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Axxis / Kamelot - Ulm

27.01.2002 | 09:49

21.01.2002, Take Off

In Ulm wird man mit Live-Konzerten von überregionalen Bands leider nicht gerade verwöhnt. Und deshalb kann man froh sein, dass die ortsansässige Rock-Diskothek Take Off hin und wieder ein Rock-Event auf die Beine stellt (im letzten Jahr spielten hier u.a. PRETTY MAIDS, BONFIRE und SAXON). Auch wenn das Take Off als Konzert-Location nicht unbedingt optimal ist (um es vorsichtig auszudrücken), so sind die Veranstaltungen eigentlich immer gut besucht.

Am 21. Januar fand nun mal wieder ein Konzert im Take Off statt, und zwar mit CYBERIA, KAMELOT und AXXIS, wobei man letztere ja schon fast als Stammgäste bezeichnen kann (auch auf den letzten beiden Tourneen mit PINK CREAM 69 machten die Dortmunder in Ulm Station). Aber trotzdem wollten über 800 Leute dieses Package sehen - Georg (Powermetal.de-Chefredakteur und AXXIS-Gutfinder) und ich inklusive.

Da sich der für 19.20 Uhr vereinbarte Interview-Termin mit Thomas Youngblood (KAMELOT) um etwa eine Stunde nach hinten verschoben hat, konnte ich die erste Band, CYBERIA, nicht sehen. Deshalb hat sich Georg bereit erklärt, diese Jungs höchstpersönlich unter die Lupe zu nehmen:

Nach eigenem Bekunden spielten CYBERIA bereits im mit 700 Besuchern gut besetzten Take Off, damals allerdings noch unter dem Namen TRINITY (vor etwa zwei Jahren als Support von U.D.O. - Martin). Dem Großteil der Anwesenden waren sie trotz dessen nicht wirklich bekannt. Im Gepäck hatten sie ihr Debütalbum "Mindcontrol", von dem sie sieben Songs zum Besten geben durften. Die treibenden Synthie-Beats und Synthie-Sounds dominierten neben der herausragenden Gesangsleistung von Oliver Lux und Paul Dahlmann das Geschehen. Unterstützt wurde das treibende Gehämmere noch durch Rob Schomaker am Bass. Einzig die Gitarrenarbeit von Mathias Freyth und Oliver Lux kam wenig zur Geltung. Das mag einerseits am Sound gelegen haben, andererseits waren die Gitarren schon auf dem Album kein dominierendes Instrument. Mit den Songs "Mindcontrol" und "Ministry Of T.E.C.H." fand man schon mal einen guten Einstieg ins Set und Teile des Publikums begannen sich für die Newcomer zu interessieren. Weiter gings mit "One Hundred Ways", "Since I Loved You", "Rumours" und "2000 Years" bevor man mit dem Hammer "Digital Heroes" das Set beendete. Nach wie vor erinnerten mich CYBERIA an eine härtere Variante von den EBM-Veteranen PROJECT PITCHFORK. Aber das Publikum war "open minded" genug, um der Band den verdienten Abschiedsapplaus zu spendieren.
[Georg]

Nach einer kurzen Unterbrechung war es für KAMELOT an der Zeit, das Publikum für sich zu begeistern. Doch es wurde sehr schnell klar, dass die US-Amerikaner hier eine sehr schwierige Aufgabe zu bewältigen hätten. Die Band stieg nach einem Intro zwar mit "Forever" von ihrem aktuellen Album "Karma" ganz ordentlich in ihr Set ein, aber die ersten Versuche von Sänger Roy Khan, das Publikum auf seine Seite zu ziehen, scheiterten. KAMELOT spielten fast ausnahmslos Songs von ihren letzten beiden Platten, "The Fourth Legacy" und "Karma", und so ging es dann mit "The Shadow Of Uther", "The Spell" und "Wings Of Despair" weiter. Roy Khan versuchte immer wieder, für gute Stimmung im Publikum zu sorgen, aber das ließ sich nicht so recht darauf ein. Allerdings kann ich nicht sagen, ob es daran lag, dass KAMELOT nicht allzu bekannt waren oder dass die Leute die englischen Ansagen nicht verstanden bzw. verstehen wollten. Nach dem dazugehörigen Intro folgte dann aber mit "Nights Of Arabia" einer der bekanntesten Songs, mit dem dann wenigstens ein paar Leute etwas anfangen konnten. Doch dann kam mit der "Karma"-Ballade "Don't You Cry", die der ansatzweise aufkommenden Stimmung gleich wieder entgegenwirkte. Das lag aber vor allem auch daran, dass Roy Khan, der allgemein keinen besonders guten Tag erwischt hatte, insbesondere bei diesem Song einige Male mit den richtigen Tönen auf Kriegsfuß stand. Aber mit "The Fourth Legacy" wurde das dann auch wieder etwas besser. Und dann durfte "Call Of The Sea", der Live-Klassiker vom Debüt "Eternity" natürlich auch nicht fehlen. Beim obligatorischen Mitsingteil kam schließlich auch erstmals richtig gute Stimmung auf, auch wenn das beim letzten Song des Sets leider etwas spät ist. Aber wenigstens kamen KAMELOT so noch zu einem ordentlichen Applaus, und von ein paar Leuten wurde sogar eine Zugabe gefordert. Diese folgte dann auch prompt in Form des Titeltracks des aktuellen Albums, "Karma", bevor die US-Amerikaner ihren Auftritt endgültig beendeten. KAMELOT lieferten im Großen und Ganzen ein ordentliches Konzert ab - wenn man mal von den bereits angesprochenen gesanglichen Schwächen von Roy Khan absieht. Aber KAMELOT hatten ganz deutlich mit dem Problem zu kämpfen, dass die meisten der Anwesenden wegen AXXIS gekommen waren und mit ihrem Songmaterial nicht vertraut waren.

