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CRADLE OF FILTH - Köln

09.03.2005 | 10:37

26.02.2005, E-Werk

Ein sehr fettes Tourpackage sollte es werden, was sich die Veranstalter da ausgedacht hatten. Aber das scheint dieser Tage auch dringend nötig, denn im Februar sind so viele Bands live unterwegs, dass die Leute sich schon genau überlegen müssen, wie man sich die Konzerte und dementsprechend das Geld einteilt. CRADLE OF FILTH und MOONSPELL sind in diesem Sinne schon eine sehr gute Alternative, wenngleich beide Bands ihre besseren Tage eigentlich schon hinter sich haben, zumindest die letztgenannte Band. Eigentlich sollten auch noch THE HAUNTED als Support mit dabei sein, doch da die Schweden derzeit noch durch England touren, sind sie heute in Köln noch nicht dabei – nur ziemlich arm, dass man trotzdem auf den Tourplakaten mit THE HAUNTED wirbt...

Die Verhältnisse sind an diesem Tag ein wenig chaotisch; mein Interviewtermin verschiebt sich um eine knappe Stunde, an der Kasse gibt es dann Probleme, weil sich keiner für meinen Fotopass verantwortlich fühlt, und in dem Moment, in dem MOONSPELL die Bühne entern, ist von Konzertlaune nicht mehr viel zu spüren. Doch die Portugiesen bringen selbst den leicht genervten Redakteur wieder schnell wieder zur Begeisterung, denn was MOONSPELL an diesem Abend bieten, entschädigt für so manche schwächere Platte aus den letzten Jahren. Vielleicht liegt’s ja auch gerade daran, dass Fernando Ribeiro und seine Mannschaft vornehmlich aus Kompositionen älteren Jahrgangs auswählen und dabei recht schnell den nerv der Anwesenden treffen. Das Doppelpack ’Alma Mater’ und ’Vampiria’ bringt direkt zu Beginn die Stimmung schon an den Höhepunkt, und auch wenn die neueren Nummern nicht ganz so frenetisch abgefeiert werden, so bleibt die Stimmung bis hin zu den letzten Stücken ’Opium’ und ’Full Moon Madness’ doch immer oben.
Blickfang ist natürlich der wild gestikulierende Frontmann, der seine Fans nicht nur mit einem Totenkopfstab beschwört sondern so gut bei Stimme ist wie schon lange nicht mehr. Dieser Mann lebt seine Musik mit dem ganzen Körper und stellt an diesem Abend unter Beweis, dass er einer der unterschätzten Meister seines Faches ist. Besonders geil in dieser Hinsicht die bösen Shouts bei ’Mephisto’, welches überraschenderweise auch zum Set gehörte.
Obwohl MOONSPELL fast 20 Minuten nach dem geplanten Konzertstart auf die Bühne wandern, dürfen sie dort eine ganze Dreiviertelstunde verweilen. Und diese nutzen sie, um sich aus ihrer musikalischen Misere zu befreien und sich selber zu beweisen, dass die älteren Songs immer noch die besten sind. Schade nur, dass der Mann an den Soundreglern da nicht ganz mitspielt und die Gitarren quasi ganz wegmischt. Ansonsten gutes Konzert!

