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Break The Barriers-Festival - Bremen

28.02.2007 | 14:37

23.02.2007, Aladin/Tivoli

Gemütliche kleine Indoor-Festivals im Bremer Aladin/Tivoli helfen der norddeutschen Metalgemeinde seit einigen Jahren immer wieder, erfolgreich die Wartezeit bis zum nächsten Open-Air-Sommer zu überbrücken. Highlight des diesjährigen "Break The Barriers"-Festivals sind MASTERPLAN, die sich heute viel vorgenommen haben. Sowohl das neue Line-Up als auch die neue Scheibe "MK II" werden erstmals den Fans dargeboten.

Gegen 19:00 Uhr startet relativ pünktlich mit ETERNAL REIGN die erste Band. Der metallische Kosmos ist, wie wir alle wissen, voll von Urgesteinen, Genrebegründern, Urvätern, Underground-Legenden, Klassikern, Vorreitern und Pionieren, und alle sind - natürlich - total unterbewertet. Wir sehen an diesem Abend mit ETERNAL REIGN und VICTORY zwei Bands, die beide einen solchen Ruf weg haben, aber dennoch nicht unterschiedlicher sein könnten.

ETERNAL REIGN sehe ich heute zum zweiten Mal, und die Band bleibt nicht mehr und nicht weniger als ein netter Aufwärmer. Die gefällig runtergeballerten Power-Metal-Songs knallen ganz gut, aber keine Note bleibt im Ohr. Man muss den wirklich engagiert spielenden Jungs zugestehen, dass die erste Hälfte des Sets eher Soundcheck-Charakter hat. Schon hier kündigt sich an, dass das Thema "Sound" an diesem Abend noch eine tragende Rolle spielen wird. Höhepunkt des Sets ist das Kraftvolle 'Lord of Chaos'. Da man in Bremen ein Heimspiel hat, braucht sich die Band um Fanzuspruch sowieso keine Sorgen zu machen. Der Kommentar meines Nebenmannes gegen Ende des Sets, "Jetzt könnt's auch langsam mal losgehen, ne?!", enthält allerdings ein Fünkchen Wahrheit.

VICTORY sind für mich Metal-Jungspund ein unbeschriebenes Blatt. Mini-History: Die Band besteht seit 1984, hat unter anderem ACCEPT-Saitenhexer Hermann Frank in ihren Reihen und machte bis zur vorläufigen Einmottung 1994 alle "Highs & Lows" des Showgeschäfts inklusive diverser Besetzungswechsel durch. 2003 fand man sich für eine Reunion-Show in Wacken im Original-Line-Up wieder zusammen und spürte danach wieder den "Hunger". In der Besetzung Charlie Newton (g.), Hermann Frank (g.), Fargo-Peter Knorr (b.) und mit Fritz Randow-Ersatz Achim Keller an den Kesseln steht die Band heute wieder im Rampenlicht. Lediglich Ur-Sänger Charlie Huhn hatte wohl zuviel zu tun, um mit seinen alten Kollegen ein paar Clubs zu zerlegen. Kurzerhand hat man sich Captain Jack Sparrow aus dem "Fluch der Karibik" geangelt. Halt! Das ist ja HUMAN FORTRESS' Jioti Parcharidis! Meine Güte, mit Ohrring, Kopftuch, Schminke und Zöpfen könnte das glatt des "depperten Johnnys" Bruder sein. Cool ...

Dass die Truppe mehr kann als posen und sich lustig anziehen, muss eh keiner der Musiker mehr beweisen, und so spielen VICTORY völlig relaxt und abgezockt eine wirkliche Riesenshow! Die eingängigen, mächtig Arsch tretenden Hardrocksongs mit Mitgrölrefrains entfachen Feierlaune, und Hermanns Soli verleihen dem ganzen die nötige Würze. VICTORY werden zudem erstklassig abgemischt, natürlich zwei bis drei Nummern zu laut für einen Club, aber das gehört wohl mittlerweile zum guten Ton. Die Band (deren Mitglieder zum Teil mit meinem Vater in der Altliga unseres Fußballclubs kicken könnten) beweist heute, dass sie einen großen Vorsprung gegenüber vielen uninspirierten Reunion-Projekten hat. Vielleicht war die durchaus riskante Frischzellenkur am Mikro in diesem Fall ein Glücksgriff. Das euphorische Publikum leiert der gut gelaunten Band mühelos noch eine Zugabe aus den Rippen, bevor der Vorhang endgültig fällt.

