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Anathema - Frankfurt

16.05.2012 | 20:30

25.04.2012, Batschkapp

Die Qual der Wahl: ANATHEMA oder Championsleague Halbfinale? Die Entscheidung fällt auf ANATHEMA und ich habe es keinen Milimeter bereut.

Die Zeichen für ein pünktliches Ankommen an der Batschkapp stehen unter einem ungünstigen Stern: Direkt am Niederräder Bahnhof verkündet die Informationsanzeige, dass alle Züge zwischen Ostendstraße und Mühlberg aufgrund einer Großstörung nicht verkehren. Anstatt weiterzufahren nahm ich das Risiko in Kauf mit der S-Bahn die Location zu erreichen, was ich nach einer Viertelstunde über den Haufen werfe.

Dennoch erreiche ich kurz nach 20 Uhr die 'Kapp, um festzustellen, dass AMPLIFIER schon munter ihre Songs runterschrubben. Der Sound – wie eigentlich fast immer in der Batschkapp – ist gut bis sehr gut. Allen voran der Bass drückt ordentlich in der Magengegend, was Kenner des Quartetts zu lieben und zu schätzen wissen. Bezüglich der Setlist wird ein Querschnitt aus den verschiedenen Phasen den Zuhörern serviert, was diese mit Applaus goutieren. Insgesamt dürfen die Jungs eine knappe Stunde lang den schon ansehnlichen gefüllten Club beglücken, was für eine Vorband, wobei man hier von einem "Special Guest" sprechen muss, nicht selbstverständlich ist. Bleibt festzuhalten, dass man einen kurzweiligen Gig genießen durfte und die Band hoffentlich nicht zu lange mit einer weiteren Tour – am besten als Hauptact – wartet. Die Zuschauermassen und der Zuspruch sind ein Beleg hierfür.

Setlist: Continuum, Panzer, Motorhead, The Wave, Interglacial Spell, Interstellar, Neon

Nach einer kurzen Umbaupause fangen ANATHEMA langsam mit 'Untouchable Part 1&2' an, um die noch verbleibenden Tieftöne der Vorgruppe langsam aber sicher in Luft aufzulösen. Apropos Luft: Auch das geniale "We’re Here Because We’re Here" wird mit eingebunden, was der Opener des Silberlings 'Thin Air' mit Gänsehautmomenten eindrucksvoll unter Beweis stellt. Im Fokus steht neben Vincent Cavanagh noch Danny Cavanagh, der mit gefühlvollen Licks und Soli den emotionalen Gesang von Vincent unterstreicht. Gesangstechnisch ist ihm Lee Douglas ebenbürtig, die bei der Zugabe 'A Natural Disaster' ihren Solospot bekommt und ansonsten bei den meisten Songs neben der Bühne auf ihre Einsätze wartet. Und in der Hinsicht ist sie wie ein Joker in der Bundesliga: Wenn der im letzten Drittel eines Spiels eingewechselt wird, erzielt er meistens seine Tore. Und so ist es auch mit Lee, die, wenn sie zum Einsatz kommt, glänzt und so mit Vincent im Duett die eine oder andere Gänsehaut bei den Zuschauern erzeugt.

Was die Resonanz angeht, so versinken die meisten in ihrer eigenen Welt und lediglich am Ende der Songs ist ein kurzes Erwachen zu verzeichnen, um den wohlverdienten Beifall zu spenden. Trotz der Tatsache, dass ich zum ersten Mal einem Konzert der Briten beiwohne, lasse ich mich Stück für Stück in einen tranceähnlichen Zustand versetzen, aus dem es schwer ist, wieder auszubrechen. Wie schon erwähnt lässt die Band gesangstechnisch und musikalisch nichts anbrennen und kann somit die Gänsehaut in der warmen Halle kontinuierlich aufrechterhalten. Ferner ist erwähnenswert, dass die Spielzeit mit 130 Minuten inklusive Zugaben weit über dem liegt, was manch eine Band zurzeit auf die Bühne legt, was – das sollte man schon fairerweise betonen – auch an den Packagetouren liegt, bei denen mindestens vier Bands die Bretter erklimmen, bevor der Hauptact des Abends seine Show abziehen darf.

Bleibt festzuhalten, dass ich mich wieder intensiver mit dem Backkatalog beider Bands auseinandersetzen muss, womit beide Truppen schon mal ein Ziel erreicht haben: Die Zuschauer haben Blut geleckt. Auf einem anderen Blatt steht, dass es – trotz des Bayernspiels gegen Real Madrid – die richtige Entscheidung war, heute Abend hierher zu kommen, um einem besonderen Konzert mit einer besonderen Stimmung beizuwohnen. Ich denke mehr Lob kann man nicht aussprechen, was alle, die die Tour besucht haben oder besuchen werden, bestätigen können.

Setlist: Untouchable Part 1, Part 2, Lightning Song, Thin Air, Dreaming Light, Deep Emotional Winter/Wings Of God, A Simple Mistake, Storm Before The Calm, The Beginning Of The End, Universal Panic, The Lost  Child, Internal Landscapes; Zugabe: Closer, A Natural Disaster, Empty, Flying, Fragile Dreams

Redakteur:
Tolga Karabagli

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