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Bringer Of Death-Fest XI - Giebelstadt

08.10.2007 | 15:54

29.09.2007, Industriepark Klingholz

Das "Bringer Of Death"-Fest ging am 29.09.2007 in die elfte Runde. In der mitterweile alteingesessenen Festival-Location im Industriepark Klingholz in Giebelstadt bei Würzburg zocken an diesem Abend insgesamt sieben Bands nahezu jeglicher Extrem-Metal-Couleur, die für strapazierte Nackenmuskeln sorgen.

Den Anfang macht gegen 18:00 Uhr die schwedische Death-Metal-Band INSURRECTION. Die vier Jungs, deren Altersdurchschnitt noch nicht einmal bei zwanzig Jahren liegen dürfte, zeigen sich technisch kompetent und abwechslungsreich. Leider reagiert das Publikum noch enorm zurückhaltend und etliche Besuchter tummeln sich wohl noch vor der Halle oder an den Merchandise-Ständen, als INSURRECTION aufspielen. In ihrem abwechslungsreichen Set mit einigen wirklich hörenswerten Melodic-Death-Stücken ragt auf alle Fälle 'Upon The Cross Of Redemption' heraus, das nach einem zweiminütigen balladesken Intro wie ein Orkan losbricht. Schade ist nur, dass wirklich tiefe und fiese Growls eher selten zu hören sind. INSURRECTION-Schlagzeuger Rickard Schill feiert just am heutigen Tag seinen neunzehnten Geburtstag und darf auch gleich ein Schlagzeugsolo spielen, das mit ordentlich Applaus bedacht wird. Insgesamt ein sehenswerter Auftritt einer jungen, aufstrebenden Band, von der man sicher noch hören wird. Hörproben der Band, die bisher erst ein Demo veröffentlicht hat, gibt es hier.

Zur Überraschung der Zuschauer steht nun stilistisch etwas gänzlich anderes auf dem Programm. IMPERIOUS REX spielen traditionellen Speed Metal, der tief in den 80ern verwurzelt ist und etwas an die deutschen Speed-Veteranen WARRANT erinnert. Das Trio dreht von Anfang an auf und schrotet sich mit ordentlich Tempo durch ein ganzes Bündel von Liedern. Nach zwei oder drei Songs ist leider allerdings schon eine Wanderbewegung etlicher Konzertbesucher gen Hallenausgang festzustellen. Auch die Publikumsreaktionen sind deutlich verhaltener als bei INSURRECTION. Dies hält jedoch insbesondere Sänger und Bassisten Nick Korshin nicht davon ab, einen energiegeladenen Auftritt hinzulegen und wenigstens eine Handvoll Maniacs mit Gute-Laune-Speed-Songs wie 'The Beast', 'Terminal Violence' oder 'Wild And Free' zu erfreuen. Immerhin werden IMPERIOUS REX mit Anstandsapplaus verabschiedet. Den hat sich die Band für meine Begriffe aber redlich verdient.

Klassischer Thrash mit einigen Death-Metal-Momenten (zum Beispiel Blastbeats) liefern dann BITTERNESS aus Waldshut-Tiengen. Schmissiger Kommentar von Sänger und Gitarrist Frank Urschler: "Wir sind BITTERNESS und wir geben euch jetzt die Fresse voll!". Yep, BITTERNESS legen einen durch und durch starken Auftritt hin. Die Bandmitglieder sind übrigens geschlossen in INSURRECTION-Shirts eingekleidet. Das Publikum mosht kräftig mit und erfreut sich an technisch hevorragendem Thrash, der nicht selten an reifere KREATOR erinnert und mit manchmal fast schon MAIDEN-artigen Gitarrenläufen aufwartet. Mit Tracks wie 'Crimson Serenade' und 'Silence Bloody Silence' können BITTERNESS beim Publikum punkten. Als Quasi-Zugabe fungiert wieder einmal der alte SEPULTURA-Klassiker 'Troops Of Doom', der noch einmal für klasse Stimmung sorgt. Echte Thrasher sollten BITTERNESS auf alle Fälle mal checken. Dies könnt ihr hier tun.

Holla die Waldfee! Waren die drei vorangegangenen Performances zwar allesamt sehenswert, so war doch das Stageacting der Künstler recht verhalten. MORTAL AGONY aus Bayreuth hingegen wuseln, posen und hechten über die Bühne wie Berserker! Mit einem energiegeladenen Gebräu aus fiesem, schnellem Grind mit meterdicken Groovepassagen und Death Metal wird hier ordentlich die Keule geschwungen. Dass sich die fünf bewegungstechnisch hyperaktiven Bandmitglieder nicht ab und zu das Griffbrett an die Birne hauen und sonstige Blessuren davontragen, das grenzt an ein Wunder. Neben sautiefen Grunts und aggressiven Fast-Metalcore-Shouts der Shouter Wolfgang Mudda und Andreas Noll grunzt auch Bassist Matthias Beck ultratief ins Mikro. Gerade Dampfwalzen wie 'Control' und 'We Don't Like You' sorgen für ordenlich Bewegung im Publikum. Für ungläubige Blicke und Erheiterung sorgen die kuriosen Laute, die einer der Shouter hervorbringt. Diese Geräusche klingen in etwa so, als wenn ein kiloschwerer Ochsenfrosch kurz vor dem Abnippeln steht - muss man gehört haben! Im Publikum gibt es wilde Circle-Pits mit etwa zehn bis fünfzehn Leuten, die allerdings extrem abgehen. Auch das beim "Bringer Of Death" legendäre Drei-Mann-Crowdsurfing wird im Verlauf des Gigs immer stärker praktikziert. MORTAL AGONY spielen Ochsenfrosch-Grind wie Sau und haben auf dem "Bringer Of Death" einen hammermäßigen Auftritt hingelegt. Für mich die Überraschung des Abends! Checkt auch ruhig mal die MySpace-Seite der Band an.

