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Crystal Ball (Listening Session) - Donzdorf

24.03.2002 | 08:11

08.03.2002, Nuclear Blast-Office

Die Schweizer Melodic Hard Rock-Band CRYSTAL BALL ist wahrscheinlich noch nicht allen ein Begriff - ehrlich gesagt bin ich auch nur zufällig auf diese Band gestoßen, da sie im letzten Jahr als Support mit den PRETTY MAIDS auf Tour waren. Doch das könnte sich nun ändern, da die Band inzwischen zu Nuclear Blast gewechselt ist. Und das Label scheint durchaus viel auf diese Band zu setzen, da sie für die Presse vorab eine "Listening Session" organisiert hat. So hatte auch ich die Möglichkeit, im Rahmen dieser Veranstaltung in den Nuclear Blast-Räumlichkeiten in Donzdorf, mir einen ersten Eindruck von "Virtual Empire" zu machen. Dies ist das dritte Album der Schweizer und wurde wie die vorherigen Scheiben von Tommy Newton produziert - die Veröffentlichung ist aller Voraussicht nach am 21. Mai. Die Band, die selbstverständlich bei der Listening Session auch da war, ist mit dem Ergebnis auch sehr zufrieden. Nach eigenen Aussagen können sie zwar auch noch kein abschließendes Urteil abgeben, da sie die CD auch erst am Tag zuvor zum ersten Mal gehört haben und es wohl noch ein Weilchen dauern wird, bis sie die Songs im Ganzen erfassen können - im Moment hört jeder der Musiker vor allem auf seine eigenen Parts. Thematisch wurde von CRYSTAL BALL schwerpunktmäßig auch der 11. September 2001 aufgegriffen und in drei Songs verarbeitet (v.a. "Talk In Circles", aber auch "Find Your Ground", "Hands Of God") - wenn auch aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Wie das Album musikalisch auf mich gewirkt hat, könnt ihr nun an diesen ersten Eindrücken erkennen:

3rd Dimension (1.03)
Eröffnet wird das Album von einem kurzen Intro, das mit elektronischen Klängen aufwartet, die sehr futuristisch und sphärisch und alles andere als rockig daherkommen.

Hands Of God (3.50)
Der eigentliche Opener ist ein ziemlich flotter Song, der vor allem durch das druckvolle Drumming angetrieben wird. Ansonsten sind bereits die typischen CRYSTAL BALL-Markenzeichen erkennbar: Der Song, insbesondere der Refrain, ist sehr melodisch und eingängig gehalten, Marks Stimme kommt recht rockig daher und Scott zeigt in den Solopassagen viel Sinn für Melodien und Breaks.

Savage Mind (4.03)
Dieser Song bewegt sich im Midtempobereich und ist von den Gitarren her ziemlich groovig, aber auch aggressiv zugleich. Das Schlagzeug gibt dabei den typischen stampfenden Rhythmus vor. Auch hier werden immer wieder Breaks eingebaut, und auch ein kurzer gesprochener Part wird verwendet. In den Strophenteilen sind die Instrumente etwas zurückgenommen und der Gesang steht im Vordergrund.

Am I Free? (5.45)
Auch hier legen CRYSTAL BALL ein gemäßigtes Tempo vor, das wieder durch das druckvolle Drumming vorgegeben wird. Die Strophen sind vom ziemlich dominanten Schlagzeug sowie dem Gesang und den Keyboards geprägt. Die Gitarren kommen sehr melodisch daher, vor allem im etwas verspielten Solopart. Der Chorus ist mehrstimmung und wirkt daher ziemlich bombastisch.

Virtual Empire (4.24)
Der Titelsong wird durch Schlagzeug und frickelige Gitarren eingeleitet, und auch im weiteren Verlauf wirkt er trotz des Midtempos ziemlich treibend. Durch mehrere Tempiwechsel und die immer wieder verwendeten (nicht nur in diesem Song) Hammond-mäßigen Keyboards ist dieses Stück ziemlich abwechslungsreich. Gegen Ende wird der Chorus mehrmals wiederholt, wobei das Tempo merklich gesteigert wird.

