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ZERAPHINE: Interview mit Sven

01.01.1970 | 01:00

ZERAPHINE sind in der Musiklandschaft Deutschlands längst keine kleine Leuchte mehr. Mit den Alben "Kalte Sonne" und vor allem "Traumaworld" konnte man einiges an Aufmerksamkeit auf sich ziehen, was unter anderem in einer Tour mit den finnischen Überfliegern HIM resultierte. Doch die Band hat sich nicht dem Stillstand verschrieben und sie gibt es auch auf ihrem neuen Longplayer "Blind Camera" wieder einiges zu entdecken. Deutsche und englische Lyrics brüderlich geteilt, SISTERS OF MERCY-Beats, schwer rockende Klampfen und jede Menge Schwermut und intonierte Traurigkeit. Es wird Zeit, die Schöpfer selbst zu Wort kommen zu lassen. Sänger Sven stand Rede und Antwort.

Alex:
Servus in die Hauptstadt. Alles klar bei euch?

Sven:
Ja sicher. Der gröbste Stress mit dem Album ist gerade am Abklingen, insofern haben wir bald mal ein paar freie Tage, bevor die Vorbereitungen für Live losgehen...

Alex:
Am 17.01.2004 kommt mit "Blind Camera" euer neues Album auf den Markt. Welche Erwartungen knüpft ihr an diese Scheibe?

Sven:
Wir warten einfach ab, was passiert. Irgendwie erwarten wir niemals so wahnsinnig viel, sondern hoffen einfach, dass das Album den Leuten gut gefällt.

Alex:
Wie zufrieden seit ihr denn selbst mit dem neuen Album? Konntet ihr alles so umsetzen, wie ihr es geplant habt?

Sven:
Ja, auf jeden Fall. Es ist genau so geworden, wie wir es uns vorgestellt haben. Insofern sind wir sehr zufrieden. Wir haben ziemlich lange daran gearbeitet und hatten den Luxus, wieder mit unserem Stammproduzenten zusammenzuarbeiten. Insofern konnten wir viel experimentieren und für unseren Geschmack die Songs genauso umsetzen, wie wir sie uns vorgestellt haben.

Alex:
Ihr habt mit eurer Entscheidung, sowohl englische als auch deutsche Texte zu interpretieren, den goldenen Mittelweg gewählt. Lässt euch dieser Entschluss nicht im Ausland schwerer Fuß fassen?

Sven:
Das spielt für uns eigentlich keine Rolle. Außerdem gibt es auch genügend Beispiele, die trotz deutscher Sprache im Ausland funktionieren, so z.B. OOMPH, RAMMSTEIN, DAS ICH etc. Die Entscheidung, welche Sprache benutzt wird, trifft eigentlich der Song selbst. Manche Dinge lassen sich einfach besser in der einen oder eben in der anderen Sprache ausdrücken. Wie ausgewogen das Verhältnis dann letztendlich wird, ist eher Zufall.

Alex:
"Blind Camera" ist für mich so etwas wie die Quintessenz eurer beiden ersten Alben, von denen "Kalte Sonne" eher gothisch, "Traumaworld" eher alternativ angehaucht war. "Blind Camera" ist nun Alternative Gothic Rock. Habt ihr euch mit eurem dritten Album gefunden?

Sven:
Ich bin mir gar nicht so sicher, ob man sich jemals 100%ig findet. Die musikalische Entwicklung eines jeden Einzelnen von uns wird wahrscheinlich immer weiter gehen und so wird sich auch der Sound von ZERAPHINE immer etwas verändern. Aber ich glaube, man kann uns inzwischen ganz gut von anderen Bands unterscheiden und irgendwo zwischen Goth und Alternative sind wir auf jeden Fall zu Hause.

Alex:
Wer ist für eure Kompositionen verantwortlich. Tüftelt ihr mit der Band oder habt ihr einen waschechten Songwriter?

Sven:
Man muss das ein wenig mehr unterteilen, denn im Prinzip schreibe ich schon die meisten Songs, Norman und Manuel schreiben auch. Aber wir arbeiten natürlich trotzdem gemeinsam daran und jeder arrangiert sein Instrument und bringt sich darüber ein. Der eigentliche Kompositionsprozess ist quasi nur die Grundidee.

Alex:
Eure Texte sind passend zur Musik sehr melancholisch und zuweilen auch nachdenklich. Was inspiriert euch zu diesen Lyrics?

