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SACRED STEEL: Interview mit Gerrit P. Mutz

01.01.1970 | 01:00

Über SACRED STEEL wird ja viel geschrieben, also nahm ich mir den Frontman Gerrit vor der CD Präsentation von "Bloodlust" mal zur Brust und lernte eine, der Presse bisher (gewollt?) unbekannte, Seite an ihm kennen.

Georg:
Wie war eure Arbeit im Studio?

Gerrit:
Im Studio war es supercool. Wir hatten diesmal genauere Vorstellungen was wir wollen. Bei der zweiten Platte hatten wir da doch mehr Spass im Studio gehabt. Wir sind da 3 Wochen aufeinander gehockt, haben Bier getrunken und hatten einfach viel zu viel Spass. Und da haben wir das Wesentliche, nämlich die Plattenaufnahme etwas aus den Augen verlohren. Bei der dritten Platte wollten wir den Fehler nicht mehr machen. Wir wollten uns nicht wieder in ein Ferienstudio verpissen und mehr saufen und fernseh gucken anstatt an der Platte zu arbeiten. Und hier in der Nähe gibt es da das "House Of Music", das wir uns auch angeguckt haben. Der Achim Köhler hat einen netten und fähigen Eindruck gemacht, auch wenn man das vorher nie so genau sagen kann, aber die Einschätzung hat sich dann ja auch als richtig herausgestellt. Und dementsprechend sind wir dann auch konzentrierter an die Sache rangegangen, weil jeder nur dann ins Studio gegangen ist, wenn er auch dran war. Bei der Wargods sind wir ständig aufeinandergesessen und plötzlich war man dran und hat sich dann halt mal kurz zum Einspielen ins Studio verzogen, während die anderen an ihrem Hähnchen knabberten.
Ich glaube deshalb hat die Aufnahme der Vocals, obwohl mich eine schwere Grippe erwischt hatte, auch so gut geklappt, weil ich einfach gut vorbereitet und konzentriert an die Sache ranging. Bei der Wargods wäre es in die Hose gegangen wenn ich noch krank geworden wäre. Diesmal war alles einfach professioneller. Beim ersten Song hab ich nichtmal sprechen können, aber ich konnte komischerweise singen. Es klang halt alles etwas tiefer als gewohnt. Und nach dem ersten Song hab ich dann verunsichert den Kopfhörer abgenommen und habe verunsichert den Jörg angesehen und er hat mich angestrahlt und meinte, daß es viel besser klingt als sonst. Nun gut, dann muß ich halt vor der nächsten Platte in den Kühlschrank. Ich fands auf dem Kopfhörer auch nicht schlecht aber halt tiefer als gewohnt. Wir haben die Platte ja auch chronologisch aufgenommen, und mit der Zeit wurde die Erkältung besser, so ab Lied 5 / 6 . Und bei Dark Forces konnte ich dann wieder rumschreien. Also prinzipiell war es keine gewollte Veränderung, manche finden es besser, andere schlechter, recht kann man es eh nie allen machen. Ich konnte halt nicht höher singen, da ich einfach erkältet war. Aber ich finde auch daß es passt und ich hab auf der ersten Platte schon geschrien und mit abstrichen auch auf der zweiten, ich will ja nicht auf Dauer das gleiche machen. Das ist auch der Grund warum ich nicht auf das Cover "Sirens Of Metal" anstelle von Vocals geschrieben habe. Es war so ein Pseudonym das ich einfach gut fand, ohne meinen Namen zu verstecken. Aber hier wäre es gelogen, weil unser Gastsänger Alan Tecchio von Hades wesentlich höher singt als ich.

Georg:
Wie sind die Resonanzen auf die neue Platte gewesen?

