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SEPULTURA: "SEPULNATION - The Studio Albums 1998-2009" als Boxset

20.10.2021 | 12:02

Der Thrash-Titan SEPULTURA hat die erzwungene Pandemie-Pause durchaus gut genutzt, erschien doch erst vor wenigen Monaten mit "SepulQuarta" ein Langspieler, auf dem die Brasilianer Songs ihres Katalogs mit verschiedensten Gästen neu interpretiert haben. Und nun steht mit "SEPULNATION - The Studio Albums 1998-2009" auch noch ein umfangreiches Boxset an, das je nach Ausführung auf fünf CDs oder acht Vinyl-Scheiben die im Titel genannten Jahre der Band beleuchtet. Eine durchaus interessante Phase, musste sich der Vierer nach dem Abgang von Max Cavalera nach "Roots" und der Verpflichtung von Derrick Green als neuem Frontmann erst einmal neu finden. Doch beleuchten wir die enthaltenen Langspieler doch einmal alle kurz im Einzelnen:

Against (1998)

Los geht es dabei mit "Against", das in unserem Diskografie-Check [Teil 1, Teil 2] ziemlich abgeschlagen auf dem letzten Platz über die Ziellinie kam. Der erste Langspieler mit Derrick Green ist aber auch eine insgesamt schwierige Angelegenheit, der zwar musikalisch mit Tribal-Drums und anderen Einflüssen aus der Weltmusik nahtlos am Vorgänger "Roots" anknüpft, ohne dabei je das Hit-Potential des Erfolgsalbums erreichen zu können. So wirkt das Songmaterial insgesamt sehr zerrissen und mit dem Titeltrack und dem brutalen 'Choke' gibt es eigentlich nur zwei Songs zu vermelden, die sich auch auf Dauer in der Setliste der Brasilianer einnisten konnten.

Nation (2001)

Deutlich zielstrebiger und erfolgreicher ging das Quartett drei Jahre später zu Werke und bügelte zumindest musikalisch mit "Nation" den vorherigen Ausrutscher aus, auch wenn der Scheibe kommerziell ebenfalls kein allzu großer Erfolg vergönnt war. Dafür passt hier die Balance zwischen Weltmusik und Thrash Metal wieder deutlich besser und nicht selten werden Erinnerungen an "Chaos A.D." geweckt. Gleichzeitig fanden Kisser und Green offensichtlich auch beim Songwriting ihren Groove und zauberten mit 'Sepulnation', 'Border Wars', 'Who Must Die?' und 'One Man Army' gleich vier echte Hits aus dem Ärmel. Ingesamt das erste richtig starke Album mit Green am Mikrofon, das in keiner SEPULTURA-Sammlung fehlen sollte.

Roorback (2003)

Mit "Roorback" folgte zwei Jahre später schon wieder die nächste Kurskorrektur, dieses Mal hin zu fast schon rohem und ungeschliffenem Thrash Metal mit massiver Hardcore-Schlagseite. Der Einstieg in die Scheibe ist dabei mit 'Come Back Alive', 'Godless' und 'Apes Of God' durchaus gelungen, danach stampfen die Brasilianer aber auch gerne einmal etwas ungestüm und mit wenig Wiedererkennungswert durch die Weltgeschichte. Aufgewertet wird die Platte in diesem Boxset aber ganz klar durch die beigefügte "Revolusongs"-EP, auf der sich Kisser und seine Mitstreiter mit großem Erfolg an Coverversionen bekannter Metal- und Rock-Acts versuchen. Gekrönt wird der kurzweilige Spaß dabei ganz klar vom überragenden U2-Cover 'Bullet The Blue Sky', das in seinem schwermetallischen Gewand eine ganz eigene Atmosphäre entfaltet.

Dante XXI (2006)

Ihr habt es bereits erraten, auch "Dante XXI" nahm 2006 nicht den Faden des Vorgängers auf, sondern katapultierte die Musik des Vierers in ganz neue Sphären, handelt es sich hier doch um den ersten Versuch eines Konzeptalbums der Thrash-Titanen. Und dieses wagemutige Unterfangen darf durchaus als sehr gelungen bezeichnet werden, denn die metallische Aufarbeitung von Dante Alighieris "The Divine Comedy" beschert Hörern und Hörerinnen insbesondere bei konzentriertem Genuss mit guten Kopfhörern eine musikalische Achterbahnfahrt, wie man sie so von einer Thrash-Metal-Band nur selten gehört hat. Anders als bei anderen Konzeptalben bleiben dabei die Highlights auch nicht auf der Strecke, gibt es mit 'Convicted In Life', 'City Of Dis', 'Buried Words' und 'Ostia' gleich vier richtig starke Nummern zu vermelden.

A-lex (2009)

Der zweite Anlauf zum Thema Konzeptalben kann da aber nicht ganz mithalten, denn trotz ähnlichem Ansatz wie bei "Dante XXI" verliert die Umsetzung von Antony Burgess' Roman "A Clockwork Orange" immer wieder den roten Faden und ist insgesamt eher eine sehr anstrengende Angelegenheit, die nicht wirklich Klassiker für die Setlist der Brasilianer liefern konnte. Dafür weckte das wunderschöne Artwork erstmalig wieder Erinnerungen an den Bandklassiker "Arise" und dürfte besonders in der Vinyl-Variante des Boxsets glänzen!

Womit wir auch schon bei der Aufmachung dieser Werkschau wären, die zumindest bei der vorliegenden CD-Version als extrem gelungen bezeichnet werden kann. Verpackt in einer toll verarbeiteten dunkelroten Box kommen die einzelnen Alben in einem Papersleeve daher, das einer geschrumpften Variante der Vinyl-Version ähnelt. Zu bemängeln wäre nur, dass leider auf die Booklets der einzelnen Alben verzichtet wurde. Das ist bei solchen Boxsets nicht unüblich, dennoch hätten die Texte gerade bei den beiden Konzeptalben beim Verständnis der Story durchaus helfen können. Dennoch kann ich "SEPULNATION - The Studio Albums 1998-2009" jedem SEPULTURA-Fan ans Herz legen, der sich möglichst kompakt einen Überblick über diese turbulente Phase in der Karriere der Brasilianer verschaffen möchte, ohne Unsummen für die kompletten Versionen der einzelnen CDs auszugeben, die teilweise auch aktuell nur schwer erhältlich sind.

Redakteur:
Tobias Dahs

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