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Dimmu Borgir / Hypocrisy - Stuttgart

21.11.2003 | 05:58

18.10.2003, LKA Longhorn

Um es mal ganz banal auszudrücken: Wer sich ein so geiles Package, bestehend aus DIMMU BORGIR und HYPOCRISY (als Teaser befinden sich außerdem noch NORTHER im Gepäck), durch die Lappen gehen lässt, ist schlichtweg selber schuld. Symphonische Schwarzmetall-Apokalypse und 1A-Schwedentod auf einen Streich, das lassen sich viele Schwerstmusikfans am Abend des 18. Oktober nicht zweimal sagen – das LKA Stuttgart stöhnt geradezu vor massivem Menschenandrang, eine meterlange Schlange (mehr oder weniger) geduldig Wartender säumt Treppe und Straße vor der Konzerthalle. Und mittendrin meine Wenigkeit… .

Als mich die sich träge vorwärts bewegende Kolonne endlich im Eingangsbereich des LKA wieder ausspuckt, sind NORTHER bereits kurz davor, ihren Gig zu beschließen. Und dabei ist es gerade mal zehn Minuten nach regulärem Konzert-Startschuss! Nur noch wenige Klänge der finnischen Melodic Deathster klingen an mein Ohr, gehen größtenteils aber im Stimmengewirr der um mich befindlichen Leute unter. Das allererste Mal in meiner LKA-Karriere, dass eine Band verfrüht ihren Set beginnt. Tja, schade, aber kann man nichts machen. NORTHER muss ich mir wohl ein andermal zu Gemüte führen.

HYPOCRISY betreten vor wogenden Menschenmassen die bereits im DIMMU BORGIR-Stil mit Totenköpfen, Kreuzen und ähnlich finsterem Beiwerk dekorierte Bühne und steigen mit 'Roswell 47' flüssig in ihr Programm ein. Peter wirkt fit und relaxt – die obligatorischen Augenringe sind auf ein Minimum reduziert – und macht seinem Ruf als Sympathiebolzen wieder alle Ehre. Kleine Schwätzchen mit dem Publikum fehlen ebenso wenig wie kurze Songankündigungen. Das Publikum reagiert erfreut und mattenschwing-begeistert, trotzdem wirkt die Stimmung allgemein anfangs irgendwie gehemmt. Richtig packt es die Leute erstmals beim hymnischen 'Apocalypse', immer wieder Gänsehautgarant. Summa summarum kommt Album "Abducted" mit ganzen drei Songs (neben 'Roswell 47' noch 'Killing Art' und 'Buried') am stärksten zum Zuge, ansonsten bieten HYPOCRISY einen ausgewogenen Querschnitt fast durch ihren gesamten Backkatalog – und auch ein funkelniegelnagelneues Stück des im kommenden Frühling erscheinenden Neuwerks "The Arrival" ist dabei: 'Eraser' erinnert frappierend an "The Final Chapter"- und "Fourth Dimension"-Zeiten, starker Brecher! Da kann der März kommen… .
Mit Band-Hymne 'Fractured Millennium' beschließen HYPOCRISY unter lautem Applaus ihren Set und verabschieden sich artig vom Publikum. Und auch, wenn die Meute vor der Bühne im Verlauf der knappen Stunde sowohl Lautstärke als auch Bewegungsdrang stetig hochschrauben konnte – von euphorisch war man doch noch einige Stufen auf der Richterskala entfernt. Das hat man schon wesentlich besser gesehen. Aber trotzdem: Klasse Gig!

Setlist HYPOCRISY:

Roswell 47
Killing Art
Apocalypse
Pleasure Of Molestation
Destroyed
The Final Chapter
Fire In The Sky
Buried
Eraser
Fractured Millennium

