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Das Brett - Nürtingen

24.02.2005 | 05:55

12.02.2005, Club Kuckucksei

Ist es nicht was Schönes, an einem Samstag Abend auf ein kleines Clubkonzert zu gehen und sich von mehr oder weniger bekannten Underground-Bands überraschen zu lassen? Das Nürtinger Kuckucksei ist so ein Club, in dem alle paar Monate unter dem Motto "Das Brett - Die Metalmanifestation" verschiedene kleinere Metalbands eingeladen werden. In der kultigen Atmosphäre des ehemaligen Kutschenhauses gibt es auch fast alles, was des Metallers Herz begehrt: Gutes Bier, warmes Essen, faire Eintrittspreise und laute Musik. Da drückt man schon mal ein Auge zu, wenn es um die Frage nach der Qualität der Anlage geht - die mit Sicherheit nicht die Beste, aber ausreichend.
Doch nun zum Abend selbst: Eingeladen waren diesmal die Lokalmatadoren PSYCH.E.DELIC aus dem benachbarten Wendlingen und FIREREIGN aus Esslingen (Nürtingen gehört zum Landkreis Esslingen) und LANFEAR aus Heilbronn, die Headliner der Veranstaltung.

PSYCH.E.DELIC
Den Anfang machten PSYCH.E.DELIC mit ihrem progressiven Trash Metal. Aber das Klangbild wurde wider Erwarten nicht nur von wildem Geprügel beherrscht, sondern enthielt auch groovige und melodiösere Parts. Zwar fanden sich schnell einige Leute vor der Bühne ein, doch die mussten natürlich erst mal von der Aufwärmphase in die Abgehstimmung überführt werden - eine verantwortungsvolle, schwierige Aufgabe, die immer dem Eröffner der Abends zufällt. Und so war es nicht verwunderlich, dass die anfänglichen Publikumsreaktionen nicht gerade euphorisch ausfielen. Und auch die Band legte ein eher müdes, unerfahren wirkendes Stageacting hin. Als dann jedoch zur Zugabe die Klänge von 'Master Of Puppets' ertönten, schien die ganze Bude plötzlich aufzuwachen. Vor der Bühne flogen die Haare und es wurde kräftig mitgegrölt. Auch auf der Bühne veränderte sich das Bild schlagartig:Vor allem Basser Bernard "Burny" Lecker war die Spielfreude nun richtig anzusehen, woran Veranstalter Kjell Kaup wohl nicht ganz unschuldig war, der in der ersten Reihe kräftig bangend anfeuerte. Vielleicht sollte der jetzt immer als hauptamtlicher Bandanimateur mitreisen, um das werdende Stageacting zu unterstützen.

FIREREIGN
Firereign hatten es da schon leichter. Zum einen weil die Leute nun schon ein wenig angeheizt waren, aber auch, weil sie einen ganz anderen Musikstil mitbrachten. Auf mitreißenden Party-Metal lässt sich halt doch leichter abgehen als auf progressiven Trash. Aber nicht, dass die Band keine Leistung gebracht hätte um den Bär zum tanzen zu bringen - eher im Gegenteil: Wildes Rumgewetze von einem Ende der Bühne zum anderen und ein bisschen Rumgepose machten den Auftritt zu einem Hingucker. Man merkte einfach, dass die Jungs Spaß dran hatten da oben zu stehen. Der Spaß ging natürlich auch auf die Leute über, die sich mit Headbangen und Mitgrölen gut zu amüsieren schienen.
Doch nun mal Spaß beiseite und noch ein paar Worte zur musikalischen Gestaltung des Gigs: Los ging es mit 'Behind The Light' und 'Army Of Death' bei denen bereits der variable Stimmeinsatz von Sänger Christian Schäfer deutlich wurde - mal rotzig-fies, mal clear - und immer mal wieder mit Backgroundchor hinterlegt. Vor allem 'Army Of Death' - mein persönlicher Favorit - hat mit seinem Marschrhythmus eindeutigen Ohrwurmcharakter. Diese beiden Songs sind auch auf dem Firereign-Demo zu finden, das für wenig Geld (meines Wissens nach lediglich 2 Euronen) käuflich zu erwerben ist, wofür via "Gesabbel" (Zitat Setlist) Werbung gemacht wurde.
Nach dem achten Song, der bereits die Zugabe darstellte, war dann auch schon Schluss, und selbst großes Geschrei und Gejammer konnten Fabian Bickel (Drums) nicht dazu bewegen sein Becken wieder draufzuschrauben.

