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TIMES OF GRACE: Interview mit Jesse Leach

16.01.2011 | 16:42

TIMES OF GRACE ist die neue Band von Adam Dutkiewicz und Jesse Leach, die ja bereits bei "Alive Or Just Breathing" von KILLSWITCH ENGAGE zusammengearbeitet haben. Mit "The Hymn Of A Broken Man" überzeugen sie nun auch die Soundcheck-Redaktion von POWERMETAL.de, was durchaus überraschend ist. Mehr Grund braucht es nicht, um bei Jesse Leach durchzuklingeln.

Mit dieser Nachricht lässt es sich natürlich auch gut ins Gespräch einsteigen. "Wow, "Album des Monats", das ist natürlich eine tolle Sache. Überhaupt sind die Reaktionen in der Presse bislang wirklich überwältigend. Ich habe bislang wirklich keine negativen Kommentare gehört.", erzählt Jesse zufrieden. Die Idee wieder mit Adam ein Album aufzunehmen, schwirrte schon länger in den Köpfen der beiden herum. "Ja, weißt du, Adam und ich sind immer Freunde geblieben, haben häufig telefoniert und er kam immer zu Gigs meiner Bands, wenn er konnte. Wir haben zwischendurch immer wieder davon gesprochen, mal wieder etwas zusammenzumachen. Eines Tages rief er an und ich dachte, er wolle mir erzählen, wie seine OP gelaufen ist, weil er ja zu der Zeit im Krankenhaus lag, aber er meinte nur, dass es jetzt Zeit wäre, denn er hätte im Krankenhaus eine Platte aufgenommen und wolle, dass ich darauf singe.", lacht Jesse. "Man muss sich das vorstellen, Adam hat die gesamte Platte im Bett liegend im Krankenhaus aufgenommen, in dem er in ein Mikro gesummt hat." Vielleicht kann man das Gesumme ja mal als Bonus für eine Jubiläumedition verwenden. Das wäre mal was Neues. "Hahaha, auf die Idee ist noch keiner gekommen. Sollten wir wirklich machen.", bekommt sich Jesse kaum noch ein. Aber zurück zum Album: "Als ich das erste Mal die Songs hörte, habe ich gleich gesagt, dass die Platte perfekt ist. Das war dann auch schon mein ganzer Einfluss auf die Arrangements und die Songs. Ich habe einen großen Teil der Texte geschrieben, habe aber dieses Mal auch auf Vorschläge von Adam gehört. Früher hätte ich das nicht gekonnt, aber heute haben Adam und ich uns gut ergänzt bei den Texten, wenn ich mal nicht weiter wusste, kam er mit einer Idee und umgekehrt. Genau so war es mit den Vocals, wo wir uns auch viel unterstützt haben."


Aber nicht nur aufgrund der zwei Stimmen sind die Vocals enorm abwechslungsreich geraten, da schon Jesses Stimme allein sehr variabel ist, was hervorragend zu den sehr vielfältigen Songs, die weit mehr sind als "nur" Metalcore, passt. "Es ist schön, dass du das so siehst.", erwidert Jesse. "Ich habe mich selbst auch noch nie als einen Metalsänger gesehen. Ursprünglich komme ich zwar aus der Hardcore- und Punkszene, aber mit der Zeit habe ich auch völlig andere Musik wie Blues oder Reggae lieben gelernt. Ich habe auch viele Jahre in einer Blues-Rock-Band gesungen und liebe diese Abwechslung einfach. Ich sehe mich als Musiker, der die Musik macht, die er machen mag, aber die Leute kennen mich nun mal in erster Linie durch "Alive Or Just Breathing" und denken, dass ich immer so singe. Das ist natürlich okay und ich bin sehr stolz auf dieses Album, aber es reflektiert halt nur eine meiner Facetten.", stellt Jesse klar.

Textlich reflektiert "The Hymn Of A Broken Man" die nicht ganz einfachen Zeiten, die das Duo zum Zeitpunkt der Aufnahmen durchgemacht hat. "Ja, ich war wirklch am Ende, als Adam mich anrief und fragte, ob ich die Platte mit ihm aufnehmen will. Ich möchte da jetzt nicht so sehr ins Detail gehen, aber glaub mir, wenn ich sage, dass ich echt am dunkelsten Punkt meines Lebens angekommen war. Und Adam ging es natürlich auch nicht besser. Er hatte die OP, seine Zukunft war ziemlich unklar, da ist es wohl nicht überraschend, dass auch die meisten Texte nicht besonders fröhlich sind.", erzählt Jesse und fügt an: "Ich versuche dabei aber meine Texte immer sehr allgemein und offen zu halten. Ich möchte keinen Seelenstriptease hinlegen und freue mich, wenn jeder seine eigene Interpretation der Texte finden kann. Es ist immer wieder schön zu sehen, wenn Leute aus aller Welt mich nach meinen Texten befragen und man merkt, dass es immer noch Leute gibt, die sich wirklich mit der Musik und den Texten beschäftigen und nicht nur stumpf Dateien runterladen. Schon dafür wird es sich immer lohnen, weiter Musik und Texte zu machen, die nicht obeflächlich sind.", sinniert der sympathische Sänger und hat damit natürlich völlig Recht.


Adam geht es im Übrigen auch schon wieder ziemlich gut. "Ja, der springt schon wieder rum und arbeitet zu viel.", erzählt Jesse. "Eigentlich sollte er sich noch mehr schonen, aber das kann er einfach nicht. Er ist einfach ein ziemlicher Workaholic und produziert just in diesem Moment schon wieder das neue Album von UNEARTH."

Wie die Zukunft von TIMES OF GRACE aussieht, hängt auch ganz entscheidend davon ab, wie "The Hymn Of A Broken Man" aufgenommen wird. "Ja, da ist noch nichts konkret. Wir haben vor, im Sommer nach Europa zu kommen und ein paar Festivals und vielleicht ein paar Club-Gigs zu spielen und was danach kommen wird, wissen wir noch nicht. Wenn das Jahr super läuft, machen wir vielleicht weiter, wenn nicht, dann eben nicht.", gibt Jesse offen zu Protokoll. Bei den angekündigten Shows wird es aber wohl keine KILLSWITCH ENGAGE-Songs geben. "Wir haben eine Weile darüber nachgedacht, aber wir wollen den Fokus auf TIMES OF GRACE richten und nicht in der Vergangenheit schwelgen. Falls es dann weitergeht, machen wir das vielleicht in der Zukunft. Aber jetzt ist es Zeit für TIMES OF GRACE."

Redakteur:
Peter Kubaschk

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