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VALENTINE: Interview mit Robby Valentine

25.03.2006 | 13:05

Nach dem Genuss der aktuellen Scheibe "The Most Beautiful Pain" des holländischen Multiinstrumentalisten und seines Zeichens bekennenden Posers und QUEEN-Verehrers (nein, das schließt sich nicht aus!) Robby VALENTINE, war klar, dass POWERMETAL.de dem sympathischen Glamer näher auf den Zahn fühlen musste.

Für wen VALENTINE gänzlich unbekannt ist, dem können vielleicht Namen wie ZINATRA oder VALENSIA, bei denen er in seiner großen musikalischen Vergangenheit schon mitgewirkt hat, auf die Sprünge helfen. Wer sich ein Bild über seine komplette Diskographie machen will, kann diese unter http://www.robbyvalentine.com/3discography.htm abrufen.

Tilmann:
Robby, bitte erzähl doch den POWERMETAL.de-Lesern Dinge aus deiner bisherigen Karriere, die dir wichtig sind.

Robby:
Am wichtigsten ist es für mich, ehrlich zu mir selbst und in meiner Musik zu sein; egal welche Trends gerade in Mode sind. Ich habe immer auf meine innere Stimme gehört. Ich kann gar nicht anders. Ich würde das Interesse verlieren und letztendlich Dinge hassen, die ich am meisten liebe, wenn ich anderen Regeln folgen müsste. Allerdings verändern sich meine eigenen Regeln manchmal von Zeit zu Zeit. Darüber hinaus ist es für mich wichtig, sich nicht in einer Sache festzufahren.

Tilmann:
Wie hast du all die Instrumente gelernt, die du auch auf deiner aktuellen CD selbst gespielt hast?

Robby:
Von sechs bis 22 Jahren hatte ich klassischen Klavierunterricht von zwei privaten Lehrern. Als ich acht oder neun war, hat mir ein Nachbar Grundakkorde und die Zupftechnik der akustischen Gitarre beigebracht. Später habe ich mir selbst E-Gitarre und Bass beigebracht.

Tilmann:
Wie bringst du deine Songs live rüber? Singst du nur und spielst dazu Gitarre? Kannst du etwas über deine Liveband sagen?

Robby:
Auf der Bühne spiele ich ein wenig Keyboard, Gitarre und singe. Ich habe seit langer Zeit nicht mehr live gespielt. Daher habe ich auch keine feste Band mehr. Aber ich bin gerade dabei eine Band um mich zu scharen: Drummer, Bassist, Gitarrist und evtl. einen Extra-Keyboarder. An der Gitarre wird mich der holländische exzentrische Künstler Cyril Whistler begleiten. Er ist einzigartig in der Musiklandschaft und er passt perfekt zu mir. Für mich ist das visuelle Element genau so wichtig wie die Musik. Auf keinen Fall möchte auf den Boden starrende Musiker auf meiner Bühne.

Tilmann:
Wirst du in Deutschland spielen?

Robby:
Das hoffe ich doch sehr! Es gibt noch keine konkreten Daten, aber ich werde alles Mögliche versuchen. Mein Plan ist, ab September live zu spielen.

Tilmann:
Welche musikalischen Einflüsse hast du?

Robby:
Aufgewachsen bin ich mit QUEEN, BEATLES, ELO, BABYS, JOHN WAITE, ABBA und auch klassische Musik wie MOZART oder CHOPIN sowie jeder Song – egal welcher Richtung –, der mich irgendwie inspiriert. Mittlerweile höre ich auch MARILYN MANSON, PLACEBO, TORI AMOS, MANIC STREET PREACHERS, GWEN STEFANI, ROBBIE WILLIAMS usw.
Während meiner Volksschulzeit hieß es immer QUEEN gegen ABBA. Wenn du die einen geliebt hast, musstest du die anderen hassen, so ungefähr wie die STONES und die BEATLES in den 60ern. Demzufolge hasste ich ABBA, da QUEEN alles für mich war. Und wenn du im QUEEN-Glam der 70er mit dem Pomp und dem zwitterartigen Mercury verwurzelt bist, kannst du nicht anders als die zwei fröhlichen Paare von ABBA zu verachten. Glücklicherweise entwickelte ich mich weiter und lernte weiter zu hören als meine Augen sehen konnten. So erkannte ich, welch großartige Genies Benny und Björn sind.

Tilmann:
Welchen Stellenwert hat für dich die Musik?

Robby:
Musik zu machen ist das einzige, was für mich Sinn macht in all den Jahren. Auch wenn es mich manchmal auslaugt und enttäuscht, so kommt die Musik immer wieder zurück und lässt mich niemals hängen.

Tilmann:
Wie lange hat es gedauert das neue Album "The Most Beautiful Pain" aufzunehmen? Es muss Ewigkeiten gedauert haben, die ganzen mehrstimmigen Gesänge, Effekte und Soundspielerein abzustimmen.

Robby:
Es hat alles in allem ein Jahr gedauert. Allerdings habe ich nicht kontinuierlich rund um die Uhr daran gearbeitet, da ich mein eigenes Studio besitze, in dem ich arbeiten kann, wann immer ich inspiriert bin. Du hast absolut recht, mehrstimmige Gesänge aufzunehmen ist immer Sisyphus-Arbeit. Die Suche nach den richtigen Effekten, die meinen Vorstellungen entsprechen, kann auch sehr frustrierend sein. Ich finde niemals, was mir gerade vorschwebt.

