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WITCHBOUND: Interview mit Stefan Kauffmann

02.05.2021 | 22:45

An einem eher trüben Sonntagmittag präsentierte sich WITCHBOUND-Gitarrist und Komponist Stefan Kauffmann in bester Plauderlaune, um unsere Leser auf den aktuellen Stand zum neuesten Output "End Of Paradise" zu bringen. Natürlich ging es bei unserem Gespräch auch um seine ehemalige Band STORMWITCH, einen legendären Playback-Auftritt, ständige Namensverwechslungen mit einem ehemaligen ACCEPT-Musiker und natürlich vieles mehr. Viel Spaß beim Lesen.

Hallo Stefan, zuerst einmal Glückwunsch zu eurem neuen Album. Ganz ehrlich, so ein Hammer-Album hätte ich aufgrund der Schwierigkeiten im Vorfeld nicht erwartet. Wie ist deine aktuelle Gefühlslage bezüglich der Veröffentlichung?

Ich verspüre schon eine gewisse Art Befreiung, da, wie du bereits richtig angedeutet hast, ein sehr langer, schwieriger Weg mit allerlei unvorhersehbaren Hürden, aber auch Schicksalsschlägen, hinter uns liegt. Vor allem nach Martins Tod [Martin Winkler, Gitarre, verstarb im Januar 2019. - d. Red.] haben wir wirklich lange überlegt, ob wir überhaupt weiter machen oder die Band zu Grabe tragen sollten. Bis zu diesem Zeitpunkt war aber schon einiges an Arbeit geleistet worden, sodass wir schlussendlich beschlossen, weiterzumachen und die Songs fertigzustellen. Gerade das letzte Jahr nutzten wir coronabedingt sehr intensiv, um uns durch die vielen bereits vorhandenen Parts zu hören und daran zu arbeiten. Die ersten Aufnahmen dafür begannen ja bereits 2016, sodass man das Zusammensetzen der verschiedenen Fragmente mit dem Zusammenfügen eines großen Puzzles vergleichen kann. Da Martin nicht nur Komponist und Gitarrist war, sondern auch einen erheblichen Teil am Gesang übernehmen sollte, entschlossen wir uns dazu, einen zusätzlichen Sänger zu Natalie mit an Bord zu nehmen und die Gesangsposition doppelt zu besetzen. Glücklicherweise sagte uns Tobi [Tobias Schwenk, ALSION / ENSLAVE THE CHAIN - d. Red.], welcher uns in der Vergangenheit schon öfters bei Live-Auftritten unterstützt hatte, auch direkt zu. Die Beiden haben dann ihre Gesangsparts zu unserer vollen Zufriedenheit zum größten Teil auch selbst arrangiert, was uns sehr gefreut hat.

Magst du unseren Lesern einen kurzen Überblick über die oben bereits angesprochenen Schwierigkeiten bei der Entstehung des Albums geben?

Ja, natürlich. Die erste große Krise ereilte uns bereits Ende 2016, als unser damaliger Sänger Thorsten Lichter aus zeitlichen Gründen seinen Abschied von der Band bekannt gab. Dies war für uns alle sehr schmerzlich, da sich zu dieser Zeit Konzertanfragen merklich häuften. Einige Konzerte waren bereits bestätigt und die wollten wir auf keinen Fall absagen. Mit Tobi [Tobias Schwenk] und Jogi Schure [Johannes Schurr, PHALLAX] fanden wir zum Glück zwei überaus begabte Sänger, die uns in dieser Situation aushalfen, aber leider nicht langfristig zur Verfügung standen. Nach einer wirklich langen Suche fanden wir dann in Natalie eine geeignete Sängerin, die unseren Anforderungen entsprach. Kurze Zeit später kam die nächste Krise, da unser Martin zeitweise krankheitsbedingt ausfiel und wir dann zum Teil sogar Gigs in der Tschechei mit Aushilfsgitarristen absolvieren mussten. Das war für mich persönlich eine sehr schwierige, anstrengende Zeit, da ich mir damals WITCHBOUND ohne Martin eigentlich nicht vorstellen konnte oder wollte. Zudem gab es bandinterne Unstimmigkeiten über die weitere musikalische Ausrichtung der Band, die 2017 zum Ausstieg von Ronny [Ronny Gleisberg, Bassist] führten, der 2018 durch Frank Bittermann ersetzt wurde. Anfang 2019 verstarb dann Martin für uns alle völlig überraschend, was fast das Aus für WITCHBOUND bedeutete. Wir nahmen uns dann ungefähr ein halbes Jahr Auszeit um alles ruhen und reflektieren zu lassen. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten wir bereits knapp 20 Songs im Demostadium, die eigentlich viel zu gut waren, um ungehört zu bleiben und so entschieden wir uns, weiterzumachen. Dann ging die Suche nach einem neuen Gitarristen los, den wir mit unserem "Youngster" Julian Steiner fanden.

