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WAR FROM A HARLOTS MOUTH: Interview mit Simon

02.12.2010 | 09:20

Die Berliner von WAR FROM A HARLOTS MOUTH haben Ende Oktober ihr bereits drittes Album "MMX" veröffentlicht. Zeit Simon, Gitarrist der Mathcore-Kapelle, ein paar Fragen zu stellen.

Was sind eure ersten Gedanken, wenn ihr an euer brandneues Album "MMX“ denkt?
Dass wir endlich unseren Sound gefunden haben. "MMX" fühlt sich an wie das Ende einer Suche nach der richtigen Nische oder dem Platz, an den man gehört. Das Album hat uns dort hingebracht.

Die neue Platte klingt für mich wie eine Mischung aus „Transmetropolitan“ und „In Shoals“. Es greift die Düsternis eurer letzten Platte auf und mischt sie mit dem Pepp des Debüts. Wie seht ihr das?
Etwas differenzierter. Die Platte enthält sicherlich Elemente beider Platte und vereint auch die jeweiligen Vorzüge ab und an miteinander, aber generell sind wir "MMX" nicht mit dem Ziel angegangen, genau das zu tun. Wir wollten einfach eine extreme Platte schreiben, die einen abartig bösen Vibe hat.

Zudem finde ich, dass die neue Platte etwas geordneter klingt als seine Vorgänger. War dies ein Ziel, welches ihr euch gesetzt habt?

Jein. Es hat sich häufig einfach so ergeben und anstatt wie sonst davor zurückzuschrecken, haben wir dieser Entwicklung einfach mal ihren Lauf gelassen, anstatt auf Biegen und Brechen zu versuchen, wieder auseinanderzupflücken, was geordnet funktioniert hat. Generell sind die vertrackten Momente auch noch sehr präsent, aber eben subtiler und auf unoffensichtlichere Art und Weise erzeugt.

Wie geht ihr an das Songwriting heran? Für viele bestehen eure Songs nur aus einem chaotischen Part an den Nächsten gereiht, gepaart mit ein paar Breakdowns. Wie schreibt ihr eure Songs und ordnet diese?
Ich schreibe zu Hause oft Riffs und Parts vor und gehe damit dann in den Proberaum. Paul hat einen sehr großen Einfluss auf die rhythmische Komponente. Selbst wenn ich schon etwas verqueres anschleppe, hängt er oft noch einen Haken ran. Am Ende finalisieren wir die Songs dann gemeinsam und jeder nimmt nochmal Einfluss auf das Endergebnis.

Denkt ihr auch darüber nach mal einen „echten“ Song zu schreiben, ähnlich wie THE DILLINGER ESCAPE PLAN mittlerweile straightere Lieder auf ihren Alben haben?
Hahaha, wer sagt denn, dass wir so etwas noch nicht haben?! Ich würde sagen, 'Recluse MMX' ist so ein Song, der mit seinen vielen Wiederholungen schon beinah als "echter" Song durchgeht. Überhaupt macht einen echten Song nicht aus, dass er straight und geordnet wirkt. In den seltensten Fällen reihen wir einfach beliebige Parts aneinander, auch wenn das vielleicht auf den einen oder anderen so wirken mag. Aber die Zeiten sind eigentlich weitesgehend vorbei.

Wie kam es eigentlich zur Split mit BURNING SKIES, die ihr im Sommer dieses Jahres veröffentlicht habt? Musstet ihr dafür extra noch Stücke schreiben oder sind welche von der Entstehung von "MMX“ übrig geblieben?
Wir haben extra Songs dafür geschrieben, man hört ja auch einen sehr deutlichen Unterschied zum Material von "MMX". BURNING SKIES sind einfach sehr gute Freunde von uns, wir teilen uns außerdem das Label. Es war einfach an der Zeit, das endlich mal umzusetzen. Denn im Raume steht das mit der Split schon seit unserer gemeinsamen Tour im Jahre 2008.

Ihr seid im Moment auf der "Never Say Die"-Tour. Mit welchen Erwartungen geht ihr an die Tour und in wiefern erfüllen sich diese? Was denkt ihr über die anderen Bands?
Nun ja, wir haben nicht erwartet, dass der Altersdurchschnitt der Besucher auf der Tour so niedrig sein wird, das haben wir ein bisschen unterschätzt. Den einen oder anderen Jüngling überfordern wir merklich mit unserer Musik, aber was soll's, es ist halt keine Popmusik, haha. Die Tour ist gigantisch und man spielt eigentlich immer vor 1.000 bis fast 3.000 Leuten, was einfach heftig ist.
Von den anderen Bands bin ich besonders von Emmure positiv überrascht. Ich dachte, ich würde sie evtl. nicht mögen, da mir ihre Musik nie besonders zusagte, aber das sind sehr sympathische Leute und irgendwie sind sie in dem, was sie machen, auch authentisch. Generell kommen wir mit allen Bands aus, es gibt hier keinen Stress oder so was. Im Endeffekt versuchen alle, entspannt zu sein – und so ist auch die Stimmung allgemein.

Wie läuft es generell im Ausland für euch? Immerhin schreibt selbst der englische Kerrang! über euch. Ich erinnere mich noch daran, dass ihr in der Rubrik "Introducing" ein kleines Feature hattet.

Nicht schlecht, wir sind zum Glück weit über die deutschen Grenzen hinaus gekommen mit dem, was wir machen. Das ist natürlich sehr erfreulich, denn den deutschsprachigen Raum kann man auch nicht ohne Unterlass bespielen, sonst können dich die Leute irgendwann nicht mehr sehen. Es ist einfach eine gute Erfahrung, dass man über Musik mit verschiedensten Menschen aus den unterschiedlichsten Kulturen connecten kann.

Wie steht ihr eigentlich mittlerweile zu dem Jogginghosen-Publikum, welches nur auf den nächsten Breakdown wartet, um richtig Gas zu geben, den Großteil des Songs allerdings fast wie angewurzelt steht? Früher fandet ihr das nicht gerade gut, wie man in Interviews lesen konnte.

Naja, was soll ich sagen?! Unsere Musik basiert nunmal nicht nur auf Breakdowns und wenn das alles ist, was nachher ausschlaggebend für jemanden ist, der auf unsere Show kommt, ist er eigentlich am falschen Ort oder sieht sich die falsche Band an. Aber wenn's denjenigen glücklich macht, dann soll er es doch machen. Im Endeffekt muss jeder selbst wissen, wie er am meisten Spaß auf einer Show hat. Es ist allerdings schade, wenn das mit der Musik nur bedingt was zu tun hat, aber man kann nicht alles haben.

Was können wir 2011 von euch erwarten? Gibt es schon Pläne für eine eigene Tour?
Ja, wir arbeiten momentan an ein paar Touren, unter anderem an einer Tour zu "MMX". Zwischen Weihnachten und Neujahr werden wir die Berlin-Angs-Tour mit unseren Freunden von FINAL PRAYER spielen. Dates gibt es die Tage auf www.wfahm.com und den üblichen Communities wie Facebook. Ansonsten versuchen wir nochmal, nach Russland und besonders in die USA zu kommen und die Planung macht langsam Fortschritte. 2011 wird hoffentlich ein interessantes Jahr. So etwas wie Japan oder Australien würden wir auch gern mal mitnehmen, mal schauen ob sich das nicht mal ergibt.

Redakteur:
Sebastian Berning

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