Das neue MOB RULES-Album "Ethnolution A.D." ist nun schon eine Weile im Umlauf, und der Co-Headliner-Status bei einem Event wie diesem zeigt, dass man wieder ein Stückchen gewachsen ist. Auch die Anzahl der textsicheren Fans mit "Ethnolution"-Shirts beeindruckt. Dies ist bestimmt mein zehntes Konzert dieser Truppe und die stetige, konsequente Entwicklung und Entfaltung der einzelnen Bandmitglieder nötigt mir immer noch Respekt ab. Denkt man an das erste Konzert 2004 mit Gitarrero Sven Lüdke zurück, wird dies besonders deutlich. Nahm ich damals den Unterschied zu seinem Vorgänger Oliver Fuhlage kaum als signifikant wahr, würde ich heute bedingungslos für eine Neueinspielung der Alben "Temple Of Two Suns" und "Hollowed Be Thy Name" sprechen. Einfach groß, mit wie viel Gefühl Sven diese Nummern neu interpretiert! So machen dann auch alte Gassenhauer der Marke 'Outer Space' und 'Lord of Madness' immer noch richtig Laune. Ihren Höhenpunkt erreichen MOB RULES auf dieser Tour aber stets mit dem zwanzigminütigen 'Enthnolution'-Zyklus, der einfach alles zu bieten hat. Die Effekte werden live angenehmerweise zurückgefahren. So Hämmert Markus He-Man - äh, Brinkmann - das 'Ahes to Ahes' Streicher-Intro schön roh auf dem Bass runter, und auch die auf älteren Scheiben oft dominante "Tischhupe" findet harmonisch und unaufdringlich ihren Platz im Live-Sound.

Bis jetzt also alles sehr schön, aber: Warum sind wir noch mal eigentlich hier? MASTERPLAN! Ach ja, richtig! Zu vorgerückter Stunde machen sich Roland Grapow und seine neue, runderneuerte Power-Metal-Schwadron daran, eigenhändig ihr Equipment aufzubauen. T-Shirts von MASTERPLAN gibt's heute Abend keine, wie mir der TWS-Merchandise-Papst verrät. "Die sind nicht mit dem Pressen fertig geworden." Ein Omen? Ach quatsch, es kommt ja auf die Musik an! Leider kommt es das:

MASTERPLAN haben heute den wohl schwierigsten Auftritt ihrer Karriere vor sich. Wird sich doch heute zeigen, wie schwer der Abgang von Ausnahme-Sänger Jorn Lande und Gründungsmitglied Uli Kusch wirklich wiegt. Heute soll Mike DiMeo 400 eingefleischten Fans zeigen, dass er den Songs der ersten beiden Alben seinen Stempel aufdrücken kann. Heute will uns die Band ein Album vorstellen, das in der Musikpresse bereits größtes Lob eingeheimst hat. Man merkt den erfahrenen Profis an, wie sehr sie es uns allen beweisen wollen.

Doch es kommt alles anders: Schon als Mike "der Kraken" Terrana sein überdimensionales Drumkit aufbaut (das mich stets an das Soundchaser-Monster auf den RAGE-CDs erinnert) schwant mir Übles. War noch im Vorfeld überall zu lesen, wie dezent sich der Knüppeltitan während der Produktion zurückgehalten habe, bombt er heute gnadenlos alles zu. Das Schlagzeug kommt erstens viel zu laut und ist zweitens schrecklich abgestimmt. Ein klirrendes, ratterndes und grollendes Gewitter lässt die ersten beiden Songs bis zu Unkenntlichkeit verschwinden. Okay, das ist oft so - wird schon werden ...

... es wird nicht. DiMeo hört man das ganze Set über nicht, Gitarren lassen sich nur erahnen. Zwischendurch Soundchecks und Diskussionen mit dem Mischer. Die Band hört sich selbst nicht und zieht einen kompletten Blindflug durch, mit allen Konsequenzen. Songtitel und -strukturen verblassen im von Rückkopplungen entstellten Soundbrei.

Warum hat eine Band wie MASTERPLAN keinen eigenen Mischer dabei? Warum nutzte man die Zeit im Vorfeld (die da war!) nicht für einen Soundcheck? Die Band müht sich wirklich nach Kräften, aber es will einfach nicht werden. Das Resultat bleibt ein Graus, und der Headliner des "Break The Barriers" spielt bedauerlicherweise langsam aber sicher den Saal leer. Einige Hartgesottene bleiben, auch wir - in der Hoffnung auf Besserung. Als dann allerdings Terrana zu einer seiner zehnminütigen Selbstbeweihräucherungen, genannt Drumsolo, ansetzt, beschließen auch wir zu gehen. Die Nummer ist auf einem MASTERPLAN-Konzert einfach völlig deplaziert.

Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass mir beim Verfassen dieser Zeilen "MK II" bereits vorlag und der erste Durchlauf jeden Fan versöhnlich stimmen sollte - und mit der Zeit noch wachsen wird. Ich denke MASTERPLAN haben in Zukunft auch in dieser Besetzung einiges zu bieten. Geben wir den beiden Mikes also eine zweite Chance und vergessen ganz schnell den gestrigen Ausrutscher!

Gastautor Thomas van der Laan

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