Welche Erwartungen knüpfst du an euer neues Album?

Da viel Zeit und Herzblut in dem Album steckt, hoffen wir natürlich, dass es so vielen wie möglich gefällt, unsere Fans Freude beim Hören haben und wir zumindest einen Teil unserer Unkosten durch Albumverkäufe oder Downloads wieder reinbekommen. Auch die Konzerte fehlen uns und der Kontakt zu den Fans. Wir hoffen alle, dass wir möglichst bald wieder auf die Bühne dürfen um unser Album ordentlich zu promoten. Aber ansonsten habe ich keine besonderen Erwartungen.

Wie ist aktuell die Stimmung im WITCHBOUND-Lager?

Sehr gut. Wir sind ja mittlerweile eine Zwei-Generationen-Band. Auf der einen Seite gibt es mit Peter, Frank und mir die Oldschool-Fraktion und mit Natalie, Julian und Tobi die junge Garde. Diese Mischung tut uns spürbar gut und führt auch immer wieder zu spannenden Diskussionen.  

Bedenkt man, dass die Aufnahmezeit sechs Jahre betrug und das Album sowohl aus alten als auch neuen Fragmenten zusammengestellt wurde, bin ich vom Endergebnis noch mehr geplättet. Ich finde, die Scheibe tönt wie aus einem Guss!

Das freut mich sehr. Aus unserer Sicht war natürlich die größte Befürchtung, dass das Ganze vielleicht zu unterschiedlich, nicht homogen klingen könnte. Gerade die Gitarren von Martin wurden in verschiedenen Sessions mit unterschiedlichen Einstellungen aufgenommen und auch die Gesänge entstanden in verschiedenen Studios. Da muss ich dem Achim Köhler (Mix) für seinen tollen Job wirklich ein großes Kompliment aussprechen.

Für mich gehörst du zweifelsohne zu den wichtigsten Komponisten im Heavy Metal made in Germany und auch diesmal gelang es euch auf beeindruckende Art und Weise, die Scheibe einerseits viel moderner als alles Bisherige aus eurer Feder klingen zu lassen, andererseits ist deine Handschrift was große, eingängige Melodien angeht, absolut unverkennbar.

Vielen Dank für dein Lob. Ich finde das neue Album teilweise auch härter als unser Debüt, was vor allem an Martin lag, der immer wieder mit tollen, härteren Nummern ankam. Die ersten fertigen Ideen für das Album klangen noch sehr nach "Tarot's Legacy", doch Martin begann immer mehr zu experimentieren, z.B. mit 7-Saiter-Gitarren und hatte zudem den Anspruch, das Ganze etwas moderner klingen zu lassen, weshalb diesmal auch vermehrt Keyboards zum Einsatz kamen. Außerdem sind Martins Texte ja meist auch sehr düster und melancholisch gehalten und dazu passt dann auch eher härtere Musik.

