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Black Sabbath - Noblesville

01.09.2013 | 18:51

20.08.2013, Klipsch Music Center

BLACK SABBATH in den USA auf ihrer "13"-Tour. Ein Eindruck, bevor die Herren ihren Abstecher nach Europa machen.

Da ich zufällig in Indianapolis weile, während die Erfinder des Heavy Metal hier Station machen, lasse ich es mir natürlich nicht nehmen, die $100 anzulegen und eine Karte für den Auftritt im Klipsch Music Center in Noblesville, Indiana, zu erwerben.

Immerhin kommen die metallischen Dinosaurier beinahe in Originalbesetzung auf Tour. Dass Bill Ward nicht dabei sein kann, ist ja allgemein bekannt, und so schade das auch ist, ist es natürlich klar, wenn das denn der Grund ist, dass kein Musiker auftreten kann, der einen Gig nicht durchhält. Ob allerdings die anderen drei überhaupt in der Lage sein werden, auf ihre alten Tage noch so eine Tour durchzustehen, ist ebenfalls eine Frage. Immerhin sind alle drei kurz vor dem Eintritt ins Rentenalter (aktuell zusammen 192 Jahre alt). Aber das letzte Album "13" macht Hoffnung, schließlich ist es so Sabbath, wie die Band lange nicht mehr war. Das Klipsch Music Center entpuppt sich als eine ziemlich große Outdoor-Arena, teilweise überdacht, mit 6000 Sitzplätzen und einem Fassungsvermögen von insgesamt 18000. Das Wetter ist schön, aber nicht zu heiß, es ist ein kurzer Fußmarsch vom Parkplatz, der mehr als eine Stunde vor Beginn schon ordentlich gefüllt ist.

Dann fragende Gesichter. Eine Warteschlange? Schön ordentlich in Reih und Glied stehen die US Amerikaner da und warten. Worauf nur? Vielleicht wollen die alle Karten kaufen? Soll ja immerhin schon in weniger als einer Stunde losgehen. Also gehen wir, das ist neben mir mein Freund Dan aus Indianapolis, mit dem ich beim Metalexpressradio zusammenarbeite, an der Schlange vorbei nach vorne auf der Suche nach dem Eingang für diejenigen, die bereits Karten haben. Aber falsch gedacht: Es ist nicht einmal Einlass! Ziemlich diszipliniert und stoisch ertragen die Metalfans sowohl das Anstehen als auch Armleuchter wie uns, die die Schlange passieren. Natürlich gehen wir nicht mehr zurück, sondern bleiben recht weit vorne stehen. Mittlerweile habe ich auch gehörig Durst, doch erst kurz vor 19.00 Uhr gelangen wir ins Innere.

Am Eingang befindet sich erst einmal ein Merchandise-Stand, aber die langen Schlangen vor den T-Shirts überzeugen mich, das Ganze zu verschieben. Erstmal ein IPA geholt, ein Indian Pale Ale, natürlich 22 Unzen oder 650 Milliliter; eine ordentliche Größe für ein Bier, kostet aber auch $11. Ja, die Konzerte in den USA sind auch nicht bekannt für arbeitnehmerfreundliche Preise. Dafür haben sie aber eine mächtige Auswahl an Faßbieren. In Deutschland gibt es eines, hier gibt es zwölf. Das und ein durchaus erträglicher Burger leisten uns Gesellschaft, während wir der Kapelle lauschen, die am Eingang auf einer Bühne einen ziemlichen Radau macht. PHOENIX ON THE FAULT LINE heißen die neun Musiker, darunter gleich drei Bläser und zwei Drummer. Wie gesagt, eine ordentliche Portion Lärm mit fettem Groove und interessanten Bläsereinsätzen. Kurzweilig und eigenwillig, eine Band, die ich lieber auf der Hauptbühne gesehen hätte, denn was da nun passiert, ist gelinde gesagt eine Frechheit.

Als erstes darf nämlich ANDREW WK auf die Bühne. Wie bitte? Ist nicht so schlimm? Ja, hätte es sicher sein können. Nicht so schlimm, meine ich. Wenn er mit Band und eigenem Material aufgetreten wäre. Aber er ist als DJ da und legt ein paar Platten auf. Was ist denn das für ein Blödsinn? 'Electric Eye’ oder 'The Last In Line' sind ja tolle Songs, aber brauche ich die wirklich mit Vorturner auf der großen Bühne? Hätte da nicht lieber PHOENIX ON THE FAULT LINE spielen können? Allgemein löst sich Unglaube in Stirnrunzeln und dann in allgemeine Gleichgültigkeit auf. Wir holen uns noch ein Bier, die Merch-Stände sind immer noch höllisch voll, und ANDREW lässt ein paar Scheiben rotieren, schießt ein paar T-Shirts ins Publikum und ist nach einer Dreiviertelstunde zur allgemeinen Erleichterung wieder fort. Der Applaus ist ausgesprochen übersichtlich. Sharon, das war doch deine Idee, oder? Da hättet ihr auch einfach ein paar Tracks der Soloplatten der Akteure spielen können, ein bisschen OZZY, etwas G/Z/R bzw. GEEZER, etwas IOMMY, das wäre noch billiger gewesen. Na ja, egal, es ist vorbei.

