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WHITEBUZZ: Interview

17.01.2010 | 22:00

Eine Troika von Jungspunden aus Hannover schießt gegen Ende des vergangenen Jahres eine äußerst formidable Doom-Scheiblette aus der Hüfte. Was ist da los, fragen wir uns...

Stephan:
Da der Name WHITEBUZZ noch nicht allzu vielen unserer Leser geläufig sein dürfte, stellt doch bitte einmal kurz die Band und eure bisherigen Aktivitäten mit dieser Band vor.

WHITEBUZZ:
Also wir sind Cris, Gitarre und Gesang, Tim, Schlagzeug und André, Bass. Wohnen alle drei in Hannover. Bereits vor WHITEBUZZ hatte jeder von uns mehrere Bandprojekte, wobei sich Tim und Cris schon da so einiges teilten. Mehr oder weniger durch Zufall trafen wir dann letztlich alle aufeinander. Im ersten Jahr, 2006, schrieben wir die Songs, die wir dann zur Weihnachtszeit 2007 für "Book Of Whyte" aufgenommen haben. Seitdem kann man uns auch öfter live sehen. Höhepunkt war die Tour zusammen mit HERMELIN.

Stephan:
Gibt es nennenswerte Bands, in denen ihr früher aktiv wart oder noch aktiv seid und Erfahrungen sammeln konntet?

WHITEBUZZ:
Seit WHITEBUZZ gibt es für uns drei nur noch WHITEBUZZ. Nix nebenbei. Unsere Bands davor ... hm, Erfahrung sammeln konnten wir da durchaus. Nennenswertes ist aus der Zeit aber eher weniger hervorzuheben.

Stephan:
Welche Bands/musikalischen Werke haben euch nachhaltig beeinflusst in eurer musikalischen Entwicklung?

WHITEBUZZ:
Einer der wichtigsten Einflüsse für uns waren damals die MELVINS, über deren Dunstkreis man ständig neue Bands und auch den Stoner Rock entdeckte. Wir haben über BLACK SABBATH bis BORIS, DOPESMOKER etc. eigentlich alles mal mitgenommen. Es ist halt die Faszination für schwere und psychedelische Musik, die uns drei verbindet.

Stephan:
Wie habt ihr diese extrem dunkle, bedrückende Atmosphäre mit nur drei Instrumenten und mutmaßlich ohne exklusiven Aufnahmetempel hinbekommen?

WHITEBUZZ:
Vor allem mit viel Zeit und ohne große Hektik und zu genauen Vorstellungen vom Endprodukt. Das würde die Art von Musik auch zu sehr behindern. Wenn jeder motiviert bleibt und Spaß hat, schafft man vieles und das ganze "Do It Yourself"-Ding geht auf.

Stephan:
Ich finde die Mischung aus schweren, erhabenen Soundwänden und eingängigen, fast schon leichtfüßigen Melodien sehr gelungen. Muss ein WHITEBUZZ-Song erst eine Weile reifen wie ein guter Wein, oder schüttelt ihr das mehr oder weniger aus dem Ärmel?

WHITEBUZZ:
Oh ja, das hast du gut gesagt. Reifen, das isses, haha. Ohne Scheiß, wir schreiben Monate an 'nem Song. Manchmal liegt er dann auch erstmal wieder still bis man meint, jetzt kann er mehr vertragen. Da sind wir genauso schleppend wie das, was am Ende bei rauskommt.

Stephan:
In welcher Konstellation und unter welchen äußeren Bedingungen entsteht denn Musik, die später mal ein WHITEBUZZ-Song wird? Braucht es dazu als Voraussetzung eine gewisse Atmosphäre?

WHITEBUZZ:
Nun ja, anfangen tut alles mit 'nem fensterlosen Proberaum, einem Sofa, Bier und Entspannung. Fast alles wird im Proberaum gemeinsam "erfunden". Jeder wird von dem anderen inspiriert, solang bis ein brauchbares Fragment entsteht. Dann wird viel geredet und mit großen Worten versucht zu umschreiben, in welche Richtung sich das weiter entwickeln sollte. Sechs Monate später isses dann vielleicht fertig. Oder man reißt alles ein und baut das Gerüst komplett von hinten wieder auf. Kann alles passieren.

Stephan:
Worum geht es in euren Texten? Gibt es einen inhaltlichen Zusammenhang zwischen den einzelnen Stücken?

WHITEBUZZ:
Wir wollten mit "Book Of Whyte" eine Konzeptscheibe machen, die textlich und musikalisch um einen Kern kreist. Wie du die Bilder liest, bleibt dir überlassen.

