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TAROT: Interview mit Marco

21.09.2008 | 16:54

In der heutigen Zeit scheint jede Hinz- und Kunz-Band mindestens eine DVD zu veröffentlichen. Umso erstaunlicher, dass die finnischen Metal-Ikonen TAROT, die bereits seit den 80ern existieren, erst jetzt auf diesen Zug aufgesprungen sind. Doch auch sie haben sich nun mit "Undead Indeed" für das Heimkino unsterblich gemacht. Warum das so lange gedauert hat und was es sonst noch so Neues gibt, erzählt Sänger-Bassist Marco Hietala im Interview, während er zusammen mit seinen NIGHTWISH-Kollegen gemütlich im Backstage chillt.

Marco:
Oh, ein bekanntes Gesicht. Schön. (lacht)

Ricarda:
Ja, ich schon wieder. Weißt du, was dieses Mal unser Gesprächsthema sein wird?

Marco:
Nein.

Ricarda:
Die TAROT-DVD.

Marco:
Ah, ok. Dann weiß ich jetzt ja Bescheid.

Ricarda:
Es ist ja die erste DVD von TAROT, obwohl es euch bereits seit den 80ern gibt. Warum habt ihr so lange gewartet?

Marco:
Wir hatten nicht das Geld dafür (lacht). Nein, der richtige Grund, warum es nicht vorher passierte, ist einfach, dass wir es irgendwie nie geschafft haben, den ganzen Kram zu organisieren. Es ist viel Arbeit, und man braucht viele Leute dafür und alles. Nun hat ein alter Freund von uns vorgeschlagen, eine DVD zu produzieren. Er wollte eines unserer Konzerte letztes Jahr filmen und nahm es auf sich, alles selbst zu organisieren. Er fand eine Kameracrew und Leute, die sonst irgendwie mithalfen, das PA-System und den Club zu buchen. Er kümmerte sich einfach um alles, wir mussten eigentlich nur die Show spielen. Also war es sehr einfach für uns.

Ricarda:
Auf der finnischen DVD gibt es einige Extras wie Interviews, die nicht auf der deutschen Version vorhanden sind...

Marco:
Tut mir leid (lacht).

Ricarda:
Weißt du, warum sie nicht mit dabei sind?

Marco:
Ja, das weiß ich sogar. Für Finnland wollten wir ein komplettes Paket veröffentlichen und filmten ein Inteview und alles. Aber in Deutschland entschied Nuclear Blast, nur die Live-Show als DVD herauszubringen. Und die Live-CD natürlich. Aber außer dem Live-Zeug wollten sie eigentlich keine Extras.

Ricarda:
Ach stimmt, in Finnland kann man CD und DVD seperat kaufen, während es in Deutschland nur ein Komplett-Paket gibt.

Marco:
Stimmt genau. Und in Deutschland hätte es sich nicht gelohnt, CD und DVD getrennt voneinander zu veröffentlichen.

Ricarda:
Wie habt ihr die Setlist für den Gig zusammengestellt?

Marco:
Wir haben uns eher auf die letzten Studioalben konzentriert, weil diese am bekanntesten sind, aber haben natürlich auch ein paar alte Hits eingebaut. Viele Leute, besondern in Finnland, denken, wir hätten mehr altes Zeug spielen sollen, aber es war einfach eine Geschäftsentscheidung. Sowas muss auch gemacht werden, denn immerhin sind wir ja im Musikgeschäft.

Ricarda:
Gibt es einen Song, den du gerne bei dem Konzert gespielt hättest, der es aber nicht auf die Setlist geschafft hat?

Marco:
Hmm ja, da hätte es schon einige Songs gegeben. Aber als wir uns Gedanken über die Setlist machten und uns quasi die Ideen zuwarfen, ist nun mal diese dabei herausgekommen. Ich persönlich finde es etwas schade, dass wir keinen einzigen Song von "To Live Forever" gespielt haben, aber auf der anderen Seite hatten wir ja bereits das Live-Album "To Live Again" direkt danach aufgenommen. Von daher existieren von vielen Liedern des Albums auch Live-Versionen.

Ricarda:
Warum gibt es Unterschiede in der CD- und DVD-Tracklist?

Marco:
Das hat eigentlich nur technische Gründe. Wenn du eine normale CD hast, dann hat diese nur begrenzte Kapazität, während auf die DVD einfach mehr draufpasst. Und wir wollten keine Doppel-CD machen, also mussten wir einige Lieder streichen.

Ricarda:
Während dem Gig redest du sehr viel zwischen den Songs...