Wo wir gerade bei den Texten und der Musik sind, die ja sowohl bei STORMWITCH als auch bei WITCHBOUND schon immer eine wichtige Rolle spielten und auch noch spielen: Magst du uns zu den einzelnen Tracks etwas erzählen?

'Prelude'
Sehr gerne sogar. Hierbei handelt es sich um ein kurzes, orchestrales Intro aus der Feder von Martin. Da unser Album auch orchestral endet, fanden wir das ganz passend.

'Battle Of Kadesh'
Die Nummer stammt ursprünglich auch von Martin. Er gab mir das Stück und meinte, ich solle einen Text und passende Melodien dazu schreiben, was ich dann auch tat. Inhaltlich geht es um die Schlacht bei Kadesh zwischen den Ägyptern und Hethitern im fünften Regierungsjahr des Pharaoh Ramses II, der der Legende nach eine hoffnungslose Schlacht mit Hilfe des Gottes Amun für sich entscheiden konnten.

'Instellar Odyssey'
Es ist der erste Song mit Science-Fiction-Lyrics im Hause WITCHBOUND und er stammt komplett von mir. Es geht um einen Traum, in dem jemand von Außerirdischen entführt wird und mit diesen durch das Weltall reist. Traum oder Realität? Hier hört man auch stark den Einfluss einer anderen großen Metal-Band heraus, weshalb dies der Lieblingstitel unseres Sängers Tobi ist (Tobi ist einer der größten IRON MAIDEN-Fans, die ich kenne).

'End Of Paradise'
Trotz seines etwas apokalyptischen Textes soll der Titel Mut machen und Hoffnung geben. Er handelt von menschlicher Selbstzerstörung, Kriegen, Terror und auch Umweltzerstörung. Aber trotz allem ist die Botschaft dahinter, immer weiterzumachen und niemals aufzugeben. Eigentlich eine klassische Nummer, der Martin durch Hinzunahme von Synthesizern einen moderneren Anstrich verpasste.

'Carved In Stone'
Wurde ursprünglich bereits vor 15 Jahren für Martins damalige Band AUTUMNS GRIEF (damals hieß die Nummer 'Die Alone') geschrieben und stellte für uns aufgrund des Textes, welcher aus heutiger Sicht fast schon einer Prophezeiung seinerseits glich, durch Martins tragisches Ableben eine große emotionale Herausforderung dar. Es geht um Tod und was danach von einem übrig bleibt.

'Flags Of Freedom'
Dies ist auch eine schon etwas ältere Nummer von mir, die ich anfangs eigentlich gar nicht für WITCHBOUND geplant hatte. Für mich persönlich eines der Highlights auf dem Album. Es geht um einen Gefangenen in einer Zelle, der von Freiheit träumt und fliehen möchte. Im übertragenen Sinne ein Aufruf, sich seinem Schicksal nicht kampflos zu ergeben, sondern Widerstand zu leisten und sich gegen Unrecht und Unterdrückung zu wehren. Interessant finde ich den Kontrast des teilweise zarten Gesangs von Natalie zu den wirklich harten Gitarren.

'Torquemada'
Dies war einer der ersten fertigen Songs für das aktuelle Album. Genau wie 'Battle Of Kadesh' enthält die Nummer übrigens kein Gitarrensolo, sondern nur eine Gitarrenmelodie, da wir der Meinung waren, dass es einfach besser passt. Zum Inhalt: Tomás de Torquemada (1420–1498) war ein Dominikanermönch und Generalinquisitor in Kastilien und Aragonien. Er prägte wesentlich das Wirken der Spanischen Inquisition. Während seiner Zeit als Generalinquisitor hatte er die Aufsicht über die Spanische Inquisition. Daher werden die damaligen Urteile der spanischen Inquisitionstribunale häufig als seine Urteile bezeichnet. Hier stammen sowohl Text als auch Musik wieder von Martin.

