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AMORPHIS - Glauchau

13.04.2014 | 11:21

14.03.2014, Alte Spinnerei

Auf zur zweiten Runde der "Circle"-Tour.

Im Herbst vergangenen Jahres absolvierte die finnische Band AMORPHIS eine Menge Konzerttermine zu ihrem neuen Album "Circle". Die Tour lief scheinbar so toll, dass sie kurzerhand verlängert wurde, beziehungsweise noch ein paar Termine für Europa dazu kamen. Gitarrist Esa Holopainen versprach im Dezember, dass die Setlist dafür ein wenig überarbeitet wird, damit die Fans nicht noch einmal genau das gleiche Material serviert bekommen. Also auf nach Glauchau in die Alte Spinnerei, um zu schauen, ob die Herrschaften auch Wort halten.

Den Anfang macht eine Formation von den Färöer-Inseln. HAMFERD nennen sich die Jungs und präsentieren eine geballte Ladung Doom Metal. Die Männer in schicken Anzügen beherrschen ihr Handwerk sehr gut, können bei dem Sound aber logischerweise keine großen Jubelsalven seitens des Publikums erwarten. Dennoch sind die Anwesenden der Band wohlgesonnen und belohnen sie nach jedem Stück mit ein wenig mehr Applaus. Die schleppenden Soundwalzen und der teilweise fiese Gesang von Jón Hansen sind eben nicht jedermanns Sache. Doch so nach und nach können die Musiker die Anwesenden auf ihre Seite ziehen und erhalten am Ende ihres Auftrittes ordentlich Beifall. Also können die Musiker mit dem Gig rundum zufrieden sein.

Gegen 22 Uhr geht das Licht aus und zum ersten Intro nehmen die Jungs von AMORPHIS die Bühne in Beschlag. Das Publikum bereitet ihnen einen freundlichen Empfang. Tomi Joutsen kommt wie immer als letzter und ohne viele Umschweife geht es mit 'Shades Of Grey' los. Die Fans machen auch gleich ordentlich mit und es herrscht eine gute Stimmung. Allerdings kann man das vom Sound nicht behaupten. Steht man etwas weiter hinten, wirken die Gitarren total übersteuert und der Gesang ist viel zu schwach. Leider ändert sich das im Laufe des Konzertes überhaupt nicht. Warum das keiner am Mischpult merkt, ist mir schleierhaft. Da vor einer Woche hier PROJECT PITCHFORK spielten ist ein direkter Vergleich möglich. Okay, der hinkt zwar ein wenig, da es doch ein anderer Musikstil ist, aber da hörte man auch hinten einen Sänger und zwar laut. Auch die Instrumente hinterließen keine schmerzenden Ohren.

Für diese Tour ist Glauchau der erste Halt. Damit ist heute Tour-Auftakt, wovon man nicht so wirklich etwas mitbekommt. Entweder sind die Musiker noch nicht wieder so richtig im Konzert-Alltag angekommen oder noch müde von den letzten Auftritten. Gut, sie liefern eine solide Show ab, aber so richtig will der Funke mit der Zeit nicht überspringen. Sie wirken alle sehr abgeklärt. Ob was wirklich so ist, kann nur schwer beurteilt werden. Aber im Vergleich zu dem Gig in Dresden liegen Welten dazwischen. Dort spürte man, dass sie Lust auf das Konzert haben. Heute wirkt das vielmehr wie ein Pflichttermin.

Legt man auf diesen Fakt nicht so sehr das Gewicht und arrangiert sich mit dem Sound, so kann man durchaus Spaß haben. Der Querschnitt der Songs reicht wie gewohnt von top aktuell bis zum guten alten Klassiker. 'Sampo' oder 'Silver Bride' erfeuen die Anwesenden genauso wie 'The Wanderer'. Auch heute erklingt nach einer kurzen Pause das Intro des Albums "Tales from the Thousand Lakes". 'Into Hiding' gibt es an diesem Abend genauso wie beim letzten Mal zu hören, aber zum Leidwesen der Damen hat sich der Sänger nicht seines Shirts entledigt. Tut er auch später nicht. Ohne große Umschweife arbeiten sich die Finnen durch ihr Set und sind nach gut einer Stunde mit 'Black Winter Day' am Ende angekommen. Die Zuschauer können sich noch einmal ordentlich verausgaben und als die Musiker von der Bühne verschwinden, erhalten sie sehr viel Beifall. Selbstredend wird eine Zugabe eingefordert.

So dauert es nicht lange, bis die Band wieder auf der Bühne erscheint. Weiter geht es mit 'Sky Is Mine' und 'You I Need'. Die Stimmung ist gut, wäre bei einem besseren Sound aber weitaus ausgelassener. Mit dem obligatorischen Rausschmeißer 'House Of Sleep' kündigt Tomi Joutsen das Ende des Konzertes an. Jetzt wird noch einmal fleißig mitgesungen und scheinbar ist auf der Bühne jetzt der Knoten geplatzt. Das wirkt nun alles wesentlich enthusiastischer. Da man es aber heute Abend nicht gleich übertreiben will, gibt es keine weitere Zugabe und unter viel Applaus verschwinden die Musiker.

Für mich ist es heute das erste Mal, dass ich nach einem AMORPHIS-Konzert sage: Na ja, ging so. Es war nicht schlecht, wird aber nicht groß in Erinnerung bleiben. Sicher, der schlechte Sound ist ein wesentlicher Bestandteil dieser Feststellung. Aber auch auf der Bühne haperte es mit der Spielfreude. Begeisterung sieht doch anders aus. Was die Änderungen in der Setlist betrifft: Ein paar Songs wurden getauscht, was aber keine großen Überraschungen waren. Gerade einmal drei Stücke wurden verändert. Aber gut. Man sprach ja von "ein wenig überarbeiten".

Setlist:
Shades of Gray, Mission, Sampo, Silver Bride, Two Moons, The Wanderer, My Kantele, Into Hiding, Nightbird's Song, Vulgar Necrolatry, Sign, Hopeless Days, Alone Black Winter Day, Encore: Sky Is Mine, You I Need, House Of Sleep

Redakteur:
Swen Reuter

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