Marco:
Einige Male, ja (lacht).

Ricarda:
Naja, ich glaube dort redest du wirklich vor jedem Song. Hast du da was vorbereitet?

Marco:
Nein, ich lasse die Scheiße einfach fliegen und schaue, was dabei herauskommt (lacht). Natürlich gibt es da schon auch einige Dinge, die ich quasi jede Show sage. Es kommt einfach drauf an, ob man vielleicht einen Satz findet, den man mag oder der einfach gut funktioniert. Aber das meiste ist einfach spontan.

Ricarda:
Die DVD wurde in einem Club in Kuopio aufgenommen. Hattet ihr dort euren ersten Gig oder warum ist der Club so besonders für euch?

Marco:
Nein, dort war nicht unser allererster Gig, aber es war einer der ersten Gigs in einer bestimmten Größenordnung, es passen etwa 700 Leute in den Club. Von daher hatte die Sache schon eine gewisse Nostalgie. Mein Gott, ich glaube, ich war 16, als ich das erste Mal in dem Club war, vielleicht sogar erst 15 (lacht).

Ricarda:
Gefällt dir denn die DVD, jetzt wo das fertige Erzeugnis da ist?

Marco:
Ja, ich finde sie sehr gelungen. Es ist wirklich gut geworden, gerade wenn man bedenkt, dass viel Team-Spirit eine Rolle gespielt hat, und wir nur ein mittelgroßes Budget zur Verfügung hatten. Jeder hat gute Arbeit abgeliefert: der Regisseur, der Mixer, alle. Das Endergebnis kann sich echt sehen lassen.

Ricarda:
Wie war es für dich, die TAROT-DVD zu filmen? Die NIGHTWISH-DVD war ja doch eher eine große Produktion, wo ihr auch die Probe gefilmt habt.

Marco:
Nun ja, wir haben eigentlich genau das gleiche bei TAROT gemacht (lacht). Wir filmten die Proben und dann natürlich die Show am Abend. Aber natürlich haben wir bei der Probe nicht alle Lieder gespielt, aber gefilmt wurde trotzdem. Wir haben natürlich versucht, so viele Songs wie möglich in der Probe zu spielen, aber zeitlich hat es nicht so richtig hingehauen. Aber es war immerhin genug, damit die Jungs die Kamerawinkel bestimmen konnten und so.

Ricarda:
Bist du dir bewusst, dass Kameras um dich herum sind, wenn du eine DVD filmst?

Marco:
Nein, darüber denke ich eigentlich gar nicht nach. Wenn ich eine Kamera auf mich zufahren sehe, mache ich vielleicht mal so ... (schneidet eine Grimasse) ... aber ansonsten kümmere ich mich nicht drum.

Ricarda:
Auch wenn ihr zuvor noch keine offizielle DVD hattet, gibt es glaube ich einige Bootlegs...

Marco:
Das glaube ich auch (lacht).

Ricarda:
Was denkst du darüber?

Marco:
Eigentlich habe ich keine Meining dazu, denn ich habe sie nie gesehen (lacht). Aber ich nehme einfach mal schwer an, dass die Qualität nicht mit einer richtigen DVD konkurieren kann, wo man eine richtige Kameracrew hat und der Sound professionell aufgenommen wird.

Ricarda:
Hast du persönlich eine Lieblings-Musik-DVD?

Marco:
Ich habe gar nicht so arg viele Musik-DVDs, muss ich gestehen. Lass mich kurz nachdenken... Hm, eine, die sehr sehr gut ist - so gut, dass ich sie sogar nicht nur als DVD sondern auch als BlueRay habe - ist diese AC/DC-Show aus den 90ern, die in Donington gefilmt wurde. Die ist richtig geil, da gibt es verdammt viel Energie auf der Bühne.

Ricarda:
Du tourst jetzt noch einige Zeit mit NIGHTWISH durch die Gegend. Was macht TAROT jetzt?

Marco:
Genau jetzt? Lass mich mal sehen: Es ist Freitag Abend, und in Finnland ist es schon mitten in der Nacht, also sind alle bestimmt besoffen (lacht).

Ricarda:
Meine Frage zielte eher darauf ab, ob ihr bereits Pläne für ein neues Album habt (lacht).

Marco:
(spielt dumm) Wirklich? (lacht) Hm, natürlich haben wir schon ein wenig darüber geredet, und ich habe einige Ideen in meinem Kopf, die dann vielleicht ihren Weg auf das Album finden werden, aber ich bräuchte erst einmal ein wenig Zeit zu Hause, um ein paar Demos von dem ganzen Scheiß, der in meinen Gehirnzellen rumschwirrt, zu machen.

