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ZEROMANCER: Interview mit Erik Ljunggren

01.01.1970 | 01:00

ZEROMANCER, 1999 aus der bis dato in Norwegen erfolgreichen Formation SEIGMEN hervorgegangen, brachten 2000 mit ihrem Album "Clone Your Lover" ein echtes Hammer-Debüt auf den Markt: Elektro, Metal und Glam Rock, vereint zu einem äußerst explosiven Gemisch, das kein Auge trocken und keine Füße stillstehen ließ bzw. immer noch lässt. Am 1. Oktober erscheint nun der neuste Streich der Skandinavier, "Eurotrash" (= "Euromüll/Eurokitsch") - Review dazu findet ihr in Kürze in unserem Archiv. Erik Ljunggren, bandintern zuständig für das aufwendige Programming, stand per E-Mail fürs Frage- und Antwortspielchen zur Verfügung. Leider erwies sich der gute Mann als nicht unbedingt red- bzw. schreibselig, weshalb ein Großteil der Antworten eher dürftig ausgefallen sind. Aber lest selbst.

Kathy:
In letzter Zeit ward ihr ja recht fleißig am Touren. Lief da alles zu eurer Zufriedenheit?

Erik:
Eigentlich sind wir die letzten Wochen und Monate gar nicht richtig getourt. Wir haben uns nur darauf konzentriert, das Album fertigzukriegen, was wir jetzt ja auch geschafft haben. Im Herbst 2000 sind wir viel getourt, und diesen Frühling waren wir einen Monat lang unterwegs. Die Reaktionen des Publikums waren wirklich gut. Die Tour, die wir gemeinsam mit PROJECT PITCHFORK gemacht haben, war der Hammer. Es war großartig, mit ihnen zu Touren.

Kathy:
Sehe ich es richtig, dass es euch wichtig ist, euch möglichst oft den Fans live on stage zu präsentieren?

Erik:
Nun, wir mögen es, live zu spielen. Während wir das neue Album aufgenommen haben, haben wir immer hier und da ein paar Gigs gespielt und fanden heraus, dass uns das eine Menge an Energie gab. Wenn man immer nur im Studio hockt und aufnimmt, kann es leicht passieren, dass man vergisst, warum man eigentlich Musik macht. Vor einem Publikum zu spielen erinnert dich daran, wie wichtig das Feedback ist, dass du bekommst.

Kathy:
Live erscheint euer Sound wesentlich druckvoller und gitarrenlastiger als auf Platte. Ist das gewollt oder reiner Zufall?

Erik:
Wenn man live spielt muss man sich darüber im Klaren sein, dass nicht alle Details, die auf dem im Studio produzierten Album zu finden sind, auch auf der Bühne funktionieren. Wir wählen zwischen den verschiedenen Elementen der CD aus, um alles ein bisschen direkter zu gestalten. Und ja, ich denke, dass die Gitarre live eine wichtigere Rolle spielt. Sie ist eines der Instrumente, die wir live mehr aufdrehen, mehr in Szene setzen.

Kathy:
Vor allem beim weiblichen Publikum erfreut ihr euch großer Beliebtheit. Wie fühlt man sich denn bei so einer fast boyband-ähnlichen Verehrung?

Erik:
Wir haben uns eigentlich nie wie eine Boyband verehrt gefühlt. Ich denke, wir haben ein Publikum von 50/50, und das ist klasse. Ans weibliche Publikum: Wir mögen euch auch sehr!

Kathy:
Ab Oktober habt ihr nun auch eine neue Platte, "Eurotrash", am Start. Der Titel scheint Programm: Ist "Eurotrash" eine Art persönliche Abrechnung eurerseits mit der heutigen europäischen Konsumgesellschaft?

Erik:
Ja, das ist es in der Tat.

Kathy:
Kann man somit diese Thematik der Anprangerung des 'Eurotrash' als Konzept bzw. roten Faden des Albums verstehen?

