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SLASH im Interview

24.06.2012 | 16:08

Der Rockstar über Myles Kennedy, "Apocalyptic Love" & Piraten.

SLASH dürfte eindeutig in die Kategorie "Rockstar" fallen. Natürlich vor allem, weil er zusammen mit Axl Rose die treibende Kraft hinter den GUNS 'N ROSES war, aber mittlerweile auch, weil seine Arbeit mit VELVET REVOLVER, als Solokünstler und jüngst mit MYLES KENNEDY & THE CONSPIRATORS aller Ehren wert ist. Ein paar Tage vor dem Start der Tour mit MÖTLEY CRÜE bittet SLASH dann in einem Berliner Fünf-Sterne-Hotel zur Audienz. Während man die Wartezeit im Hotelcafé mit einem Latte Macchiato für günstige sieben Euro überbrückt, werden in der Suite die Journalisten im 20-Minuten-Takt durchgeschleust. POWERMETAL.de darf als letzter Interviewpartner den zuvor sehr strikt eingehaltenen Zeitplan dann sogar um gute 15 Minuten überziehen. Und in Randbemerkungen des Zylinderträgers werden sogar verbotene Themen (Fragen zur Familie, zu seinem Verhältnis zu Axl Rose und einer GNR-Reunion waren untersagt) angesprochen. Überhaupt ist Slash ein angenehmer, interessierter und lockerer Gesprächspartner. Rockstar-Gehabe mag man höchstens wegen Hut & Sonnenbrille unterstellen, andererseits kennt man den Gitarristen ja auch im Grunde nicht anders, sodass es irgendwie merkwürdig wäre, wenn er quasi nackt vor einem sitzen würde.

Natürlich steigt man in so ein Gespräch dennoch erst mit Fragen zum neuen Album "Apocalyptic Love" ein, dass nicht nur dadurch mehr Bandcharakter besitzt, dass mit Myles Kennedy (ALTER BRIDGE) nur noch ein Sänger zu hören ist. "Ja, genau deshalb haben wir auch erst überlegt, das Ganze dann vielleicht unter einem Bandnamen zu veröffentlichen, zumindest wollte ich aber, dass nicht mehr nur SLASH auf dem Cover steht, sodass wir uns dann irgendwann auf SLASH feat. MYLES KENNEDY & THE CONSPIRATORS geeinigt haben. Ich habe zwar die Songs in erster Linie geschrieben, aber Myles hat alle Texte verfasst und alle drei (neben Myles noch Brent Fritz (dr.) & Todd Kerns (b.) - PK) haben dann im Studio noch mit an den Arrangements gearbeitet, Feedback gegeben und ihre eigenen Ideen eingebaut, sodass jeder seinen Beitrag zum Gelingen von "Apocalyptic Love" geleistet hat und von daher habe ich mich auch entschieden ihnen volle Credits zu geben. Das war einfach ein ganz anderes Arbeiten als auf meiner Soloscheibe, wo ich ja bei jedem Song mit Gastsängern gearbeitet habe." Beide Werke gemein haben, dass der Gitarrist auf seinen Saiten zwar glänzt, dabei aber nicht dauerhaft egozentrisch in den Mittelpunkt rückt, sondern immer den Song als Ganzes im Auge hat. "Ich muss ehrlich sagen, dass ich mir darüber beim Songwriting keine Gedanken machen, aber ich denke, das stimmt schon. Ich baue nie ein Solo in einen Song ein, nur damit ich ein Solo im Song habe. Das muss schon zum Song passen und dient nicht dazu, mein Ego zu befriedigen." Überhaupt ist Slashs Drang in den Mittelpunkt nicht sehr ausgeprägt, etwas, was ihn mit Myles Kennedy verbindet. "Ja, das wichtigste Ereignis bei meinem Soloalbum war eindeutig, dass ich Myles kennengelernt habe. Er hat nicht nur eine fantastische, absolut einzigartige Stimme, sondern er konnte auch alle Songs nicht nur hervorragend singen, er hat es auch geschafft, ihnen ihre Identität zu lassen, ohne sich dabei verstellen zu müssen. Das ist absolut einzigartig. Außerdem ist er auch ein extrem angenehmer, sehr zurückhaltender und ganz und gar nicht egozentrischer Charakter. Das ist sehr ungewöhnlich für einen Sänger im Rockbusiness und ich habe es sehr zu schätzen gelernt, mit ihm zu arbeiten." Wer wohl das Gegenteil von Myles Kennedy ist, darf sich jeder denken.

