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Axxis, Kamelot - Pirmasens

28.01.2002 | 09:27

25.01.2002, Quasimoto

Endlich mal wieder ein etwas größeres Metal Konzert in der Nähe. Dafür bietet das Quasimoto in Pirmasens einen optimalen Rahmen: Der Schuppen hat die richtige Größe und eine gemütliche Empore für die älteren Semester, die sich das ganze lieber sitzend und aus der Ferne betrachten. Der Laden war auch sehr gut besucht und dafür daß das Kaff Pirmasens für die Musiker so unbekannt war, werden sie es sicherlich in guter Erinnerung behalten. Um das eine nämlich vorweg zu nehmen: Die Stimmung war sehr geil, was die Musiker auch einige Male erwähnten (für uns Pfälzer war das allerdings von vornherein klar).

Beginnen durften die Newcomer CYBERYA und sofort fiel der außergewöhnlich gute Sound auf. Was hier geboten wurde klang wie auf CD - lediglich der Gesang ließ erahnen daß hier kein Band im Hintergrund lief. Man könnte darüber geteilter Meinung sein, denn für die einen klingt dieser Sound vielleicht zu steril (durch den Drumcomputer und möglicherweise das Keyboard), andere hingegen bevorzugen einfach einen fetten Sound. Jedenfalls war das schon beeindruckend und kam schon alleine deswegen professionell rüber. Das war aber nicht die einzige Stärke von CYBERYA, denn die Songs an sich waren auch relativ abwechslungsreich und konnten einem gleich gefallen, dabei mußte man nur etwas Toleranz aufbringen, denn im Gegensatz zu KAMELOT und AXXIS findet man bei CYBERYA zwar auch Power Metal Einflüsse, aber die Gitarren spielen hier eher die zweite (und dritte) Geige hinter dem Keyboard und den elektronischen Effekten. Das Pirmasenser Publikum war jedenfalls sehr tolerant und es herrschte sehr bald eine ziemlich gute Stimmung, was den Wuppertalern sichtlich gefiel. In Erinnerung bleibt auch der üble Gesang vom Gitarristen Oliver Lux, der vielleicht am ehesten an PRO PAIN erinnert. Dabei möchte ich auch den eigentlichen Sänger Paul Dahlmann nicht außer Acht lassen, denn auch sein Gesang wußte zu gefallen. Vor allem beim letzten Song war die Stimmung wirklich sehr gut und von der unbekannten Band wurde laut eine Zugabe gefordert. Die neue CD dürfte somit einige Käufer gefunden haben. Wer sich weiterhin dafür interessiert schaue auf der Homepage vorbei: http://www.cyberya.de Diese Band war mehr als nur ein Opener!

Setlist:
Mindcontrol
Ministry Of T.E.C.H.
100 Ways
Since I Loved You
Invisible
2000 Years
Digital Heroes

Es folgten KAMELOT. An den Drums fiel Alex Holzwarth von RHAPSODY auf. Ab dem Konzert in Offenbach wird er wieder von Casey Grillo abgelöst. KAMELOT sind eine sehr geile Band mit einem absolut herausragenden Sänger Roy Khan. Dementsprechend waren meine Erwartungen an diesen Abend. Leider konnten KAMELOT diese aber nicht ganz erfüllen. Zunächst dauerte es bis Mitte des 2. Songs, ehe der Sound akzeptabel war (zudem mußte man sich wieder an „richtige“ Live Mucke gewöhnen nach CYBERYA). Des weiteren war Roy Khan an diesem Abend nicht immer auf der Höhe. Bestes Beispiel hierfür der Hammersong „Nights Of Arabia“: Hier wurde der übliche geile Refrain von manch einem aus dem Publikum übernommen, während Roy in anderen Gefilden rumtümpelte. Dennoch konnte man mit dem Auftritt zufrieden sein, denn mit Fortdauer des Konzerts wurden KAMELOT immer besser. Schade, daß man die Songs ihrer Headlinger Shows nicht mehr zu hören bekam („Elizabeth“ Trilogy, „Once A Dream“, „We Are Not Seperate“, „Kingdom Come“).

Setlist:
Intro
Forever
Shadow Of Uther
The Spell
Wings Of Despair
Desert Rain
Nights Of Arabia
Don´t You Cry
Call Of The Sea
-------------------
Karma

So, als intoleranter Thrash Metal Fan ist es nun für alle das Beste, wenn ich das Wort an Tilmann weitergebe, bevor ich mich übergebe.

Nach einer musikalisch so versierten Band wie KAMELOT spielen zu müssen, war für AXXIS keine leichte Aufgabe. Doch diese meisterten sie mit Bravour. Schließlich sind AXXIS ja auch schon lange genug dabei und kennen ihre Stärken.