Tilmann:
Auf deinem neuen Album hast du deinen musikalischen Idolen sehr oft Tribut gezollt. Der größte auszumachende Einfluss scheint QUEEN zu sein. War es Zufall oder hattest du bewusst vor, ein paar QUEEN-mäßige Parts zu schreiben?

Robby:
Da ich mit deren Alben aufgewachsen bin, ist es ganz natürlich für mich immer Chöre und Klavier zu verwenden und manchmal sind die Einflüsse deutlich zu hören, auch wenn es unbeabsichtigt ist. Außer bei 'Back To The Future-Theme', bei dem es mein Wille war, eine Brian May-Version daraus zu machen. Genau so war es auch bei dem Schluss von 'Magical Memories'. Aber normalerweise versuche ich das niemals im Vorhinein, da das eh nichts bringt. Die vier waren die größten, jeder einzelne! Ich glaube, die mehrstimmigen Gesänge ganz gut hinzubekommen, aber wie um Himmels willen kann ich wie diese klingen? Die Stimmen von Freddie, Brian und Roger sind zusammen ein Weltwunder. Was soll ich noch zu Freddie Mercury sagen: Der beste Sänger mit der schönsten Stimme, die jemals auf Erden existiert hatte. Wenn ich da denken würde, dem nahe zu kommen, wäre ich das dümmste Arschloch auf der ganzen Welt. Daher probiere ich das natürlich auch nicht. Ich versuche nur, ich selbst zu sein. Wenn Leute ein paar Einflüsse von QUEEN oder JOHN WAITE hören, fühle ich mich sehr geschmeichelt.

Tilmann:
Was sind deine vier Lieblingsalben von QUEEN?

Robby:
"Jazz", "A Day At The Races", "A Night At The Opera", "Queen II", "Sheer Heart Attack"," Queen"... in dieser Reihenfolge.

Tilmann:
In 'One Of This Days' konnte ich etwas BACKSTREET BOYS heraushören. War das Zufall?

Robby:
Das war kein Zufall! Eigentlich gehört auch BRITNEY SPEARS dazu. Ich mag diese Sorte von Pop/Rock-Songs sehr und daher ist es mir egal, ob diese von einem Teenage-Pop-Idol oder einer Boy Band kommen. Natürlich hasse ich diese Trends! Sie nennen es Boy-BAND, obwohl sie weder eigene Songs schreiben noch Instrumente spielen. Sie sind nur Dance-Acts. Allerdings sind unter den BACKSTREET BOYS ein paar hervorragende Sänger. Die Songs waren von den besten Produzenten in der Gegend geschrieben und aufgenommen. Daher bewundere ich deren Arbeit sehr; ungefähr so wie Disco in den 70ern, als diese Pop-Musik ein schmutziges Wort in der Rock-Szene war. Ich will jedenfalls nicht eingeschränkt werden. Fuck the rules! Das erstickt und tötet nur jeden freien Spirit.

Tilmann:
Wie würdest du deine eigene Musik beschreiben?

Robby:
Melodischer Heavy/Pop-Rock mit manchmal einem klassischen Touch? Ich weiß nicht... ich weiß nicht, in welche Schublade ich es stecken soll.

Tilmann:
Wer hatte die Idee für das Cover-Artwork der aktuellen Scheibe? Bist du damit zufrieden?

Robby:
Es war 100 % meine Idee und ich bin dafür verantwortlich. Ich bin auch zufrieden damit.

Tilmann:
Ich persönlich denke, dass es ein bisschen zu kitschig und poserhaft ist.

Robby:
Nun, ich bin so etwas wie ein Poser von Zeit zu Zeit und ich mag etwas Kitsch. Letztendlich bin ich also meinem Gefühl gefolgt. Lass mich die Idee dahinter erklären, dann kannst du vielleicht mehr als nur die grellen Farben und das Konzertpiano mit Flügeln erkennen. Während der Aufnahme und dem Songwriting für das Album war ich emotional sehr niedergeschlagen. Die Gründe hierfür waren ein gebrochenes Herz, Unsicherheit und schwindende Hoffnung – ich fühlte mich verlassen und sehr verloren im Leben, so dass ich ein totaler Einzelgänger geworden bin. Musik zu machen, war meine einzige Zuflucht. Ohne dies wäre ich dem Wahnsinn nahe gewesen. Das Klavier auf dem Cover steht für die Musik und die Flügel daran zeigen, dass die Musik mich durch die schwierige Zeit geleitet hat – hoffentlich an einen sicheren Zufluchtsort. Dass ich über einer Stadt stehe, bedeutet, dass ich ein Außenseiter schon mein ganzes Leben gewesen bin und trotzdem wie jeder andere mich danach gesehnt habe, dazuzugehören und akzeptiert zu werden. Darüber hinaus war ich auf meinem dritten Album, meiner letzten Veröffentlichung in Europa, an dem selben Klavier über den Wolken, als ob ich in den Weltraum aufsteigen wollte. Menschen und dem Leben zu entfliehen, wurde zu schmerzhaft und enttäuschend für mich. Aber ich bin kein Alien und will von der Welt akzeptiert werden. Daher hoffe ich, dass meine Karriere mit diesem Album eine positive Wende bekommt.

Tilmann:
Gibt es irgendwelche Dinge, die du an die POWERMETAL.de-Leser richten möchtest?

Robby:
Ich hoffe, ihr gebt meinem Album eine Chance – mit offenen Ohren! Darüber hinaus wünsche ich mir, baldmöglichst in Deutschland zu spielen. Dann werde ich euch alle einladen!

Redakteur:
Tilmann Ruby

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