Eine Old-School-Abfuhr in Sachen Death Metal gibt es dann bei NECROTIC FLESH. Das Dreiergespann zockt Gore-Death in Reinkultur, der oft groovt. Frontgrunzer und Tieftöner Jürgen Werse hat seine Instrument stark runtergestimmt und so scheppert gerade der Bass ziemlich fies. Die Songmaterial klingt zunächst einmal recht cool und old-schoolig. 'Prenetal Decomposed' rumpelt besonders schmissig. Mit zunehmender Dauer wirkt das Songmaterial jedoch recht vorhersehbar und verliert an Fahrt. Den energiegeladenen Auftritt von MORTAL AGONY können NECROTIC FLESH jedenfalls nicht in den Schatten stellen.

Der Raum vor der Bühne füllt sich zusehends, als sich MASTER, die Band von Paul Speckmann, anschicken, die Bretter zu entern. Das Death-Metal-Urgestein und seine beiden Mitstreiter aus der tschechischen Republik trumpfen beim "Bringer Of Death" mächtig auf und werden vom Publikum wirklich abgefeiert. Nicht nur wegen ihrer Dreierbesetzung, sondern auch wegen ihres old-schooligen Sounds könnte man MASTER als die MOTÖRHEAD des Death Metal bezeichnen. Paul Speckmann ist bester Laune und schrotet sich durch neue Songs wie 'Slaves To Society', 'Judgement Of Will' oder auch 'All We Become'. 'Submerged In Sin' widmet Paul mit einem Augenzwinkern "...seinem Vater, dem ältesten Mann im Gebäude", nämlich der Turban-tragenden Merchandiser-Legende Singh, der in der ersten Reihe für seine weit über 60 Lenze gehörig abgeht. Nick Korshin von IMPERIOUS REX und auch Bandmitglieder von INSURRECTION stehen in der ersten Reihe und moshen bei MASTER gehörig ab. Dass sich der lange Bart von Paul nicht in den Saiten seiner Bassgitarre verfängt, grenzt fast an ein Wunder. Die sparsam, aber effektiv eingesetzten Schreie von Paul passen wie die Faust aufs Auge. MASTER können heute Abend einen wahren Siegeszug feiern. Top!

Die Niederländer von SEVERE TORTURE ziehen anschließend alle Register ihres Könnens und spielen angenehm technischen Death Metal vom Fass, der spielerisch grandios umgesetzt wird. Eine kurze Verzögerung wegen eines technischen Problems am Schlagzeug kommentiert Frontgrunzer Dennis mit einem lapidaren "It's always the fuckin' drummers!". Bei Hammertracks wie 'Endless Strain Of Cadavers' gibt es teils recht wilde Mosh- und Circle-Pits, und der älteste Mann im Publikum, Turbanträger Singh, stapft wie ein Walze durch das Publikum. Der Alte scheint dem Alkohol gut zugesprochen zu haben [Als Sikh? Is klar, ne? ;-) - Religionsexperte Rouven] und daher mischt der Gute sogar den Moshpit auf. Sachen gibt's! Mit 'Dismal Perception' gibt es sogar einen Track vom neuen Album "Sworn Vengeance" zu hören, das im November 2007 erscheint. Alles in allem haben SEVERE TORTURE eine wirklich starke Vorstellung hingelegt.

Der Umstand, dass gerade LIVIDITY die Position des Headliners nach dem mächtigen Auftritt von SEVERE TORTURE einnehmen, lässt bei mir gedanklich ein fettes Fragezeichen aufblinken. Für mich sind die US-Amerikaner nämlich ein Musterbeispiel dafür, dass stumpf nicht immer Trumpf ist. Nach einem sehr ausgewalzten Intro aus einem Erwachsenenstreifen (gähn!) legen die US-Amerikaner wie eine Horde wild gewordener Pitbulls los. So weit, so gut. Gitarrist und Kellergrunzer Dave Kibler gurgelt derart tief, dass er kaum noch hörbar ist. Das Liedgut klingt durch die Bank eindimensional und unspannend, Brutalität hin oder her. Was den "Gesang" anbelangt: wenn LIVIDITY echte Texte haben sollten, dann fress' ich 'nen Besen! Denn dieser beschränkt sich auf die Laute "...uiuiui..." oder "...ui...ui...ui" - nur eben zweieinhalb Oktaven tiefer gegrunzt, als sie ein Normalsterblicher seinen Stimmbändern entlocken könnte. Weiten Teilen des Publikums scheint der Auftritt dennoch Spaß gemacht zu haben.

Summa sumarum war auch das elfte "Bringer Of Death"-Fest ein cooles Event mit überraschend abwechslungsreichem Billing. Da dürfte für jeden musikalisch etwas dabei gewesen sein. Gerade die Urgesteine MASTER und die überraschend starken MORTAL AGONY haben einen verdammt coolen Auftritt hingelegt. Das nächste "Bringer Of Death"-Fest ist übrigens schon gebucht: Am 01.12.2007 gibt es in Giebelstadt mit COCK AND BALL TORURE, EARDELETE, CLITEATER, LAY DOWN ROTTEN, ONCE SOLEMN und VOICE OF REVENGE eins auf die Mütze. Als Headliner fungiert die holländische Death-Schwadron SINISTER. Be there!

Redakteur:
Martin Loga

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