Gerrit:
Gemischt, sie sind bei uns eigentlich immer gemischt. Wie immer bei einer dritten Platte von einer Underground Band gibt es Fans der ersten Stunde die einem vorwerfen:"ihr Arschlöcher, euch gibts ja noch". Eigentlich muß es ja so sein, daß sich die Band nach dem ersten Demo auflöst, damit man sich das Tatoo auf den Arm stechen lassen kann und überall rumerzählt:" Aber Sacred Steel damals, die waren ja geil, naja gibts leider nicht mehr". Diese Märtyrer Rolle wollten wir nicht einnehmen. Und es gibt natürlich auch die, denen man zu melodisch, zu schnell, zu langsam oder sonstwas ist. Du kannst es einfach nicht allen recht machen. Und das war uns auch klar, daß irgendeiner immer ein Haar in der Suppe findet. Es wird auch sicher Fans geben, die uns mit der dritten Platte nicht mehr folgen werden - obwohl ich finde, daß es eine typische Sacred Steel Platte ist. Auf der anderen Seite gibt es aber auch Leute, gerade auch auf der Presseseite, die mit den ersten beiden Platten ein Problem hatten. Einer hat zu mir gesagt:" Hey, ich bin total überrascht, ich hab euch auf der Wargods Tour live gesehen, fand euch nicht so toll, aber das neue Album hat mich überrascht, das ist echt gut und ich werde mich bei euch in Zukunft nie mehr beim Bierstand rumtreiben." Ob wir die Verkaufszahlen von der Wargods toppen können, weiß ich nicht. Das weißt du aber nie vorher. Du weißt ja auch nicht, ob sie das Wargods gekauft haben weil es ihnen gefiel oder weil sie es halt einfach mitgenommen haben. Du weißt nicht, wieviele Die Hard Fans du hast. Wenns dumm läuft, schwimmst du auf einer Welle von der du gar nichts weißt und verkaufst 50.000 - was wir nicht haben, nichtmal annähernd. Wir machen halt das woran wir glauben, was uns gefällt und du kannst es einfach nicht jedem recht machen.

Georg:
Ihr seid ja auch eine Love or Hate Band.

Gerrit:
Ja, wobei ich da nicht glaube, daß es so sehr an meinem Gesang liegt. Ich glaube das liegt eher an unserem Image. Wir sind einfach in den letzten Jahren oft mit dem Kopf gegen die Wand gelaufen. Und ich habe auch viele Sachen gesagt, die wenn man sie dann im Interview gelesen hat, ein völlig falsches Bild auf mich geworfen haben. "Der hasst jetzt Hammerfall" ist so etwas, das ist gar nicht wahr, ich habe sogar mal eine gute Kritik über Hammerfall für ein Fanzine geschrieben. Aber wenn du ständig hörst:" ihr seid ja nur wegen Hammerfall da", dann kriegste halt irgendwann eine Antipathie und schlägst über die Stränge, und ich habe da auch einen harten Humor, den nicht jeder versteht.

Georg:
Euer Stil hört sich ja auch nach US Powermetal wie z.B. Helstar an. Dieser Stil ist für unsere Breiten ja doch eher ungewöhnlich.

