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YYRKOON: Interview mit Victorien Vilchez

01.01.1970 | 01:00

YYRKOON sind ein weiterer aufblühender Stern am französischen Extrem-Metal-Himmel und konnten mit ihrem aktuellen Album „Occult Medicine“ folgerichtig auch einen sehr guten Eindruck bei der härteren Bangerschaft erzielen. Bassist Victorien erzählte mir von der Entstehung des Albums, den bandinternen Querelen, die nunmehr der Vergangenheit angehören sollen, und den mitunter sehr guten Zukunftsperspektiven:

Björn:
Hallo, wie geht's?

Victorien:
Hallo! Ich habe gerade meinen Rechner hochgefahren und bin bereit, deine Fragen zu beantworten. Vielen Dank für dein Interesse an unsere Band!

Björn:
Dann möchte ich euch erst einmal zu eurer coolen neuen Scheibe "Occult Medicine" gratulieren. Wie sehen die bisherigen Reaktionen aus?

Victorien:
Vielen Dank! Bisher gibt es sehr viele positive Reaktionen, und die meisten sind davon überrascht, dass wir auf "Occult Medicine" um einiges brutaler geworden sind. Aber für uns ist das ein ganz natürlicher Prozess gewesen. Wir haben einfach nur die Musik komponiert, die uns gefallen hat, ganz ohne Kompromisse. Das Gefühl einer positiven Überraschung ist aber natürlich immer ein gutes. Wir möchten aber jetzt die nächste Tour abwarten, um zu sehen, wie die Leute die Platte aufnehmen.

Björn:
Was habt ihr denn im Vorfeld von "Occult Medicine" erwartet?

Victorien:
In erster Linie natürlich, ein gutes Album herauszubringen. Wir wollten sehr direkte Songs mit richtigen Kick-Ass-Riffs. Stephan, unser Hauptsongschreiber, wollte etwas noch Extremeres ausdrücken. Daher sind wir auch in das Studio von Jacob Hansen gegangen, weil er YYRKOON die Produktion geben kann, die wir uns gewünscht haben.

Björn:
Bevor ihr die Platte aber aufnehmen konntet, hat es einige Probleme gegeben. Was genau ist passiert?

Victorien:
Das ist nicht so einfach zu beantworten, weil unser letzter Schlagzeuger, Laurent Harouard, YYRKOON aus persönlichen Gründen und einem Nachlassen der Motivation verlassen hatte. Er hat sich dafür entschieden, "Occult Medicine" nicht mehr mit einzuspielen und hat uns einige Monate vorher verlassen. Wir haben dann Dirk Verbeuren für diese Session gefragt, und das hat sich wirklich ausgezahlt!

Björn:
Laurent war aber auch nicht die erste Person, welche die Band in den letzten Jahren verlassen hat. Woran liegt das?

Victorien:
Das ist eine lange Geschichte. YYRKOON gibt es jetzt schon seit acht Jahren, aber wir waren aus den verschiedensten Gründen auch schon ein paar Mal von der Bildfläche verschwunden. Wir müssen uns jedoch bei manchen Mitgliedern, die für eine frischen Wind gesorgt haben, für die erbrachte Orientierung bedanken. Andere sind einfach so gegangen. Wir sind jedoch mit allen Leuten in Freundschaft auseinandergegangen und haben auch weiterhin noch guten Kontakt miteinander.

Björn:
Glaubst du denn, dass das momentane Line-Up endlich stabil ist?

Victorien:
Nun ja, wir suchen auch weiterhin einen Drummer, aber dafür werden wir uns genügend Zeit nehmen, denn wir suchen jemanden, der sich auch richtig in die Gruppe einbringt, neue Ideen hat und auch beim Songwriting aktiv beteiligt ist. Aber das wird eben eine Weile dauern, doch glücklicherweise haben wir für die anstehenden Shows einen Ersatz für alle Felle. Aber davon mal abgesehen: Stef, Jeff und ich sind in den letzten Jahren schon einige Male durcheinandergerüttelt worden, wie wissen, wie man damit umgeht.

