 'The Loss And Curse Of Reverence' und 'Thus Spake The Nightspirit' abholen können, doch auch 'With Strength I Burn' bringt Ihsahn sehr intensiv herüber, der klar als Mainman agiert, während sich die weiteren Instrumentalisten in Sachen Bühnenperformance eher zurückhalten, doch das ist man - speziell von Samoth - ja durchaus gewohnt. Gleichwohl ist natürlich sein Gitarrenspiel makellos, genauso wie Tryms irrwitziges Drumming und auch die Performance von Secthdaemon (MYRKSKOG) und Jørgen Munkeby (unter anderem SHINING (NO)) an Bass und Tasten, wobei die Keyboard-Arrangements nicht jeden Song aufwerten, hier und da aber durchaus ein paar echte Kabinettstückchen zum Besten geben.

Nach dem Verklingen von 'With Strength I Burn' wird es dann erst einmal dunkel und das gespannte Publikum ahnt, was nun kommen wird, denn es erklingt das sinistre, unglaublich finstere Titelstück 'Ave Satani' von "Das Omen" vom Band, die Bühne versinkt in Rot, und als es langsam wieder etwas heller wird, erklingt eines der bekanntesten Riffs der Black-Metal-Geschichte, und das ist dieses Mal nicht von EMPEROR, sondern von Meister Quorthon höchstselbst. Für Faust und Mortiis quasi zum Warmwerden, die im Zweifel alle beide nicht ganz so geübt im instrumentalen Hochleistungssport sind, wie der Rest der Truppe, geben die Norweger eine wirklich großartige Coverversion von BATHORYs 'Call From The Grave' zum Besten, die Ihsahn speziell mit seinem Gesang sehr intensiv interpretiert.

Doch das ist es natürlich noch nicht gewesen für Mortiis und Faust, denn es soll auch noch ein Stück folgen, das beide anno dazumals auch mit der Band live gespielt und auf Tonträger gebannt haben, und zwar das Titelstück des legendären Demos "Wrath Of The Tyrant".

Was gibt es nun zu diesen groß angekündigten Gastauftritten der beiden alten Weggefährten zu sagen? Nun, zum einen ist es auf jeden Fall eine schöne Geste den beiden Musikern gegenüber, aber auch eine schöne Sache für die alten Fans, diese beiden nochmal mit EMPEROR auf einer Bühne zu sehen. Dass Mortiis im vollen Zwerg-Nase-Kostüm aufläuft, das man von ihm und seinen extravaganten Soloprojekten kennt, ist wenig überraschend, ein bisschen skurril, aber auch irgendwie cool. An seiner instrumentalen Leistung fällt auf, dass er am Bass doch eher gemächlich die Grundtöne mitzupft und die ganzen zwei Songs lang quasi permanent mit seinen Augen an Ihsahn klebt, um im Timing zu bleiben. Das wirkt schon ein bisschen unbeholfen, aber hey, darauf kommt's hier und jetzt nicht an, denn das, was er spielt, das spielt er richtig, und seine Präsenz verleiht dem ganzen Event auf jeden Fall eine ganz spezielle Note.

Fausts Performance hinter den Kesseln ist demgegenüber ein gutes Stück souveräner, denn immerhin macht er das bei BLOOD TSUNAMI ja auch noch, aber auch hier wird natürlich schnell klar, warum die neueren Stücke eben von Trym und Secthdaemon gezockt werden und warum eben nicht Faust und Mortiis das komplette Konzert mit EMPEROR spielen können, denn gerade bei den neueren Nummern bliebe da dann doch Einiges an verspielter Finesse auf der Strecke.

Deshalb ist es auch klar, dass im Anschluss an dieses Special zu Ehren alter Zeiten für das tolle 'Curse Ye All Men!' von der gerne mal etwas vernachlässigten Scheibe "IX Equilibrium" wieder die aktuelle Truppe die Bretter entert und uns dann auch noch eine tolle Version von 'Majesty Of The Nightsky' vor den Latz knallt.

Dann gibt es zur Einblendung von Landschaftsbildern aus der Telemark und brennenden Fackeln nochmals einen kleinen Positionswechsel, denn für einen kleinen Debüt-Block nimmt sodann nochmals Faust auf dem Drumhocker Platz und spielt mit den alten Kameraden den EMPEROR-Überhit 'I Am The Black Wizards' und den obligatorischen Schlusspunkt des regulären Sets, namentlich 'Inno A Satana', bevor zum Outro 'Opus A Satana' scheinbar das Ende des Konzerts erreicht ist.

Auch wenn keine Zugaberufe zu hören sind, lässt sich die Band dennoch eine selbige nicht nehmen, denn klar ist, die Leute im weltweiten Netz wollen schon noch mehr hören. Das aktuelle Line-up setzt also den Schlusspunkt mit 'Ye Entrancemperium', das nochmal sehr deutlich macht, welch großartige Songs EMPEROR in einer eher kurzen kreativen Karriere geschaffen hat.

Was bleibt am Ende? Nun, wenig Überraschendes: Dass EMPEROR einen musikalisch makellosen Gig spielt, versteht sich fast von selbst. Dass die Gastauftritte von Mortiis und Faust eher nostalgisches Feiern alter Zeiten sind, als eine Maßnahme zur Bereicherung des musikalischen Oeuvres, war auch ab initio schon klar; und wer ganz generell den Sinn von Livestream-Konzerten in Frage stellt, der wird auch von EMPEROR nicht bekehrt werden. Davon abgesehen, war es - so finde ich - ein schöner Abend mit EMPERORs nach wie vor unglaublich toller Musik, mit einer sehr coolen Setlist, einem erfreulichen Wiedersehen mit den alten Recken und dem guten Gefühl, die Band und die Musiker in diesen schwierigen Zeiten ein wenig unterstützen zu können. Für mich definitiv ein Abend, der mein Dasein als Black-Metal-Fan und EMPERER-Anhänger der fast ersten Stunde bereichert hat.

Setliste: In The Nightside Eclipse (Intro); In A Wordless Chamber; Thus Spake The Nightspirit; The Loss & Curse Of Reverence; The Acclamation Of Bonds; With Strength I Burn; Ave Satani - The Omen OST (Interludium); Call From The Grave (BATHORY-Cover) [feat. Mortiis & Faust]; Wrath Of The Tyrant [feat. Mortiis & Faust]; Curse Ye All Men!; The Majesty Of The Nightsky; I Am The Black Wizards [feat. Faust]; Inno A Satana [feat. Faust]; Opus A Satana (Outro) - Ye, Entrancemperium; The Wanderer (Outro).

 

All photos by Bjørn Tore Moen, used by permission.

Alle Bilder von Bjørn Tore Moen, mit freundlicher Genehmigung.

Redakteur:
Rüdiger Stehle

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