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WINTERBLOOD: Ein Interview mit Sänger Fall

06.11.2013 | 07:15

In Sachen Black Metal besitzt Norwegen zwar immer noch die Hegemonie, aber schon seit vielen Jahren beweisen auch andere Länder, dass sie einiges vorweisen können. Deutschland kann sich auf jeden Fall dazu zählen und eine Band, die gerade den Untergrund mächtig aufmischt, ist die rheinische Truppe von WINTERBLOOD. In einem Interview haben wir mit Sänger Fall über ihr aktuelles Studioalbum "Herbstsehnsucht" gesprochen.

Hallöchen allerseits. Erst mal Glückwunsch zu eurem Debüt. Wie fühlt es sich  an seine erste Scheibe in der Hand zu halten?

Es ist ein unbeschreiblich euphorisches Gefühl das erste Album, was wirklich aus dem Presswerk kam, in den Händen zu halten. Ich bin ebenfalls sehr positiv überrascht, dass es relativ gut bei der Presse ankommt, obwohl es durch Eigenproduktion und Zeitdruck zu einigen Soundmankos kam. Aber du meintest ja schon bereits, dass gerade deswegen dieses Album seinen eigenen Charme entwickelt. Nochmals vielen Dank, dass ihr es rezensiert habt.

Schon beim ersten Durchlauf ist mir die Nummer 'Raserei des Meeres' im Gedächtnis geblieben. Wie schwer ist es eigentlich einen so langen Song zu schreiben? Wer sang die Clean Vocals ein?

Für uns ist es, glaube ich, einfacher längere Songs zu schreiben, weil man somit halt auch mehr Platz hat zum Experimentieren und mehrere verschiedene Einflüsse mit einbringen kann. So hat man viel Spielraum für Progression und Atmosphäre. Natürlich hat man damit auch eine höhere Gefahr dem geneigten Hörer eine gewisse Langatmigkeit auszusetzen, dennoch hat sich bis jetzt keiner beschwert und ich denke wir haben den Job ganz gut gemeistert.
Ich habe alle Vocals eingesungen, da ich auch eine klassische Gesangsausbildung genossen habe. In dem Song 'Raserei des Meeres' gibt es aber auch zwei additionale Vocalparts, die von unserem Gitarristen "Shelter" eingesungen wurden.

Gibt es einen Grund weshalb die längeren Stücke gleich am Anfang gesetzt worden sind? Steht ein Konzept dahinter?

Das Album generell hat schon ein Konzept, auch wenn es kein richtiges "Konzeptalbum" ist. Dass die Songs, die man am Anfang setzte, die längsten sind,  ist aber Zufall und nicht wirklich kalkuliert.

Auf der gesamten Scheibe lässt sich nur ein fremdsprachiger Song wiederfinden und das ist 'My Eternal Grave'. Werdet ihr euch lyrisch weiterhin in der deutschen Sprache bewegen oder sind in Zukunft auch englische oder sogar französische Texte zu erwarten?

Die meisten Texte werden auch weiterhin auf deutsch geschrieben werden. Schließlich war Deutschland mal das Land der Dichter und Denker und ich finde es schade, wie sehr die deutsche Sprache vernachlässigt wird. Englische und spanische Lyrik wären eine weitere Möglichkeit. Der Song 'Derniere' war ursprünglich ganz von mir in französisch verfasst wurden, allerdings habe ich diese Idee wieder verworfen, da meine Aussprache nicht die Beste ist. Wenn ich einmal daran arbeite, wäre das eine weitere Option. Noch eine Möglichkeit wäre norwegisch. Ich spreche diese Sprache relativ flüssig und habe auch schon einen Song für meine frühere Pagan-Black-Metal-Band SLAGMARKEN eingesungen. Der Song heißt 'Fjordesang' und ist auf unserem Youtube Kanal zu finden.

Beim Anblick eures Covers ist mir aufgefallen, wie leicht sich eurer Logo, im Vergleich zu anderen Bands, lesen lässt. Mit welcher Begründung habt ihr euch dafür entschieden?