Björn:
Dann stelle mir doch mal bitte das aktuelle Line-Up vor.

Victorien:
Okay, da wäre Stéphane Souteyrand an Gitarre und Vocals, der die Band seinerzeit gründete und daher natürlich von Anfang an dabei ist. Jeff Gautier spielt ebenfalls Gitarre und stieg 1997 ein. Zunächst bediente er die Keyboards, wechselte aber 2002 an die Gitarre. Mein Name ist Victorien Vilchez, ich bin 2000 dazugestoßen und spiele Bass. Dirk Verbeuren ist der Schlagzeuger auf "Occult Medicine" und wird auch die Tour spielen, aber er ist kein festes Mitglied.

Björn:
Warum habt ich euch eigentlich für diesen seltsamen Namen entschieden? Und welche Bedeutung hat er?

Victorien:
YYRKOON ist ein Charakter aus der Fantasy-Literatur von Michael Moorcock und uns gefiel dieser Name auf Anhieb gut. Es gibt also keine tatsächliche semantische Erklärung.

Björn:
Ihr seid mit eurer Platte bei Osmose Productions untergekommen. Wie ist der Vertrag zustande gekommen?

Victorien:
Wir hatten einen Deal mit Anvil.corp, als wir die Platte in Dänemark aufgenommen haben, aber wir waren nicht sonderlich zufrieden mit ihrer Arbeit. Wir haben also Ausschau nach anderen Labels gehalten, und als wir mit unserem ungemasterten Album dann nach Frankreich zurückkehrten, haben wir es an diverse Plattenfirmen verschickt. Osmose zeigten das größte Interesse und da wir sie von der Reputation anderer Bands bereits kannten, griffen wir zu. Sie leisten wirklich sehr gute Arbeit, und wir sind komplett zufrieden im Hinblick auf Promotion, Gigs usw. Genau das haben wir bis zum heutigen Tage bei anderen Labels vermisst.

Björn:
Es scheint aber für eine französische Band auch gar nicht so einfach zu sein, bei einem ausländischen Label einen Vertrag zu bekommen und so landen die meisten Bands aus deiner Heimat eben bei Listenable oder Osmose. Woran liegt das?

Victorien:
Ich weiß nicht, ob das wirklich so schwer ist, mit einem Label aus dem Ausland zusammenzuarbeiten. Ich denke aber, dass solche Gedanken in erster Linie deshalb entstehen, weil unsere Szene keinen besonders guten Ruf hat. Aber das beginnt sich gerade zu ändern. In Frankreich gibt es genügend gute Bands, die dir den Arsch versohlen können. Zu Osmose und Listenable: sie sind die beiden besten Labels, die du in Frankreich finden kannst und auch die einzigen, die in jeglicher Hinsicht gute Arbeit leisten.

Björn:
Dann lass uns mal über eure neue Platte reden. Wie würdest du "Occult Medicine" in deinen eigenen Worten beschreiben?

Victorien:
Es ist wirklich ein sehr vielseitiges Album mit viel Thrash, viel Death und zahlreichen melodischen Passagen. Wir hatten nicht alles fertiggestellt, als wir ins Studio gegangen sind. Wir haben die Kompositionen vor Ort komplettiert, weshalb die Titel auch aus einer Spontaneität heraus entstanden sind.

Björn:
"Occult Medicine" ist ja bereits eure vierte Scheibe. Du kennst ja sicherlich diese Make-it-or-break-it-Geschichte, die man mit dem dritten Album einer Band verbindet. Wie sieht die Lage diesbezüglich bei euch aus?

Victorien:
Klar, es ist ein sehr wichtiges Album für uns. Es gibt zwei Faktoren für die Überlebensdauer einer Band: Motivation und Fortschritt. Wir haben momentan eine größere Motivation als je zuvor. Wir können halt nur nicht die Unterstützung des Publikums kontrollieren, was das ganze Business ja auch so unheimlich spannend macht. Natürlich wollen wir unser Bestes geben, sowohl im Studio als auch auf der Bühne. Deswegen stehen wir diesem Make-it-or-break-it-Ding auch sehr friedlich gegenüber und hoffen das Beste!

