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BEYOND THE BLACK - München

24.06.2015 | 09:37

16.05.2015, Backstage Halle

Kein Konzert, sondern ein Triumphzug!

Es lässt sich nicht mehr leugnen, einer der großen Abräumer des Jahres ist BEYOND THE BLACK, die Truppe um die blutjunge Sängerin Jennifer Haben. Auch wenn die Kritiken für ihr Debüt "Songs Of Love And Death" nicht überall gut waren, geht die Karriereleiter steil nach oben. Denn die Band hat etwas, was die Leute in Scharen zu den Konzerten strömen lässt. Auch der Münchner Gig in der Backstage-Halle ist schon lange vorher "ausverkauft" gemeldet gewesen. Für die erste Headliner-Tour eines Newcomers ist dies ein sensationeller Erfolg! Und spätestens nachdem ich zwei Stunden nach dem Startschuss 'In The Shadows' schwitzend und glücklich aus der Halle springe, wird mir klar, warum diese Band auf so großer Spur unterstützt wird. Sie haben einfach Charisma, Humor und Enthusiasmus und dazu die perfekte Mischung aus der nötigen Professionalität und fast kindlicher Freude am Spielen.

Doch schauen wir zunächst mal auf das Publikum. Ich sehe hier alles von bierbäuchigen Alt-Metallern über Normalo-Studenten bis zu Gothic-Chicks. Alles zwischen 12 und 65, was Rock und Metal mag, möchte hier seinen Spaß haben, so scheint es. Auch die T-Shirts sind sehr gemischt, jedoch mit einer auffälligen Häufigkeit der schönen SÓLSTAFIR-Kleidungsstücke. Und auch DELAIN scheint erstaunlich populär zu sein. Doch nun zu BEYOND THE BLACK.

Anfangs muss sich, wie eigentlich fast immer, der Sound ein wenig finden, und Jennys Vocals wirken ein klein bisschen verloren. Auch merkt man ihrer Stimme die Jugend live noch ein wenig mehr an als auf Konserve, aber hey, genau das ist der Trumpf, der nach ein paar Minuten gnadenlos sticht. Das Publikum LIEBT dieses Mädchen - ich nehme mich da gar nicht aus -  und feiert mit der Band eine rauschende, sich bis zum Ende immer weiter steigernde Party.

Insgesamt klingt die Gruppe live deutlich rauer und metallischer, vor allem die tief gestimmten Gitarren drücken ohne Ende und die Haare fliegen von der ersten bis zu letzen Reihe. Es scheint, als sauge die Band die Zuneigung des Publikums auf und verwandle diese in pure Energie. Dabei merkt man der Band - vor allem Jenny - an, dass sie es wirklich kaum glauben kann, was hier geschieht. "Ich sehe, die Halle ist voll und ihr seid alle gekommen wegen uns? Nur wegen uns? Das ist der pure Wahnsinn..."

Und spätestens ab 'When Angels Fall' purzelt es Höhepunkte. Das leicht kitschige 'Pearl In The World Of Dirt' hat live eine ganz andere Dimension. Ich bin davon sehr ergriffen insbesondere die Gitarrensoli sprühen hier ähnliche Funken wie damals jene von Criss Oliva bei SAVATAGE.  Nils Lesser heisst der Mann, da darf man gerne mal auf die Finger schauen. Geil, was der so zockt. Absolute Aufmerksamkeit gibt es dann für Jenny, als das MOTÖRHEAD-Cover 'Love Me Forever' singt. Hier durchfährt sicher auch dem einen oder anderen Älteren im Publikum ein Schauer der Rührung.

Ach ja, und wenn wir schon bei den alten Metal-Heroen sind: was ich an IRON MAIDEN, SAVATAGE und Co an meisten schätze, ist, dass sie eine Armee an fantastischen Hooks geschrieben haben, die man lauthals singend in die weite Welt feuern kann. Und BEYOND THE BLACK macht sich drauf und dran, sich ein eben solches Repertoire aufzubauen. Man hätte statt der letzten drei 'Songs Of Love And Death', 'Hallelujah' und 'Running To The Edge' auch 'Run To The Hills', 'Gutter Ballet' und 'In Union We Stand' spielen können, es wäre nicht besser gewesen. Und die Urheber der letzteren drei Klassiker sind ja lang nimmer so knusprig wie BEYOND THE BLACK.

Johlen und Klatschen und minutenlange Standing Ovations belegen es, diese Band erlebt gerade den Traum ihres Lebens, sie scheint denselben Tornado zu reiten wie die BLUES PILLS und somit würde ich sagen: Der Gig - wohl die gesamte Kurztour -  war ein Triumphzug, von dem ich auch vier Wochen danach noch zehre. Möge die Band uns noch ein paar Jahrzehnte erhalten bleiben. Im November sehen wir uns ja schon wieder mit MASTERPLAN. "Freu".

Redakteur:
Thomas Becker

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