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Crusher/Wicked Garden/Hellfeld - Mainz

08.11.2005 | 21:42

05.11.2005, Haus der Jugend (M8 Club)

Da hat es sich gerächt, dass ich letzte Nacht (oder besser gesagt letzten Morgen) so spät/früh ins Bett gegangen bin. Bevor ich vorm Fernseher einpenne, breche ich gegen 19.15 Richtung Mainz auf, um mir im Haus der Jugend (oder kurz M8 Club) CRUSHER, WICKED GARDEN und HELLFELD anzuschauen. Was den Orientierungssinn angeht, so hab ich eher die Gene von Mutter geerbt, denn auf Anhieb kann ich den Club nicht finden. Auch die mehrfache Nachfrage von Passanten in der Mainzer Innenstadt bleibt erfolglos, da sich an diesem Abend fast ausschließlich Ortsunkundige rumtummeln. Knapp eine Stunde später hab ich mein Ziel zum Glück erreicht und werde von Robin Geiss, seines Zeichens Sänger von CRUSHER, herzlich empfangen. Der Club hat ein Fassungsvermögen von 100-150 Leuten und die Bühne ist gerade einmal 30 Zentimeter über dem Boden. Die Getränkepreise sind auch recht zivilisiert (0,33er-Bier 1,50, 0,33er-Limo 1€) und das Personal ist sehr nett und zuvorkommend. Der Backstageraum befindet sich direkt neben der Bar und ist durch eine Tür abgetrennt, was zum einen als Schallschutz dient, aber auch die "Privatsphäre" schützt. Veranstaltet wird dies von der Kulturfabrik Airfield e.V., die sich für eine freie Kulturszene in Mainz einsetzt.

CRUSHER

Nach ein bisschen Smalltalk entern CRUSHER gegen fünf vor neun die Bühne, um den gerade Mal 20-30 Mann ordentlich einzuheizen. Zu Beginn sind sowohl die Musiker als auch das Publikum eher zurückhaltend. Beide Parteien wirken eher müde und lethargisch, nur Robin geht gleich ordentlich ab. Nach dem Doppelpack 'Terminus/Breed Of Evil', kommt das erste Stück, das ich vom aktuellen Demo kenne: 'Existence'. Zwar wummert der Bass bei den ersten beiden Songs zu stark, aber in der Mitte von 'Existence' wird's erträglicher. Die Band klingt wie auf CD, was in dem Fall als Kompliment gesehen werden muss. Allen voran Robin klingt live wie eine Mischung aus Tom Angelripper (SODOM) und Mille Petrozza (KREATOR). Seine Bandmates stehen ihm in nichts nach. Während Jens (dr.) und Moe (b.) die Soundlöcher ordentlich stopfen, brilliert Michael (g.) mit amtlichen Riffs und ordentlichen Soli. Einen kurzen Dämpfer erhält Michael, als ihm nach 'Curse Of A Unicorn' eine Gitarrensaite reißt und seine zweite Gitarre von nun an zum Einsatz kommt (warum es wichtig ist, immer eine zweite Gitarre zur Hand zu haben, werden wir gleich bei WICKED GARDEN sehen). Das ist aber auch die einzige Panne und so langsam taut auch das Publikum auf. Allen voran Michi und Moe gehen richtig aus sich raus, was das Publikum zwar nicht zu ekstatischen Beifallsstürmen verleiten kann, aber die eine oder andere Matte kreisen lässt. Robin ist zwar mit dem Feedback nicht so zufrieden, aber er lässt sich seinen Spaß nicht nehmen und rockt seinen Stiefel ordentlich runter. Die Bühne ist ordentlich beleuchtet, was zwar gut für die Besucher ist, aber schlecht für die Band, da sie kaum welche von ihnen wahrnehmen kann. Vor der Ansage zu 'Bioethik' fordert Robin das Publikum auf mehr Bier zu trinken, will aber nicht unbedingt zum "Alkoholismus verleiten". Mit dem WASP-Cover 'I Wanna Be Somebody', das mit deutlich mehr Tempo als das Original gezockt wird, wird das Ende eingeleitet. Blackie Lawless wäre bestimmt stolz auf die Version, versprüht sie doch den Spirit des Originals. Und Robin beweist wie variabel seine Stimme ist, indem er wie der kleine Bruder von Blackie klingt. Nach einer Stunde findet das Konzert sein Ende, und die Leute sind gut angeheizt.

Setlist
Terminus
Breed Of Evil
Existence
Curse Of A Unicorn
Against The Evil Force
Bioethik
Braniac Mastermind
Evil Has No Cause
No More
With Your Tears
---
I Wanna Be Somebody (W.A.S.P.-Cover)