Und auch wenn eine Reunion von GUNS 'N ROSES wohl ausgeschlossen werden kann, ist seine Vergangenheit keinerlei Belastung für ihn. "Ganz im Gegenteil sogar. Ich habe ja, als ich mich entschieden hatte, solo unterwegs zu sein, ganz bewusst dafür entschieden auch die alten Sachen zu spielen. Mir war klar, dass ich einen ganzen Katalog an Songs habe, aus dem ich schöpfen kann." Dass es dabei dennoch Song gibt, die man von ihm auf der Bühne nicht erwarten kann, ist eigentlich logisch. "Ja, 'November Rain' ist wohl dann doch zu sehr Axl, das werde ich sicherlich nicht live spielen. Und bei einigen Texten von den Gunners dürfte auch Myles ein paar Probleme haben, einfach, weil sie zu sehr Axl sind und Myles sich schon mit den Texten identifizieren können muss. Aber es ist nicht so, dass ich diese Songs hasse, sie passen einfach nicht in den Kontext.", reflektiert Mr. Hudson.


Klar ist auf jeden Fall, dass die Truppe jetzt erst einmal bis Ende November auf den Brettern stehen wird. "Ja, bisher haben nur ein paar Promo-Gigs gespielt, aber bald geht es los im Vorprogramm von MÖTLEY CRÜE, wo wir etwa eine Stunde spielen werden, dann geht es in die USA und im Herbst kommen wir noch einmal nach Europa um eine anständige Headlinertour zu spielen. Normalerweise versuche ich es zu vermeiden so lang am Stück, ohne eine Pause zu Hause zu spielen, aber dieses Mal geht es nicht anders, weil Myles dann wieder mit ALTER BRIDGE ins Studio geht." Da er aber ein Familienmensch ist, werden schon Pläne für Zusammenkünfte geschmiedet. "Ja, ich werde wohl meine Familie immer einmal wieder rund um freie Tage einfliegen lassen. Das ist nicht immer so ganz einfach zu koordinieren, weil sie dann nach Australien, Südamerika oder Europa kommen müssen, was immer mit langen Flugzeiten verbunden ist, aber das klappt dann schon."

Ein Ärgernis müssen wir aber auch noch ansprechen. So gab es zum SLASH-Soloalbum etwa ein Jahr nach Veröffentlichung noch eine fette Deluxe-Edition mit vier weiteren Songs und diversen weiteren Boni. "Ja, ich habe auch Feedback bekommen, dass das nicht bei allen gut angekommen ist, weil sie das Album ja bereits gekauft hatten, aber es gab einfach noch so viel Material, das ich nicht vergammeln lassen wollte, dass ich dachte, dies sei eine gute Möglichkeit die Songs zu veröffentlichen. Da ich ja der Chef meines eigenen Labels bin und Roadrunner nur die Lizenz erwerben, war das auch meine Entscheidung. Zu "Apocalyptic Love" wird es aber keine weitere Edition mehr geben. Alle Songs, die gut genug sind, um sie zu veröffentlichen, sind jetzt schon auf der Deluxe-Edition." Mal sehen, ob sich Slash an sein Wort hält.


Sich die Unabhängigkeit durch sein eigenes Label zu bewahren, ist Slash auch sehr wichtig. Von daher ist es auch nicht verwunderlich, dass er für "freie Kunst für alle", wie sie die Piraten fordern, kein großes Verständnis hat. "Ja, ich habe davon gehört, dass hier in Deutschland eine Partei dafür eintritt, dass Kunst ein frei zugängliches Gut wird, für das man nicht bezahlen muss. Ich weiß nicht, was sich diese Leute denken, aber ich halte das für total falsch. Ich habe das komplette Album mitsamt seiner Produktion vorfinanziert und im Grunde kann ich mir das nicht leisten, denn ein ordentliches Studio und vernünftiges Equipment sind sehr, sehr teuer. Da ist es doch selbstverständlich, dass ich die entstandenen Kosten wieder einspielen möchte. Und was sollen neue Künstler denn tun? Eine Band wie RADIOHEAD kann es sich vielleicht leisten, ein Album zum freien Download anzubieten und um spenden zu bitten, denn die Jungs haben ja schon weltweit einen Namen, aber wenn du keinen Namen hast, gehst du doch meist in der unglaublichen Masse der Bands unter. So kann Kunst nicht existieren und das wäre doch wirklich traurig, denn Kunst - und Musik im Speziellen - berührt doch unendlich viele Menschen schon seit ewigen Zeiten. Ich kann es nur noch einmal sagen, ich finde das ganz einfach falsch." Damit ist er nicht alleine.

Redakteur:
Peter Kubaschk

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