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XANTHOCHROID: Interview mit Sam Meador

20.01.2016 | 18:31

OPETH trifft EMPEROR - kann diese musikalische Mixtur überhaupt funktionieren? Es mag im ersten Moment verrückt klingen, doch die Amerikaner XHANTHOCHROID beweisen seit nunmehr sechs Jahren, dass es durchaus machbar ist. Mit ihrem Debüt "Blessed He With Boils" haben die Kalifornier ein Album veröffentlicht, das sich problemlos mit den Größen des Genres messen kann und mit dem sie sich im Underground einen Namen machen konnten. Inzwischen arbeitet das Quintett fieberhaft am Nachfolger, der noch in diesem Jahr erscheinen soll. Grund genug für uns, Frontmann Sam Meador zur Zukunft der Band und dem Stand der Produktion zu befragen.

Hallo Sam, vielen Dank, dass du dir die Zeit für unsere Fragen nimmst. Aktuell arbeitet ihr am Nachfolger zu eurem Debüt "Blessed He With Boils" aus dem Jahr 2012. Wie sieht es denn mit dem Fortschritt der Produktion aus und wann können wir mit dem neuen Longplayer rechnen?

Bisher ging es recht langsam voran, doch in den letzten Wochen haben wir deutliche Fortschritte gemacht. Wir sind jetzt an dem Punkt angekommen, an dem wir das Album endlich fertigstellen wollen. Trotzdem hat jeder von uns einen regulären Job und andere Verantwortlichkeiten, die uns ab und an in die Quere kommen. Wir hoffen aber, dass wir die neue Scheibe gegen Ende des Frühjahrs oder spätestens im Sommer 2016 veröffentlichen können.

Vor wenigen Tagen habt ihr mit "To Higher Climes Where Few Might Stand" die erste Single zur neuen Platte veröffentlicht. Nach einigen Hördurchläufen muss ich sagen, dass ich im Vergleich zu eurem Debüt noch einmal neue Einflüsse heraushören kann. Habt ihr absichtlich auf einen noch vielfältigeren Sound hingearbeitet, oder war das eine natürliche Entwicklung?

Wir haben an diesem Song so lange gearbeitet, dass ich schon fast nicht mehr weiß, was ich dazu noch sagen soll. Für mich persönlich fühlt es sich aber so an, als wären die Songs auf dem neuen Album eine ganz natürliche Weiterentwicklung auf verschiedensten Ebenen. Das Album wird auf jeden Fall demonstrieren, wie sehr wir uns in Bezug auf Orchestration und Gesang in den letzten drei Jahren entwickelt haben. Es wird sogar ein wenig perkussives Gitarrenspiel zu hören sein [In den letzten Monaten hat Sam einige Coversongs mit perkussivem Gitarrenspiel auf seinem YouTube-Kanal veröffentlicht - Anm. d. Verf.]. Darüber hinaus wird die Platte aber auch eine größere Bandbreite von musikalischen Ideen abdecken, worauf wir explizit hingearbeitet haben. Wir haben uns ganz bewusst unter Druck gesetzt, um neue Ideen einzubauen und das musikalische Vokabular von XANTHOCHROID zu erweitern.

Beim Release des Albums auf Vinyl werdet ihr mit Blood Music zusammenarbeiten, aber wie sehen eure Pläne für die CD-Version aus? Wird die CD über euer eigenes Label Erthe And Axen Records erscheinen?

Ja genau, die Vinyl-Version wird exklusiv über Blood Music erhältlich sein und wir werden uns selbst um den CD-Release, Merchandise und auch die digitalen Versionen des Albums kümmern. Allerdings werden die CDs auch über Blood Music erhältlich sein, da sie uns dabei unterstützten werden, das Album auch in die Regale von CD-Händlern und Onlineshops zu bekommen.

Ich bin immer noch überrascht, dass ihr die CDs in Eigenregie veröffentlicht. Nachdem ich "Blessed He With Boils" das erste Mal gehört hatte, war ich mir sicher, dass es nur eine Frage der Zeit sein kann, bis ihr von einem der größeren Labels unter Vertrag genommen werdet. Gab es in den letzten drei Jahren keine Angebote von größeren Plattenfirmen oder waren die Angebote einfach nicht interessant genug?

