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THEORY OF A DEADMAN: Interview mit Dean Back

01.01.1970 | 01:00

Die Kanadier THEORY OF A DEADMAN haben in ihrer noch jungen Karriere einen beachtlichen Start hingelegt: Das unter den Fittichen des Labels von Chad Kroeger (NICKELBACK) aufgenommene Debüt „Theory Of A Deadman“ fuhr nach kurzer Zeit sowohl in Kanada als auch in den USA reichlich Reputation ein, in der Heimat gab’s nach nur vier Wochen gar eine goldene Schallplatte. Im Zuge diverser Promotion-Tätigkeiten ließ sich das Quartett aus Vancouver Ende März für zwei Live-Shows im Vorprogramm von 3 DOORS DOWN in Köln und Berlin blicken, was natürlich auch ausgiebig für Interview-Termine genutzt wurde. Bassist Dean Back plauderte nett, fröhlich und frei von der Leber weg und erzählte vom ersten, etwas befremdlichen Gig in good old Tschörmenie, massenkompatiblen Texten und wie karrierefördernd Grillpartys doch sein können.


Kathy:
Dean, vor drei Tagen habt ihr euer erstes Deutschlandkonzert überhaupt in Berlin gespielt. Wie hat das Publikum euch aufgenommen?

Dean:
Oh, es war echt klasse, wir hatten viel Spaß. Und es war anders als die Shows, die wir bisher in Amerika gespielt haben: Dort schreien die Leute sehr viel, singen, bangen und recken dir mit der Hand das Metalzeichen entgegen (die gute alte Pommesgabel :-) – d. Verf.), aber ihr Deutschen scheint sehr gerne zur Musik mitzuklatschen, das hat uns anfangs etwas irritiert (lacht). Aber ich denke das zeigt, dass das Publikum unsere Musik wirklich gemocht und genossen hat, die Reaktionen waren auf jeden Fall positiv und es machte echt Spaß, für die Leute zu spielen. Wir stecken live eine ganze Menge Energie in unsere Musik, die Songs kommen so auch härter rüber als auf dem Album, sie haben dann etwas – hm, wie soll ich sagen – Ansteckendes, Zündendes.

Kathy:
Hier in Deutschland seid ihr noch relativ unbekannt, könntest du mir und den Lesern einen kleinen Überblick der Geschichte von THEORY OF A DEADMAN geben, z.B. wie ihr zusammengefunden habt?

Dean:
Klar. Tim (Hart, Drums und Background Vocals – d. Verf.) und Tyler (Connolly, Lead Vocals und Gitarre – d. Verf.) kennen sich schon seid ihrer Kindheit. Mit etwa 16 fingen beide an, gemeinsam Musik zu machen, und mit 18 haben wir uns alle dann getroffen – Tim, Tyler und ich gingen zusammen ins gleiche Restaurant. Die zwei hatten bereits begonnen, Songs zu schreiben und wollten noch ein paar Leute zum Spielen dabeihaben, also fragten sie mich, ob ich nicht Lust hätte, als Basser einzusteigen. Zwar spielte ich zu der Zeit noch Gitarre, trotzdem sagte ich zu. Ja, das ist nun gut sieben Jahre her und seitdem schreiben wir Songs und genießen es, gemeinsam Musik zu machen. Vor drei Jahren traten wir dann zusammen mit einer anderen Band namens COOL RED DAVE (?) auf, als diese sich kurz danach auflöste, fragten wir David (Brenner – d. Verf.), ihren Gitarristen, ob er nicht auch bei uns mitmachen wolle – er wollte, und das war der Zeitpunkt, an dem wir zu THEORY OF A DEADMAN wurden.

Kathy:
Habt ihr schon damals Alternative Rock gespielt oder liegen eure musikalischen Wurzeln in einem anderen Stil verankert?

Dean:
Nein, wir haben schon immer diese Art Musik gespielt. Wir alle sind mit dieser Grunge-/Alternative-Musik aufgewachsen, mit Bands wie SOUNDGARDEN, STONE TEMPLE PILOTS oder ALICE IN CHAINS, das hat uns sehr geprägt.

Kathy:
Bestimmt bin ich nicht die erste, die euch mit NICKELBACK vergleicht... . Wie geht ihr mit dieser Tatsache um?

Dean:
Stimmt, da bist du wirklich nicht die erste. Nun, ich finde, der Vergleich ist passend, wir sind eine neue Band und niemand hat vorher von uns gehört – ich denke, dass jede neue Band diesen ‚Prozess’ durchmacht, dass Leute fragen: Wie klingen die denn? Außerdem glaube ich nicht, dass es eine schlimme Sache ist, mit NICKELBACK verglichen zu werden, denn sie sind eine großartige Band. Und wenn man mal zurückschaut, sieht man, dass NICKELBACK früher mit CREED verglichen wurden und CREED davor mit PEARL JAM. Es dauert wohl einige Zeit da rauszuwachsen und den Leuten zu zeigen, dass man eine eigene Band ist. Hoffentlich wird man irgendeine neue Gruppe in der Zukunft auch mal mit THEORY OF A DEADMAN vergleichen.

