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Vorschau: Das Party.San

11.05.2009 | 15:29

SATYRICON, MARDUK, SIX FEET UNDER, SADUS, BRUTAL TRUTH - alles Namen auf dem Party.San in diesem Jahr. Das von Powermetal.de präsentierte Festival ist die Party für extreme Metal-Fans. Welche Neuerungen es dieses Mal gibt, erzählen die Organisatoren.

Das Party.San wird 14. Jahre alt. Die Jugendweihe steht also an, der Weg zum Erwachsenendasein. Und in der Tat steht das Festival längst ganz dick als etablierte Feieradresse im Terminplan von extremen Metal-Fans. Für dieses Jahr hat die Crew viele große Namen gewonnen: SATYRICON, SIX FEET UNDER, UNLEASHED, MARDUK, DARK FUNERAL... Mit zwei der drei Organisatoren hat Henri Kramer gesprochen.

Henri:
Provokant gefragt zum Anfang: Die Ticketpreise sind um 22 Prozent gestiegen, die Tickets kosten jetzt knapp 50 Euro. Warum?

Mieze:
Das ist recht einfach erklärt. Wir haben 2008 erstmalig Spültoiletten auf dem Party.San angeboten. Das war für eine größere Anzahl an Besuchern eine deutliche Verbesserung der sanitären Situation. Leider ist diese Entscheidung sehr kurzfristig gefallen und wurde somit nicht in der Kalkulation für 2008 berücksichtigt. Wir haben kein vorbereitetes Festivalgelände, wo Wasser- und Abwasseranschlüsse vorhanden sind, sondern wir müssen das Zeug über zwei Kilometer transportieren. Dass dieser Aufwand am Ende auch Geld kostet, sollte jedem klar sein. Weiter war und ist keine Verbesserung der Müllsituation abzusehen und wir haben im letzten Jahr erneut Unsummen für das Beräumen sowie die Entsorgung ausgegeben. Als letzter Punkt ist die Entwicklung bei den Bandgagen zu nennen, die sich in den letzten Jahren deutlich erhöht haben. Wenn man heute für ein Indoorkonzert 40 Euro bezahlt, ist das nur ein Indiz für diese Entwicklung. Wir sind mit der Preiserhöhung bestimmt nicht zufrieden, aber wir können unsere Augen vor all diesen Fakten nicht verschließen. Als Fazit sei aber gesagt, daß wir unsere Preise nach wie vor nicht für überzogen ansehen.

Henri:
Es gibt auch in diesem Jahr wieder eine große Konkurrenz auf dem Festival-Markt, mit dem Legacy-Fest gibt es einen musikalisch direkten Konkurrenten. Und dann ist auch noch Wirtschaftskrise. Wie läuft der Vorverkauf? Wird es voller als im vergangenen Jahr - mit wie vielen Zuschauern rechnet ihr?

Mieze:
Wir sind mit dem Vorverkauf sehr zufrieden. Über Mitanbieter werden wir uns allerdings nicht auslassen. Es ist halt schon seit Jahren ein Trend, daß es jedes Jahr neue Veranstaltungen gibt. Wie du siehst, muss ja nun auch jedes Magazin sein Namen für ein Festival hergeben. Und die großen Labels sehen sich auch in der Pflicht, sich in den Reigen der Festivals zu involvieren. Wo die Reise da noch hingeht, lässt sich noch nicht abschätzen. Aber sollten die vielen Bands weiterhin keine CDs verkaufen, dann gibt es wahrscheinlich im nächsten Jahr noch manche andere, direkt von der Musikindustrie veranstaltete Events.

Henri:
In diesem Jahr habt ihr rund zehn Bands mit Black-Metal-Hintergrund eingeladen, dabei sind MARDUK, SATYRICON und SHINING gar als Headliner tauglich. Im vergangenen Jahr war das Billing in diesemm Genre längst nicht so prominent besetzt. Zufall oder bewusste Entscheidung?
 
Jarne:
MARDUK und SATYRICON sind nicht nur als Headliner tauglich, sind sind auch zwei Headliner. Ich sehe diese Bookings nicht als eine bewusste Entscheidung. Die von Dir genannten Bands sind meiner Meinung nach die repräsentativsten Bands des Black-Metal-Genres und passen gut zu uns. Gerade MARDUK sind eine Paradebeispiel, wie man als Black-Metal-Band wachsen kann, ohne seine Credibility zu verlieren. Wir mögen diese Einstellung. Unsere Besucher sollen Bands vor die Nase bekommen, mit denen sie sich identifizieren können.



Henri:

Mit SADUS und BRUTAL TRUTH habt ihr Bands eingeladen, die historische Namen tragen. Habt ihr Sie schonmal gesehen?

Jarne:

Ich habe beide Bands noch nie live gesehen. Ich bin mir aber sicher, dass sie völlig überzeugen, da beide ein Old-School-Set spielen werden. Ich lege viel Wert auf die Credibility der von uns gebuchten Bands. Kurzlebige Bands und Metalbands mit Bubblegum-Image sind nicht unser Ding.

Henri:
Auch SIX FEET UNDER sind dabei - die 2006 als eine der ganz wenigen Bands leider nicht auf der späteren DVD vertreten waren. Hatten die Herren Allüren oder wie kam das damals?

