top banner 156

Bela B. y Los Helmstedt - Potsdam

09.08.2007 | 09:43

07.08.2007, Lindenpark

Karten für Auftritte von auch nur Teilen der ÄRZTE aus Berlin gehören in die Kategorie Bückware. Diese zu Menschenmassen gewordene These können an diesem ganz normalen ersten August-Montag die Leute beobachten, die sich schon mindestens einen Monat zuvor die Karte für BELA B. Y LOS HELMSTEDT gesichert haben. Der Potsdamer Lindenpark ist ausverkauft und völlig überfüllt. Davon profitieren erst die lokalen Psychobilly-Rocker von den THREE FLANDERS, noch mehr aber der Berliner Kult-Punker BELA B. und seine Truppe. Es ist einer der Abende, an dem eine umjubelte Band auch Schlager spielen könnte - und trotzdem die Massen kreischen würden.

Doch zunächst rockt BELA B. kräftig ab. Seine neue Single 'Gitarre runter' ist dran, bei der es um das wichtige Problem geht, dass viel zu viele Musiker ihre Klampfe viel zu hoch tragen. Das gehört nach BELA B.s Meinung angeprangert, weil auch das Auge mitrockt. Er und seine Band machen es besser, bei den Punkrockern hängt die Gitarre kurz über dem Knie, damit die Weichteile verdeckt bleiben. Die Fans honorieren ihre Coolheit mit einem satten Pogo-Pit, der die ohnehin heißen Temperaturen im Lindenpark noch ein paar Grade anhebt. "Die Nacht wird hart, wird lang", sagt Mr. Großmeister Felsenheimer und stimmt den 'Zapping Song' an. Mit jedem weiteren Stück wird klar, was BELA B. Y LOS HELMSTEDT von den ÄRZTEN unterscheidet: Diese Jungs sind mehr Punkrock als die Doktoren, besitzen aber nicht ganz so eine Spielbreite, arbeiten nicht mit so vielen Einflüssen aus verschiedenen Musikgenres. Vielmehr setzt BELA B. vor allem auf seine Liebe zu Western-Klängen, die geschickt mit typischem Punk-Rock-Riffs kombiniert sind und so äußerst tanzbar klingen. "Mit dieser Gruppe bin ich jetzt ein Jahr unterwegs, mit der anderen erst wieder im nächsten Jahr", lässt BELA B. verlauten und lächelt verschmitzt. Die Fans jubeln, alle scheinen sich auf die für 2008 angekündigten ÄRZTE-Konzerte in Berlin zu freuen. Und so stellt auch BELA B. fest, dass LOS HELMSTEDT eben nur die "zweitbeste Band der Welt" ist. Was wohl sein Kollege Farin sagen würde, der ja auch ein recht erfolgreiches Soloprojekt betreibt? Egal. Die Fans feiern, Titel wie 'Letzter Tag' werden bebrüllt, bepfiffen und beklatscht. Auch der politische Teil kommt nicht zu kurz, als der ÄRZTE-Schlagzeuger sich über Nazis mit Schlips aufregt - und über Politiker, die das noch tolerieren. "Deutsche, kauft nicht bei Nazis", ruft BELA B. und stimmt den gleichnamigen Song an, den er auf seiner Homepage kostenlos veröffentlicht hat. Das Publikum honoriert das Stück mit lauten "Nazis raus!"-Rufen. Ein anderer Song - 'Money' - ist einer Berliner Punk-Ikone gewidmet. Und so weiter ... das Konzert ist abwechslungsreich, die Songs kurzweilig, BELA B. sympathisch, auch deswegen, weil er die THREE FLANDERS als seine Vorband ganz ausdrücklich lobt.

Und dann kommt der Moment, in dem die Fans plötzlich auch Schlager gut finden (müssen). 'Und es war Sommer' von PETER MAFFAY wird angestimmt, ein Stück über den ersten Sex eines 16-Jährigen mit einer wesentlich reiferen Frau - und alle singen mit. Danach stellt BELA B. fest, dass seine Band und er nun "erotisch so aufgeheizt sind, dass wir uns nach dem Song ins Publikum stürzen und uns wahllos vermehren." Es sind solche Witze, die das Publikum von BELA B. erwartet, besonders die vielen jungen Mädels kreischen. Die Band spielt noch 'Loverboy': Ein schicker Abend ist schon wieder vorbei. Kein Wunder, dass die ÄRZTE mit solchen Einzelmusikern so beliebt geworden sind.

Redakteur:
Henri Kramer

Login

Neu registrieren

Wir verwenden Cookies, um unsere Website besser gestalten und verbessern zu können. Diese nutzen wir unter anderem für die Reichweitenmessung und zu Marketing- und Optimierungszwecken. Durch die weitere Nutzung der Website stimmst Du der Verwendung von Cookies zu (weitere Informationen gibt es hier).