Björn:
Was ist denn eigentlich mit den beiden vorangegangenen Alben; sind diese immer noch erhältlich?

Victorien:
"Oniric Transition", unser erstes Album, markierte den Anfang. Es hat uns in Frankreich einen höheren Stellenwert beschert. Leider ist es momentan nicht mehr zu bekommen. "Dying Sun" haben wir 2002 aufgenommen und hierfür haben wir auch einen viel besseren Vertrieb finden können. Teilweise machten wir uns damit in Japan einen Ruf, wenn auch nur im Underground. Du kannst es noch immer auf unserer Website bekommen.

Björn:
Wovon handeln denn die Texte eurer neuen Stücke. Geht es da um Okkultismus, wie es der Titel auch suggeriert?

Victorien:
Das Konzept von "Occult Medicine" handelt von einem verrückten Arzt, der auf der Suche nach Ruhm den Hypokratischen Eid bricht. Er widmet sein Werk dem Tod und verschiedenen Experimenten am menschlichen Körper. Er bringt Leben und Tod zusammen und spielt mit seinen Opfern. Die Texte sind erzählende, subjektive und objektive Beschreibungen seines Handelns, sind aber voneinander unabhängig.

Björn:
In meinem Review habe ich euch auf der einen Seite mit SLAYER, auf der anderen aber auch mit DERANGED verglichen. Gefällt dir dieser Vergleich?

Victorien:
Das ist ein sehr lobenswerter Vergleich! Wir haben eine Vielzahl von Einflüssen; SLAYER sind dabei sicherlich die Band, um die sich alles dreht, wir sind mit ihrer Musik groß geworden. DERANGED ist eine Band, die wir sehr schätzen, doch ihr Einfluss auf unsere Musik ist nicht weiter nennenswert. "Occult Medicine" ist die Mischfrucht aus unseren Einflüssen, und diese reichen von den Siebzigern bis zum heutigen Tag, von Rock bis zum eher extremen Stoff.

Björn:
Wer oder was hat euch denn besonders inspiriert?

Victorien:
Wir haben keine besonderen Quellen, das kommt eher spontan. Die Riffs entstehen ganz natürlich. Im Hinblick auf die Texte wählen wir für jedes Album ein zentrales Thema und schreiben dann die Lyrics um diese Überschrift herum.

Björn:
In Frankreich scheinen sich fast alle Bands auf die extremeren Klänge zu konzentrieren, während es in der Szene nur wenige Bands gibt, die eher melodiebetonter zu Werke gehen. Worin bestehen da deiner Meinung nach die Ursachen?

Victorien:
Es gibt schon sehr viele melodische Bands bei uns, nur werden sie unglücklicherweise außerhalb von Frankreich nicht beachtet. MALEDICTION verdienen zum Beispiel viel mehr Aufmerksamkeit. Aber du hast schon recht, hauptsächlich wird die Szene von den Thrash-Jungs beherrscht. Die Kids lassen sich dementsprechend auch vermehrt von solchen Gruppen beeinflussen, so dass die extreme Musik stets weitergetragen wird.

Björn:
Wie denkst du denn über die Szene in deiner Heimat?

Victorien:
Es tut sich etwas in Frankreich! Der Underground hat sich unheimlich gut entwickelt und immer mehr Bands schaffen es, endlich an die Oberfläche gespült zu werden. Die Fortschritte sind deutlich sichtbar und man redet auch wieder über die französische Szene. Ich denke da an solche Bands wie GOJIRA, PITBULL IN THE NURSERY, SCARVE usw.

Björn:
Aber so lebendig wie in den Achtzigern ist der Metal doch in Frankreich bei weitem nicht mehr, oder?

Victorien:
Im Vergleich zu den Achtzigern existieren heutzutage weitaus mehr Bands, was wiederum die Wichtigkeit des Undergrounds erklärt. Außerdem denke ich, dass die Gruppen heute viel kreativer sind und sich viel mehr voneinander unterscheiden. Der Thrash Metal ist am energetischsten, im Death-Metal-Bereich trifft man auf die technischste Variante und wiederum andere haben sich einem melodischeren Stil gewidmet.