Gerrit:
Ja, daraus haben haben wir auch nie einen Hehl gemacht. Ich bin in den 80er Jahren fett in den Metal hineingewachsen und spätestens 84 habe ich auch alles mitgekriegt. Ich bin da auch das wandelnde Lexikon in der Zeit, das sag ich nicht um mir auf die Schulter zu klopfen, sondern einfach weil mich nichts anderes interessiert hat. Die Zeit ab der dritten Manowar und der ersten Mercyful Fate, das war halt wichtig für mich. Ich hatte zwar auch immer ein Auge auf die deutsche Szene, aber ich habe halt einfach ein Fable für englische und später auch amerikanische Bands. Als ich mir damals die Hail To England gekauft habe, dachte ich zuerst auch Manowar seinen eine englische Band, ich war dann völlig enttäuscht als ich hörte daß es Amis sind. Von den Amis hatte ich ja auch ein bestimmtes Bild von einer Mc Donalds Nation und dachte, daß sie nicht sehr tiefgehend sein könnten, mir wäre es damals lieber gewesen es wären Engländer gewesen. Aber an sich ist das ja auch zweitrangig. Ich liebe halt irgendwie auch England, Schottland und Irland, deswegen hab ich auch die Schottische Fahne auf meinem Tatoo. Vielleicht war ich auch in einem früheren Leben ein Schotte. Da hängt halt mein Herz daran, aber ich habe auch schnell gemerkt daß vor allem nach 84 viele gute Bands nicht mehr aus England kamen. Gut, die ganzen Klassiker wie Saxon, Motörhead oder Maiden sind aus England aber die Bands die für mich maßgebend waren kamen aus Amerika. Sowohl die Thrash als auch die Powermetal Bands. Wir haben einen Omen-artigen Song auf der zweiten Platte, einen Agent Steel-artigen Song auf der Ersten. Aber die Songs schreibt man ja nicht, um so zu klingen wie eine andere Band, sondern man schreibt ihn und stellt dann fest, daß er so klingt wie von einer anderen Band. Ich hab mir aber auch deutsche Sachen zugelegt wie die erste Running Wild oder die EP von Helloween, das sind auch Sachen die ich heute noch gut finde. Viele deutsche Bands die damals rausgekommen sind, haben mir halt nicht so viel gegeben wie die amerikanischen Bands.

Georg:
Es gibt gerade eine Reunion Welle. Viele 80er Bands machen einen Neuanfang, was glaubst du sind die Gründe?

Gerrit:
Es ist unterschiedlich, man müsste da jede Band extra befragen. Es gibt Bands wie Savage Grace die eindeutig vor ein paar Jahren gesagt haben, daß sie sich nur für Kohle reformieren würden, die sind dann aber auch schon unten durch. Es muß schon vom Herzen her kommen. Vor zwei Jahren haben sich Nasty Savage für einen Gig reformiert um ihren alten deutschen Fans nochmal einen Auftritt zu bieten, dann ist das super. Ich habe sie ja leider 88 auch verpasst. Oder Manilla Road, die haben noch nie in Deutschland gespielt und versuchen nun ein Lineup zusammenzustellen um einen Gig in Deutschland zu spielen. Das find ich unglaublich, das ist für mich ein Gottesgeschenk. Es gibt gute Reunion wie Destruction oder Agent Steel. Jag Panzer waren ja auch weg und sind wieder gekommen und haben inzwischen 3 starke Alben abgeliefert. Letztendlich ist mir aber der Beweggrund nicht ganz so wichtig. Natürlich ist mir lieber wenn sich eine Band aus der Liebe zur Musik reformiert anstatt aus Geldgeilheit, aber wenn die Platte geil wird kommt auch die Liebe zu der Musik zurück. Bei so großen Tieren wie Maiden steht das Geld sicher im Vordergrund, aber ich freu mich trotzdem tierisch auf die neue Maiden. Maiden ist für mich halt mit Di Anno oder Dickinson und nicht mit Blaze Baley. Ist halt einfach so. Ich werd in zwei, drei Wochen mit dem Ex Priest Sänger ein Interview haben, da freu ich mich auch tierisch drauf, auch wenn er sich unglaubwürdig dargestellt hat und für mich einer der Verräter war. Priest sind trotzdem eine Institution, auch wenn sie ihr Fähnchen oft in den Wind gehängt haben und ich hoff sie machen wieder eine gute Platte mit Halford.
Natürlich kotzt es einen schon an, wenn sich dann auch noch die dritt und viertklassigen Bands reformieren, die damals schon von keinem gemocht wurden. Da fragt man sich was wollen die denn jetzt? Und dann ärgert das einen schon, da wird nur die Plattenflut noch zusätzlich mit Platten zugemüllt die kein Mensch braucht. Namen sag ich da jetzt aber keine.

Georg:
Du bist ja ein großer Manowar Fan und hast auch schon mal Hail And Kill live gesungen, wird es den Song auch eines Tages auf einem Album geben?

