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Deine Lakaien - Dresden

04.03.2011 | 08:49

18.02.2011, Alter Schlachthof

DEINE LAKAEIEN und REINALD GREBE zur selben Zeit. Geht das denn?

In diesem Winter scheint es gefühlsmäßig keinen Konzertabend zu geben, an dem normale Witterungsbedingungen herrschen. Entweder muss man sich durch meterhohen Schnee kämpfen oder sich mit Blitzeis herumärgern. Dabei fehlte bis heute dichter Nebel mit Schneegriesel. Also geht’s sehr gemächlich nach Dresden, da man die Hand vor Augen kaum sieht. Zum Glück wird es mit Erreichen der Stadt langsam besser und so ist die Ankunft fast noch pünktlich.

Auf der Indicator-Tour ist als Vorband wieder die lettische Künstlerin VIC ANSELMO dabei. Als wir eintreffen, neigt sich ihr Auftritt gerade dem Ende entgegen. Das ist sehr bedauerlich, denn ich hätte ihn mir gern richtig und in Ruhe angeschaut. Allerdings ist der Ton sehr leise, so dass man im Vorraum fast nicht mitbekommt, dass drin jemand spielt. Und wie könnte es anders sein, gibt es auch hier wieder etliche Anwesende, die sich lautstark unterhalten und den Fans die Stimmung vermiesen. Das noch Gehörte von ihr klingt interessant, wirkt aber ein wenig deplatziert für diese große Halle. Im kleineren Rahmen ist das sicher spannender und besser zu genießen. Entsprechend verhalten fällt am Ende der Applaus des Publikums aus.

Fast pünktlich um 21 Uhr geht das Licht aus und die Zuschauer klatschen die Band herbei. Die Halle ist gut gefüllt aber nicht übermäßig voll, so dass man relativ leicht in die vorderen Reihen kommt. Als erster tritt Ernst Horn vor die Fans, startet den Rechner und richtet sich seinen "Arbeitsplatz" ein. Kurz darauf erscheinen Gitarrist Robert Wilcocks, Cellist Tobias B. Deutung und Geigerin Yvonne Fechner. Die ersten Töne von 'On Your Stage Again' erklingen und erst mit dem einsetzenden Gesang lässt sich Alexander Veljanov auf der Bühne blicken. Die Menge begrüßt ihn freudig und schon kann das DEINE LAKAIEN-Konzert beginnen.

Nachdem die letzten Töne des Openers verklungen sind, wird lange applaudiert und Herr Veljanov begrüßt die Besucher in Dresden. Bereits jetzt spürt man, dass die Herrschaften gut gelaunt sind und sich auf den Auftritt freuen. Doch bevor die Songs des neuen Albums "Indicator" ausgiebig vorgestellt werden, gibt es mit 'Over And Done' und 'Fighting The Green' einen kleinen Ausflug in vergangene Tage. Die Anhänger freut es, diese Stücke wieder einmal live hören zu können. Danach verabschiedet der Sänger freundlich die anwesenden Fotografen und wünscht ihnen einen schönen Feierabend. Das ist ja mal wirklich nett.

Immer wieder sucht er die Nähe zum Publikum und erinnert. Damit verschafft er sich selbstredend auch etwas Luft, bevor es weiter geht. Mit dem Spruch: "Nach dem Gequäke brauche ich erst einmal ein wenig Luft.", beschreibt er die Situation vortrefflich und dass er nicht alles so ernst nimmt, macht ihn umso sympathischer. Zugegeben ich war ein paar Jahre nicht mehr auf einem DEINE LAKAIEN-Konzert. Da hat mich diese leichte und heitere Art des Sängers sehr positiv überrascht. Früher wirkte er immer so unnahbar. Diese Zeit scheint vorbei zu sein. Des Öfteren sitzt ihm sogar der Schalk im Nacken. Ob das daran liegt, dass REINALD GREBE ein paar Häuser weiter zeitgleich auftritt?

Wie dem auch sein, die Band beweist heute wieder sehr eindrucksvoll, dass sie wahre Meister sind und jeder Handgriff perfekt sitzt. Vor allem die neuen, unbekannteren Songs sind gut arrangiert und werden von den Fans mit viel Applaus bedacht. So erklingen neben der aktuellen Single 'One Night' beispielsweise 'Blue Heart' und 'Immigrant'. Nun zeigt sich auch wieder die ernstere Seite dieser Band und Alexander Veljanov bezieht klare Stellung zu den aktuellen Geschehnissen in der Stadt. Ein Highlight ist 'Europe', das mit französischem Text erst einmal ungewohnt, aber sehr toll klingt. Mit 'Return' neigt sich das reguläre Set nach gut anderthalb Stunden dem Ende entgegen.

Die Musiker verlassen die Bühne und die Fans bedanken sich für ein sehr schönes Konzert. Und wie sollte es anders sein, wird nach mehr gerufen. Es dauert nicht lange, bis es mit dem Klassiker 'Mindmachine' weitergeht, wobei nun besonders gut die Stimme von Geigerin Yvonne zu vernehmen ist. Erneut wird in der musikalischen Schatztruhe gekramt und so gibt es mit 'Overpaid' und 'Through The Hall' zwei weitere Klassiker auf die Ohren. Die Besucher freut es und so entlädt sich ein wahrer Begeisterungssturm am Ende des ersten Zugabeblocks.

Wieder wird laut "Zugabe!" gerufen und dieses Mal lassen sich die Künstler etwas länger feiern bevor es weitergeht. 'Colour-Ize' erklingt nun, das toll interpretiert wird. Mit einer avantgardistischen Version von 'Reincarnation' werden ein letztes Mal alle Register gezogen, und Ernst Horn kann sich vortrefflich der Soundtüftelei hingeben. Frenetisch wird dieses Lied gefeiert und die Band verabschiedet sich vom Publikum. Das feiert und klatscht noch einmal ordentlich laut und die Stimmung ist prächtig. Da das Licht noch nicht angeht, besteht Hoffnung auf einen weiteren Song. Schließlich gab es beim vergangenen Konzert in Leipzig mit 'Along Our Road' eine weitere Zugabe.

Daraus wird heute leider nichts, denn nach einigen Minuten geht das Licht an. Keine Ahnung, warum die Zugabe nicht gespielt wird, an der Stimmung und am Publikum kann es jedenfalls nicht gelegen haben. Das trübt den Konzertabend jedoch nur wenig, denn das Dargebotene überzeugt wie immer sehr gut. Natürlich fehlen ein paar Klassiker, aber bei gut 25 Bandjahren kann nicht jedes Lied gespielt werden. Alles in allem war das ein sehr schöner Abend mit einem ungewohnt redseligen Alexander Veljanov. Da die Band beim Wave-Gotik-Treffen in Leipzig wieder in der Nähe ist, wird es mit einem erneuten Konzertbesuch auch nicht wieder Jahre dauern.

Redakteur:
Swen Reuter

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