Denn nach einer weiteren kurzen Umbaupause änderte sich das schlagartig, als AXXIS die Bühne betraten. Die Dortmunder legten mit zwei Songs des aktuellen Albums, dem Titeltrack "Eyes Of Darkness" und "When The Sun Goes Down", los und das Publikum ging vom ersten Ton gleich gut mit. Da machte sich halt doch bemerkbar, dass AXXIS in Ulm keine Unbekannten sind. Auch wenn natürlich der Sänger Bernhard Weiss schon auch seinen Teil dazu beigetragen hat (insbesondere durch sein agiles Stage-acting), dass die Stimmung im Publikum sehr gut war. Was mich an Bernhards Live-Auftritten allerdings etwas nervt, ist, dass er eine grausame Laberbacke ist - AXXIS hätten leicht und locker drei oder vier Songs mehr spielen können. ;-) Auch wenn es für die Leute in den vorderen Reihen ganz lustig ist, wenn er sich mit ihnen unterhält (oder auch eine Fußballdiskussion mit unserem Chefredakteur führt ;-)), so haben die anderen doch davon recht wenig. Aber es wurde ja hin und wieder auch Musik gespielt, und das war gut so - es ging weiter mit "Brother Moon", "My Little Princess" und "Stay Don't Leave Me". Im übrigen haben AXXIS eine sehr gute Song-Auswahl präsentiert, die auf eine Homepage-Umfrage zurückgeht (Bernhard: "Wir spielen keinen einzigen Song, den WIR spielen wollen.") und mit Ausnahme der beiden Platten "Matters Of Survival" und "Voodoo Vibes" das gesamte Schaffenswerk der Band abdeckt. Aber selbstverständlich wurde das aktuelle Album "Eyes Of Darkness" entsprechend präsentiert, und so kamen nun auch "The Four Horseman" (APHRODITE'S CHILD-Coverversion) und "Angel" zum Zuge. Es folgten dann aber anschließend wieder ein paar ältere Songs: "Little War", "Heaven In Black", "Save Me" (YEAH, YEAH, YEAH - Georg) und das Instrumental "Trash In Tibet" ("Access All Areas" lässt grüßen). Anschließend kam dann wieder eine längere Pause, da Bernhard sich ein tolles Spielchen überlegt hatte - ganz neu: Wie verändert eingeatmetes Helium die Stimme? Aber wenigstens hatte so ein Besucher die Gelegenheit, das Take Off einmal von der Bühne aus zu sehen. Doch danach wurde wieder ordentlich gerockt - es folgte ein Endspurt, der sich wahrlich sehen lassen konnte: "Touch The Rainbow", "Living In A World", "Little Look Back" und "Kingdom Of The Night". Damit wollten AXXIS dann auch ihren Set beenden, doch diese Rechnung hatten sie ohne das Publikum gemacht. Und so kam die Band nochmals auf die Bühne zurück, um zwei weitere Songs zu spielen. Vielleicht hatten sich die Jungs bei den letzten, schnelleren Songs etwas verausgabt, denn zuerst gab es die Ballade "Waterdrop", und anschließend das wieder flottere "Flashback Radio". Doch auch damit hatten die Leute noch nicht genug, so dass es noch eine weitere Zugabe, "Na Na Hey Hey", bevor der Auftritt von AXXIS endgültig vorbei war.

Im Großen und Ganzen war es an diesem Montag abend ein ganz gutes Konzert, das die Anwesenden im Take Off gesehen haben. Die ersten beiden Bands, CYBERIA und KAMELOT, hatten zwar trotz recht ordentlichen Auftritte ihre Probleme, das Publikum von ihrer Musik zu begeistern, aber dafür haben AXXIS ihre Live-Qualitäten wieder unter Beweis stellen können. Man kann von der Musik und den Platten der Dortmunder halten was man will - aber live sind sie eine wirkliche Macht!

Setlist AXXIS:

Eyes Of Darkness
When The Sun Goes Down
Brother Moon
My Little Princess
Stay Don't Leave Me
The Four Horseman
Angel
Little War
Heaven In Black
Save Me
Trash In Tibet
Touch The Rainbow
Living In A World
Little Look Back
Kingdom Of The Night
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Waterdrop
Flashback Radio
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Na Na Hey Hey

Redakteur:
Martin Schaich

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