'Nevermore'
Auch 'Nevermore' entstammt komplett der Feder von Martin. Es ist mit Abstand das härteste und schnellste Stück auf dem Album. Die Growls von Natalie sind Premiere bei WITCHBOUND. Es enthält einen zeitlosen Text, bei dem es um Abschied, Verzweiflung, Schuld, aber auch Hoffnung, Vergebung und Versöhnung geht.

'Last Divide'
Stammt von mir und war der erste Song, den ich nach "Tarot's Legacy" schrieb. Ursprünglich hieß die Nummer 'Midnight Zone'. Es ist ein klassischer Rocksong mit einer klassischen Gruselstory über ein Haus voller Geister, Vampire und Dämonen, die den Besucher auf die andere, dunkle Seite ziehen wollen. Also sozusagen "das alte Haus von Rocky Docky" im Metal-Gewand. Haha.  

'Sea Of Sorrow'
Ohne Frage auch eins meiner Lieblingsstücke auf dem Album. Das Grundgerüst der Nummer stammt von Martin und hieß ursprünglich 'Fields Of Sorrow'. Sowohl Text als auch die Gesangsmelodien sind wiederum von mir. Es ist eine Art Halbballade mit einem überraschenden Tempowechsel in der Mitte. Meine Lyrics handeln von einem verzweifelten Menschen, Verlust und Hoffnung auf Erlösung. Also eigentlich ganz im Stil von Martins Texten.

'Foreign Shores'
Musik und Text sind von mir, wie auch das Mandolinenintro. Im Gegensatz zum vorherigen Song haben wir es hier mit einem klassischen Piratensong zum Mitgrölen zu tun, den live zu spielen unglaublich Spaß macht und der mit seinen "Hey, Ho's" immer für tolle Stimmung sorgt. Ein Teil der Gesangsmelodie stammt übrigens noch von unserem ehemaligen Sänger Thorsten Lichtner.

'Dance Of The Dead'
Stammt wie 'Carved in Stone' und 'These Tears' auch noch von Martins AUTUMN'S GRIEF-Projekt, und wurde teilweise noch deutlich umarrangiert. Es ist eine Fantasy-Story mit düsterem, melancholischem Touch. Eigentlich kein klassischer WITCHBOUND-Song. Er enthält viele Akkordwechsel und klingt dadurch fast schon etwas russisch angehaucht und geht musikalisch eher in die ENSIFERUM-Ecke. Beim Gitarrensolo ist hier übrigens Julian zu hören.

'These Tears'
Ist der dritte und letzte Song aus Martins AUTUMNS GRIEF-Zeit und wurde ebenfalls teilweise noch umarrangiert. Die Lyrics ähneln inhaltlich 'Carved in Stone', 'Nevermore' oder 'Sea Of Sorrow'.

'As Long As We Can Rock'
Nachdem wir so viel Melancholie auf dem Album haben, dachte ich mir, dass wir noch dringend einen straighten Rocker mit positiven Vibes brauchen. Ursprünglich sollte es auch ein Piratensong werden, deshalb auch das Mandolinenintro. Mit der Zeit entwickelte er sich dann aber immer mehr zu einem klassischen Rocksong. Martin fand den Titel eigentlich doof, da er der Meinung war, dass solch plakative Titel mittlerweile ausgelutscht sind, aber wir, die Rentnerfraktion, dachten uns: "Ach komm, ein Song mit Durchhalteparolen für uns Ältere muss einfach sein." Haha.

'Our Hope'
Stammt von Martin und hieß vorher 'Empty Word' beziehungsweise 'Hopeless Word'. Es ist eine klassische Rockballade mit Orchester-Outro. Somit beginnt und endet das Album orchestral. Um diesen Song beneide ich Martin sehr und wünschte, er wäre von mir. Die Lyrics mit Fantasy-Anleihen handeln von Erlösung und Befreiung durch die Liebe. Ich finde, er ist absolut zeitlos und könnte genauso gut auf einem SCORPIONS-Album aus den 70ern stehen.