Ricarda:
Schreibst du Lieder während du tourst oder brauchst du auch für's Schreiben Ruhe?

Marco:
Songs nicht wirklich, nein. Aber Texte schon. Wir haben viele lange Bustouren und Flüge, und ich persönlich kann bei solchen Reisen in die Stimmung kommen, etwas zu schreiben. Aber es ist natürlich nicht der richtige Zeitpunkt, um musikalische Ideen wieder und wieder auszuprobieren und so, dafür brauche ich eine andere Art von Konzentration.

Ricarda:
Fragst du manchmal die anderen NIGHTWISH-Mitglieder um Rat oder Feedback, wenn es um TAROT-Songs geht?

Marco:
Ich spiele ihnen hier und dort einige Demos vor, bevor das Album herauskommt, aber um Rat frage ich sicher nicht (lacht). Wenn die Jungs es mögen, dann umso besser. Und wenn sie's nicht mögen, dann gibt es vielleicht einige Änderungen ... oder auch nicht (lacht).

Ricarda:
Wahrscheinlich eher nicht. Immerhin wissen sie ja auch nicht alles (lacht). Was war deiner Meinung nach die beste und schlechteste TAROT-Show bisher?

Marco:
Oh Mann ... die schlechteste. Hm, vielleicht die zwei letzten Konzerte in Russland in 1989...

Ricarda:
Billiger Wodka (lacht)...

Marco:
Eine war in St. Petersburg, die andere in Leningrad. [Und auf ihrer letzten Deutschland-Tour haben TAROT vermutlich erst in Chemnitz und dann in Karl-Marx-Stadt gespielt. - Anm. d. Red.] Diese zwei Konzerte waren richtig scheiße.

Ricarda:
Warum? Was ist passiert?

Marco:
Zuviel Wodka (lacht)! Und außerdem waren wir alle nicht gut drauf wegen einer ganzen Anzahl von Sachen. Dann hatten wir auch noch einen Drummer, der wegen eines Nervous Breakdowns quasi beurlaubt war, also übernahm unser Roadie-Drummer den Posten, aber er war nicht so richtig gut. Er konnte den Takt halten, aber das war's dann auch. Jedenfalls war das eine Situation, wo niemand so richtig bei der Sache war.

Ricarda:
Und die beste Show?

Marco:
Ganz ehrlich, ich kann das gar nicht so sagen.

Ricarda:
So ganz subjektiv von dir aus gesehen?

Marco:
Es gab wirklich viele gute Shows. Zum Beispiel in 2006, die Show auf der Hauptbühne des Tuska-Festivals war echt gut. Aber es gab auch einige super Club-Gigs. Ich erinnere mich an diese eine Show in Tampere, wo wir im Sommer spielten zu der Zeit als Tammerfest war. Es war so verdammt heiß, dass Jonne bereits schwarze Flecken vor den Augen sah, und auch ich fast umgekippt wäre, aber die Show war einfach so verrückt und verschwitzt und supergeil.

Ricarda:
Vermisst du es mit TAROT zu arbeiten, wenn du mit NIGHTWISH tourst?

Marco:
Nein, nicht so wirklich. Ich denke, es ist sogar besser, wenn ich nicht soviel mit den Jungs rumhänge, denn ansonsten wäre ich ständig krank und verkaterst (lacht).

Ricarda:
Ihr hattet in Deutschland einige richtig schlechte Erfahrungen, was Touren betrifft...

Marco:
Ach, das ging schon...

Ricarda:
Habt ihr trotz allem noch vor, wieder zurückzukommen?

Marco:
Yeah, natürlich. Wenn wir ein Album machen, dann müssen wir natürlich auch touren, und wir werden dann dahin gehen, wo man uns haben will. Diese Earthshaker-Roadshow-Tour lief natürlich schon scheiße ab, aber naja.

Ricarda:
Diese Erfahrungen haben euch nicht vollständig abgeschreckt?

Marco:
Nein, mich jedenfalls nicht. Naja, vielleicht für eine Woche oder so (lacht), aber jetzt kann ich darüber lachen.

Ricarda:
Okay, super. Das war's dann auch.

Marco:
Schon? Das war ja einfach (lacht).

Ricarda:
Ja, nicht? Ich danke dir jedenfalls mal wieder und wünsche euch alles Gute für die Show heute und den Rest der Tour.

Marco:
Danke dir. Bis demnächst.

Redakteur:
Ricarda Schwoebel

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