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Alter Bridge - Berlin

08.02.2008 | 07:57

07.02.2008, Postbahnhof

Mit "Blackbird" haben ALTER BRIDGE ein weiteres Ausrufezeichen in Sachen Alternative Rock gesetzt. Das sehen die Fans offensichtlich genauso, füllen sie den Berliner Postbahnhof doch bis auf den (fast) letzten Platz. Ganz ausverkauft ist sie am Ende nicht, aber die Auslastung dürfte schon bei mehr als 95% liegen. Voll ist es und die Luft doch erstaunlich gut. Die Vorzüge des Rauchverbots geben sich schon mit dem ersten Atemzug zu erkennen. Angenehm - zumindest für Nichtraucher.

Zuerst dürfen aber ENJOY DESTROY die Bühne entern und überzeugen vom ersten Ton an mit ihrem sehr britisch klingenden Alternative Rock. Nummern wie 'Music To Love You To' oder 'LBJ' gehen schon beim ersten Lauschen recht zügig in die Muschel, das gilt gerade für die gerne mehrstimmig vorgetragenen Refrains. Zudem stimmt das Engagement der jungen Truppe. Da wird mit der Gitarre gepost und der Bassist rockt das Haus. So überrascht es nicht, dass der Applaus mit jedem Song größer wird und man die vorderen Reihen auch schon zum Klatschen bewegen kann. Guter Gig.

Danach ist erstmal Warten angesagt. Warten auf ALTER BRIDGE. 40 Minuten lassen sich Myles Kennedy, Mike Tremonti und das Rhythmusfundament Zeit, um die Bretter zu besteigen. Als es dann endlich so weit ist, traue ich zunächst meinen Ohren nicht: Der Bass von Brian Marshall ist total übersteuert und dröhnt durch die Halle, während die Gitarren von Myles und Mike in einem einzigen Matsch versinken. Und auch die Stimme von Myles ist erstaunlich dünn. Der Start mit 'Come To Life' geht also in die Hose. Doch mit jeder Nummer wird der Soundmann ein bisschen wacher und so ist spätestens bei 'White Knuckles' der Sound gut. Mehr allerdings auch nicht. Auch Myles scheint sich eingesungen zu haben und klingt besser, entschuldigt sich aber auch gleich dafür, dass er heute etwas angeschlagen ist, da er morgens krank aufgewacht sei. Okay, akzeptiert. Zumal die Show deshalb auch nicht gekürzt wird, stattdessen kämpft sich Myles durch das 90-minütige Set und wird mit jeder Minute besser. Besonders großartig sind dabei die neuen Perlen 'Before Tomorrow Comes' und das epische 'Blackbird', die von den neuen Songs auch die besten Publikumsreaktionen einfahren. Über diese bin ich insgesamt aber etwas enttäuscht - klar, die Stimmung ist während des gesamten Gigs gut, aber so richtig überkochen will sie einfach nicht. Nicht mal bei Gassenhauern wie 'Metalingus' oder 'One Day Remains'. Das mag am Sound liegen oder einfach am bunt gemischten Berliner Publikum, das schlicht nicht Vollgas gibt. So werden die von Myles initiierten Mitklatschspiele auch nur vom vorderen Drittel des Publikums mitgemacht, während sich die hinteren Reihen doch eher raushalten. Nach etwas mehr als 70 Minuten beendet 'Open Your Eyes' dann vorerst das Geschehen, eher mit 'Broken Wings', dem akustischen 'Mudbone' und der aktuellen Single 'Rise Today' dann endgültig Schicht im Schacht ist.

Bleibt insgesamt ein guter, souveräner Gig, der mit einem gesunden Myles Kennedy sicher noch mal deutlich mehr Spaß gemacht hätte. Und dass ich an der Setlist eigentlich immer was zu meckern habe, ist hinlänglich bekannt. Ich verzichte hier also jetzt mal drauf. Klar ist, wenn ALTER BRIDGE in euerer Stadt sind, dann solltet ihr hingehen. Wirklich.

Setlist:
Come To Life
Find The Real
Brand New Start
White Knuckles
Buried Alive
One By One
One Day Remains
Before Tomorrow Comes
Ties That Bind
Blackbird
Watch Over You
Metalingus
Open Your Eyes
---
Broken Wings
Mudbone
Rise Today

Redakteur:
Peter Kubaschk

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