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Chaoswave/Morbid Mind - Berlin

26.02.2006 | 13:04

24.02.2006, Kato

Gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen ist schon was Tolles: Powermetal.de präsentiert sowohl die Europatour der italienischen Progressive-Thrasher CHAOSWAVE als auch die Deutschland-Gigs der hiesigen Power-Thrash-Metalband MORBID MIND, und beide geben sich gemeinsam im Berliner Konzertclub Kato die Ehre. Mit dem Losungswort "Italien" ist das zusätzlich mit den dänischen MINDLOCK und den Lübeckern LYMENTRIA ausstaffierte Package sogar für nur fünf Euro an der Abendkasse zu haben. Und trotzdem interessiert es kaum jemanden. Ein weiterer Beweis dafür, dass die Hauptstädter keine Ahnung von guter Musik haben? Oder dass eine so junge Band wie CHAOSWAVE vielleicht besser mit einer Support-Tour gefahren wäre...
[Elke Huber]

LYMENTRIA
Als LYMENTRIA ihren ersten Ton spielen, stehen genau zwei(!) Leute vor der Bühne. Doch mit einem ordentlichen Karnevalstusch kann man auch die trägen Berliner in die Halle locken. Dennoch zähle ich nur exakt 36 Nasen in der Halle. Inklusive der Mitglieder der anderen Bands, der Crew, dem Thekenpersonal und der Presse. Da hofft man glatt, dass die Anzahl der zahlenden Gäste überhaupt im zweistelligen Bereich lag.

Anyway, LYMENTRIA lassen sich davon den Spaß nicht verderben und zocken ihren Metal Marke "MEGADETH meets Rock'n'Roll". Zwar ist der Sound etwas undifferenziert und die Stimme von Sandro Kunz mehrfach nur zu erahnen, dennoch gehen Nummern wie 'The Only One' oder der 'Psycoblues' durchaus ins Mark und sorgen zumindest für das ein oder andere geschwungene Tanzbein. Mit 'Symphony Of Destruction' wird dann auch noch mal den Vorbildern gehuldigt und man beendet einen unterhaltsamen Auftakt.
[Peter Kubaschk]

Setlist:
The Only One
Empty Lungs
Aoolright
Psycoblues
The Secret Sin
Blockade
Symphony Of Destruction


MINDLOCK
Wer hat denn diese Rindsviecher aus dem Stall gelassen? Nach der teilweise etwas hüftsteifen Performance von LYMENTRIA geht es für die nächsten fünfundvierzig Minuten auf der Bühne tierisch ab. MINDLOCK, das ist pures Testosteron, verpackt in groovigen Thrash Metal mit ordentlich Biss. Der stiernackige Fronter John Bliesmann entlockt seinem Organ fast schon unmenschliche Grunzlaute. Gitarrist Bo Frandsen, kaum weniger bullig anzusehen, gewinnt den Posingpreis des Abends mit haushohem Vorsprung, und auch Bassist Lars Petersen sorgt für reichlich Bewegung. Ein Wunder, dass diese technisch versierte und druckvolle Band noch ohne Deal dasteht. Wer auf thrashigen Sound der Marke SLAYER & Co. steht, sollte unbedingt mal auf der Homepage vorbeisurfen. Optisch eine sehr fette Show, musikalisch allerdings hätte es aufgrund des doch etwas geringen Abwechslungsreichtums der Songs eine halbe Stunde auch getan.
[Elke Huber]

Setlist:
Eyes Of Pain
Reflections
You're So Wrong
Unresolved
Long Life
The Chosen Way
The Right One
Body Of A Weak
Closer In Death
When Everything Surrenders
Pierced By Reality

MORBID MIND
Bei den Lokalmatadoren von MORBID MIND dürfte das Zuschauerinteresse am Größten sein. Ich zähle etwa 50 Zuhörer und zwei Groupies, die vom ersten Ton des Openers 'Run' an in der ersten Reihe die Band anhimmeln, mitsingen und permanent ihre Haare schütteln. Genau das geht aber auch gut zu der eigenständigen Melange aus Heavy, Thrash, Power & Speed Metal. MORBID MIND lassen sich da in keinerlei Schublade pressen, und das ist auch gut so. Songs wie 'Run', 'Liberty' oder 'Push Me Up' verfügen dennoch über Ohrwurmcharakter und können schon beim ersten Mal mitgesungen werden. So reicht es bei 'Push Me Up' sogar zu einem Mitsingspielchen mit den Anwesenden. Das zu singende 'To The Top' wird aus den meisten Kehlen der Zuhörer der Band wieder entgegen geschmettert und vielleicht wird es mit der Spitze ja doch noch irgendwann mal was, nach nun immerhin knappen zehn Jahren im Untergrund. Es sei der sympathischen Truppe gegönnt.
[Peter Kubaschk]

Setlist:
Run
Voices Of Despair
Liberty
Queen Of Disaster
Justice
Feel The Fear
Black Hole
Insignificant
Push Me Up

CHAOSWAVE
Es war ja eigentlich nicht anders zu erwarten: Eine Stadt, in der Metalfans bei Bands wie OPETH oder COMMUNIC die Flucht von der Tanzfläche antreten, hat einfach keinen Geschmack. CHAOSWAVE haben die undankbare Aufgabe, vor immer lichter werdenden Reihen (zuletzt werden ganze zehn Anwesende gezählt) nahezu ihr komplettes Debütalbum "The White Noise Within" zu zocken. Kann man einen schlimmeren Tourauftakt haben? Allerdings sind die Klang- und Lichtverhältnisse beim Headliner auch äußerst suboptimal, und die Klasse der Songs geht in dem leider typischen Kato-Soundbrei (der Club ist nicht umsonst für relativ wenig Geld zu mieten) ziemlich unter. Dabei ist CHAOSWAVEs progressiver Thrash Metal - von ihrem Label nicht ganz zu Unrecht als eine Mischung aus NEVERMORE und LACUNA COIL bezeichnet - erfrischend eigenständig und lebt neben dem brillanten Gitarrenspiel des Quoten-Dänen Henrik "Guf" Rangstrup (dessen blonde Lockenpracht sich herrlich von seinen italienischen Bandmitgliedern abhebt und dessen Grimassen mich ein wenig an PAIN OF SALVATIONs Gitarrenkasper Johan Hallgren erinnern), dem markanten Bass-Sound von Marco Angioni und dem modernen Drumming von Raphael Saini vor allem von dem Zusammenspiel des Gesangspaares Giorgia Fadda und Fabio Carta, die ihre Aufgabe sehr hingebungsvoll und leidenschaftlich meistern. Und wenn man schon das berühmte Seattle-Quintett zum Vorbild hat, darf natürlich auch ein NEVERMORE-Cover nicht fehlen. 'Seven Tongues Of God' gewinnt durch den Duett-Gesang eine eigene Note und fügt sich nahtlos in die Eigenkompositionen ein. So schaffen CHAOSWAVE trotz der widrigen Umstände einen überzeugenden Auftritt und zeigen sich nebenbei äußerst bescheiden. Angesprochen auf den spärlichen Publikumszuspruch meint Sängerin Giorgia nach dem Konzert lediglich höflich: "Das war nicht so schlimm, denn auf der Bühne hatten wir trotzdem viel Spaß."
[Elke Huber]

Setlist:
The 3rd Moment Of Madness
Indifferent
Mirror
Hate Create
The End Of Me
The Wasteland Of Days
Seven Tongues Of God (NEVERMORE-Cover)
Paint The Poed Dead
See Nothing, Hear Nothing, Say Nothing

Redakteur:
Elke Huber

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