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DEAD SWANS - Bochum

16.12.2010 | 23:39

13.12.2010, Matrix

Nur Bochum oder doch London? Diese Frage stellt sich, wenn man die Publikumsreaktionen bei der britischen Hardcore-Band DEAD SWANS sieht. Mehr ging noch nie bei ihr.

Die DEAD SWANS hatten bisher etwas Pech in Deutschland. Irgendwie lief es nie so gut für sie in anderen Ländern wie in der britischen Heimat. Dabei ist der düstere Hardcore das Beste, was das ganze Genre zu bieten hat. Dennoch feierte man auf den bisherigen Touren eher die befreundeten MORE THAN LIFE ab, mit denen die toten Schwäne bereits zweimal auf dem Festland unterwegs waren. Dabei sind es doch gerade sie, die bei ihren Shows Gas geben und deren Sänger live ähnlich fett klingt wie auf Platte und nicht nur heiser röchelt. Trotzdem, irgendwie bleibt der Publikumszuwachs aus.

Umso erstaunlicher ist das Bild in Bochum: Gute hundert Leute haben sich in der kleinen Matrix versammelt und gucken sich bereits den lokalen Opener ENDBRINGER an. Dieser passt recht gut zu den DEAD SWANS und spielt einen ähnlich düsteren, aber dennoch harten Sound. Die Performance der fünf Jungs ist solide, aber nicht gerade sehenswert. Viel passiert also nicht auf der Bühne. Nerviger sind allerdings die viel zu langen Pausen zwischen den einzelnen Songs. Musikalisch sind ENDBRINGER sicherlich noch nicht ganz ausgereift, vereinzelt allerdings verbreiten sie dennoch ein schön verzweifeltes Feeling. Das Publikum hingegen steht zwar zahlreich vor der Bühne, mag sich allerdings noch nicht wirklich bewegen.

BRUTALITY WILL PREVAIL schaffen es heute leider nicht nach Bochum, weil die Bremsen ihres Busses nicht ganz straßentauglich sind und die Polizei sie deswegen zurückhält, wie man später erfährt. Also geht es sofort weiter mit MOTHER OF MERCY. Die Amerikaner scheinen heute viele Fans hier zu haben, und so entsteht vor der Bühne direkt viel Bewegung, als der rockige Hardcore der Band erklingt. Man erinnert etwas an eine Mischung aus weniger asozialen und aggressiven CEREMONY und den kanadischen Senkrechtstartern CANCER BATS zu "Hail Destroyer"-Zeiten, als man sich noch nicht komplett dem Southern Rock verschrieben hatte.

MOTHER OF MERCY machen ordentlich Laune und geben Vollgas. Ihr Sänger springt über die kleine Bühne, was das Zeug hält. Vor allem 'Back To Agony' kommt heute Abend richtig gut und sorgt für den einen oder anderen Singalong. Nach etwas mehr als knackigen zwanzig Minuten ist dann bereits Schluss, und man macht den Weg frei für den Headliner des Abends.

Bei ihrem Glück hätten heute wieder gut dreißig Nasen die Halle nach MOTHER OF MERCY verlassen müssen, doch es bleiben wirklich alle bei den DEAD SWANS. Könnte heute nun endlich mal viel vor der Bühne gehen? Auf der letzten Tour im Vorprogramm von DEFEATER erreichte man schon mehr Bewegung als gewohnt, konnte allerdings nicht mit DEFEATER und MORE THAN LIFE mithalten. Von dem Level, welches in Großbritannien erreicht wird, ist das deutsche Publikum eh noch weit entfernt. Doch was ist das? Schon beim Opener 'So Far You've Only Made Things Worse' geht das ganze Publikum ab. So viel Bewegung gab es selten, und man kommt dem UK-Level erstaunlich nah. Endlich kriegt die Band die Reaktionen, die sie verdient, und ist davon selber sichtlich angetan und legt sich noch mehr ins Zeug, als man es eh schon von ihnen gewohnt ist.

Bei Hits wie 'Thinking Of You', 'Ivy Archway', 'Lines Of Seperation' oder 'Ascension' türmen sich die Kids in den ersten Reihen und greifen nach dem Mikrofon. Die Unterstützung kann Sänger Nick heute gut gebrauchen. Nach zwei Wochen Tour tun ihm die Stimmbänder weh. Es ist gerade deswegen erstaunlich, wie gut seine Vocals klingen. Wo andere Sänger der Szene stimmlich dünner werden, klingt er wie immer, lässt nur die eine oder andere Zeile aus, weil ihm die Luft fehlt bei all der Bewegung. Nach gut 27 Minuten und 'The Hanging Sun' ist dann bereits Schluss mit dem mehr als düsteren Hardcore der Londoner.

Ich hatte die Band bereits drei Mal gesehen, und nie waren sie besser als heute. Es könnte endlich die Zeit gekommen sein, dass den DEAD SWANS die Aufmerksamkeit zuteilwird, die sie verdienen. Nach dieser Glanzleistung ist es ihnen zumindest zu wünschen.

Redakteur:
Sebastian Berning

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