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AMPLIFIER - München

27.04.2013 | 20:57

24.04.2013, Hansa39

Höllenlärm aus den Tiefen des Meeres.

Endlich ist es warm, viele Leute sind in den schönen Münchner Biergärten unterwegs und dazu ist noch Fußball. Leidtragende sind hier leider AMPLIFIER, denn allzu viele Leute verirren sich nicht in das ohnehin schon kleine Hansa39. Wer aber der lauen Nacht und der gelbschwarzen Power trotzen kann, erlebt ein richtig grandioses Rockkonzert.

Den Anfang macht CHARLIE BARNES, ein interessanter Solokünstler, der laut eigenen Angaben "Big Morbid Death Pop" spielt. Und das geht so: Mit Stimme und Mikrophon werden Percussiongeräusche produziert und mittels eines Loopers aufgenommen. Dann kommen akustische Gitarre und Stimme dazu, die wiederum aufgezeichnet werden. Das Ganze schaukelt sich dann langsam hoch und kann je nach Song fast orchestrale Ausmaße annehmen. Ein sehr intellektueller Ansatz, der für den Moment zumindest ziemlich fasziniert. Die schöne Stimme des Herrn Barnes, die manchmal sogar intensive Schreie hergibt, tut ihr übriges, um zeitgleich stattfindende Fußballspiele unattraktiv erscheinen zu lassen.

Dann AMPLIFIER: Kennt ihr das Gefühl, wenn die Bassdrum und der E-Bass so dermaßen drücken, dass einem das Wummern durch den ganzen Körper fährt und auf der Haut ein wohliges Kribbeln verursacht? AMPLIFIER haben an frühen Abend stundenlang Soundcheck gemacht und so ist der Klang im kleinen Hansa39 optimal, aber auch überirdisch laut. Die ersten Takte von 'Mary Rose' (Schlusstrack des aktuellen Albums "Echo Street") reißen aber schon total mit, ich begebe mich in die erste Reihe, wo ein paar lustige Leute das ganze Konzert über Gas geben und Sel Balamir und seine Mannschaft (Matt Brobin, dr; Neil Mahony, b; Steve Durose, git) abfeiern, fröhlich headbangen oder verträumt in der Musik versinken. AMPLIFIER sind wieder komplett in schwarz gekleidet, natürlich bis auf das weiße Oktopus-Symbol, das auch überall auf der Bühne, auf Gitarren, Amps, Boxen etc., prangt. Und klar, "The Octopus" ist auch beim heutigen Konzert omnipräsent. 'The Wave', 'Interglacial Spell, 'Interstellar' und 'Fall Of The Empire', das ist die geballte Macht des Kraken live on stage und, liebe Leute, diese Energie muss man einfach fühlen, in sich einsaugen und einwirken lassen. Diese Beats und diese unwahrscheinlich energiegeladenen Riffs, das ist POWER pur! Diese kommt aber nicht von ungefähr, denn hinter dem AMPLIFIER-Sound steckt jede Menge Technik, was gut an den Dutzenden Effektgeräten und Tretern zu sehen ist, die jeder Musiker vor sich stehen hat und auch rege betätigt. Natürlich wird auch das aktuelle Album "Echo Street" promotet, wobei das oktopische 'The Wheel' und das emotional bewegende 'Where The River Goes', welches lauthals von den ersten Reihen mitgesungen wird, herausragen. Und auch für die alten Fans wird gesorgt: Balamir erzählt von seinem allerersten Konzert im Ausland im Münchner Atomic Café und widmet 'Panzer' dem einzigen Fan, der schon damals dabei war. Ganz toll, dass mit 'Motorhead', 'Airborne' (der mächtige Schlußtrack), 'Neon' und 'UFO's' tatsächlich noch vier weitere Tracks von "Amplifier" dabei waren. Gerockt hat das, gerockt! Und das ist das Besondere an AMPLIFIER: Sie vermögen auf geniale Weise hochanspruchsvolle, ja sprechen wir es aus, manchmal recht verkopfte Musik dennoch mit einer geballten Rockattitüde rüberzubringen und einen Club mit Energie zu füllen, zum Kochen zu bringen. Ich denke, jeder Konzertbesucher wird an diesem Abend nach mehr als zwei Stunden Musik pur vielleicht verschwitzt, vielleicht mit einem Ohrendröhnen, aber ganz sicher hochzufrieden nach Hause gegangen sein. Der Krake macht keine Gefangenen!
Setlist AMPLIFIER:
Mary Rose, The Wave, Interglacial Spell, The Wheel, Extra Vehicular, Motorhead, Interstellar, UFO's, Fall Of The Empire, Panzer, Where The River Goes, Neon, Close; Matmos, Airborne

Redakteur:
Thomas Becker

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