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Celle Rock City - Celle

29.06.2009 | 17:47

05.06.2009, CD-Kaserne

Das vierte Celle-Rock-City-Festival wartet mir einer guten Bandauswahl auf und bietet vor allem jüngerem Publikum ein gelungenes Wochenende.

Samstag stelle ich erfreut fest, dass mich die erwähnte Allzweckfressbude heute mit warmem Essen versorgen wird. Etwas weniger Leute sind gekommen, trotzdem hat man nicht das Gefühl, dass es leer ist. Auch heute sind die Bands hoch motiviert und liefern insgesamt gute Auftritte ab.



Vor etwas weniger Publikum als noch am Vortag müssen COLLATERAL DAMAGE antreten. Der Name ist Programm: Bassist Kim ist am Knie verletzt und muss im Sitzen spielen. Immerhin stehen vorne schon fünf Headbanger. Insgesamt bleibt die Stimmung aber verhalten, obwohl nach und nach mehr Leute den Weg in die CD-Kaserne finden. Schade, denn die Songs sind sehr eingängig. Und teilweise auch politisch durchdacht, wie 'Wacht auf' zeigt. Dabei handelt es sich um ein Anti-Rechts-Stück mit überspitzt ironischem Text.


Setlist COLLATERAL DAMAGE:
Destroy This Course
Rivulet Of Blood
Wacht Auf
Dead Man Walking
Kill You
Psychotherapy
Day By Day
The Blade
Collateral Damage




Bei ECHOES OF DEVASTATION ist schon mehr los. Die Halle ist einigermaßen gefüllt, vorne stehen ein paar Headbanger mehr. Die Munsteraner nutzen die Bühne voll aus: Sänger Florian rennt, Gitarrist Christian springt rum, und Bassist Philipp tauscht häufig den Platz mit Gitarrist Simon. Der Funke springt aufs Publikum über. Immer mehr Fans lassen sich mitreißen. Auf die Frage, wer denn den Song 'Letters Of Sorrow' kennt, melden sich einige. Zu 'Mental Abberation' kommt Florian mit einer rosafarbenen Mütze auf die Bühne. Bei 'Free Fall' sollen noch mal alle abgehen. Leider macht die Zeit der Band einen Strich durch die Rechnung – der Song muss ausfallen. Dafür bildet sich beim letzten Lied und Namensgeber des neuen Albums 'My Cold Reign' vorne ein kleiner Pogo. Den Zuruf "Drecksau" eines Fans wollen ECHOES OF DEVASTATION übrigens demnächst aufnehmen.

Setlist ECHOES OF DEVASTATION:
Castle Of Insanity
Breakdown
Hate
Letters Of Sorrow
Living Eyes
Mental Aberration
In Times Of Depression
My Cold Reign




Wehmut kommt beim Auftritt von BROKEN INSIDE auf. Die junge Band gibt ihr letztes Konzert, das viele Leute sehen wollen; immer mehr pilgern in die CD-Kaserne. Sänger Torben fragt immer wieder: "Könnt Ihr rocken?" Die Fans beweisen es ihm und tun alles, um der Band das letzte Konzert zu einem unvergesslichen Auftritt zu machen.


BROKEN INSIDE setzen alles auf Show. Bei 'Hunter' legt Torben einen Salto hin, dabei übernimmt ein Fan kurz seinen Bass. Ein weiterer Fan kommt mit einer Wasserpistole auf die Bühne und spritzt in die Menge. DRONE-Sänger Mutz spielt während der Show an den Verstärkern rum, dem Sound schadet das aber zum Glück nicht. Zu 'In Your Face' veranstaltet das Publikum eine kleine Wall Of Death, während die Band beim abschließenden Song 'Painfull Finality' ein letztes Mal richtig Gas gibt.

Setlist BROKEN INSIDE:
Alekto
As Ashes Turn To Life
Souls Can Bleed
Touch Of Collapse
Hunter
Nothing But The Pain
In Your Face
Your Demonic Accent
Painfull Finality

Auf der Bühne vollzieht sich nun ein Generationenwechsel. Nach den zwei Jahre existierenden BROKEN INSIDE spielen  CONTRADICTION, die schon seit zwanzig Jahren zusammen musizieren. Aufgrund einer weiteren Verzögerung ist die Halle anfangs leer. Nach und nach bekommen die Gäste draußen mit, dass drinnen Musik läuft, und kommen rein. Zu 'Angel Of Fear' hat dann auch der Letzte sein Bier ausgetrunken. Die Headbanger stellen sich wieder in die ersten Reihen. Langsam wärmen sich die Anwesenden auf, klatschen und feuern die Band an. Man merkt den Wuppertalern ihre Live-Erfahrung an. CONTRADICTION liefern eine gute Show und man sieht, dass die Band Spaß auf der Bühne hat. Bassist Andreas Westphal rennt sogar zwei Mal von der Bühne und spielt im Publikum weiter.