Björn:
Was ist denn die positivste und was die negativste Sache im Bezug auf die französische Szene?

Victorien:
Wie ich bereits sagte, der Underground macht große Fortschritte. Im Gegensatz dazu spielen aber zu viele Bands unter armseligen Bedingungen und werden nicht in verdientem Maße beachtet und belohnt. Das hat aber keinen Einfluss auf die kreative Entwicklung dieser Combos.
Auf der anderen Seite werden diese miesen Bedingungen aber auch durch ein Übermaß an Motivation wettgemacht. Es herrscht eine echte Rock'n'Roll-Attitüde. Und bis auf einige wenige Ausnahmen verstehen sich die Bands untereinander auch sehr gut. Die Szene ist sehr gefestigt!

Björn:
Das freut mich zu hören. Wie sieht es denn da mit Konzerten aus? Wenn ich mir mal die Tourpläne der hiesigen Bands anschaue, dann scheint der einzige Halt Paris zu sein. Wie sieht es denn in den anderen Städten aus?

Victorien:
Es gibt überall in Frankreich kleinere Konzerte, aber natürlich finden die meisten Shows in den offensichtlichen Regionen statt, wie etwa in Lyon, Bordeaux, Lille oder Marseille. Aber gerade in diesen Orten ist es keine Seltenheit, dass man in kleinen Cafes oder Clubs Gigs von Thrash- und Death-Metal-Bands beiwohnen kann.

Björn:
Wo genau stammst du denn her?

Victorien:
Wir leben alle in Picardy, genauer gesagt in Amiens. Es ist eine Stadt, in der es sehr viele Musiker gibt. Der Underground ist ziemlich aktiv und wir sind uns darin einig, dass es noch einige Bands aus dieser Gegend nach weiter oben schaffen werden.

Björn:
Wie sehen bei euch die Auftrittsmöglichkeiten aus?

Victorien:
Es gibt nur einen kleine Raum, in dem man aber gute Konzerte unter exzellenten Rahmenbedingungen absolvieren kann. Das Problem ist, dass es keine genaue Struktur für die Organisation von Konzerten gibt. Das muss stets von den einzelnen Bands in die Hand genommen werden. Andererseits ist das natürlich auch eine gute Sache, denn jeder kann durch eigenes Engagement davon lernen.

Björn:
Du hast eben was von einer Tour gesagt, was genau steht da an?

Victorien:
Ich bin stolz darauf, verkünden zu dürfen, dass wir vom 26. Januar bis zum 5. Februar mit IMPALED NAZARENE durch Europa touren werden. Wir werden dabei sieben Shows in Deutschland spielen. Aber es werden uns 2005 sicherlich noch weitere Gigs in ganz Europa erwarten. Die Informationen dazu findet ihr auf unserer Website.

Björn:
Welche Ziele habt ihr euch für das kommende Jahr gesetzt?

Victorien:
Nun, wir haben ja jetzt schon mal einige Daten für das nächste Jahr festgemacht. Außerdem komponieren wir auch schon wieder fleißig und werden wahrscheinlich im Oktober 2005 zurück ins Studio von Jacob Hansen gehen, um dort ein neues Album aufzunehmen. Es wird wohl mehr oder weniger den selben Spirit wie "Occult Medicine" beinhalten, aber auf natürliche Weise weiterentwickelt. Das Songwriting ist immer eine aufregende Angelegenheit und birgt immer wieder einige Überraschungen.

Björn:
Haben wir noch irgendwas vergessen, das du nun gerne loswerden möchtest?

Victorien:
Wir sind sehr dankbar dafür, dass wir die Shows in Deutschland spielen dürfen, wir kennen euer Land nämlich noch gar nicht. Wir haben schon sehr viel Positives über Deutschland gehört, sowohl bezüglich des Publikums als auch über das Bier, das bei euch ausgeschenkt wird. Vielen, vielen Dank für dein Interesse an YYRKOON. See you on tour!

Redakteur:
Björn Backes

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