Ein kleines bisschen Horrorshow mit DIMMU BORGIR: Wie soeben ihrem aktuellen Videoclip zu 'Progenies Of The Great Apocalypse' entstiegen erstürmen Shagrath, Silenoz, Galder, Vortex, Mustis und Nick Barker frisch gepudert und bemalt nach angemessener Umbaupause zu düsteren Intro-Klängen die Bühne und knallen ihren Jüngern anschließend gleich das neue, gnadenlose 'Lepers Among Us' der Erfolgsscheibe "Death Cult Armageddon" um die Ohren. Das LKA verwandelt sich innerhalb kürzester Zeit unter bedenklichem Temperaturanstieg in eine apokalyptische Tropfsteinhöhle voller bizarrer Gesalten: Vor der Bühne drängen die großteils geschminkten, mit Nieten behangenen "bösen" BM-Fans und gotisch ausstaffierte junge Damen immer heftiger nach vorne, während DIMMU BORGIR oben auf den Brettern ihre Show abziehen. Galder scheint das fiese Grinsen praktisch erfunden zu haben und geifert böse stierend in die Runde, Silenoz (im schicken Satanskreuz-Shirt) bangt sich die Halswirbel wund, Vortex wirbelt seinen Bass durch die Gegend und Mustis thront ehrwürdig auf erhöhtem Podest hinter seinem schwarz-samtig verhangenen Keyboard, während Mr. Barker sein Drumkit nach allen Regeln der Kunst mit einem Affenzahn verdrischt. Und mittendrin, theatralisch-diabolisch, Shagrath, der die Aufmerksamkeit des Publikums sichtlich genießt und Growl um Growl, Kreischer um Kreischer Richtung Menge abfeuert. Kurz unterbrochen von 'In Death's Embrace' des Durchbruchsalbums "Enthroned Darkness Triumphant" geht's Schlag auf Schlag weiter mit neuen Krachern, 'Cataklysm Children' und das treibende, rein norwegisch verfasste 'Vresdebyrd' zelebrieren aggressiv und heftig den BORGIR'schen Todeskult und heizen die Stimmung mächtig auf, sowohl on stage als auch in den schwitzenden Menschenreihen zu Füßen der Band. Am Sound gibt es ebensowenig zu meckern wie an der effektvollen Lightshow, die die drohende Atmosphäre bestens unterstreicht. Wären kleine Kinder unter den Zuschauern gewesen (was ich bei der Hitze und Enge mal nicht hoffen will), Albträume in Konsequenz hätten sich sicher eingestellt... .
Eines seiner Highlights erlebt das Konzert mit dem Anstimmen der aktuellen Düsterhymne 'Progenies Of The Great Apocalypse', das zwar nicht ganz so gänsehautig wie auf Platte rüberkommt – wie auch, ohner Prager Philharmonie Orchester, "nur" mit Keyboards veredelt – trotzdem bemerkt man sofort die lauter werdenen Fans und verstärkt fliegenden Matten in der Menge.
Bis zum sich neigenden Konzertende hin bleibt der Stimmungspegel relativ konstant in oberen Gefilden, auch, wenn sich zeitweise Längen einschleichen – irgendwann ist eben auch mal der tiefschwärzeste Flair, das böseste Stageacting und der effektvollste Düstermetall-Effekt ausgeschöpft und wiederholt sich. Ein weiteres Klimax gibt's aber noch, und zwar zum fulminanten Finale, das DIMMU BORGIR zugabetechnisch mit 'Mournig Palace' bestreiten. Da jubelt das schwarze Volk nochmal gleich doppelt so laut.
Nach insgesamt 14 Songs und gut 100 Minuten Spielzeit kehren DIMMU BORGIR in ihre Backstage-Gemächer zurück und hinterlassen ein rundum zufriedenes LKA.
Resummee: Was orchestral-symphonischen Black Metal angeht, macht diesen norwegischen Jungs heutzutage keiner was vor, weder auf Platte noch live. Da können Neider noch so oft von Kommerz und Ausverkauf schwafeln. Im Nachhinein betrachtet hätte der Mitgehfaktor des Publikums zwar – wie auch schon bei HYPOCRISY – etwas höher sein können, trotzdem sollte das DIMMU BORGIR wenig ärgern. Volles Haus hatten sie nichtsdestotrotz, und dem haben sie auch ordentlich was geboten. "Dunkle Burg" live – uneingeschränkt empfehlenswert.

Setlist DIMMU BORGIR:

Intro
Lepers Among Us
In Death's Embrace
Cataclysm Children
Vredesbyrd
Kings Of The Carnival Creation
Unorthodox Manifesto
Progenies Of the Great Apocalypse
IndoctriNation
The Blazing Monoliths Of Defiance
The Insight And The Catharsis
Spellbound
Raabjørn Speiler Draugheimens Skodde
Stormblast
Mourning Palace

Redakteur:
Kathy Schütte

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