Erik:
Nein.

Kathy:
Hätte man das Album denn nicht genausogut "Worldtrash" oder "UStrash" nennen können? Ich denke, diesen Konsumwahn kann man nicht allein auf Europa beschränken.

Erik:
Nun, es ist ja nicht unüblich, dass die Europäer sich selbst über den US-Trash stellen. Ich denke, das haben wir auch irgendwie gemacht, als wir da drüben lebten. Wir dachten, wir seinen besser, weil wir aus einem kulturell anspruchsvollerem Teil der Welt stammten. Aber schau uns doch an, wir werden immer mehr und mehr wie sie. Wir erschaffen uns unsere eigenen United States.

Kathy:
Welchen der neuen Songs seht ihr als besonders gelungen an?

Erik:
Ich bin wirklich glücklich mit dem ganzen Album, aber mein persönlicher Favorit ist momentan "Raising Hell". Es ist so untraditionell arrangiert, aus so vielen Einzelteilen zusammengesetzt - aber sie alle passen perfekt zusammen.

Kathy:
Verglichen mit eurem Debut-Album "Clone Your Lover" lässt "Eurotrash" ZEROMANCER textlich in einer wesentlich kritisierenderen Rolle erscheinen. War das eure Intention, quasi als eine Art 'Moralapostel' aufzutreten?

Erik:
Ich glaube nicht wirklich, dass irgendwelche der Lyrics moralisierenden Charakter haben. Auf "Eurotrash" stellen wir uns selbst nicht über den Trash. Siehst du, wir sind auch die Opfer... . Nebenbei solltest du lieber Kim Fragen über die Texte stellen, da er sie ja auch schreibt.

Kathy:
Wo seht ihr persönlich weitere Unterschiede zwischen "Clone Your Lover" und "Eurotrash"?

Erik:
Wir sind glücklich mit "Clone Your Lover", aber ich denke, dass wir als Band wirklich gewachsen sind, seitdem wir das Album aufgenommen haben. Das liegt daran, dass wir viel live gespielt haben. Auch hat Chris Schleyer, der Gitarrist, diesmal von Anfang an am neuen Album mitgearbeitet, und das kann man richtig hören.

Kathy:
"Clone Your Lover" habt ihr seinerzeit in den USA aufgenommen, "Eurotrash" entstand in eurer Heimat Norwegen. Gab es da arbeitstechnisch bestimmte Unterschiede?

Erik:
Sicherlich. Wir haben "Eurotrash" in Schweden und Norwegen aufgenommen. Während wie "Clone Your Lover" aufnahmen, waren wir ziemlich von den USA inspiriert - wir haben auch alle Songs mehr oder weniger dort geschrieben. Die letzten acht Monate jedoch haben wir zusammen in den Wäldern 100km nördlich von Oslo gelebt. Es war ein sehr kalter und dunkler Winter. Es könnte sein, dass das mehr Aggressionen erzeugt hat.

Kathy:
A propos USA: Wie sieht es dort und auch in anderen Ländern aus? Habt ihr auch dort ebenso große Erfolge wie beispielsweise in Deutschland oder Skandinavien zu verzeichnen?

Erik:
Deutschland ist unser Haupt-Markt. Dort haben wir unsere Plattenfirma und dort haben wir bisher auch am meisten getourt.

Kathy:
Im Internet verfügt ihr über eine aufwendig gestaltete Homepage, demnach ist es euch wichtig, sich in den digitalen Medien angemessen zu präsentieren?

Erik:
Ja, das war für uns vom ersten Tag an wirklich wichtig. Die Homepage war schon fertig und online, bevor das erste Album rauskam. Das Design der Site hat viele Ähnlichkeiten mit der Live-Videoshow, die wir benutzten. Davon gibt's bald mehr.

Kathy:
Noch irgendwelche weisen Worte zum Abschluss?

Erik:
Weise Worte?? Have a good time; all the time!

Redakteur:
Kathy Schütte

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