Kathy:
Was ist in deinen Augen euer auffälligster Unterschied zu NICKELBACK?

Dean:
Wir stimmen unsere Gitarren etwas tiefer als sie, das gibt unserer Musik einen größeren Heavy-Touch. Außerdem sind einige unserer harten Songs härter und einige unsere Balladen sanfter als die von NICKELBACK.

Kathy:
Das komische an der ganzen Sache ist ja, dass der Sänger von NICKELBACK, Chad Kroeger, gleichzeitig auch euer Label-Boss ist. Stimmt es, dass ihr ihn bei einer NICKELBACK-Aftershow-Party kennengelernt habt?

Dean:
Nein, es war keine Aftershow-Party. Tim ist der Freund eines Freundes eines Freundes von Chad und sie hatten zusammen ein Barbeque im Garten von einem der Bekannten. Zufällig gingen Tyler und Tim genau dann zu dieser Party, als auch Chad dort auftauchte, und Tyler hatte ein Demo mit unseren Songs dabei, das er daheim im Keller aufgenommen hatte. Er gab es Chad, und danach hörten wir erst mal eine Weile nichts mehr von ihm. Aber etwa sechs Monate später rief er uns an und sagte, dass er sehr interessiert an uns und unserer Musik sei und sehr gerne mit uns zusammenarbeiten wolle. Erst dachte er daran, eher eine Produktionsfirma als ein Label zu aufzuziehen, aber im Endeffekt hat Chad dann doch seine eigene Plattenfirma gegründet, mit uns als erster Band unter Vertrag.

Kathy:
Macht er seine Sache als Platten-Boss denn gut?

Dean:
Ja, er und das Label machen ihre Sache wirklich gut und unterstützen uns, wo sie nur können. Es ist echt prima, die erste Band unter Vertrag zu sein, so liegen Fokus und sämtliche Unterstützung permanent auf uns. Aber ich glaube, sie haben unlängst auch ein paar andere Bands an Bord geholt und versuchen, gute Verträge und auch Auftritte für sie an Land zu ziehen. Ich habe zwar schon eine Weile nicht mehr mit Chad gesprochen, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass da mit neuen Talenten bereits kräftig gearbeitet wird.

Kathy:
Den Bandnamen THEORY OF A DEADMAN habt ihr eurer Ballade „The Last Song“ entliehen, in der es um einen Mann geht, der kurz vor seinem Selbstmord seine Memoiren niederschreibt. Wie kommt man dazu, sich lyrisch mit so einem Thema zu befassen?

Dean:
Schwer zu sagen. Tyler schreibt alle unsere Texte – er ist ein fabelhafter Geschichtenerzähler – aber ich glaube nicht, dass das eine Story über ihn selbst sein soll. Ich denke vielmehr, der Song ist eine gute Message an die Leute, vor allem Jugendliche machen ja oft Zeiten durch, in denen alles nicht grade rosig zu sein scheint: Tyler versucht durch „The Last Song“ die Menschen zu erreichen und ihnen zu sagen, dass diese schlechten Zeiten nur vorübergehend, temporär sind. Das Lied handelt ja von diesem Typen, der über all’ das nachdenkt, was er vermissen wird, wenn er schlussendlich tot ist.

Kathy:
Daraus könnte man schließen, dass ein großer Teil euers rasanten Erfolgs daher rührt, dass sich die Hörer eurer Musik gut mit den Texten identifizieren können.

Dean:
Yeah, sicher. Wenn man über Dinge schreibt, mit denen sich das (Massen-)Publikum identifizieren kann, muss das ja praktisch im Endeffekt zum Erfolg führen. Wir haben z.B. einige Songs über Beziehungen auf unserem Album, die von Geschehnissen erzählen, die die meisten Leute schon mal durchgemacht haben.

Kathy:
Ernsthafte Texte, dazu aber energetischer Rock mit ansteckendem Charakter – würdest du THEORY OF A DEADMAN angesichts dessen als ernste, geschichtenerzählende oder partytaugliche Band charakterisieren?

Dean:
Ich würde sagen wir sind eine Mischung aus allen drei. Wir versuchen unsere Musik so spaßgeladen wie möglich zu machen, weben aber gleichzeitig auch kleine Geschichten ein.

Kathy:
Inwiefern sind Tim, David und du neben Tyler involviert, wenn es ums Komponieren neuer Songs geht?