Gerrit:
Nein, das wird es nicht. Eric Adams ist der Metal Sänger überhaupt, der hat ultra Power und Ausstrahlung. Ein total symphatischer Kerl. Und dem kann ich nicht das Wasser reichen, ich hab auch eine andere Stimmlage. Es war einfach ein Geschenk für uns und für die Fans. Hail And Kill ist einfach ein magischer Song, da hab ich schon Gänsehaut gekriegt als ich nur den Anfang gesungen habe. Aber ich denke nicht, daß ich mir die Blöse geben werde zu versuchen den Song in einem Studio zu singen, wo Eric wirklich alles gibt, was seine Stimmbänder hergeben. Live war der Song genial und hat viel Spass gemacht, aber es war eine einmalige Sache.

Georg:
Welche Band würdest du dann covern?

Gerrit:
Es gibt fast keinen Tag, an dem ich nicht einen Song höre, den ich gerne covern würde, aber wir sind ja auch keine Coverband. Wir haben jetzt schon 6 oder 7 Covers gemacht. Demnächst steht ein Uriah Heep Cover an für das Tribut Album, auf dem Accept Tribute waren wir dabei, das macht man halt, damit man auch seinen Namen auf größeren Compilationen wiederfindet, das ist ja auch Werbung für einen. Aber wir wollen nicht eine Coverband werden. Ich find sogar die Tributeschwemme richtig ärgerlich. Wir haben das gemacht, weil wir diese Bands verehren und weil wir den Leuten auch die Bands nahebringen wollen. Es ist halt auch immer eine zweischneidige Sache.

Georg:
Viele Metalbands versuchen so böse zu sein, wie stehst du zu Bands wie Stryper und Tourniquet, die positive Inhalte vermitteln wollen?

Gerrit:
Ich bin ein extremer Trouble Fan und ich werde mir auch wie von St. Vitus,wo ein Christenkreuz drin ist, weil sie Christen waren, ein Tatoo machen lassen. Der Sänger von St. Vitus hat sich früher sogar geweigert das Wort Fuck zu singen, weil er halt Christ war. Das ist mir aber auch egal, jeder muß seinen Weg gehen. Ich hätte auch kein Problem mir ein umgedrehtes Kreuz auf den anderen Arm zu machen, weil ich Mercyful Fate Fan bin. Ich seh das eher ideologisch unbelastet. Wie ich grad schon sagte, jeder muß so leben, daß er glücklich wird. Meine Schwester z.B. ist Die Hard Christ und hat inzwischen auch akzeptiert, daß ich keiner bin. Und so Sachen wie Tourniquet oder Paramaecium steh ich vollkommen offen gegenüber, ich find halt auch, daß diese Christen dann auch bei anderen Bands so open minded sind und die Musik sehen, genauso wie der Die Hard Mercyful Fate Fan Tourniquet offen gegenüber stehen sollte. So Sätze wie "hör ich nicht, weil die Christen sind" sind Schwachsinn, da macht man sich eine Barriere in den Kopf und verpasst nur gute Bands. Ich hab mir in den 80ern auch Stryper angehört, auch wenn sie mir etwas zu süsslich waren. Und ich hab die Soldiers Under Command Platte neben ner Deicide Platte im Regal stehen und hab kein Problem damit. Wenn einer meint er soll christliche Botschaften verbreiten und der andere will satanistische verbreiten, so soll er es doch, solange es intelligent gemacht ist. Was ich nicht mag ist das plakative und ausgrenzende in der Szene, man sollte einfach auch anderen das Recht zugestehen ihre Meinung zu sagen. Auch wenn ich härtere Texte eher bevorzuge so wie die ersten Carcass und Cannibal Corpse oder Marduk Texte. Aber ich hoffe einfach, daß die Bands die auf extrem Satanisch machen auch so intelligent sind zu wissen, daß man auf diese Welt keine bösen Geister mehr rufen muß weil sie schon böse ist, man sollte lieber positiv denken und aus seinem Leben etwas machen, anstatt böse Geister anzubeten. Ich habe auch schonmal Texte über Jungfrauenopferung gemacht, aber das sind für mich Geschichten. Wenn meine Schwester sowas liest, sagt sie immer "oh, das ist aber ganz schön brutal", und ich sag halt, okay ist halt so, es ist für mich eine Parallelwelt in die man sich flüchten kann, aber das heißt nicht, daß ich ein brutaler Mensch bin.