Eine halbe Stunde Umbaupause lassen darauf schließen, dass CRADLE OF FILTH es üppiger zugehen lassen werden. Die ganze Bühne wird mit Requisiten geschmückt, dabei unter Anderem zwei Steinstatuen, die an den beiden Seiten neben den Boxen aufgestellt werden. Um 20.20 steigen die Briten mit ihrem schwedischen Drummer dann auf die Bühne und legen mit ’Gilded Cunt’ einen überraschenden Anfangstrack fest. Ja, Überraschungen, die gibt es an heute zuhauf, denn CRADLE OF FILTH haben ihre Setlist mal ganz geändert und spielen auf dieser Tour vorwiegend Songs, die man sonst nicht so oft zu hören bekommt. In diese Sparte fallen in diesem Fall solche Nummern wie ’The Black Goddess Rises’ und ’The Promise Of Fever’, welche astrein von den Jungs dargeboten werden. Nur der neue Mann an der Sechssaitigen wirkt noch etwas unsicher, aber spielt die Songs an sich ziemlich lässig herunter.
Natürlich gibt es auch alte Bekannte zu bestaunen, wobei für meinen Geschmack ’The Forest Whispers My Name’ die allerbeste Figur für diesen Abend abgibt. Weitaus weniger begeistert bin ich hingegen von ’Her Ghost In The Fog’. Eigentlich eine meiner Lieblingsnummern von CRADLE OF FILTH wird der Songs dieses Mal von der etwas schlappen Backing-Sängerin versaut, bei der ich mir trotz der unübersehbaren Körperfülle nicht sicher bin, ob es sich hierbei um Sarah Jezebel Deva handelt. Diese vollschlanke Diva jedenfalls trifft die Töne auf den Alben und auch auf den letzten Touren weitaus besser und ist heute Abend eine ganz große Enttäuschung und zudem die einzige Schwäche im überraschend makellosen Sound.
Ich erinnere mich noch gerne an vergangene Festivalauftritte und den Gig im Vorprogramm von SLAYER in Düsseldorf zurück, bei denen die Briten fortwährend schwach wirkten. Das ist heute anders; der mittlerweile arg pummelige Dani hat die Szenerie im Griff und redete heute ziemlich wenig. Und wenn er zwischen den Songs mal den Mund aufmacht, dann schreit er auch nicht ins Mikro sondern kündigt ruhig und gelassen den nächsten Song an. Ansonsten fegt der kleine Giftzwerg fortwährend von einer Bühnenseite zur anderen und hat besonders beim neuen Song ’Nymphetamine’, dem eigentlichen Highlight des Abends, seinen großen Auftritt. ’Tortured Soul Asylum’ und ’Mannequin’ stellen weitere musikalische Höhepunkte da, wenngleich die Fans hier nicht so ausrasten wie man das gewohnt ist.
Generell ist das Publikum heute eher verhalten unterwegs; wildes Gemoshe in den ersten Reihen vermisst man nämlich genauso wie gereckte Fäuste, und lediglich zwischen den Songs spendet das Düster-Publikum, welches mal wieder vom traditionellen Altbanger bis hin zum Gothic-Grufti alle Generationen vereint, lauten Beifall. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass die Fans nur die neueren Sachen kennen, denn gerade die werden am heftigsten abgefeiert.
Aber diese Leute können sich zumindest an einer superben Show ergötzen, bei welcher der visuelle Effekt nicht zu kurz kommt. So setzen sich die beiden oben angesprochenen Steinstatuen nach einer halben Stunde Stillstehen plötzlich in Bewegung und tanzen, eine hübsche Tänzerin zeigt ihre waghalsigen Künste am Seil und zum Ende der Show kommt dann noch eine riesige Figur auf die Bühne marschiert und bewegt sich dort fast ebenso unbeholfen wie MAIDENs Eddie.
Nach knapp 90 Minuten Spielzeit und einer unheimlichen Energieleistung seitens der Musiker räumen CRADLE OF FILTH dann mit der einzigen Zugabe ’From The Cradle To Enslave’ das Feld und entlassen ein zufriedenes Publikum in die Kälte. Festzuhalten bleibt, dass die Briten live wieder zu alten Stärken gefunden hat, aber auch, dass zu einer CRADLE OF FILTH-Show definitiv Songs wie ’Cruelty Brought Thee Orchids’ und vor allem ’Dusk And Her Embrace’ gehören. Oder aber ’The Twisted Nails Of Faith'. Und was ist mit ’A Gothic Romance'? Nun ja, alles kann man sicher nicht haben, aber es fühlt sich schon komisch an, diese Songs bei einem Konzert der erfolgreichsten Black-Metal-Band nicht zu hören. Aber das fällt in dem Moment weniger ins Gewicht, wo man sich noch einmal ins Gedächtnis ruft, dass man endlich mal wieder eine starke Band und nicht das in den letzten Jahren einem Kasperletheater ähnliche Ensemble gesehen und gehört hat. Ich fahre jedenfalls zufrieden nach Hause und blicke schon jetzt mit großer Spannung auf das Ende des Jahres erscheinende neue Album voraus.

Setlist:
Satyriasis (Intro)
Gilded Cunt
Nemesis
Mannequin
The Black Goddess Rises
Her Ghost In The Fog
Nymphetamine
Tortured Soul Asylum
The Forest Whispers My Name
The Promise Of Fever
Thirteen Autumns And A Widow

From The Cradle To Enslave

Redakteur:
Björn Backes

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