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S.A. ADAMS: Interview mit S.A. Adams

01.01.1970 | 01:00

S.A. ADAMS – zweifellos ein Urgestein der amerikanischen Metal-Szene und doch nur von Insidern wahrgenommen. Mit „Mutated“ startete der Mann nun einen neuen Versuch, die Gunst der Old-School-Metalheads zu ergattern und hat seine Aufgabe dabei ganz ordentlich gelöst. Jetzt liegt es nur noch an den Fans, sich mit dem rauen Sound irgendwo zwischen RAVEN und MOTÖRHEAD vertraut zu machen, oder nicht Herr Adams?

Björn:
Hallo, alles klar soweit?

Adams:
So weit, so gut. Und wie geht es dir dieser Tage?

Björn:
Auch sehr gut, vielen Dank.
Wir wollen natürlich über "Mutated", deine letzte Scheibe, reden, die ja mittlerweile auch schon einige Zeit auf dem Markt ist. Wie sind denn die Reaktionen bis jetzt?

Adams:
Überraschenderweise positiv. Einige Leute scheinen es verstanden zu haben, und das habe ich in dieser Form nicht erwartet.

Björn:
Was hast du denn erwartet?

Adams:
Ich habe noch nie Musik mit der Intention veröffentlicht, irgendwelche Erwartungen zu erfüllen oder bestimmte Reaktionen hervorzurufen. Lediglich die Leute, deren Meinung ich vertraue, bekommen ab und an Demos von mir zu hören, nur um sicher zu gehen, dass ich keinem den Arsch küsse. Ich spiele Metal in erster Linie und hauptsächlich für mich selbst. Alles, was danach kommt, liegt nicht mehr in meiner Hand. Man muss den Furz fliegen lassen, weißt du...

Björn:
"Mutated" klingt sehr roh und dreckig, und ich denke, dafür steht auch der Sound von S.A. ADAMS, nicht wahr?

Adams:
Ich weiß nicht, ob ich sagen würde, dass ich einen Sound habe, der für irgendetwas steht. Der Sound entwickelt sich mit der Idee zum jeweiligen Song. Vielleicht sehe ich, wie eine überproduzierte Scheibe die Essenz eines Songs oder einer Band zerstören kann, weshalb ich mich auch von Studios fernhalte, in denen man Gefahr läuft, eine solche Produktion zu bekommen. Die Musik sollte die Band reflektieren, von der sie gespielt wird. Danach strebe ich.

Björn:
Wie würdest du den Sound denn dann charakterisieren?

Adams:
Ich denke, dass du das in der eben genannten Frage schon besser getan hast, als ich es je tun könnte.

Björn:
Du bist jetzt schon viele lange Jahre Mitglied des Metal-Undergrounds, hast aber mit deinen Bands nie großen Erfolg gehabt. Ist das nicht in gewisser Weise ärgerlich?

Adams:
Nicht wirklich, weil ich schon mehr Leute erreicht habe, als ich mir je hätte träumen lassen. Ich habe schon mehr mit Musik gemacht als sämtliche andere Bands aus der Gegend hier, sieht man mal von Bands wie DREAM THEATER, TWISTED SISTER und VIRGIN STEELE ab – und damit habe ich gleichzeitig viel weniger Arbeit gehabt als diese Gruppen. Und falls ich irgendwann mal down sein sollte, weil ich nicht so groß bin, wie ich sein könnte, kann ich ja an Mozart denken, der seiner Zeit weit voraus war und quasi zu Lebzeiten ignoriert wurde. Ich habe gehört, dass manche seiner Werke und Auftritte von gerade mal zwölf Leuten gesichtet wurden.

Björn:
Aus welcher Motivation heraus hast du damals die Band gestartet?

Adams:
Die Tatsache, dass ich nicht mit zwei Armen alle Instrumente spielen und gleichzeitig singen konnte.

Björn:
Du bist ja nicht nur ein Musiker, sondern betrachtest die Szene ja schon seit fast 20 Jahren. Was hältst du denn von der Entwicklung, welche die Metalszene seitdem durchgemacht hat?

Adams:
Ich denke, dass sie gerade in Amerika zu einem Business mit Formeln geworden ist, welches sich nur darum dreht, so viele Sachen wie möglich zu verkaufen. Daher siehst du auch so große Unterschiede von Band zu Band. Diese Nu-Metal-Bewegung mit Bands wie TRAPT und STATIC X ist ein wichtiger Verkaufspunkt, der auf eine bestimmte Käuferschicht abzielt. Die neuen `Punk´-Bands wie SUM 41 oder GOOD CHARLOTTE verhalten sich nach einem ähnlichen verkaufsorientierten Prinzip.
Damals in den frühen Achtzigern war dieses Businessdenken zum Pushen der Bands noch nicht so ausgeprägt, weshalb auch viel mehr Originalität und Vielseitigkeit vorhanden waren. Zum Beispiel klangen ANGEL WITCH nicht wie RAVEN, die wiederum nicht so wie MOTÖRHEAD, und Lemmy und Co. klangen nicht wie OZZY OSBOURNE, als Randy Rhoads bei ihm spielte, der keine Parallelen zu VENOM zeigte, welche dann wieder nicht mit SAMSON oder DIAMOND HEAD vergleichbar waren. Verstehst du? Heute höre ich Bands wie EVANESCENCE, die für mich wie eine ausgeklügeltere Version von LINKIN PARK mit Titten klingen. Bands wie LACUNA COIL und NIGHTWISH sind sich viel zu ähnlich und wenn ich eine Band wie HAMMERFALL – so gut sie auch sein mögen – höre, ist es schon sehr offensichtlich, wo sie ihren Stil kopiert haben.