WICKED GARDEN

Keine 20 Minuten später stehen die Power-Metaller WICKED GARDEN auf der Bühne und Willi (b., v.) hat gleich nach dem Opener 'Varför' das Publikum auf seiner Seite, als er verkündet: "Alles außer Metal ist Scheiße!" Das scheint wohl der Pop-Gott mitbekommen haben, denn kurz danach herrscht eine Zwangspause von knapp zehn Minuten. Der Grund hierfür ist Rogers Gitarre. Der Gurt ist abgegangen und deshalb fragt er erstmal im Publikum nach, ob jemand einen Schraubenzieher dabei hat. Zwar wird ihm mit einem Schweizer Messer geholfen, aber so richtig kommt die Sache nicht voran. Und gerade heute hat er seine zweite Gitarre nicht dabei! Zum Glück hilft ihm Michi von CRUSHER aus, indem er für den Gig seine Gitarre ausleiht. Bis es soweit ist, wird das Publikum mit Ansagen, einem Drumsolo und dem kurzen Anspielen von MEGADETHs 'Lucretia' bei Laune gehalten. Zwar gefallen mir die Gesangskünste von Willi nicht unbedingt, aber er weiß wie er das Publikum zu unterhalten hat. Dabei will die Band nicht "lovely and nice" wirken, sondern ist erpicht darauf "böse und asozial sein". Um das zu unterstreichen blökt er ins Publikum "Scheiß Mainz 05! Hier ist 'Prime Evil'!". Was die Musik angeht, so erinnert der Opener an groovige METALLICA, wohingegen 'Prime Evil' eine ordentliche `MAIDEN-Schlagseite aufweisen kann. Sebastian (lg.) ist für das artistische Element in der Band zuständig und kann mit seinen (leider zu leisen) Gitarrensoli mehr als nur Akzente setzen. Chris (dr.) sorgt für einen ordentlichen Beat und bildet mit Willi eine ordentliche Rhythm-Section, die den Gitarristen die Möglichkeit gibt, mit ihren Riffs zu glänzen. Musikalisch sind sie nicht schlecht, nur der eigenwillige Gesang von Willi will meiner Meinung nach nicht so richtig passen. Nach dem letzten Song 'Lost In The Wicked Garden' geht Willi auf die Knie und huldigt dem Publikum. Natürlich fordern die Leute eine Zugabe, die auch prompt erfüllt wird. Bei 'Seek & Destroy' von METALLICA geht's nochmal ordentlich zur Sache. Willi toppt die Vorstellung, indem er kurz vor Ende des Songs im Refrain 'Breathe' von PRODIGY schmettert, was aber genauso gut passt. Nach 65 Minuten (netto 55) ist dann Schluss. Müde und abgekämpft schlagen sich die Vier in den Backstageraum und diskutieren nochmal die Gitarrengeschichte.

Setlist
Varför
Nameless War
Prime Evil
Rock This Vault
Break My Scythe
Tongue Like A Blade
Rise, Bleed & Fall
D.O.A.
Lost In The Wicked Garden
---
Seek & Destroy (METALLICA-Cover)

HELLFELD

Gegen zehn vor zwölf steigen HELLFELD auf die Bühne, um in erster Linie SLAYER-Songs den verbleibenden Besuchern um die Ohren zu hauen. Mit dem Doppelhammer 'Postmortem/Raining Blood' geht´s auch gleich amtlich zur Sache. Leider haben die Jungs nur einen Gitarristen, der die Doppelaxtbreitseite von Hannenmann/King nicht ansatzweise ausfüllen kann. Der Sänger hat einen Anzug an und erinnert leicht an den Frontmann von den HIVES, nur dass er nicht so einen edlen Zwirn anhat. Viel kann man aber leider nicht von den Jungs sehen, da die Bühne dunkel gehalten ist. Am vorderen Bühnenrand befindet sich außerdem ein "Blutbrunnen", aus dem das "Blut einer jungfräulichen Trinkerin" (so nennt man also neuerdings Rotwein) sprudelt. Sowohl Bass, als auch Gitarre sind eher leise abgemischt, was die SLAYER-Songs eher niedlich erscheinen lässt. Zwischendurch wird auch versucht das Licht auf der Bühne einzuschalten, was der Sänger mit emporgerecktem Stinkefinger Richtung Mischpult quittiert. Apropos Sänger: Der veranstaltet ein Quiz mit den noch anwesenden, indem er Songtitel von SLAYER auf einfache Art und Weise auf Rückseiten von Postern aufgemalt hat. Zwar kann man im dunkeln kaum was erkennen, was vielleicht auch ein Grund dafür ist, dass die Leute die Songtitel nicht erraten können. Nach 'New Faith' raucht zwar die eine Box, aber das ist noch lange kein Grund die Leute frühzeitig zu entlassen. Irgendwie ist der Sound schon recht putzig und erinnert mich eher an SLAYER-Light. Oder anders ausgedrückt: Da weiß man was SLAYER draufhaben und bekommt Lust sich die Scheiben mal wieder reinzuziehen. Sie als die "HIVES des Thrash Metal" zu bezeichnen ist meiner Meinung nach ein bisschen übertrieben, da sich nur der Sänger auf diese Stilschiene begibt. Das Gekeife von ihm, gepaart mit der theatralischen Bühnenperformance ist schon recht amüsant. Bei 'Antisocial' von ANTHRAX (ist zwar ursprünglich von TRUST, aber die schnelle Version von HELLFELD ist schon an die von ANTHRAX angelehnt) geht sogar noch mal richtig was ab. Gegen Ende skandiert der Sänger "Für Paris, für Argentinien", was aber keine großen Reaktionen im Publikum hervorruft. Nach dem Doppelhammer 'Angel Of Death/Necrophobic' haben die Jungs fertig, und das müde Publikum tritt seinen Weg in die kühle Mainzer Nacht an.

Setlist
Postmortem
Raining Blood
Altar Of Sacrifice/Jesus Saves
Seasons In The Abyss
Behind The Crocked Cross
God Hates Us All
New Faith
Deviance
War Ensemble
South Of Heaven
Antisocial (ANTHRAX)
---
Angel Of Death
Necrophobic

Ein sehr unterhaltsames und kurzweiliges Konzert, das mit CRUSHER gleich zu Beginn die beste Band "verheizt" hat. Die anderen Bands konnten musikalisch nicht ganz an der Klasse von CRUSHER anknüpfen. Während ich mit dem Gesang bei WICKED GARDEN nicht ganz warm geworden bin, waren HELLFELD einfach nur putzig.

Redakteur:
Tolga Karabagli

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