Also gerade nach dem Release unserer ersten EP "Incultus" waren wir auf der Suche nach einem Label und wollten unbedingt unter Vertrag genommen werden. Damals dachten wir, das wäre der einzige Weg, um erfolgreich zu sein und unseren Namen in der Szene bekannt zu machen. Gerade bei Plattenfirmen mittlerer Größe wie Season Of Mist, Candlelight oder The End haben wir uns damals beworben, wir haben sogar jeder Bewerbung ein persönliches Anschreiben beigelegt, das ihnen erläutern sollte, warum wir eine lohnende Erweiterung ihres Artist-Roosters wären. Aber natürlich haben wir nie eine Antwort bekommen, von keinem der Labels. Im Nachhinein betrachtet bin ich eigentlich froh, dass wir damals keine Antwort bekamen, denn die Verträge, die man uns angeboten hätte, wären furchtbar gewesen. Wenn ich teilweise höre, was für Verträge Bands heutzutage unterschreiben, dann kann ich es nicht glauben. XANTHOCHROID wird defintiv niemals einen Deal unterzeichnen, bei dem wir die Rechte an den Masterbändern unserer eigenen Alben verlieren, oder bei dem ein Label einen viel zu großen Anteil an unseren Einnahmen bekäme! Nach dem Release von "Blessed He With Boils" haben wir einen solchen Deal angeboten bekommen und ihn dankend abgelehnt. Inzwischen sind wir in der Lage all das selbst zu leisten, was ein Label uns bieten würde. Einzig die Kontakte zu den großen Vertrieben fehlten uns bisher, doch in genau diesem Punkt wird uns Blood Music zukünftig unterstützen.

Bei euren Texten legt ihr sehr großen Wert auf ein umfassendes Konzept. Ihr habt sogar eine ganz eigene Mythologie entwickelt, welche die Basis für all eure Lyrics liefert. Wo kam diese Idee denn ursprünglich her und wer hat den ganzen mythologischen Hintergrund entwickelt?

Eigentlich war mir die Idee ursprünglich gekommen, als wir über eine Story für ein Videospiel nachdachten, das wir als Band auf die Beine stellen wollten. Ich habe mir so oft gedacht, wie toll wäre es, wenn meine Lieblingsband einen Film, ein Videospiel oder einen Comic machen würde, denn für mich geht es bei einer Band immer um mehr als nur Musik. Natürlich sollte der Fokus auf der Musik liegen, aber eine wirklich großartige Band kreiert ihr ganz eigenes Image. Ihre Kreativität spiegelt sich dabei in ihrer Liveshow, dem Artwork, dem Bühnenbild oder ihrem Merchandise wider. Manche werden vielleicht sagen, dass das ganze Drumherum von der Musik ablenkt. Teilweise würde ich dem sogar recht geben, allerdings nur dann, wenn die Musik und die übrigen Aspekte kein schlüssiges Gesamtbild ergeben. Wenn aber alles zusammenpasst, dann erzeugt die Band eine ganz eigene Welt, in der sich die Fans beim Hören der Musik verlieren können und in der die Musik ihr ganzes Potential ausschöpft. Im Falle von XANTHOCHROID heißt diese Welt Etymos und ihre Charaktere und Geschichten sind das Thema unserer Musik.

Die große Frage ist natürlich nun, zu welcher Zeit die textlichen Inhalte vom neuen Album angesiedelt sein werden? Setzt ihr dort an, wo "Blessed He With Boils" endete oder werdet ihr andere Geschichten innerhalb der Mythologie erkunden?

Beim neuen Longplayer wird es sich um ein Prequel handeln, das heißt, wir werden die Vorgeschichte zu den Ereignissen des Debütalbums erzählen.

Da du selbst ja großen Wert auf den konzeptuellen Hintergrund eurer Musik legt, welche Bands waren denn in diesem Punkt deine größten Einflüsse oder Helden?