Björn:
S.A. ADAMS klingen ziemlich stark nach alter Schule, jedoch gibt es auch Anleihen an die Punkszene. Beziehst du auch Einflüsse aus der Punkmusik?

Adams:
Oh ja, genau so wie beim Metal kaufte ich mir damals Scheiben von Punkbands und besuchte ihre Shows. Ich bin immer noch ein sehr großer EXPLOTED- und "Charged"-GBH-Fan. Ich hab damals Bands wie THE NIHILISTICS & VICE SQUAD gesehen und liebe solchen Stoff wie MADBALL, HATEBREED und SICK OF IT ALL.

Björn:
Der größte Einfluss scheint aber MOTÖRHEAD zu sein. Was macht diese Band so besonders für dich?

Adams:
MOTÖRHEAD gehen für mich über jede andere Band hinaus, weil sie die purste Verkörperung des Rock 'n' Roll sind, die je existiert hat. Das ist es, was MOTÖRHEAD von normalen Metalbands unterscheidet und sie in eine Kategorie unsterblicher Künstler wie ELVIS PRESLEY, CHUCK BERRY, THE BEATLES, THE RAMONES, AC/DC etc. steckt.

Björn:
Bist du Lemmy denn schon mal begegnet und hattest die Möglichkeit, einige Worte mit ihm zu wechseln?

Adams:
Ich habe Lemmy seit 1986 immer wieder getroffen. Wir haben über so viele Sachen gesprochen, dass es den Rahmen dieses Interviews bei weitem sprengen würde. Wir hatten mal eine Diskussion über den Stand von MOTÖRHEAD in der Rock'n'Roll-Geschichte und der Lemster war geschockt, als ich MOTÖRHEAD auf eine Stufe mit den BEATLES gestellt hatte. Ich wusste nicht, dass sie zu seinen Idolen gehörten.

Björn:
Sind denn da noch andere Bands in Sachen Punk und Metal, die du favorisierst?

Adams:
Abgesehen von den oben genannten wären da noch TANK. Ein anderer wichtiger Einfluss sind MANOWAR, die ich auch noch nicht genannt habe, oder doch? Ich höre auch den deutschen Metal von PRIMAL FEAR und GAMMA RAY. Interessant finde ich außerdem ROUGH SILK und wo wir gerade über Deutschland reden, da gibt es noch eine Band namens WOLF'S MOON, die ich sehr oft höre.

Björn:
Bevor du diese Band gegründet hast, spieltest du bereits bei FURY. Leider habe ich nie etwas von dieser Band gehört, vielleicht kannst du mir daher mal kurz beschreiben, wie sie geklungen haben?

Adams:
Wie eine rauere, jüngere Version von S.A. ADAMS.

Björn:
Und warum haben sie sich aufgelöst?

Adams:
FURY arbeiteten wirklich sehr hart, supporteten eine Menge Bands, tourten ausführlich durch die Region und die Leute, die involviert waren, waren nicht länger bereit, so hart zu arbeiten. Rocky gab sich selber eine zweite Chance, als er zurückkam, um mit mir zu spielen, aber wiederum kam er mit der Arbeitsweise nicht klar. "It's a long way to the top if you wanna rock & roll." (Bon Scott)

Björn:
Du veröffentlichst deine neuen CDs unter deinem eigenen Namen. Sind S.A. ADAMS nun ein Soloprojekt oder doch eine richtige Band?

Adams:
Da sich bisher noch nicht herausgestellt hat, dass Bill und Josh Roboter oder so etwas sind, kann ich behaupten, dass es eine richtige Band ist. Aber es stimmt schon, zuerst startete das Ganze, weil ich mit NIR noch vertragliche Verpflichtungen für FURY erfüllen musste. Als diese Platte dann plötzlich das bis dato erfolgreichste Album geworden war, meinte jeder, ich sollte unter diesem Namen weitermachen.

Björn:
Wofür stehen denn die beiden Buchstaben S.A.? Gerade in Deutschland genießt man derartige Abkürzungen nämlich mit Vorsicht, da sie Vergleiche zu einer Gruppierung hervorrufen könnten, die vor rund 60 Jahren eine der treibenden Kräfte in Hitlers Naziregime gewesen ist...