LANFEAR
Nun war es endlich Headlinerzeit, die sich mit einem Telefonklingeln (Intro vom Band) ankündigte.
Die fünf Jungs von LANFEAR enterten die Bühne und legten los. Und zwar mit den ersten vier Songs vom brandneuen Album "Another Golden Rage", von dem auch im Laufe des Sets noch weitere Stücke zum Besten gegeben wurden. Schade nur, dass die meisten der Anwesenden diesen neuen Silberling noch nicht ihr Eigen nennen konnten, was ja auch nicht verwunderlich ist, wenn man das VÖ-Datum (24.01.05) beachtet. Dementsprechend fielen aber auch die Publikumsreaktionen aus - man muss sich halt doch immer erst ein wenig reinfinden, bis man richtig drauf abgehen kann. Aber ich denke zu diesem Zweck werden sicher einige noch an diesem Abend den Geldbeutel am Merchandise gezückt haben.
Anschließend kamen dann die Besitzer der Vorgängerscheibe "The Art Effect" in den Genuss zu Songs wie 'Stigmatized' oder 'The Fortune Lies Within' abzurocken, was diese nun auch reichlich taten. Aber auch von den Opas unter den Lanfear-Scheiben waren zwei Songs mit von der Partie: 'Time's Dark Laughter' von der "Towers Of February" und 'Zero Poems' von der gleichnahmigen CD, die - wenn ich die Zahlen (1999/2003) richtig interpretiere - im Jahr 2003 noch einmal neu veröffentlicht wurde. Unter den vielen Zugaben fand sich sogar ein Cover, und zwar 'Roll The Fire' von CONCEPTION, einer Norwegischen Metalband [die ehemalige Spielwiese von KAMELOTs Roy Khan und Frickelhengst Tore Østby - Anm. d. Lektors]
Alles in allem also ein wirklich guter Auftritt, möchte man meinen, wenn nicht Fortuna, das liebe Glück, ein wenig verrückt gespielt hätte: Zum einen wurde es im Laufe des Gigs immer leerer, was wohl nicht an LANFEAR sondern an der fortgeschrittenen Uhrzeit gelegen haben wird, da auch das Durchschnittsalter des Publikums immer höher wurde. Und zum anderen machte den Musikern die - wie am Anfang schon bemerkt - nicht berauschende Qualität der Anlage zu schaffen. Vor allem Sänger Tobias "Neo" Althammer hatte mit seiner um einiges anspruchsvolleren Gesangslinie als die von PSYCH.E.DELIC oder FIREREIGN zu kämpfen. Gerade in den höheren Lagen sagte die typische Ohrpopelgeste eindeutig: "Ich kann mich nicht hören!" - und was dann rauskam klang unsicher und schief. Aber nicht, dass das ganze Konzert schräg gewesen wäre, vor allem die älteren Songs haben sich wohl schon so eingeprägt, dass Neo sie auch taub singen kann.

Fazit also: Gutes Konzert unter schlechten Bedingungen - sie haben ihr Bestes gegeben und wir hatten unseren Spaß! Was will man mehr? Toller Abend!

Setlist:

Another Golden Rage
The Unrestrained
Dispraise
Transmigration
Stigmatised
Deeper
Beneath It All
Fortune
V.o.a.t.
The Spell
Zero Poems
The Voice Within
In Silence
------------------------------
Eclipse
Shades Of Black
Roll The Fire
Time's Dark Laughter
------------------------------
What...for?

Redakteur:
Ulrike Weihrauch

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