Night And Day (5.14)
Dieser Song ist eine Mischung aus einem typischen CRYSTAL BALL-Midtempo-Stampfer und einer Ballade. Auf der einen Seite gibt es auch hier die power-vollen Riffs, aber auf der anderen Seite ist der Gesang sehr getragen ausgefallen.

Dance With The Devil (3.23)
Der Song beginnt mit den Gitarren und einem lauten Schrei, und danach folgen kernige Riffs und ein druckvolles Drumming, so dass der Song ordentlich nach vorne getrieben wird. Stellenweise kommt der Song auch recht rotzig herüber und erinnert daher auch an den Glam Rock der Achtziger. Auch hier wurde mal wieder eine kurze Sprechpassage eingebaut, die aber sehr düster wirkt und dem Song so eine besondere Note gibt.

When The Night Is Over (3.34)
Dieser Song bewegt sich wieder einmal im Midtempo-Bereich und wird erneut von einem stampfenden Rhythmus geprägt, allerdings wirkt hier das Schlagzeug schon fast zu monoton, die Gitarren wirken dagegen ziemlich schwer. Außerdem wurden ein weiteres Mal die schon öfter verwendeten Hammond-Sounds eingesetzt, und vor allem im Refrain kommen auch einige sehr moderne Klänge zum Einsatz.

Blind Side (4.10)
Nach dem sehr melodischen Einstieg setzen sehr schnell Keyboard und Schlagzeug (vor allem Doublebass) ein, so dass ein gewisser Druck nach vorne erzeugt wird - auch wenn sich dieser Song ansonsten im Midtempo-Bereich abspielt. Dieses Stück wirkt ziemlich bombastisch und erinnert insbesondere von den Gitarren her an EDGUY/AVANTASIA.

Talk In Circles (5.46)
Der Song wird durch einen dröhnenden Bass und durch spacige Keyboard- und Schlagzeugklänge eingeleitet, ehe er dann wieder in den stampfigen, typischen Großraum-Rock-Disco-Sound verfällt und von schweren Gitarrenriffs geprägt wird. Durch die vorkommenden Keyboard-Passagen und den hymnenhaften Refrain wirkt der Song jedoch ziemlich atmosphärisch.

Look In My Eyes (4.32)
Hier haben wir es mit der obligatorischen Ballade zu tun, die jedoch auf dem Vorgängeralbum gefehlt hat. Sie beginnt als ruhige melancholische Piano-Nummer, wobei der Gesang ziemlich soft daherkommt und nur vom Keyboard und der Gitarre begleitet wird. Die übrigen Instrumente setzen erst im weiteren Verlauf ein, so dass sich der Song zu einer ordentlichen Rock-Ballade mit einem bombastischen Refrain entwickelt.

Private Visitor (3.35)
Dieser Song stellt dann den genauen Gegensatz zum vorherigen dar: Hier sorgen die druckvollen Drums und das aggressive Riffing für eine ordentliche Portion Power, so dass der Song wieder gut nach vorne abgeht, und hin und wieder von einigen Breaks aufgelockert wird. Außerdem ist hier auffällig, dass absolut kein Keyboard vorkommt.

Find Your Ground (3.41)
Den Abschluss des Albums bildet dann nochmals ein druckvoller Midtempo-Song, der von einem aggressiven Drumming und den entsprechenden Gitarrenläufen geprägt ist - vor allem im Soloteil wird hier nochmals etwas gefrickelt.

Natürlich kann man nach einmaligem Hören noch kein definitives Urteil über ein Album abgeben. Aber so viel kann ich schon mal sagen - es ist ein typisches CRYSTAL BALL-Album geworden, dass die bisherigen Fans der Schweizer sicherlich nicht enttäuschen wird. Und vielleicht gelingt es der Band durch den Wechsel zu Nuclear Blast auch, dass sie auch Leute auf sich aufmerksam machen können, die bisher noch nichts von ihnen gehört haben. Denn Freunde des Melodic Hard Rock werden von "Virtual Empire" wohl bestens bedient (Nuclear Blast bezeichnen den Stil zwar als Melodic Power Metal, aber aufgrund der vielen Midtempo-Songs ist mir die Bezeichnung "Metal" doch etwas zu hochgegriffen.).

Redakteur:
Martin Schaich

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