Adams:
Die ganze S.A.-Geschichte stammt aus der Zeit, als ich noch als Aufnahmetechniker bei Studio Works/Dare Studios arbeitete. Es ist ein dummer Witz, der 1993 noch witzig war. Heute steht S.A. für "Sexually Abhorrant". Soweit ich mich erinnere, hat erst eine Person diesen Vergleich zu Hitlers gescheiterter Propaganda-Bewegung gezogen (hallo George!). Es befinden sich aber keine politischen Hintergründe in meiner Musik. Musik ist für mich viel zu persönlich, als dass sie sich mit Politik beschäftigen müsste.

Björn:
Vor zwei Jahren bist du auf dem Bang-Your-Head-Festival aufgetreten. Welche Erfahrungen hast du dort machen können?

Adams:
Eine gute Show, großartiges Bier und eine ausgezeichnete Mahlzeit im Thum-Hotel & -Restaurant. SLAYER auf einer Open-Air-Bühne zu sehen, war auch ziemlich cool, aber den besten Gegenwert für mein Geld haben mir NEVERMORE gegeben, die ganz klar die beste Band des Tages waren.

Björn:
War das die bisher einzige Show mit S.A. ADAMS außerhalb der Vereinigten Staaten?

Adams:
Wenn man unsere kurze Acapella-Einlage in England mal außen vor lässt, dann ja.

Björn:
Aber du selber bist schon öfter als Fan dort gewesen, oder nicht? Wie hat es dir in Balingen gefallen?

Adams:
Ich mag Balingen wirklich sehr. Eine nette Stadt, tolle Leute, gute Shops, nicht so überfüllt wie Schoemberg und ein einfacher Gehweg zum Festival.

Björn:
Wenn du anhand dieser Erfahrungen die amerikanische mit der europäischen Szene vergleichen solltest, welche Unterschiede sind dir aufgefallen?

Adams:
Ich denke der größte Unterschied ist – und deswegen denke ich auch, dass europäische Zuschauer auch meistens besser sind als die in den Staaten – dass sie viel mehr dieses Zusammengehörigkeitsgefühl ausstrahlen als diese chaotischen und eigensinnigen Leute in Amerika. Ich fühle mich, als wäre ich innerhalb einer großen Familie, wenn ich in Europa bin, während ich hier den Eindruck bekomme, als wäre ich gerade in einer abgedrehten Irrenanstalt.

Björn:
Wann werdet ihr denn dann mit eurer Band zurück nach Deutschland bzw. Europa kommen?

Adams:
Wir versuchen eine kleine Booking-Agentur davon zu überzeugen, uns für ein paar Shows nach Deutschland herüberzuholen. Sollten wir als Support spielen, dann nicht nach dem "Pay To Play"-Prinzip, wenn, müsste uns die jeweilige Band schon einladen. Mr. Gallagher, liest du das gerade? Jedes Mal wenn du auf Tour gehst, ist es ein finanzielles Risiko, weil du bei deiner Rückkehr ohne Job dastehen könntest und darüber hinaus auf der Tour selber Miese gemacht hast. Aber wir reisen nur mit dem Nötigsten, unsere Show würde also bei weitem nicht so viel kosten wie die Megaproduktionen von Bands wie MANOWAR. But jey, no risk, no glory!

Björn:
Werden wir dich auch wieder auf den Festivals als Zuschauer sehen? Vielleicht sogar in Wacken? Bist du schon einmal dort gewesen?

Adams:
Ich bin leider noch nicht in Wacken gewesen, werde das aber hoffentlich schon bald nachholen. Ich habe gerade erst wieder über dieses arschtretende Festival namens Earthshaker gehört und das klingt, als müsste ich es schon sehr bald mal anchecken. Auch das "Keep It True" hört sich nach einem Event an, den ich mir dringend mal ansehen müsste. Die meisten dieser Bands haben für mich ebenso eine besondere Bedeutung.

Björn:
Wie wird es denn jetzt erst mal weitergehen mit S.A. ADAMS?

Adams:
Für die ganz nahe Zukunft freue ich mich erst mal auf mein Abendessen. Es sind einige Dinge in der Mache, die vielleicht dafür sorgen könnten, dass unser Material demnächst in einigen Filmen auftauchen wird, aber es steht noch nichts fest. Wir werden eine Menge Videomaterial auf http://www.saadams.com setzen, mehrere freie Audio-Downloads und so weiter. Wir arbeiten ebenfalls an einem Live-Album, aber ich kann dir noch nicht sagen, wann das herauskommen wird.

Björn:
Okay; wir sind am Ende des Interviews angekommen. Irgendwelche letzten Worte?

Adams:
Einfach nur vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, mich zu interviewen und Interesse an dem gezeigt hast, was ich tue.

Björn:
Auch vielen Dank. Vielleicht sehen wir uns ja schon bald in Deutschland bzw. in Wacken und heben dort einige weitere leckere Biere.

Adams:
Dann sorge aber dafür, dass es euer feinstes Weizen sein wird.

Björn:
Abgemacht!


Redakteur:
Björn Backes

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