Stephan:
Was steht im "Book Of Whyte" und ist dies für jedermann bestimmt?

WHITEBUZZ:
"Book Of Whyte" ist eigentlich eine Hommage an jeden freien, kreativen Schaffensprozess. Es geht auch um die Befreiung und "Neuerfindung", dem Ablegen von alten Beschränkungen.   

Stephan:
Eure neue Scheibe ist toll, aber sicherlich so wenig massentauglich, dass ihr damit kaum kommerziellen Erfolg haben dürftet. Was ist euch persönlich wichtig, wenn es darum geht, wie ein WHITEBUZZ-Album klingt und in welche musikalische Richtung es geht?

WHITEBUZZ:
Oh, sehr ermutigend, danke! Haha. Nein Spaß, hast ja Recht. Hm, schwierige Frage. Es soll nach uns klingen. Es muss so klingen, dass wir uns die Platte kaufen wollen würden, ohne zu wissen, dass wir das sind. Und wir sind da ziemlich kritisch und pingelig. Es sollte ein rundes Konzeptalbum werden, das Zeit hat sich zu entfalten und ein klares Ende findet.

Stephan:
Erhaltet ihr viel Feedback (seitens der Fans, aber auch Rezensionen in der Presse) und wie fällt dieses mehrheitlich aus?

WHITEBUZZ:
Bisher hat das Album ziemlich polarisiert. Interessant finden wir, dass es tatsächlich die selben Dinge sind, wegen denen die einen die Scheibe zerreißen und die anderen sie hoch loben. Alle deutsch- und englischsprachigen Rezensionen sind auf unserer Myspace-Seite gesammelt. Über die Masse an positiven Kritiken freuen wir uns sehr. Negatives gibt es natürlich auch, aber eher recht selten. Auch die sind aber gern genommen. Schließlich ist man ja auch bei sowas mal neugierig, was es zu meckern gibt.

Stephan:
Hat es Auswirkungen auf euren Schaffensprozess, was andere über das Album äußern oder interessiert euch das gar nicht? Wollt ihr mit eurer Musik andere Leute erreichen oder geht es euch primär darum, dass euch das Ganze gefällt?

WHITEBUZZ:
Nein, wir lassen uns da von niemandem beeinflussen. Es sei denn jemand behauptet, wir wären zu leise. WHITEBUZZ ist nicht entstanden um anderen zu gefallen oder "kommerziellen" Erfolg zu haben. Wir wollen schlichtweg das tun, was uns erfüllt. Gerne auf der Bühne, bei Albumaufnahmen oder dem Artwork, mit dem wir uns beschäftigen.

Stephan:
Wie seid ihr an den Plattenvertrag mit Meteor City herankommen? Wird es weitere Alben auf diesem Label geben und schicken sie euch in absehbarer Zeit mal auf Tour (z.B. mit dem einen oder anderen Labelmate)?

WHITEBUZZ:
Das war ein glücklicher Zufall. Eingefädelt hat das jemand, der hier in Hannover für ein halbes Jahr Austauschschüler aus Massachusetts war: Nick DiSalvo, Gitarrist und Sänger von ELDER. Wir haben ihn bei einem COLOUR HAZE-Konzert kennengelernt und uns angefreundet. Irgendwann musste er dann aber mal wieder abreisen, unter anderem um mit ELDER erfolgreich zu sein. Seine Band war bereits bei Meteor City und so hat er einfach mal unser "Book Of Whyte" dort in den Briefkasten getan. So haben wir dann Dan Beland, den Labelmacher, kennengelernt. Das Ganze klingt ganz schön einfach, oder? Aber genau so wars.
Mit Booking-Angelegenheiten beschäftigt sich Meteor City eher weniger. Viel zu verdanken haben wir ihnen trotzdem. Wenn das nächste Album fertig ist, dann würden wir gern wieder dort den Deal machen. Wir sind wirklich zufrieden.

Stephan:
Fühlt ihr euch der "Doom-Szene" zugehörig und was haltet ihr generell von den allgegenwärtigen Klassifizierungen in der Musik und damit einhergehenden genretypischen Konventionen/Stereotypen?

WHITEBUZZ:
Zugehörig schon, auch wenn wir versuchen, das eine mit dem anderen zu verbinden. Das Doom-Genre hat ja einige Unterkategorien, unter anderem die Stoner-Doom-Kategorie, deren Beschreibung ganz gut auf unsere Bandintention zutrifft. Klassifizierungen sind auf jeden Fall nützlich. Kann doch nicht alles Post Rock sein.

