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BLOODSPOT: CD-Releaseparty "By The Horns" - Limburg an der Lahn

15.12.2013 | 15:20

16.11.2013, Kakadu

In Limburg gibt es nicht nur dekadente Würdenträger sondern auch ganz kompetente Metalbands. Die Death-Thrasher von BLOODSPOT sind so eine Kapelle und feiern den Release ihres zweiten Albums 'By The Horns' mit gebürender Festlichkeit.

In Limburg gibt es selten die ganz Großen des Metals zu bestaunen, aber im Underground brodelt es schon seit Jahren. Vor allem das alte Kalkwerk auf der Grenze zur Nachbarstadt Diez ist ein Brutkasten für junge Bands und bietet sowohl Raum zum Proben als auch einen Ort für kleine Konzerte, die im angeschlossenen Ranzschuppen Kakadu zelebriert werden. Das ist ein Punkladen, wie man sich ihn vorstellt. Spartanische Einrichtung, bunte Wände und Hansa Pils für einen Euro die Pulle. An diesem Ort wurden die Dreschflegel von BLOODSPOT gegründet. Die Death-Thrasher lassen sich bei ihrer zweiten Full-Length nicht lumpen und wählen das angestammte Domizil als Ort für ihre Release Party. Zuspruch hat die Band offensichtlich viel, denn das Venue ist ziemlich gut besucht und es wird recht kuschelig.
Bei der ersten Bands des Abends DIVIDED IN SPHERES ist das Gedränge jedoch noch nicht ganz so krass und man kann sich bequem in der ersten Reihe herum lümmeln. Der Opener ist eine reinrassige Melo-Death-Kapelle und gehört klanglich nach Göteborg verordnet. Hier steckt so viel IN FLAMES drin, dass man es kaum überhören kann, aber auch ein gewisser Metalcore-Einschlag ist zu verzeichnen, auch wenn dieser nicht so penetrant ist, wie man es von deutschen Bands der 2010er gewohnt ist. Technisch scheinen die Jungs auch auf der Höhe zu sein und agieren auf der Bühne routiniert und souverän. das Songmaterial allerdings (unter anderem 'Forgiveness', 'Clock' oder auch 'Perverted Future') bewegt sich lediglich im Erwartungshorizont und besitzt einfach zu wenig individuelle Höhepunkte, um die Limburger Zuschauer vom Hocker zu reißen. Sympathiepunkte sammelt man allerdings durch das BLOODSPOT-Cover 'Consumed By Hatred', das ordentlich abgefeiert wird. Alles in allem ist der Gig okay, aber nicht weltbewegend.
Besser bei den Besuchern kommt da schon die derbe (Melodic)-Death-Truppe THE LAST HANGMEN an. Die in der Hauptsache langhaarigen Burschen orientieren sich zwar auch an der Göteborger Schule, aber beziehen sich dabei stärker auf AT THE GATES. Die Lieder sind viel aggressiver und haben, wie zum Beispiel bei AKREA, eine leichte Viking- beziehungsweise Black-Metal-Note. Auch die Lyrics sind todesmetallischer als beim Opener. Tracks wie 'Knocking Tombstones Down' oder 'Rotten Seeds' vom aktuellen Longplayer hauen gut rein und bringen einige Zuschauer richtig in Fahrt. Vor allem das Drumming hat bei den Gehängten eine Menge Power. Da ist es kein Wunder, dass es das erste mal am Abend amtlich abgeht vor der Bühne und einige Zuschauer sich dazu hinreißen lassen, die Matte zu schwenken. 'The Legions Of Lost Souls' beendet dann den Reigen und lässt einen perfekt vorbereitetes Feld für den Headliner zurück.
BLOOSPOT haben es aber auch so leicht, dass Publikum im Sturm zu nehmen. Einerseits weil das Kakadu geradezu das Wohnzimmer der Band ist, zum anderen weil das neue Album "By The Horns" die besten Songs enthält, die die Limburger je geschrieben haben. Thrashiger und brutaler als sonst präsentiert sich das Quintett dem Publikum und besticht durch grandiose Riffs, die teilweise an EXODUS und TESTAMENT erinnern. Stimmlich erweist sich der Sängerwechsel im letzten Jahr als absoluter Glücksgriff, und das nicht nur weil der barfüßige Glatzkopf Pete ein echter Sympathieträger ist, sondern auch weil sein Organ voll unbändiger Energie steckt und seine Screams einen herrlichen Kontrast zum groovenden Sound darstellen. Vor einigen Jahren konnte man bei der Band noch stellenweise einige Metalcore-Trademarks heraushören, doch davon hat man sich inzwischen völlig emanzipiert und beweist, dass man gereift ist. Die Jungs haben die Menge locker in der Hand und heizen den Besuchern ordentlich ein. Es wird gemosht, gebangt und sogar von der Bühne gesprungen. Auch das vom Opener bereits gezockte 'Consumed By Hatred' zündet wie immer und sorgt für eine gute Stimmung. Als sich der Gig mit 'Enter The Gray' und 'Lifeless Flesh' dem Ende zuneigt, können sich die Musiker kaum noch auf den Beinen halten. Schweißgebadet und völlig erschöpft steht der Fünfer am Ende auf der Stage, erhält aber den verdienten Applaus für eine großartige Leistung. Auch insgesamt war der Abend ein voller Erfolg und lässt keinen Metaller enttäuscht zurück. Wer BLOODSPOT bis dato nicht kannte, sollte sich den Namen merken. Die Jungs können mit "By The Horns" definitiv den nationalen Durchbruch schaffen und damit selbst zu den Größen der Szene aufschließen, die so selten in Limburg zu bestaunen sind. Das Potenzial ist jedenfalls vorhanden.

Redakteur:
Adrian Wagner

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