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DARK FUNERAL - Hamburg

18.03.2010 | 15:00

08.03.2010, Marx

DARK FUNERAL spielen vor kleinem Publikum, aber mit überzeugenden Vorbands im Marx.

Weil im Vorverkauf zu wenig Karten an den Metaller gebracht wurden, wurde das DARK FUNERAL-Konzert kurzerhand von der großen Markthalle ins wesentlich kleinere Marx verlegt. Vor gut einem Monat fand hier an einem Samstag ebenfalls ein Black-Metal-Event statt, bei dem die Hütte voll war. Ist das heute auch der Fall?

Zumindest noch nicht bei NEFARIUM. Trotz der halben Stunde Verzögerung sind erst gut 25 Leute anwesend. So entsteht ein sehr merkwürdiges Bild beim Vergleichen der Bühne mit dem Publikumsraum: Auf den Brettern stehen zwei Drumkits – das von ZONARIA, welches die Vorbands benutzen, und das von DARK FUNERAL. Die Herren hatten offensichtlich mit der deutlich größeren Bühne gerechnet. Komplett gestylt mit Corpsepaint, Luzifer-Lette und blutbeschmiertem Wams präsentieren NEFARIUM ihren schnellen, melodischen Black Metal und fordern gleich Reaktionen von den wenigen Anwesenden.

Schon beim ersten Lied 'Lucifer's Betrayal' lässt die erste Reihe die Haare kreisen. Etwas voller wird es zu 'To Nowhere', und sofort verlangt Sänger Carnifex: "Show me your fucking horns!" Gitarrist Adventor tritt in die Fußstapfen des Ex-DIMMU BORGIR-Keyboarders Mustis und bewegt das ganze Konzert über nicht einen Gesichtsmuskel. Als besonderes Schmankerl bieten NEFARIUM 'Hands Bleeding Fear' von ihrem kommenden Album, das im Mai veröffentlicht werden soll.

Bis 'The Damned Descent' hat sich die Menge der Zuschauer verdoppelt, und langsam kommt die richtige Konzertstimmung auf. Bei 'An Old Black Cage' nickt der Großteil auch artig mit dem Kopf. Ebenso artig bedankt sich Bassist Vexator auf Deutsch bei den Fans. Mit hartem Akzent bittet Carnifex die Anwesenden auf Englisch, zu schreien. Ein paar tun ihm sogar den Gefallen. Unter viel Applaus und in die Höhe gereckter Hörner verabschieden sich NEFARIUM. Sie haben sich die Sympathie des Publikums gut erspielt.


Setlist:
Lucifer's Betrayal
To Nowhere
136 Bastard Priests
Hands Bleeding Fear
The Damned Descent
An Old Black Cage
Doctrina Haereticorum
Cumshot On The Holy Cunt

CARACH ANGREN treten mit einem Keyboarder auf, der drei Keyboards und einen Laptop benötigt. Entsprechend keyboardlastig ist ihre Musik. Fühlbar mehr Leute sind nicht hinzugekommen, aber immerhin sorgen die Headbanger vorn dafür, dass der Mikrofonständer ordentlich schwankt. Vielleicht hätte Sänger Seregor bei Carnifex abschauen und den Ständer festkleben sollen.

Die Niederländer bewerben ihr Ende Februar erschienenes Album "Death Came Through A Phantom Ship", das sich thematisch – wer hätte es gedacht? – mit der Seefahrt beschäftigt. CARACH ANGREN kommen gut bei den Zuschauern an und heizen mächtig ein.

Das erste Highlight ist 'The Ghost Of Raynham Hall': Der Wechsel zwischen Keyboardparts und schnellem, mit Blastbeats unterlegtem Gitarrenspiel ist sehr gelungen. Beim Zusammenspiel verlangsamt das Keyboard den Song leider ein bisschen. CARACH ANGREN feiern auf der Bühne mächtig ab und ernten dafür ein paar Zurufe vom Publikum.

Als nächster Song überzeugt 'The Carriage Wheel Murder' mit schönen Tempowechseln. Beim eigentlich vorletzten Song fordert ein Fan eine Wall Of Death. Die Band will die Zuschauer gerade spalten, als plötzlich das Licht angeht. Das Publikum ruft trotzdem weiter und benennt die Wall Of Death kurzerhand in eine Wall Of Black um.

Setlist:
Electronic Voice Phenomena
The Sighting Is A Portent Of Doom
The Ghost Of Raynham Hall
Hexed Melting Flesh (Intermezzo)
The Carriage Wheel Murder
Bloodstains On The Captain's Log

Zu einem epischen Intro betreten ZONARIA die ganz in Blau getauchte Bühne und prügeln mit 'From The Abysmal Womb' gleich richtig los. Ihre Musik ist sehr rhythmisch und basslastig. Letzteres eher ungewollt, den Sound trübt es aber nicht. Ziemlich früh gehen die Hörner wieder in die Luft, und die Headbanger frönen ihrem Hobby. Sie gehen vor allem auf den Midtempo-Nackenbrecher 'At War With The Inferior' steil und feuern die Band an.

Sänger Simon Berglund fordert einen Moshpit. Dieser Aufforderung kommen zunächst nur zwei Leute nach, zum rhythmischen, melodiösen 'The Black Omen' machen noch ein paar mehr mit.

Mit 'Silent Holocaust' spielen ZONARIA ein Stück von der kommenden Platte. Die Nummer ist sehr atmosphärisch-getragen und mit einem schönen Gitarrensolo in der Mitte versehen. Das folgende 'Crowning King Cancer' ist elektronisch angehaucht, prescht aber gut nach vorn. Zum finalen 'Rendered In Vain' geben ZONARIA noch mal alles und rocken mächtig die Bühne.

Setlist:
From The Abysmal Womb
At War With The Inferior
Descend Into Chaos
The Black Omen
Praise The Eradication
Silent Holocaust
Crowning King Cancer
The Armageddon Anthem
Rendered In Vain

Als DARK FUNERAL die Bühne betreten, leuchtet diese rot. Die Schweden werden unter Jubel empfangen und schreddern los. Das gerüstete Quintett verfügt über wesentlich mehr Platz, da ein Schlagzeug abgebaut wurde und Sänger Emperor Magus Caligula auf einen Mikroständer verzichtet. Trotzdem ist ihre Bühnenshow statisch.

Das Marx ist mit etwa achtzig Zuschauern einigermaßen gefüllt. Die ersten zwei Reihen lassen die Haare kreisen, während der Rest sich langsam warmwippt. Vorn bildet sich ein kleiner Pogo, und zwischen den Liedern werden die unterschiedlichsten Songtitel gerufen.

DARK FUNERAL spielen alte Hits wie 'The Arrival Of Satan's Empire' und 'Bloodfrosen', aber auch 'Stigmata', 'My Funeral' und 'The Birth Of The Vampiir' vom aktuellen Album "Angelus Exuro Pro Eternus". Spätestens bei 'Bloodfrosen' headbangt die halbe Halle. Zu 'Stigmata' lässt sich sogar ein Stagediver zur Bühne und wieder zurück tragen, und ein paar Fans springen auf und ab. Wieder fordern einige eine Wall Of Death, aber anscheinend haben nicht genug Leute Lust dazu.

DARK FUNERAL sind spürbar enttäuscht darüber, in dieser kleinen Halle zu spielen. Sie liefern einen soliden, aber keinen mitreißenden Gig ab. Ihre Fans stört es nicht, sie feiern die Schweden und sorgen für viel Haarkreiswind im Marx.

 

Redakteur:
Pia-Kim Schaper

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