Wenn man sich erst einmal an das sehr eigenwillige Organ des Sängers Bernhard Weiss gewöhnt hatte, konnte man in musikalischer und stimmungsmäßiger Hinsicht nichts aussetzen (der Rest ist eine Frage des Geschmacks). Die teils vierstimmigen Gesänge saßen perfekt und nicht nur bei ihrem Instrumentalstück („Trash in Tibet“) konnten die Musiker beweisen, dass sie über jeden Zweifel erhaben sind. Dieses Instrumental war für manch einen, der sich nicht an das Organ gewöhnt hatte, eine willkommene Erholung. AXXIS sind wohl derzeit auch eine von den wenigen Bands, die live ohne Computer und Bandmaschinen auskommt; wie Bernhard nach dem ersten Song (vom aktuellen Album) dementsprechend bemerkte, dass sie ja total out seien, weil sie ihre Instrument noch selbst spielen würden und das auch noch ziemlich schlecht (ein Meister der Untertreibung).

Mit seiner lockeren sympathischen Art verstand es Bernhard auch die Nicht-AXXIS-Fans zu unterhalten und vorm Einschlafen zu bewahren. So holte er z.B. ab und an Menschen aus dem Publikum auf die Bühne oder drückte mal eben jemandem aus der ersten Reihe sein Mikro in die Hand als er mal kurz hinter die Bühne ging. Zufälligerweise hat er bei diesen Aktionen u.a. auch einen alten leicht angetrunkenen Schulkameraden (Bernhard konnte sich zwar nicht mehr an ihn erinnern, aber egal) neben sich auf die Bühne geholt. Als dieser noch dem Publikum vorschwärmte wie Bernhard damals bei einer Veranstaltung die Gitarre genommen habe und „Back To The Wall“ (alter AXXIS-Song) gespielt habe, forderte Bernhard ihn auf, aus dem eben hinter der Bühne mit Helium gefüllten Luftballon einzuatmen. So musste dann dieser wie auch ein weiteres Opfer aus der ersten Reihe einen Accapella-Song in bester Schlümpfe-Manier zum besten geben. So kamen von ihm natürlich „Back To The Wall“ und vom nächsten, (der trotz leichter Leibesfülle mehrere Anläufe brauchte, um das Helium in seine Lungen zu bringen,) „Na na na ....“ von „Little Look Back“ zum Einsatz. Bernhard entschuldigte sich auch mehrmals bei den in der ersten Reihe stehenden gestylten jungen Mädels, dass er sie mit seinem Schweiß naßtropsen würde. Aber da er nach eigenen Angaben geduscht habe, ließen sich die Mädels nicht beirren und harrten durch bis zum Schluss. In diesem Stil ging es den ganzen Abend weiter, so dass nie Langeweile aufkam (außer vielleicht bei Metal-Stefan /die Albernheiten zwischendurch haben mich wachgehalten -MetalS).

Die Songauswahl haben AXXIS nach einer Internet-Befragung den Fans überlassen (Bernhard: “wenn Ihr jetzt an der Setlist was auszusetzen habt, könnt Ihr Euch selbst in den Arsch treten”). So kamen glücklicherweise viele Stücke der ersten 3 Alben zum Zuge (s.u.).

Zum Gelingen des Abends trug zu einem großen Teil auch die tolle Clubatmosphäre im Pirmasenser Bikerclub Quasimoto bei. Da eine lockere fast freundschaftliche Stimmung im Publikum herrschte, waren Absperrungen vor die Bühne nicht von Nöten und die Security hatte nicht viel zu tun (und das obwohl die Rocker und Biker nach Ansicht unserer Omas u. Opas nicht immer den besten Ruf genießen). Leider sind solche Clubs in ganz Deutschland am Aussterben, wie auch Bernhard bemerkte. Also hoffen wir, dass es diesen noch sehr lange gibt.
Heavy Metal will never die!!!


AXXIS-Setlist
1. Eyes Of Darkness
2. Sun Goes Down
3. Brother Moon
4. My Little Princess
5. Stay Don´t Leave Me
6. The Four Horsemen (vom aktuellen Album – Cover von APHRODITE´S CHILD)
7. Angel
8. Little War
9. Heaven In Black
10. Save Me
11. Trash in Tibet
12. Touch The Rainbow
13. Living In A World
14. Little Look Back
15. Kingdom Of The Night

Zugabe:
16. Waterdrop
17. Flashback Radio
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18. Na Na Hey Hey

[Tilmann Ruby]

Redakteur:
Stefan Lang

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