Wie viel hört man tatsächlich von Martin auf dem Album?

Die meisten Solos wie auch die akustischen Parts außer der Mandoline wurden tatsächlich noch von Martin selbst eingespielt und sind auf dem Album zu hören. Julian wollte da auch gar nicht groß dazwischenfunken und sich in den Mittelpunkt stellen, was für seinen wirklich guten Charakter spricht.

Sowohl Artwork als auch Booklet finde ich von Manfred Smietana äußerst gelungen gestaltet. Gab es genaue Vorgaben oder hatte er freie Hand?

Die lose Grundidee von Martin war ursprünglich, dass auf alle Fälle wieder eine Hexe auf das Cover sollte. Sie sollte ein Kind an der Hand halten und an einem Abgrund mit einem Vulkan und Flammen stehen. Aber als ich eines Tages auf der Homepage von Manfred unterwegs war, erspähte ich ein bereits fertiges Werk, welches ich mir mit ein paar Veränderungen gut für uns vorstellen konnte. Ich stellte es den anderen vor und nach einigem Hin und Her hat Manfred das Bild unseren Vorschlägen entsprechend etwas angepasst. Ich finde, Manfred hat dabei einen großartigen Job abgeliefert. Übrigens, es erscheint zur normalen CD noch eine auf 111 Stück limitierte Magnet-Box mit sechs individuellen Autogrammkarten und einem WB-Aufkleber.

Kommen wir kurz zu deiner alten Band STORMWITCH, die mit ihren ersten vier bis fünf Alben die Geschichte des deutschen Heavy Metal maßgeblich mitgeprägt hat. Ihr genießt gerade für eure Frühwerke hohes internationales Ansehen. Ein gutes Beispiel hierfür ist sicherlich Oscar Dronjak von HAMMERFALL, welcher sogar auf eurem WITCHBOUND-Debüt ein Gitarrensolo beisteuerte und mit HAMMERFALL euren Song 'Ravenlord' coverte. Wie ist das für dich?

Es ist natürlich eine große Ehre, da man sich selbst ja gar nicht unbedingt als so populär wahrnimmt. Ich bin ja eher ein bescheidener Mensch und habe den ganzen Hype beziehungsweise Kult um STORMWITCH tatsächlich erst die letzten Jahre so richtig mitbekommen. Als ich 1992 bei STORMWITCH ausstieg, habe ich das Ganze etwas aus den Augen verloren und war aus der Heavy-Szene erstmal draußen. Auch den Erfolg von HAMMERFALL habe ich erst Jahre später mitbekommen. Durch WITCHBOUND musste ich dann wohl oder übel ein Facebook-Konto anlegen, um mit den Fans in Kontakt treten zu können und war dann echt überwältigt, wie viele Menschen dadurch Kontakt mit mir aufnahmen und sich positiv über meine musikalische Vergangenheit äußerten. Eine kleine Anekdote noch zu Facebook: Ich bekam auch massig Anfragen, ob ich denn nicht der Stefan Kaufmann von ACCEPT sei, welcher sich allerdings nur mit einem "F" in seinem Nachnamen schreibt. Deshalb hatte ich anfänglich sogar die Message: "Nein, ich bin nicht Stefan Kaufmann von ACCEPT, sondern Stefan Kauffmann von WITCHBOUND, Ex-STORMWITCH" auf der Seite stehen. Haha.

Hast du vielleicht noch eine lustige Anekdote aus deiner STORMWITCH-Zeit?