Stephan:
Würdet ihr euren Stil auch mit genrefremden Elementen mischen oder werdet ihr immer innerhalb des auf diesem Album abgesteckten musikalischen Rahmens agieren?

WHITEBUZZ:
Wir denken, dass mindestens noch die nächsten beiden WHITEBUZZ-Scheiben mit Gitarre, Bass und Schlagzeug sein werden. Wir werden sehen, wann es Zeit wird auch mal andere Gefilde zu erkunden, haha. Im Ernst, das hängt wirklich von unserer Stimmung und unserer Experimentierfreudigkeit ab. Wir denken nicht, dass wir uns auf ewig auf ein Schema festfahren.

Stephan:
Habe ich eure Kommentare auf eurer Myspace-Seite richtig verstanden, dass ihr versucht habt, das Album als freien Download verfügbar zu machen, aber dies an technischen Barrieren scheiterte? Was seht ihr für einen Nutzen darin, ein mit viel Aufwand hergestelltes Album zu "verschenken"?

WHITEBUZZ:
Naja fast. Haben die ersten beiden Tage, als das Album ganz frisch war, die Songs dort bei Myspace zum freien Download angeboten. Als kleines Dankeschön für die Leute, die öfter dort mal vorbei schauen um nach Neuem zu gucken. Der Deal mit Meteor City war dann recht schnell unter Dach und Fach. Da konnten wir das natürlich nicht mehr machen. Den Nutzen im Verschenken sahen wir allein in der Verbreitung der Songs.

Stephan:
Wie beurteilt ihr generell die Thematik Downloads? Auf der einen Seite die Möglichkeit, bekannter zu werden z.B. durch Gratis-Downloads, zum anderen natürlich das Problem von illegalen Downloads und dadurch geringere Verkaufszahlen...

WHITEBUZZ:
Wir haben generell nichts dagegen, schließlich gibt es kaum eine bessere Promo. Außerdem kann man sich als skeptischer Hörer erstmal ein Bild verschaffen. Hauptsache, die Leute vergessen nicht, dass wenn sie neue Musik haben wollen, sie die Bands gelegentlich z.B. durch den Kauf ihrer Alben unterstützen sollten. So eine Produktion braucht schließlich auch eine finanzielle Grundlage.

Stephan:
Ihr seid befreundet mit HERMELIN, die im vergangenen Jahr eine großartige LP veröffentlicht haben, teilt wohl sogar den Proberaum mit ihnen...
Was gibt es da für Kooperationen untereinander, da ihr euch ja musikalisch schon stark voneinander unterscheidet? Seid ihr auf den Alben der jeweils anderen Band zu hören, spielt ihr gemeinsame Konzerte o.ä.?

WHITEBUZZ:
Den Proberaum teilen wir bislang nicht. Wir haben dort allerdings die Aufnahmen gemacht, da sie den besseren Soundklang im Raum haben.
Hast schon Recht mit den musikalischen Differenzen. Die Jungs gehören aber mit zu unseren besten Freunden. Auf unseren Alben featuren wir uns zwar nicht, aber bei unserer letzten gemeinsamen Tour im Herbst hat das auf der Bühne wunderbar geklappt. Bei 'Antipocalypse' haben uns die Hermeline mit zusätzlicher Gitarre und Schlagzeugparts genauso unterstützt wie Cris mit Gesang und Tim mit einem unglaublich deftigen Trommelpart bei deren Zugabesong. Beides waren für uns immer die Highlights des Abends. Und gerade diese musikalische Zusammenstellung bei einem Konzert sehen wir eher als etwas Interessantes, Spannendes für die Zuschauer.

Stephan:
Wie findet ihr als Hannoveraner eigentlich die SCORPIONS, die sich ja mittlerweile nicht einmal mehr zu schade sind, bei der Bambi-Verleihung eine hochpeinliche Laudatio auf SHAKIRA zu halten?

WHITEBUZZ:
Hm, wir sind mehr so die FURY-Fraktion (gemeint sind FURY IN THE SLAUGHTERHOUSE - d. Verf.), sorry.

Stephan:
Was sind eure nächsten Schritte? Gibt es Livetermine anzukündigen und/oder arbeitet ihr bereits an einem neuen Album?

WHITEBUZZ:
Wir haben bereits zwei neue Songs auf Tour gespielt. Unsere Priorität für dieses Jahr liegt also beim zweiten Album. Vor allem wollen wir aber live spielen. Planungen für's europäische Ausland sind auch schon im Gange.


Da kann ja nichts mehr schief gehen. Seien wir gespannt, wohin die weitere Reise das WHITEBUZZ-Trio führen wird.

Redakteur:
Stephan Voigtländer
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