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EDGUY / BRAINSTORM - Stuttgart

31.05.2004 | 10:12

27.04.2004, Longhorn / LKA

Im Vorfeld der Veröffentlichung von "Hellfire Club" gab es aufgrund der Auftritte bei der "Pro Sieben Chartshow" bzw. bei "Top Of The Pops" jede Menge Diskussionen. Viele Metalheads warfen der Band vor sich zu sehr dem Kommerz hinzugeben und wollten EDGUY den Rücken zukehren. Allzu viele waren es dann wohl doch nicht, zumindest war das Longhorn in Stuttgart am heutigen Abend rappelvoll.

Den Anfang machen die Schweden NOCTURNAL RITES, die bereits mit Alben wie "Shadowland" oder der letzen Scheibe "New World Messiah" überdurchschnittliche Werke veröffentlicht haben. Das Hauptaugenmerk richtet sich auf Sänger Jonny Lindkvist. Mit blonder Löwenmähne und in seinem strahlend weißen Unterhemd, gibt er trotz des widrigen Sounds sein Bestes. Überhaupt war das Quintett sehr engagiert und bemüht dem Publikum einen Querschnitt ihres Schaffens in nur 30 Minuten zu vermitteln. Das Publikum nimmt das dargebotene Material dankbar an und steigt sogar auf kleine Mitsingspielchen ein. Ein guter, wenn auch kurzer, Gig!

Setliste NOCTURNAL RITES:
New World Messiah
Eternity Holds
Against The World
Shadowland
Iron Force
Afterlife

Die Jungs von BRAINSTORM haben quasi ein Heimspiel und Sänger Andy B. Frank ist mehr als happy mal wieder in der Schwabenmetropole abzurocken. Die Freude war auch beim Publikum sehr groß und es hat den Anschein, dass sehr viele nur wegen BRAINSTORM gekommen sind. Ich habe die Jungs das erste Mal im letzten Jahr auf dem "Bang Your Head-Festival" in Balingen livehaftig erlebt und war begeistert. Nach dem Erklingen der ersten Töne des Intros und dem Einmarsch der Band entpuppt sich das Longhorn als Tollhaus. So frenetisch wurde hier wohl noch keine Supportband empfangen. Dieser Empfang treibt den Musikern ein Grinsen ins Gesicht und verschafft mir gar eine kleine Gänsehaut. Andy B. Frank zählt für mich momentan zu den besten und charismatischsten Sänger in Deutschland. Er ackert wie ein Pferd und turnt agil über die Bühne wie kein Anderer. In den folgenden 45 Minuten brennen BRAINSTORM ein Feuerwerk in Form von 'Shiva's Tears', 'Highs Without Lows' oder 'Amarillo' ab. Dieser Auftritt erweckt nicht nur in mir das Verlangen nach einer Headliner-Tour. Selbst nachdem die Jungs die Bühne verlassen haben, reißt die Stimmung nicht ab und hartnäckig wird eine Zugabe gefordert. Diese wird Ihnen dann auch zugestanden und BRAINSTORM beenden mit 'Tear Down The Wall' ihren Auftritt, der als voller Erfolg gewertet werden kann.

Setliste BRAINSTORM:
Intro
Shiva's Tears
Blind Suffering
Doorway To Survive
Hollow Hideaway
Fornever
The Leading
Highs Without Lows
Under Lights
Amarillo
--------
Tear Down The Wall

Tatsächlich machen sich nach dem Auftritt ein paar Leute auf den Heimweg, womit ich eigentlich nicht gerechnet hätte. Bravo-Popper oder andere Kiddies sind - anders wie von vielen befürchtet - nur sporadisch anwesend, so dass jeder gestandene Metaller von allem Bösen verschont blieb. Nach der Einleitung 'Welcome To The Freakshow' wird Tobias Sammet und seinen Mannen ein standesgemäßer Empfang bereitet. Die Bühnenkulisse bietet auch einiges fürs Auge. Über dem Schlagzeug thront ein großer roter Dämon, dessen Augen bedrohlich leuchten. Frontmann Tobi ist ja als Quasseltante bestens bekannt, hält sich jedoch überraschenderweise zu Beginn der Show etwas zurück und beschränkt sich nur auf kurze Ansagen. Der Einstieg mit 'Under The Moon', 'Mysteria' und 'Navigator' steht ganz im Zeichen der letzten Scheibe "Hellfire Club". Der kleine Frontmann sprintet über die gesamte Bühne und nutzt jeden Zentimeter. Seine Mitstreiter stellen ihre Performance ganz in den Dienst der Musik und posen nur hin und wieder.

Bei 'Land Of The Miracle' war dann erstmal eine kurze Verschnaufpause angebracht und das Publikum durfte die Feuerzeuge gen Hallendecke richten. Ein Chor aus 1500 Kehlen sorgt erneut für Gänsehautfeeling. Von nun an war Feiern angesagt und Stücke wie 'Lavatory Love Machine', 'Headless Game' oder 'Vain Glory Opera' bieten sich hierfür geradezu an. Lediglich das meiner Meinung nach überflüssige Schlagzeugsolo unterbricht die Party für kurze Zeit. Dass sich Tobi auch hin und wieder gerne in die Nesseln setzt, beweist er mit seinem kleinen verbalen Seitenhieb an die VfB-Fans, der mit einem gellenden Pfeifkonzert beantwortet wird. Tja, als Bayern-Fan hat man es wohl überall außerhalb des Weißwurstäquators schwer.
Der Höhepunkt des Abends leitet zugleich das Ende des eigentlichen Sets ein. Die Übernummer 'The Piper Never Dies' erweist sich auch live - dank eines Ghost-Keyboarders - als umsetzbar und krönt einen genialen Abend. Das folgende 'King Of Fools' entlockt den Fans dann noch einmal die letzten Kräfte und das Longhorn verwandelt sich in eine Hüpfburg. Danach war vorerst einmal Schluss und EDGUY verlassen erstmals die Bühne. Die Zugaberufe waren nicht weniger laut als zuvor bei BRAINSTORM und holen schon nach kurzer Zeit die Band zurück ins Rampenlicht.

Im Finale präsentiert man dann noch 'Challice Of Agony' sowie 'Tears Of The Mandrake', ehe nach 'Out Of Control' Feierabend ist. EDGUY sind seit eh und je eine geniale Liveband, der heutige Abend zeigte wider Erwarten, dass eine Steigerung tatsächlich noch möglich war. EDGUY sind für mich die legitimen Nachfolger von HELLOWEEN! In Sachen Power und Ausstrahlung dürfen sich die Kürbisse gerne jetzt schon eine Scheibe abschneiden. Kurz und knapp: ENDGEIL!

Setliste EDGUY:
Intro
Under The Moon
Mysteria
Navigator
Land Of The Miracle
Lavatory Love Machine
Headless Game
Drum Solo
Fallen Angels
Vain Glory Opera
The Piper Never Dies
King Of Fools
---------
Avantasia Intro
Challice Of Agony
Tears Of The Mandrake
---------
Out Of Control

Redakteur:
Frank Hameister

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