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THE HAUNTED: Interview mit Per Möller Jensen

23.03.2011 | 08:31

THE HAUNTED haben mit "Unseen" ein Album aufgenommen, das den Sound der Band zum wiederholten Mal neu definiert. Dass sie dabei einmal mehr überzeugen, ist eigentlich keine große Überraschung, aber man muss sich erst auf "Unseen" einlassen. Wie es dazu kam, erzählte uns Schlagwerker Per.

"Unseen" ist deutlich weniger Thrash Metal als alle Alben zuvor und wirkt sehr viel entspannter und songorientierter. Eine Beobachtung, der Per nicht widerspricht. "Ich denke, diese Veränderung haben wir alle schon für eine ganze Weile gewollt, sie war schon in uns. Ähnlich wie bei "The Dead Eye" sind wir diesmal einen bestimmten Weg gegangen und ich denke, dass wir dabei neue Türen in uns entdeckt haben und dieses Mal noch konsequnter den Pfad bis zum Ende gefolgt sind. So haben wir beschlossen, dass der Song immer im Mittelpunkt stehen soll, es sollte nicht nur um Riffs gehen. Selbst so einen Beschluss haben wir vorher nie gemacht. Wir hatten nie Bandmeetings, um uns über die Ausrichtung einer Platte abzustimmen, weil das nicht echt wirken würde. Dieses Mal aber haben wir uns zumindest dies vorgenommen.", erzählt Per und fügt an: "Dieser Beschluss hatte natürlich zur Folge, dass das Material melodischer werden und Peter mehr singen würde. Aber es ist ja eigentlich keine große Überraschung, dass Peter singen kann. Er war schon immer ein toller Sänger, schon bevor er bei THE HAUNTED eingestiegen ist. Das war alles immer schon da, es wurde nur gemischt mit dem brutalen Thrash-Gesicht. Dieses Mal zeigen wir eben unsere andere Seite. Das hatte auch zur Folge, dass die Songs anders entstanden sind. Sonst waren es meistens die Zwillinge, die mit Riffs kamen, dieses Mal kam auch Peter mit Gesangslinien, die über einfachen Akkorden gesungen wurden und so die Basis für den Song darstellte. Ich denke, das sind alle Gründe, warum "Unseen" so anders klingt als bisher."

Einhergehend mit dieser veränderten Herangehensweise, klingt auch die Produktion noch deutlich dynamischer und luftiger. "Ja, absolut.", stimmt Per zu. "Wir haben ja schon seit "The Dead Eye" keine Drumsamples mehr benutzt und "Versus" sogar live im Studio eingespielt, aber dieses Mal klingt dennoch alles natürlicher. Das liegt selbstredend auch an den Songs, die einfach mehr Raum dafür lassen und der Musik mehr Luft zum Atmen geben."


Erstaunlich ist vielleicht, dass man trotz des deutlich veränderten Soundbilds immer noch erkennt, welche Band denn da spielt. "Vielen Dank, dass du das so siehst.", zeigt sich Per erfreut. "Wir haben bisher noch nicht viel Feedback erhalten, aber ich denke, dass gerade Leute, die THE HAUNTED schon lange kennen, das Album häufiger hören müssen, um es zu mögen, da sie mit einer ganz anderen Erwartungshaltung an die Platte rangehen. Und du sagst ja selbst, dass du sie jetzt nach zehnmaligem Hören besser findest als zuvor. Ich denke im Übrigen auch, dass man uns immer noch erkennt. Ich erkenne Anders, Peter, mich, uns alle auch wieder. Die Platte ist halt nur langsamer und hat viel mehr Groove als zuvor."

Bei meiner Rezension zu "The Dead Eye" attestierte ich der Band endlich ihren Signature-Sound gefunden zu haben. Mit "Unseen", nur zwei Alben später, denke ich das schon wieder. Eine Beobachtung, die Per absolut teilt. "Ja, ich verstehe, was du meinst, denn das sind die zwei Alben, auf die ich auch sehr stolz bin und von denen ich denke, dass sie wirklich etwas bewegt haben. "Unseen" ist kein Album, das jeder ganz nett findet, sondern es wird einige Leute wirklich anpissen und andere werden es lieben. Genau das war bei "The Dead Eye" auch schon der Fall. Und ich liebe einfach Alben, die Emotionen hervorrufen und damit nicht einfach vergessen werden. Ich denke, "Unseen" ist kein Album, das in allen Magazinen eine 8/10 bekommen wird. Das ist doch eigentlich total langweilig und sagt auch genau das über ein Album aus. Ich habe lieber sehr gute und sehr schlechte Reakionen."


Der Albumtitel "Unseen" soll natürlich auf die bislang unbekannte Seite der Band hinweisen. Das ist aber nicht die einzige Deutung des Titels. "Es geht auch um die Welt um uns herum, darum wie ignorant die Menschen sind und den ganzen Bullshit um sich herum zwar sehen, aber eben auch nicht sehen, weil sie es nicht sehen wollen. Die Menschen sind bequen und machen es sich immer so leicht wie möglich."

Erwartungen an "Unseen" hat Per aber mittlerweile nicht mehr. "Ach, das habe ich mir schon lange abgewöhnt. Meistens werden diese Erwartungen enttäuscht und das schmerzt sehr. Wenn man ohne Erwartungen an die Sache heran geht, kann man nur positiv überrascht werden.", zeigt sich Per realistisch, um auch gleich klarzustellen, wie er "Unseen" sieht: "Wir alle haben unseren Job gemacht und ich denke, ich kann überzeugter denn je sagen, dass wir das beste Album unserer Karriere aufgenommen haben. Im tiefsten Innern weiß ich, dass "Unseen" einfach fantastisch ist."

Redakteur:
Peter Kubaschk

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