Eine gute Viertelstunde später geht es dann los. Von Beginn an ist der Sound brillant. Gut, dass ist der Vorteil eines Eintänzers mit Mucke aus der Konserve: der Sound ist eingestellt und wird nicht angerührt. Trotzdem, andere schaffen das ja auch. Aber natürlich ist jeglicher Unmut über das Vorgeplänkel vergessen, denn BLACK SABBATH macht mit 'War Pigs' gleich mal ein mächtiges Fass auf und Ozzy singt abwechselnd mit dem Publikum. Was fällt auf? Tony Iommi im langen, schwarzen Ledermantel, Geezer Butler kleidert sich ebenfalls nach dem Motto "wir tragen schwarz bis jemand etwas dunkleres erfindet", Ozzy bringt Farbe ins Spiel und ist zur Abwechslung mal schwarz gekleidet. Gut, dass es an Licht nicht mangelt. Die Bühne besteht hauptsächlich aus zwei Verstärkerwänden neben dem erhöhten Drumkit und viel Platz für die Musiker, wobei die beiden Saitenartisten sich wie erwartet zurückhalten und sich wenig, und wenn dann nur langsam, bewegen. Ozzy dagegen macht das, was Ozzy immer macht. Er singt, steckt das Mikrofon in den Ständer, läuft nach links, klatsch und feuert die Fans an, dann geht es wieder zurück und es wird ein wenig gesungen. Danach das Ganze zur rechten Seite. Das habe ich wirklich vermisst. Toll. Ozzy, wie er leibt und lebt und uns hoffentlich noch lange erhalten bleibt.

Einige weitere ältere Tracks werden gespielt, darunter auch das von mir unerwartete 'Under The Sun', bevor es mit 'Age Of Reason' erstmals ins aktuelle Album "13" geht. Wie erwartet fügen sich die neuen Songs, später gibt es noch mit 'End Of The Beginning' und 'God Is Dead?' zwei weitere aktuelle Lieder, prächtig in die Setlist ein. Ozzy ist geradezu fantastisch bei Stimme. Klar und kräftig, und er hält selbst bis zum Ende sehr ordentlich durch. Wer es nicht glaubt, sollte mal im Netz bei einem einschlägigen Portal suchen. 'Paranoid' war ganz am Ende, aber Ozzy klingt immer noch fit, vielleicht nicht wie zu Beginn des Gigs, aber dafür war er auch viel unterwegs. 64? Pah!

Während des gesamten Gigs werden auf einer großen Leinwand im Bühnenhintergrund Einspieler oder Großaufnahmen der Musiker gezeigt. Offensichtlich genießen die alten Herren den Gig und die Begeisterung des Publikums, das diesen Best-of-Set und seine Macher mächtig feiert. Nach etwa zwei Dritteln des Sets ist es dann Zeit für den vierten Musiker, mal richtig Dampf auf die Kessel zu bringen. Wie schon erwähnt ist Bill Ward nicht dabei. An der Schießbude sitzt Tommy Clufetos, der auch das letzte OZZY OSBOURNE-Album eingetrommelt hat. Ein sehr anhörbares, allerdings auch recht langes Drumsolo ist die notwendige Verschnaufpause für die Band. Ich kann mir richtig vorstellen, wie die älteren Herren sich Backstage um das Sauerstoffzelt zanken. Einige Pfiffe aus dem Publikum deuten an, dass es vielleicht auch etwas zu lang ist, aber wie sagt man im Norden? Wat mut, dat mut. Zum großen Finale kehrt die Band zurück mit 'Iron Man', 'Children Of The Grave' und dem ungewöhnlichen 'Dirty Woman', dem einzigen Song, den ich getauscht hätte, wenn man mich gefragt hätte. Hat man aber nicht. Dass man dann allerdings in der Zugabe 'Sabbath Bloody Sabbath' nur anspielt und in den Rausscheißer 'Paranoid' übergehen lässt, ist ein Wermutstropfen. Aber das kann den Abend nicht nachhaltig trüben.

Nach beinahe zwei Stunden inklusive zehnminütigem Drumsolo ist der Spaß leider zu Ende. Der Jubel und die Begeisterung sind groß und berechtigt. Ich hätte nie erwartet, dass BLACK SABBATH noch so rockt. Ich hole mir noch schnell ein T-Shirt für $40, ein durchaus akzeptabler Preis, wie ich finde, und mache mich auf den Rückweg. Im November und Dezember kommen die Herren nach Deutschland. Die Preise sind zwar nicht gerade ein Sonderangebot, aber nach dem Auftritt in Noblesville weiß ich: Die geben alles. Eine beeindruckende Show, eine tolle Setlist und eine mitreißende Performance. Wer das Geld anlegt, darf darauf hoffen, alles dafür zu erhalten, was er erwarten darf.

Setlist: War Pigs, Into the Void, Under the Sun/Every Day Comes and Goes, Snowblind, Age of Reason, Black Sabbath, Behind the Wall of Sleep, N.I.B., End of the Beginning, Fairies Wear Boots, Rat Salad, Drum Solo, Iron Man, God Is Dead?, Dirty Women, Children of the Grave, Encore: Paranoid (Sabbath Bloody Sabbath Intro)

Redakteur:
Frank Jaeger
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