Die Ehre des Samstagsheadliners wird DISBELIEF zuteil. Entsprechend voll ist auch die Halle. Auf und vor der Bühne fliegen die Haare. Ab 'Navigator' geht vor der Bühne die Party. Der vordere Teil der CD-Kaserne bangt und feuert die Band an. DISBELIEF nutzen die Beleuchtungsmöglichkeiten voll aus. Die Bandmitglieder lassen sich vorzugsweise von hinten anleuchten – ein schöner Effekt.

Mit den Worten "Do you really get sick?" startet ein großer Pogo zum Song 'Sick'. Schade, dass die langen Schreie bei 'When Silence Is Broken' eingespielt werden. Die Bewegung hält an bis 'Hell Goes On'. Danach ist wie schon am Vortag die Luft raus. In der Mitte entsteht wieder eine Lücke. Heute wird sie aber nach und nach von Headbangern aufgefüllt. Trotzdem wird die Halle leerer. Bei 'Return Of Sin' machen aber alle mit. Die Zugabe 'Room 309' ruft noch mal die Headbanger auf den Plan. Dann ist Schluss. DISBELIEF nutzen ihre Stunde Spielzeit leider nicht ganz aus.

Setlist DISBELIEF:
Hell
A Place To Hide
Navigator
Sick
When Silence Is Broken
Hell Goes On
One Nation's Son
Rewind It All
Misery
To The Sky
The Return Of Sin
Room 309




Anders als Freitag ist die Halle nach dem Headliner bei FINSTERFORST nicht leer. Pagan Metal ist eben angesagt. Als einzige Band des Festivals tritt das Septett mit einem Keyboard auf. Auch ein Akkordeon ist vertreten. Die Herkunft der Band wird als Worstpiel im Namen aufgegriffen: FINSTERFORST kommen aus dem Schwarzwald.

Vor allem das junge Publikum, aber auch einige Ältere gehen ab. Die ersten zehn Reihen feiern eine große Party. FINSTERFORST schwimmen auf der Trendwelle, denn so viel zu bieten haben sie nicht. Der Gesang ist zu laut, und die Wörter kommen als Stakkatofetzen. Die Instrumente klingen, wie Pagan/Folk-Musik eben klingt. Die Melodien wirken auf mich persönlich einschläfernd, spielt doch vor allem das Akkordeon im Rührstabverfahren immer wieder die gleichen Töne. Die Anwesenden stört das nicht. Sie bangen, springen rum und feuern die Band an. Von der Stimmung her ist dies sicher der beste Auftritt des Festivals. Über die musikalische Darbietung lässt sich streiten.


Vor dem Auftritt von CRY MY NAME ist die Halle wieder leer. Es verirren sich nur noch etwa 25 Leute in den Konzertsaal. Die Hamburger lassen sich nicht beirren, laufen viel und legen einen guten Auftritt hin. Im Gegensatz dazu stehen die Anwesenden nur rum. Bis auf ein paar unkaputtbare Headbanger bewegt sich kaum jemand. Auch CRY MY NAME bleiben von technischen Problemen nicht verschont: Das Mikro von Sängerin Hille ist am Anfang viel zu leise eingestellt, und ihre Clean-Vocals sind kaum hörbar. Die fünf Jungs und die Dame bedienen sich eines bizarren "Die Schöne und das Biest"-Images: Hille singt nicht nur, sondern growlt auch, während Sänger Andre den Part des Biestes übernimmt. Da trotz Bemühungen kaum Stimmung aufkommt, spielt Andre lieber mit der Lichtmaschine.

Setlist Cry My Name:
Intro
Stupid Hands
Into Oblivion
There Moments
In The Line Of Fire
Whispering
Speak For The Voiceless



Mit FINSTERFORST hielt der zweite Festivaltag eine große Überraschung bereit. Die Jungen können ja doch richtig feiern! Der Altersdurchschnitt lag heute aber auch etwas höher. DISBELIEF lockten eben ein älteres Publikum an als DRONE. Die meisten Bands haben gut gespielt und eine gute Show geboten. Das Publikum gab allerdings nur zu den favorisierten Bands Gas. Ich kann den Veranstaltern nur Lob aussprechen für Bandauswahl und Akustik. Für jeden war etwas dabei, der Sound einwandfrei. Nur an den technischen Einstellungen muss noch gefeilt werden. Fazit: ein Festival mit vielen musikalischen Höhepunkten und nur einem richtigen Tief, durchwachsener Stimmung und einer genialen Location.

Redakteur:
Pia-Kim Schaper

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