Ja, natürlich. Wir hatten etwa 1989 oder 1990 mit STORMWITCH einen Auftritt mit vier Titeln für eine Show mit mehreren Künstlern in einem wirklich großen Stadion in Sofia/Bulgarien mit ungefähr 40.000 Zuschauern. Dies war auch unser einziges Konzert, auf dem wir jemals Playback gespielt haben. Dort spielten noch sehr bekannte Pop-Bands wie BONEY M. oder SANDRA, das bedeutete, wir waren da die "Exoten". Da wir als erste Band an diesem Tag angereist waren, krallten wir uns sogleich die Garderobe von SANDRA, die das gar nicht lustig fand. Das Highlight war dann, als wir unseren Auftritt mit 'Call Of The Wicked' eröffnen wollten, wurde uns dazu fälschlicherweise ein furchtbares Keyboard-Intro von SANDRA eingespielt. Wir sahen uns alle fragend an, fuchtelten wild gestikulierend mit unseren Händen umher um es zu stoppen. Das war wirklich schon sehr lustig. Unser damaliger Gitarrist Wolfgang Schludi hat dann noch beim letzten Song ganz in bester Rockstar-Manier das komplette Schlagzeug zerlegt, welches zum Glück nicht unseres war. Haha.

Welches waren deine bisherigen Konzert-Highlights, sowohl als Besucher als auch als Musiker?

Natürlich unsere Konzerte als Headliner in Ungarn, wo wir in Budapest vor 3.000 total begeisterten Fans auftreten durften. Dann auch unsere WITCHBOUND-Album-Release-Show in Giengen, die wirklich etwas ganz Besonderes war sowie der Auftritt bei "Rock am Härtsfeldsee 2017". Als Besucher waren es die SCORPIONS 1979, die mich und Harry (Spengler) als 16-jährige Buben in Ulm ziemlich geflasht haben. Unsere Eltern haben uns damals dort hingefahren und wir lungerten bereits um 15 Uhr an der Halle herum, um eventuell einen Blick auf die Musiker erhaschen zu können. Tatsächlich fuhr dann ganz stilgemäß ein dicker Mercedes mit Hannoveraner Nummernschild um die Ecke, aus dem dann auch tatsächlich die Jungs ausstiegen und Harry im breitesten Schwäbisch zu ihnen meinte: "Heit will i abr mol was hera" (heute will ich aber mal was hören), woraufhin Rudolf Schenker auf Hochdeutsch meinte: "Wieso, hörst du denn sonst nichts?" Haha. Das war schon ein großartiger Moment und ein tolles Konzert. Oder: 1981 war ich mit Andy Mück (STORMWITCH) mit dem Zug nach Stuttgart auf das "Golden Summer Night" Open Air gefahren. Es spielten solche Größen wie FOREIGNER, KANSAS, MOTÖRHEAD, IRON MAIDEN, BLACKFOOT, BLUE ÖYSTER CULT und MORE. Wohlgemerkt, alles an einem Tag. Damals waren Festivals über mehrere Tage, wie wir sie heutzutage kennen, noch nicht an der Tagesordnung. Es waren wohl gefühlt so um die 40 Grad und es floss viel Alkohol. Zu jener Zeit waren noch jede Menge amerikanische Soldaten in Deutschland stationiert, die da für ausgelassene Partystimmung sorgten. Das war für uns als junge Burschen schon auch ein sehr tolles Erlebnis.

Welche drei Alben findest du unverzichtbar?

Oh, nur drei, das ist aber sehr schwierig. Dann nenne ich mal das Blaue und das Rote Album von THE BEATLES als eins. Haha. Diese beiden Alben beeinflussten und prägten sowohl Harry als auch mich als Songwriter sehr und übten großen Einfluss auf unser späteres Songwriting aus. Dann noch das erste IRON MAIDEN-Album und das legendäre Live-Album "Strangers In The Night" von UFO.

So Stefan, wir kommen nun zum Schluss und die letzten Worte gehören dir.

Ich bedanke mich für die Geduld unserer Fans, die so lange auf das Album warten mussten und hoffe, dass es ihnen gefällt und wir gemeinsam die Pandemie überstehen, um uns möglichst bald mal wieder bei einem Konzert auf ein Bier und einen Plausch treffen zu können.

Redakteur:
Mahoni Ledl

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