Dean:
Tyler kommt meistens mit bestimmten Riffideen oder manchmal sogar mit einem kompletten Song zu den Bandproben und fragt uns dann, was wir davon halten. Wir alle geben dann unseren Input dazu, das ist das Schöne an der ganzen Sache, da jeder von uns andere Musik mag – ich z.B. höre auch eine Menge Blues, Tim steht total auf RADIOHEAD und David mag’s metallisch. Diese ganzen Einflüsse werden dann vermischt, und was dabei rauskommt, klingt meistens nicht verkehrt.

Kathy:
In eurer Bandhistory zählt ihr als Inspirationsquellen auch NIRVANA, PEARL JAM, LED ZEPPLIN und THE DOORS auf. Was genau fasziniert euch an diesen Künstlern?

Dean:
Die Gitarren, speziell bei LED ZEPPLIN. Jeder, der mal angefangen hat, Gitarre zu spielen, ist früher oder später von dem, was LED ZEPPLIN auf die Beine gestellt haben fasziniert, da bin ich mir sicher. Sie sind einer der größten Riff-Maker, die es jemals gegeben hat. Und NIRVANA und PEARL JAM sind ja ebenfalls sehr riffgetragene Bands – mit ihnen und diesem ‚Seattle-Sound’ als Vorbild sind wir aufgewachsen, in dem Bestreben, so zu spielen und zu klingen wie sie.

Kathy:
Hast du, als Bassspieler, ganz persönliche Bands, die dich speziell über die Jahre geprägt haben?

Dean:
Hm, als Basser nicht wirklich, damit habe ich ja erst bei THEORY OF A DEADMAN angefangen, aber früher als Gitarrist habe ich Bands wie GUNS ´N ROSES und METALLICA geliebt, die haben mich schlussendlich auch zur Musik und zum Spielen gebracht. Und Blues höre ich beispielsweise nur, um mich zu entspannen, selbst habe ich noch nie einen gespielt.

Kathy:
In eurer Heimat Kanada gab’s bereits eine goldene Schallplatte für euer Debüt „Theory Of A Deadman“. Wie fühlt man sich dabei, habt ihr mit diesem Erfolg überhaupt gerechnet?

Dean:
Nein, ganz und gar nicht, es ist wie ein Traum, der wahrgeworden ist. Jede Band, die mal eine Platte aufnimmt, träumt ja insgeheim davon, wie es wohl wäre, sich eine goldene Schallplatte an die Wand zu hängen, und dass wir das gerade in unserer Heimat geschafft haben, markiert für uns ein großes Ziel, das wir erreicht haben.

Kathy:
Morgen spielt ihr ein weiteres Konzert in Köln, wie geht’s danach weiter, fliegt ihr zurück nach Vancouver?

Dean:
Nach Köln spielen wir in Amsterdam und dann in London, danach geht’s zurück nach Kanada, wir nehmen am 7. April an den Juno-Awards teil, das ist die kanadische Version des Grammy-Awards, wir sind da als ‚Beste neue Band’ nominiert. Unsere Chancen auf den Preis stehen recht gut, mal schauen, ob wir gewinnen, wir sind da ganz zuversichtlich (die Jungs haben den Award übrigens einsacken können, Glückwunsch! – d. Verf.). Danach touren wir bis Ende Mai mit 3 DOORS DOWN durch die USA und im Anschluss darauf kommen wir wohl wieder nach Europa, um bei einigen Sommer-Festivals aufzutreten – noch ist nichts bestätigt, aber ich glaube, Rock am Ring und Rock im Park sind grade im Gespräch. Das wäre echt klasse, dann würden wir zusammen mit METALLICA oder IRON MAIDEN auf der Bühne stehen, mit den Bands unserer Jugend.

Kathy:
Hast du abschließend noch ein Statement zum momentanen Krieg im Irak parat?

Dean:
Es ist für mich schwierig, dazu jetzt meine Meinung zu äußern, da wir auch gar nicht die Zeit hatten, um den ganzen Geschehnissen da unten wirklich zu folgen. Alles, was ich sagen kann ist, dass ich hoffe, dass das, was immer auch passiert, schnell vonstatten geht und der Krieg so schnell wie möglich vorbei ist.

Kathy:
So, das war’s. Und, wie sieht dein Rest des Tages aus, noch einige Interviews?

Dean:
Nee, das war mein letztes. Ich denke mal, ich werde jetzt rausgehen, mir ein bisschen Köln anschauen und vielleicht das eine oder andere Bier trinken.


Nach einer kleinen abschließenden Diskussion über diverse Biersorten wie Kölsch und Alt und welches von beiden man tunlichst nicht in einer Kölner Kneipe ordern sollte, konnte Dean beruhigt zu seinem Trink- und Sightseeing-Trip durch die NRW-Metropole entlassen werden. Ob er sich im Endeffekt an die gutgemeinten Tipps gehalten hat entzieht sich jedoch meiner Kenntnis... :-).

Redakteur:
Kathy Schütte

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