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WARRIOR SOUL: Interview mit Kory Clarke

18.04.2010 | 14:34

Anlässlich des famosen "Destroy The War Machine"-Albums bot es sich an, Kory mit Fragen zu WARRIOR SOUL, TROUBLE und gefühlten weiteren hundert Bands zu stellen. Ohne Frage: Der Mann ist sehr beschäftigt.

Kory Clarke kennt die Schattenseiten des Lebens. Soviel ist sicher. Ursprünglich hätte das WARRIOR SOUL-Konzert in der "Batschkapp" stattfinden sollen, wurde jedoch ins kleinere "Nachtleben" verlegt. Wo andere Bands mit einem Nightliner auffahren, müssen Kory und seine Mannschaft mit einem Wohnwagen vorlieb nehmen. Genau in diesen begebe ich mich, um dem Bandleader auf den Zahn zu fühlen. Bevor ich starten kann, stürmt Bassist Janne Jarvis herein, um sich von Kory eine orangefarbene Brausetablette andrehen zu lassen, die er in seinem Bier auflöst. Kory selbst nimmt mit Wasser vorlieb und fügt hinzu, dass er noch B12-Tabletten in petto hat. Mir bietet er auch von den obskuren Brausetabletten an, doch ich greife stattdessen auf mein Wasser zurück. Nachdem sich der Tieftöner verabschiedet hat, bewundert Kory meinen MP3-Player, mit dem ich das Interview aufzeichne. Für ein Interview reicht das Ding allemal, jedoch ist's kein adäquater Ersatz um ein Konzert aufzunehmen. Nachdem alle Fragen von seiner Seite geklärt sind, kann's endlich losgehen.

Tolga:
Wie verläuft bisher die Tour?

Kory:

Meiner Meinung nach sehr cool. Ich war seit fünf Jahren nicht mehr in Deutschland auf Tour. In Hamburg haben sie nach fünf Zugaben verlangt. So läuft's hier! Die Leute singen mit, sie lachen, sie weinen, sie schütteln mir die Hand, sie küssen mich, sie geben mir Drogen. Mir geht’s gut.

Tolga:
Du hast die Zugaben angesprochen. Wie sieht denn eure Setlist aus? Werden nur die letzten zwei Alben ("Space Age Playboys" und "Destroy The War Machine", Anm. d. Verf.) berücksichtigt.

Kory:
Nein! Wir spielen Songs von allen Alben.

Tolga:
Heutzutage klammern Bands wie z.B. OBITUARY ganze Alben aus ihrer Setlist aus.

Kory:
Du musst von allem etwas spielen.

Tolga:
Als wir uns das letzte Mal unterhalten haben, hast du das DIRTY RIG-Album "Rock Did It" (2006, Anm. d. Verf.) eingesungen und bist mit den Jungs auch auf Tour gegangen, um sie nach der Tournee zu verlassen. Warum?

Kory:

(Überlegt kurz) Um mich WARRIOR SOUL zu widmen. Sie kamen wieder zusammen. Der Bandleader von DIRTY RIG konnte mich nicht bezahlen. Das ist der Hauptgrund.

Tolga:
Und warum hast du WARRIOR SOUL wieder ins Leben gerufen?

Kory:

Ich wollte wieder die Songs spielen. Ich hatte die Tracks über zehn Jahre nicht mehr gesungen. Ich wollte es erst Solo in Angriff nehmen, doch dann habe ich mir gedacht: "Fuckin' WARRIOR SOUL bin ich! Warum firmiere ich nicht unter diesem Namen?" Johnny H. (Gitarrist in der aktuelle Besetzung, Anm. d. Verf.) hat mich davon überzeugt, es wieder unter der WARRIOR SOUL-Flagge zu versuchen. Er meinte: "Du kannst es gerne Solo versuchen, doch warum versucht du es nicht unter dem WARRIOR SOUL-Banner." Und ich dachte mir: "Ja. Das macht Sinn."

Tolga:
Lag es daran, dass Escapi Music die alten WARRIOR SOUL-Scheiben wiederveröffentlicht haben?

Kory:
Als Escapi mit der Idee kamen, die alten Scheiben wiederzuveröffentlichen, dachte ich mir: "Warum nicht? Das ist eine coole Idee."

Tolga:
Ich hab auch eure "Live In England"-Scheibe besprochen.