Ich glaube, mir gefiel die Idee eines Konzeptalbums immer besser als die eigentlichen Konzeptalben, die ich bis dahin gehört hatte. Natürlich gibt es großartige Platten wie etwa "Still Life" von OPETH, "Metropolis Pt. 2: Scenes From A Memory" von DREAM THEATER oder das recht unbekannte "Cybion" von KALISIA, der größte Einfluss war für mich aber "Prometheus - The Discipline Of Fire & Demise" von EMPEROR. Diese Platte ist zwar ein Konzeptalbum, doch ich glaube, dass sie sogar noch ein stückweit darüber hinaus geht. Für mich scheint das Album eine Allegorie auf die gesamte Karriere von EMPEROR zu sein, eine Ankündigung ihres eigenen Endes und ein Rückblick auf alles, was sie bis dahin erreicht hatten. Es ist fast so, als hätten sie ihre gesamte Karriere von Beginn an geplant und das finde ich wirklich extrem inspirierend.

Lass uns nun auch noch einmal auf euer Debütalbum zurückblicken. "Blessed He With Boils" ist nun drei Jahre alt, wie zufrieden seid ihr aus heutiger Sicht mit den Reaktionen auf die Platte?

Mehr als glücklich! Wir haben Fans auf der ganzen Welt hinzugewonnen und jeden Tag entdecken weitere Menschen unsere Musik, das ist alles, was ich mit für die Band gewünscht habe.

Den Vertieb des Albums habt ihr damals komplett in Eigenregie gestemmt. Ich selbst war auch lange in einer Band aktiv, daher würde ich gerne wisse, wie schwierig es heutzutage ist, die Band mit den Einnahmen am Leben zu erhalten? Hast du das Gefühl, dass es gerade kleinere Bands in den letzten Jahren schwerer haben?

Alleine hätten wir den Release damals nicht stemmen können, doch glücklicherweise hatten wir Hilfe von unseren Freunden Rhiis Lopez und Ana Kefr, die uns beigebracht haben, wie man ein Album richtig veröffentlich und vor allem auch wie man damit die richtigen Leute erreicht. Trotzdem war es ein langer, verwirrender und teilweise frustrierender Weg, den wir gehen musste, um an dem Punkt anzukommen, an dem wir heute sind. Daher helfe ich auch gerne jüngeren Bands, die gerade erst ihre Karriere beginnen, damit auch sie mit ihrer Musik die Hörer erreichen können. Was die Verkäufe angeht, so waren wir damit bisher sehr zufrieden. Wir persönlich verdienen mit XANTHOCHROID natürlich kein Geld, aber die Band finanziert sich aktuell selbst. Wir könnten sicher noch kreativer beim Verkauf und bei der Produktion von Merchandise sein, um damit etwas mehr Geld zu verdienen, aber aktuell reichen die Einnahmen aus, um unsere neuen Projekte zu finanzieren. Dementsprechend sind wir auch nicht auf ein Label angewiesen.

Ihr hattet außerdem auch großen Erfolg mit eurem WINTERSUN-Cover zum Song 'Land Of Snow And Sorrow'. Ihr wurdet sogar von Nuclear Blast angesprochen, ob ihr nicht einen weiteren Song covern könntet, um die damalige Tour der Finnen in den U.S.A. zu promoten. Habt ihr einfach Spaß daran, solche Songs umzusetzten, oder seht ihr das ganze eher als Werkzeug zur Vermarktung eurer eigenen Musik?

Wir haben einfach Spaß daran, Musik so zu arrangieren, dass sie zu unserem eigenen Musikgeschmack passt. Natürlich nutzen wir die Coversongs aber auch für die Promotion, das WINTERSUN-Cover war dabei wahrscheinlich das beste, was wir als Band je gemacht haben. Dieser Song hat es uns ermöglich, Tausende von Menschen zu erreichen, die vorher noch nie von uns gehört hatten. Viele von diesen Hörern sind inzwischen Fans unserer Musik und wir sind dankbar für jeden einzelnen.


Mit diesem schönen Schlusswort endete auch unser Interview. Als Fazit kann man nur festhalten, dass die Szene vielleicht mehr Bands wie XANTHOCHROID braucht, die auch ohne Unterstützung eines Labels ihren Weg gehen. Bleibt nur zu hoffen, dass die Arbeiten am neuen Longplayer weiter so gut vorangehen, sodass wir bis zum Sommer in den Genuss des Albums kommen.

Mehr zu XANTHOCHROID:

Rezension zu "Blessed He With Boils"

Redakteur:
Tobias Dahs

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