Jarne:
Nö, ganz und gar nicht! Chris Barnes wollte von vornherein nicht gefilmt werden. Wir haben das akzeptiert und auch so durchgestanden. Ich habe SIX FEET UNDER in sehr guter Erinnerung.

Henri:

Ebenso sind die Thrasher von POSTMORTEM auf der Party.San-Party - jene Berliner, die auch für den kultigen Brutz und Brakel-Stand verantwortlich sind. Seit einem Jahr haben sie auch eine Kneipe in Berlin unter demselben Namen. Erzählt dazu etwas.

Mieze:
Es ist nicht das erste Mal, dass POSTMORTEM bei uns zocken, aber es ist schon eine ganze Weile her. Natürlich sind wir mit den Jungs sehr gut befreundet und es ist uns eine Pflicht, die Burschen zu überstützen. Bis jetzt sehen wir nur ein Problem – wer verkauft bei ihrem Gig dann noch Schirmchendrinks? Aber da die Herrn Brutz & Brackel ehe nur noch Leibeigene arbeiten lassen – sollte das kein Problem mehr sein ;-)

Henri:
Zurück zum Festival: Wird es irgendwelche Änderungen in den Abläufen geben - also was ist anders als im vergangenen Jahr?

Mieze:
Das Party.San hat sich von Jahr zu Jahr weiterentwickelt. Viele der Änderungen hat der Besucher wahrscheinlich nur indirekt mitbekommen. Wir müssen uns nicht ständig neu erfinden und so werden wir auch im diesem Jahr nur behutsam Veränderungen vornehmen. Der Gast soll sich wohlfühlen und da gehört es für uns dazu, daß der Wiederholungstäter vom ersten Moment an weiß, wo er was finden kann. Da die schon erwähnten Spültoiletten sehr gut angekommen sind, werden wir die Anzahl der Toiletten nochmals erhöhen. Weiter werden wir den Servicepunkt auf dem Zeltplatz mit einem Bierwagen ergänzen, der das vorhandene Frühstückzelt unterstützt. Es gibt noch eine ganze Reihe, was man aufzählen könnte, was aber den Rahmen hier sprengen würde.



Henri:

Speziell habt ihr in eurem Fazit vom vergangenen Jahr angekündigt, einen Müllpfand einzuführen. Warum seid ihr davon wieder abgerückt? Und schildert bitte auch noch einmal das genaue Problem mit dem Müll?

Mieze:
Unter den Eindruck von fünf Tagen, an denen wir Müll gesammelt haben, ließen wir uns hinreißen, einen Müllpfand anzukündigen. Den haben wir dann nach genauerer Überlegung, durch diverse infrastrukturelle Unzulänglichkeiten, als nicht durchführbar wieder verworfen. Jeder kennt die Wartezeiten bei anderen Festivals und das wollen wir bei uns niemandem zumuten. Ich glaube, die Bilder, die wir dort gesehen haben, sagen mehr als tausend Worte. Uns ist es nach wie vor unverständlich, wie man drei bis fünf Tage so leben kann. Da wir landwirtschaftlich genutzte Futterwiesen nutzen, ist es ja nur selbstverständlich, dass wir die Flächen gründlich gereinigt zurückgeben müssen. Das kostet halt seinen Preis. Und wenn man dann noch sieht, dass manche Superschlauen ihre Couch von zu Hause bei uns gleich mit entsorgen,  ist halt irgendwann eine Grenze überschritten, wo wir nicht mehr alles schlucken können.

Henri:
Eine andere Frage, die schon ein wenig auf 2010 schielt: Ihr seid bekannt dafür, besonders gern Bands zu nehmen, die euch selbst überzeugen. Welche Alben haben euch dieses Jahr besonders gefallen?

Jarne:
Da ich für das Party.San nur spreche, kommen natürlich einige Bands meines persönlichen Geschmacks nicht in Frage. Leider. Aber ich finde das neue WOLFBRIGADE-Album "Comalive" umwerfend gut. Diese Band spielt herrlich rohen Crustcore mit unheimlich viel Melodie. Eine großartige Band. Desweiteren wären da die neue FUNERAL MIST-Platte und die neue DEMONICAL-Scheibe.

Henri:
Ihr habt schließlich mit War Anthems Records eine Art Tochterfirma des Party.San-Festivals gegründet. Stellt bitte das Label kurz vor und beschreibt, was dort aktuell so läuft.

Mieze:
Damit versuchen wir seit nunmehr drei Jahren ein paar befreundeten Bands unter die Arme zu greifen. Das Label hat früher als eine Art Legitimation begonnen, für unsere Festival-DVD. Sie kommt übrigens am 22. Mai heraus. Inzwischen hat sich War Anthems Records zu einem weiteren Zweig unserer Arbeit entwickelt. Momentan haben wir elf Bands in unserer Familie. Momentan treiben sich gerade DEAD im Studio herum. Ihre neue Scheibe "In The Bondage Of Vice" wird ab Juni in den Läden stehen. In diesem Jahr haben wir noch weitere vier Releases in Vorbereitung.

Henri:
Die allerletzten Worte gehören euch...

Jarne:
Am 3.Juni bitte ein Bier auf Quorthon trinken! Der Mann fehlt!
Mieze:
Da kann ich Jarne nur Recht geben. Wir freuen uns mit euch am zweiten Augustwochenende eine geile Metalparty zu feiern und hoffen, euch dort gesund und munter zu treffen.


Redakteur:
Henri Kramer

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