Kory:

Kein schlechtes Punk-Rock-Album. Cooler Punk Rock.

Tolga:
Gehe ich recht in der Annahme, dass du das einzig konstante Bandmitglied bei WARRIOR SOUL bist?

Kory:
Ich hab's in Gang gebracht.

Tolga:
So ähnlich wie Alice Cooper, der im Studio die besten Musiker für ein Album zusammenbringt, um live mit einer anderen Band auf Tour zu gehen?

Kory:
Ich bin eher wie Frank Zappa. Ich bringe Persönlichkeiten in die Band, um mit ihnen zusammenzuarbeiten, Songs zu schreiben und schlussendlich die Tracks zu produzieren. Manchmal machen mich die Mitmusiker aggressiv, mal mach ich sie aggressiv. Sie ziehen dann weiter. Ich habe die Band als Performance-Art-Projekt gestartet. Es war nie eine Band. Es war immer ich. Zuerst hieß sie KORY CLARKE & WARRIOR SOUL, um danach lediglich als WARRIOR SOUL zu firmieren.

Tolga:

Du besitzt alle Credits für WARRIOR SOUL?

Kory:
Ja, denn ich habe alle Jungs angeheuert.

Tolga:
Meiner Meinung nach knüpft euer aktuelles Album "Destroy The War Machine" dort an, wo "Space Age Playboys" aufgehört hat. Siehst du das genauso?

Kory:
Ich denke genauso. Auf der anderen Seite repräsentiert es alle Facetten unseres musikalischen Schaffens. 'Bad News (Rock'n'Roll Boyfriend)' hat diesen hymnenhaften Anfang, was sehr typischer WARRIOR SOUL-Stoff ist. 'Don't Believe' groovt ungemein. 'Fuck The Pigs' haut genauso wie 'Destroy The War Machine' voll in die Kerbe. 'She's Glaswegian' ist eher der Funsong. Ich wollte einen Querschnitt aller WARRIOR SOUL-Alben schaffen, was uns meiner Meinung nach auch gelungen ist.

Tolga:
Was kannst du mir über den Songwritingprozess und die Texte verraten? Hast du immer noch Wut im Bauch?

Kory:
Ich schreibe über das, was mir wiederfahren ist. Ich wurde aus dem Flughafen rausgeschmissen, was in 'Fuck The Pigs' thematisiert wird. 'She's Glaswegian' ist mein 'L.A. Woman' (THE DOORS-Klassiker vom gleichnamigen Album aus dem Jahr 1970, Anm. d. Verf.). Ich hab einen Song über Glasgow geschrieben, denn die Stadt hat ihn verdient. 'Bad News (Rock'n'Roll Boyfriend)' handelt von der Frustration, auf Tour zu sein. 'Burning Bridges' handelt davon wie ich New York verlassen hab. 'Motorcity' wiederrum, wie ich Detroit den Rücken gekehrt hab. 'The Fourth Reich' handelt von einem Buch von Jim Mars. Er ist ein großartiger, investigativer Schreiber und hat ein Buch mit dem Titel "The Rise Of The Fourth Reich" geschrieben, wovon der Song handelt.

Tolga:
Du meintest, dass du die aktuelle Band angeheuert hast. Warum hast du nicht die alten Bandmitglieder kontaktiert? Sind sie noch im Musikbusiness tätig oder ziehen sie ihr eigenes Ding durch?

Kory:
Von welcher Besetzung sprichst du?

Tolga:

Der allerersten. (Zählt erstmal alle Besetzungen der vergangenen Jahre und die aktuelle auf.)

Kory:
John Ricco ist mittlerweile ein Pilot, der durch die Weltgeschichte fliegt. Ich hätte Pete (McLanahan, Anm. d. Verf.) kontaktieren können. Mit Ricco hab ich seit achtzehn Jahren nicht mehr zusammengearbeitet. Ich möchte mit ihm nicht mehr zusammenarbeiten. Mit Alex Dillinger möchte ich nicht mehr arbeiten, da er zu einem Freak mutiert ist. Peter Jay hingegen wäre okay. Er ist ein alter Schulfreund von mir. Ich möchte mit jungen, hungrigen Musikern zusammenarbeiten. Hast du das aktuelle Line-up schon gesehen?