Sven:
Die eigentliche Initialinspiration kommt auf jeden Fall von der Musik. Die ist dementsprechend immer zuerst da und ruft bereits bestimmte Assoziationen in mir hervor. Und diese passen dann auch meistens zu meinen Beobachtungen oder eben den Themen, die mich gerade sehr beschäftigen.

Alex:
Würdest du bitte noch einmal tiefer auf die Texte eingehen. Wovon handeln sie genau?

Sven:
Das kann man pauschal nicht sagen. Aber ich schreibe oft über Menschen, menschliche Eigenschaften oder auch die Entwicklung von Menschen. Und die dann meist negativ. Letztendlich versuche ich, meine Empfindungen im Hörer hervorzurufen, unabhängig von meiner eigenen Assoziation. Das versuche ich mittels kleiner Geschichten, die ich in die Lyrics packe. Und wie ich an relativ vielen E-Mails erkennen kann, scheint das gut zu funktionieren. Natürlich nur, wenn man sich darauf ein- und die Songs an sich heranlässt.

Alex:
Wie verlief die Produktion des Albums? Hattet ihr eine gute Zeit?

Sven:
Natürlich. Klar war es auch recht anstrengend und da wir insgesamt ca. drei Monate im Studio waren, gab es in der Zeit kaum soziales Leben, aber es ist halt doch das Beste, wenn man den ganzen Tag lang an den Songs arbeiten kann.

Alex:
Wer hat und wo habt ihr die Scheibe produziert?

Sven:
Wir haben natürlich wieder mit unserem Produzenten Thommy Hein zusammengearbeitet und das Album in seinem Studio in Berlin aufgenommen. Wir sind darüber sehr froh, denn die Zusammenarbeit mit Thommy ist jedes Mal sehr fruchtbar. Wir finden, er kann unsere Ideen ideal umsetzen und wir müssen vor allem unsere Musik nicht erklären.

Alex:
Ihr seid mit HIM auf Tour gewesen. Wie verlief diese Gastspielreise und was hat sie euch deiner Meinung nach an Reputation eingebracht?

Sven:
Wir waren sehr überrascht, dass wir vom HIM-Publikum so gut aufgenommen wurden. Natürlich hatten wir schon Befürchtungen diesbezüglich, weil man es doch schon öfter gesehen hat, dass Vorbands einfach nur gnadenlos ausgebuht werden. Auch war uns ganz klar bewusst, dass wir da jeden Abend vor ein paar tausend Leuten spielen, die eigentlich HIM sehen wollen. Aber unsere Befürchtungen wurden vom ersten Abend an glücklicherweise zerschlagen. Resümierend kann man auf jeden Fall sagen, dass wir doch recht viele neue Fans dazu gewonnen haben, was großartig ist. Auch der Kontakt zu den Musikern und der Crew von HIM war wunderbar. Es war einfach eine phantastische Tour.

Alex:
Sind schon Pläne für 2005 gemacht. Abfahrplan am Köcheln?

Sven:
Ja, wir gehen im März wieder auf Tour durch Deutschland, im Mai sind wir voraussichtlich in Österreich und in der Schweiz und dann kommen so allmählich die Festivals.

Alex:
Die Limited Edition von "Blind Camera" wird mit einer Bonus-DVD herauskommen. Kannst du mal ein bisschen mehr Licht ins Dunkel bringen?

Sven:
Auf der Bonus-DVD ist ein recht langes Interview mit vielen zwischengeschnittenen, privat gefilmten Sequenzen. Es geht ein wenig um die Bandgeschichte und um die HIM-Tour, man sieht ein paar Backstage-Szenen. Es geht um unsere Vorproduktion auf dem Bauernhof, um die Produktion im Studio und dementsprechend um das neue Album. Alles in allem ein ganz guter Blick hinter die Kulissen von ZERAPHINE. Außerdem sind noch unsere drei Videoclips enthalten, 'Be My Rain', 'New Year's Day' und 'Die Macht in dir'. Von letzterem gibt's dann auch noch ein paar Bilder vom Videodreh.

Alex:
Sven, erst mal vielen Dank für dieses Interview. Irgendwelche letzten Worte?

Sven:
Hm, das klänge so final... ich versuch's mal... Wir hoffen, dass euch unser neues Album gefällt und dass wir uns im März auf der Tour sehen. Aber erst mal wünschen wir euch ein wundervolles Jahr 2005!

Alex:
Ich euch auch. Grüß mir die Kollegen und viel Glück mit "Blind Camera"!

Sven:
Mach ich!

Redakteur:
Alex Straka

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