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TAKING DAWN: Interview mit Chris Babbitt

19.04.2010 | 07:10

TAKING DAWN haben mit "Time To Burn" bei mir voll eingeschlagen. Der modern produzierte Glam Rock ballert dem Hörer einen Ohrwurm-Refrain nach dem anderen um die Ohren. Da war es nur logisch, dass wir die Gelegenheit ergriffen, Sänger, Gitarrist und Bandkopf Chris Babbitt beim Gig mit AIRBOURNE in Berlin vors Mikro zu zerren. Der 25-jährige Sonnenschein aus Las Vegas entpuppt sich dabei als außerordentlich redefreudiger Zeitgenosse, der kein Blatt vor den Mund nimmt.

Die Einstiegsfrage, wie denn die jungen Burschen dazu kommen einen Sound zu spielen der an die 80er erinnert, obwohl sie damit ja kaum aufgewachsen sein könnt, beantwortet Chris mit einem enthusiastischem Statement für die Musik aus den 80ern. "Es ist schon merkwürdig, dass es die Leute wundert, dass wir nach den 80ern klingen. Aus deinem Mund hört sich das zwar wie ein Kompliment an, aber oft wird das eher wie ein Vorwurf formuliert. Aber wer sind denn die besten und größten Bands des Rock und Metal? METALLICA, IRON MAIDEN, JUDAS PRIEST, AC/DC, BLACK SABBATH, AEROSMITH... und sie alle hatten ihre besten Alben in den 80ern. Die 80er waren die goldenen Jahre des Metal, es ist doch klar, dass man sich als junge Metalband daran orientieren sollte." stellt Chris völlig zu Recht klar. "Als es vor acht, neun Jahren los ging mit diesen ganzen Retro-Band, die alle wie LED ZEPPELIN klangen, hat da ja auch keiner die Nase gerümpft, sondern diese Bands abgefeiert. Und wir klingen ja nun auch nicht gerade nach POISON, CINDERELLA oder wie diese Hairspray-Bands alle hießen. Bei uns gibt es sogar Einflüsse von PANTERA, AS I LAY DYING oder ALICE IN CHAINS, aber man muss natürlich sowohl ihre als auch unsere Musik sehr genau kennen, um diese Details herauszuhören." Gut, dazu muss man die Bands wohl verdammt gut kennen. Und obwohl "Time To Burn" in erster Linie Spaß macht, sind die Texte auch durchaus gehaltvoll. "Ja, wer mit unserer Musik einfach nur Spaß haben möchte, der kann damit Spaß haben. Das ist ganz einfach. Aber man kann sich natürlich auch mit unseren Texten beschäftigen. Im Pre-Chorus des Titeltracks heißt es zum Beispiel 'Homicidal, Kill Your Idols, Your Heroes Are Whores And Your Only God Is You'. Das zielt darauf ab, dass man vor allem auf sich selbst vertrauen soll und nicht dem nacheifern, was eine andere Person getan oder gesagt hat." erzählt Chris.

Dieses Selbstvertrauen haben TAKING DAWN auch. "Wir haben natürlich keinen Masterplan, wie man Erfolg hat und wer dir erzählt, dass er einen hätte, der erzählt Bullshit.", führt Chris aus. "Aber ich weiß, dass wir gute Musik machen. Und der Rest ist einfach harte Arbeit. Viel Touren, die Musik zu den richtigen Leuten bringen und sie davon zu überzeugen, dass es sich lohnt, unsere Platte zu kaufen und nicht schwarz zu hören." Es folgt eine lange Tirade, in der Chris deutlich macht, wie sehr er die Musikpiraterie hasst. Gespickt mit einigen nicht ganz jugendfreien Vergleichen. "Unterm Strich ist es doch so, dass du auch nicht in einen Laden gehen, in einen Apfel beissen und mit dem Apfel rauslaufen kannst, nur um dann wiederzukommen und zu behaupten, der Apfel sei nicht gut. Abgesehen von der Film- und Spieleindustrie, gibt es doch keine Industrie, in der es einem so einfach gemacht wird, ein Dieb zu sein. Jeder kann Musik, Filme & Spiele runterladen und fühlt sich dabei nicht mal wie ein Verbrecher. Am Schlimmsten sind die Leute, die sich auch noch dafür rühmen, wie viel Arbeit sie investiert haben, um es zum Download anzubieten." An dieser Stelle folgen noch ein paar sehr bildreiche Vergleiche, was er am liebsten mit solchen Leuten anstellen würde. Fakt ist jedoch, dass dies zu Lasten der Musiker und der Konsumenten geht. "Die Konsequenz aus der Piraterie ist doch, dass die Label sich andere Wege suchen, um Geld zu machen oder pleite gehen. Es gibt immer mehr Konzerte, mit höheren Eintritten, damit darüber noch etwas Kohle fließt. Die Musiker bekommen davon natürlich nur den kleinsten Teil ab und die Fans können sich nicht mehr so viele Konzerte leisten."


Entsprechend hat Chris auch schon Alternativpläne, falls es mit der Musikerkarriere nicht erfolgreich läuft. "Wahrscheinlich werde ich dann Zuhälter oder so 'was in Ungarn. Das scheint ein gutes Pflaster zu sein, denn da wird man sogar von Polizisten ausgeraubt." erzählt Chris lachend. "Die haben uns dort angehalten und nach Drogen durchsucht und dabei unser ganzes Geld beschlagnahmt. Dabei haben sie nicht mal irgendwelchen Stoff gefunden. Aber das war wahrscheinlich auch gar nicht ihr Ziel. Ich hatte den Eindruck, sie wollten nur unser Cash. Und wenn die Polizei aus Verbrechern besteht, ist das wohl der richtige Ort, um selbst Verbrecher zu werden." Die Zukunft ist also gesichert.

Redakteur:
Peter Kubaschk

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