Tolga:
Nur beim Proben. Sie treten gut Arsch! Was kannst du mir über die Zusammenarbeit mit TROUBLE verraten? Laut Wikipedia bist du noch in der Band.

Kory:
Natürlich. Wir nehmen gerade auf. Die Drumtracks sind in trockenen Tüchern. Im Mai werd ich die Vocals einsingen. Mit einer Veröffentlichung kann man im Herbst rechnen. Nachdem ich die Tracks eingesungen habe, werden wir eine kurze Tour spielen.

Tolga:
Was ist für beide Bands in der Zukunft geplant? Möchtest du weiterhin mit WARRIOR SOUL Alben aufnehmen?

Kory:

Ja, ich werde eine WARRIOR SOUL-Scheibe aufnehmen. Sie wird fuckin' heavy und fuckin' metal ausfallen. Cooler Old-School-Shit. Ich werde die Punkpfade etwas verlassen, zumindest in musikalischer Hinisicht. Die Vocals werden schon noch einen Punkeinschlag haben, allerdings wird die Musik rock'n'rolliger.

Tolga:
So wie auf den ersten beiden Alben?

Kory:
Yeah!

Tolga:
Ich bevorzuge sie eher.

Kory:
Manche Leute mögen sie, andere wiederrum nicht. Das wird der nächste Schritt sein.

Tolga:
Es spricht für eine Band, wenn sie diverse Stile ausprobieren kann, ohne die Trademarks außen vor zu lassen.

Kory:
Es ist wichtig, sich an den Trademarks festzuhalten. Das Hauptelement ist meine Stimme. Ich kann über alles mögliche singen und es klingt einfach wunderbar. Meiner Meinung nach werden wir uns in Richtung JUDAS PRIEST orientieren.

Tolga:
Du sprichst von 'PRIEST vor zwanzig Jahren, wie z.B. "Painkiller".

Kory:
Yeah! Knackige Riffs mit coolen Vocals. Des Weiteren feile ich an meiner Biographie zusammen mit Adam Dubin. Wir arbeiten mit dem Verleger Anthony Bozza zusammen, der sich zurzeit um alle Rockbücher kümmert. In erster Linie dreht sich's um mich, aber auch darum was zurzeit in unserer Gesellschaft abgeht. Ferner geht’s um meine Band THE STONED, die ich zusammen mit Adam Dubin produziere. Ich spiele die Drums, während Scotty T. Dimebagger für den Gesang verantwortlich zeichnet (http://www.myspace.com/thestonedrock, Anm. d. Verf.). Es ist eine TV-Show, bei der wir agieren wie die MONKEES und drei Stooges zusammen. Ihr könnt euch die erste Episode auf youtube ansehen. Sie ist mit "Deported" betitelt und handelt davon, wie wir von England ausgewiesen werden. Ich werde es am 20. April um 20.04 Uhr online stellen. Du weißt was 4.20 bedeutet? Es bedeutet, dass du einen geraucht hast. Ich werde fünf Episoden von THE STONED plus zwei Musikvideos veröffentlichen.

Tolga:
Planst du auch eine DVD?

Kory:
Wir wollen eine DVD rausbringen und versuchen, sie an Warner Brothers zu verkaufen, und schauen, was sie daraus machen. Vielleicht erstellen sie eine Webseite um sie zu bewerben. Das würde ich sehr gerne in Angriff nehmen. Und natürlich mit den Jungs (THE STONED, Anm. d. Verf.) auf Tour gehen. Es ist sehr coole Mucke. Siebzigerjahre Grasrock.

Tolga:
Wie sind die Pressestimmen zu "Destroy The War Machine", beziehungsweise wie gut hat sich's bisher verkauft?

Kory:
Jeder mag die Scheibe. Es ist ein Rockalbum. Es klingt gut im Club, im Auto und auf dem Computer.

Tolga:
Die Produktion ist sehr old school.

Kory:
Kennst du meine MOB RESEARCH-Scheibe? Neben Paul Raven (KILLING JOKE) mischen noch der Typ von TRICKY und MISSION mit und Peter Murphy. Checkt MOB RESEARCH an. Kam vergangenes Jahr im Mai heraus. Wir werden demnächst noch eine Scheibe in Angriff nehmen. Wie du siehst, bin ich beschäftigt.

Redakteur:
Tolga Karabagli

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