Als wir noch traditionelleren Black Metal machten, hatten wir auch ein typisch, verschnörkeltes Logo. Da wir jetzt aber einen progressiveren, moderneren Stil haben, der sich auch vor anderen Genres nicht verschließt, wurde das Logo etwas mehr dem Post-Black-Metal-Image angepasst. Ich finde das Logo ist relativ simpel, aber dennoch stilvoll. Nochmal danke an Benny von der Band FAULEN für dieses schöne Logo.

Wenige Monate nach der Erscheinung von "Herbstsehnsucht" ist euer Gitarrist ausgestiegen. Da ihr  bald einen Gig habt, stellt sich mir die Frage, ob ihr bereits jemanden gefunden habt oder wird ein Gastmusiker einspringen?

Wir mussten uns von unserem zweiten Gitarristen "Custos Corvus" trennen, weil einige technische Defizite vorhanden waren, die so schnell wohl nicht ausgemerzt werden konnten. Wir haben aber schon einige potenzielle Anwärter für diesen vakanten Posten.
Wir haben den Auftritt bereits gespielt, aber halt nur mit einer Gitarre. Der Sound war etwas dünn, da die Songs für zwei Gitarren konzipiert sind. Jedoch wollten wir diesen Auftritt aber nicht wieder absagen, da wir wegen Besetzungsproblemen, dies schon zwei Mal zuvor tun mussten. Generell kann man sagen: Der Auftritt war erfolgreich. Allerdings war das der erste und letzte Gig unseres nun ex-Schlagzeuger "Blinded", der leider wegen seinem Studium umziehen muss und somit nicht mehr Teil der Band ist.

Es ist halt sehr schwer Musiker für diesen Stil zu begeistern. Black Metal ist nicht jedermanns Sache. Es ist schwer in unserer Region Musiker für diesen Stil zu finden, besonders wenn man zuverlässige engagierte Musiker sucht, die die Sache auch ernst nehmen.
Vielleicht kann uns ja wer da draußen helfen, wegen einem Nachfolger?
Bitte unter: winterblood@gmx.de melden!

Black-Metal-Bands haben es wegen der Antifa vor allem in Süddeutschland schwer Konzerte wahrzunehmen. Wurdet ihr schon mal mit der Aussage eine "Nazi-Band" zu sein konfrontiert?

Ich persönlich kenne kaum eine Black-Metal-Band, die mit diesen Vorwürfen nicht konfrontiert wurde. Eigentlich ist es schade, dass so viel Halbwissen herrscht, denn nicht jede Band, die Black Metal macht, ist automatisch rechtsextrem eingestellt. Ich selbst habe slawische und skandinavische Wurzeln und auch gute Freunde, die aus Sri Lanka und Vietnam stammen. Black Metal ist eine Kunstform und sollte von solch braunem Dreck nicht verseucht werden. Ich halte aber genauso wenig von linken Extremisten.

Es gibt eine Menge Stimmen die behaupten, dass der Musikmarkt schlichtweg übersättigt ist. Wie seht ihr das, gerade im Hinblick dessen, dass ihr selbst euer erstes Album veröffentlicht habt? Hat man gerade im Black Metal überhaupt noch die Chance bekannt zu werden?

Teilweise ist der Markt in der Tat übersättigt. Das Problem ist, dass viele Bands einfach ohne eigene Ideen an die Sache herangehen und versuchen bspw. den guten alten DARKTHRONE-Sound zu kopieren. Das ist zwar nicht verwerflich, aber man wird halt doch nicht an die Qualität der Originale herankommen. Wenn man bekannt werden will, mit solch einer Musikform, muss man aus dem ganzen Einheitsbrei hervorstechen. Man braucht etwas Originelles, Unikates, damit das funktionieren kann.

Ich möchte mich im Namen der Redaktion von POWERMETAL.DE für das Gespräch bedanken und wünsche euch noch alles Gute für die Zukunft!


Die Band WINTERBLOOD und ich wünschen euch ebenfalls alles Gute in der Zukunft und macht immer weiter so mit der tollen Arbeit, die ihr verrichtet!

Redakteur:
Hang Mai Le

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