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BLOOD CEREMONY - Frankfurt am Main

29.05.2014 | 15:39

26.05.2014, Nachtleben

Die Beliebtheit von okkultem Doom Rock ist auch im Jahre 2014 ungebrochen. Die Kanadier von BLOOD CEREMONY rufen ihre Jünger in Europa und sie kommen in Scharen in die Konzerttempel der alten Welt. An diesem verregneten Montag ist im Frankfurter Nachtleben der Altar für die schwarze Messe vorbereitet.

Das Wetter ist ein Trauerspiel. Nachdem der Tag von Schauern durchzogen war, regnet es sich am Abend immer mehr ein und es will gar nicht mehr aufhören. Zum Glück ist der Konzertsaal des Nachtlebens an der Frankfurter Konstablerwache unter der Erde und man kann sich bei einem kühlen Apfelwein die Zeit bis zum Beginn der heutigen Show gemütlich vertreiben. Allerdings kommt direkt zu Anfang die erste Ernüchterung. Nachdem bereits am Vortag klar war, dass der Tour-Support SPIDERS wegen Krankheit nicht spielen wird, wird jetzt offiziell bekanntgeben, dass es auch keinen Ersatz geben wird. BLOOD CEREMONY muss alleine ran und wird dafür das Set etwas erweitern.
Um Viertel nach neun beginnt die Show der Nordamerikaner und die Stimmung ist sofort am Anschlag. Man verliert keine Zeit mit lauen Füllern, sondern packt mit dem recht neuen 'Witchwood' als Opener, 'I'm Coming With You' und 'Return To Forever', beide jeweils vom Debütalbum, schon zu Anfang drei ganz schwere Keulen aus, die vom Publikum mit Bewegungsfreudigkeit und Begeisterungsstürmen quittiert werden. Auch mein persönliches Highlight 'Goodbye Gemini' kommt schon recht früh und scheint nicht nur mir zu gefallen. Im Stile von Woodstock sieht man einige Zuschauer wie hypnotisiert sich zur Musik bewegen. Es geht aber auch anders. Ein anderer Teil der Menge steht einfach nur andächtig vor der Bühne und lauscht gebannt der Musik.
Das Treiben auf der Bühne ist demgegenüber sehr agil und allen voran die charismatische Frontdame Alia stellt eindeutig unter Beweis, über wie viel Bühnenpräsenz sie verfügt. In ihrem engen schwarzen Lederoutfit mit roten Fransen an den Armen ist die Kanadierin ein echter Blickfang, der sich durch sein eindrucksvolles Multitasking als virtuose Multiinstrumentalistin entpuppt. Ständig wechselt sie zwischen engelsgleichen Gesangspassagen, zauberhaften Einlagen an der Querflöte und teils aggressiven Keyboardparts hin und her und schafft es dabei noch mit ihren Bandkollegen und dem Publikum zu interagieren. Nur wenige Musiker kriegen einen solchen Spagat hin, aber Frau O'Brien meistert ihn erstklassig. Sie ist auch trotz der langen Tour immer noch so gut drauf und auch um keine kesse Ansage verlegen. Hier können sich auch ältere Bands gerne noch eine Scheibe von Abschneiden.
Die Setlist kann sich derweil sehen lassen und bietet mit 'My Demon Brother' und 'Coven Tree' auch im weiteren Verlauf einige Highlights. Viel zu schnell verabschieden sich jedoch die vier Musiker das erste Mal von der Bühne, um kurz drauf mit 'Children Of The Future' den Zugabenblock zu beginnen. Dieser endet leider bereits mit dem zweiten Titel 'Master Of Confusion', das sehr ausschweifend mit exzessivem Keyboard-Geschrubbe und Drumsolo gefeiert wird, bevor dann leider endgültig Feierabend ist und die Lichter angehen.
Die Zeit ist zwar wie im Flug vergangen, allerdings war es insgesamt ein eher kurzer Konzertabend und die Spielzeit von knapp 70 Minuten wiederum auch kein adäquater Ersatz für das Wegfallen einer Vorband. Viele Besucher kratzen sich am Kopf und fragen sich, wie lange die Nordamerikaner normalerweise gespielt hätten, wenn die SPIDERS dabei gewesen wären, aber sei es drum. Inzwischen hat man sich ja fast an die vergleichsweise kurzen Spielzeiten der Bands jenseits des Atlantiks gewöhnt und BLOOD CEREMONY hat auch so eine bärenstarke Show abgeliefert, die den Stellenwert der Kapelle innerhalb der okkulten Doom Rock Szene eindrucksvoll untermauert hat. Außerdem hat der recht frühe Zapfenstreich den Vorteil, dass man auch bei einer weiteren Heimreise immer noch gemütlich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln nach Hause kommt und die Fahrtzeit (wie im Fall des Autors) zum Schreiben eines Konzertberichts nutzen kann.

Redakteur:
Adrian Wagner

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