Georg:
Du hast in letzter Zeit eine Menge Interviews gegeben, welche Frage hat dich da am meisten genervt?

Gerrit:
Wir haben so 80 bis 100 Interviews gegeben, davon sind wohl ca. 30 auf mich entfallen. Aber insgesamt haben die nervigen Fragen nachgelassen, viele haben mich ja auch schon für die erste oder zweite Platte interviewt und dann haben wir die Interviews auch gut verteilt, so daß mir so Fragen auch gar nicht so aufgefallen sind. Insgesammt nervt am meisten wenn ich gefragt werde "ob wir das ernst meinen". Das wird mich auch noch bei der zehnten Platte nerven. Wenn man das nicht kapiert und uns immer noch als Witz oder Parodie sehen will, das kotzt einen schon an. Z.B. der eine, der die Negativ Kritik bei Plus Minus im Rock Hard geschrieben hat fand es sogar lächerlich, daß wir keine Parodie sind. Was muß ich denn noch tun um ernstgenommen zu werden und frag mich, was denkt der Mann eigentlich. Und dann muß ich hören, daß der eigentlich gar keinen Metal hört und erst seit 90 in der Szene ist und maßt sich dann an zu behaupten, daß wir in den 80ern in der zweiten Garde gestanden hätten wo er noch gar nicht dabei war. Sowas nervt einen dann schon. Wenn du was mit Hingabe und Herzblut machst und du dann nicht ernst genommen wirst, dann tut das schon weh. Wenn du als Witz oder Parodie abgestempelt wirst, dann kotzt dich das schon an.

Georg:
Welche Frage war die blödeste, die du je gestellt bekommen hast?

Gerrit:
Das war von einem Griechen, der wollte besonders originell sein, das Interview an sich war super und dann sagte er, jetzt kommt eine etwas komische Frage, die fragt er jeden und dann wollte er wissen was für eine Pizza Sacred Steel wäre wenn wir eine Pizza wären. Da sagte ich "Bitte, was? Eine Pizza?" Dann hab ich halt irgendeinen Quatsch geantwortet wie viel Käse, ultraschwer und schwer verdaulich. Das war sicher ne bescheuerte Frage, aber ich hab ja auch schon oft Interviews gemacht und manchmal fällt dir einfach nix mehr ein.

Georg:
In der Rock Fahrt also im Spass Teil der Rock Hard seid ihr ja parodiert worden, wie war das für euch?

Gerrit:
Das ist ja was anderes wenn wir parodiert werden, aber wenn uns unterstellt wird wir seien eine Parodie oder noch schlimmer, wir würden nix taugen, weil wir keine Parodie seien, das ist was anderes. Wir können ja selbst über uns lachen und sind auch nicht so wie viele uns gerne sehen würden. Aber wir wollen, daß unsere Musik ernst genommen wird. Wenn ein Rechtsanwalt einen guten Job macht will er ja auch nicht, daß jemand sein Werk verarscht. Oder wenn einer nächtelang an einem Bild malt und dann kommt jemand an und sagt was ist daß für ein Scheiß, dann bist du einfach angepisst, weil da dein Herzblut drinsteckt. Und wenn einer sagt, als Parodie taugt das was, aber als Band nicht, dann ist das ärgerlich. Über die Rock Fahrt hab ich mich totlachen können wir fanden das gut, das war eine Ehre für uns. Es kommt ja auch drauf an wie man verarscht wird, wenn man sieht wie unser Bundeskanzler bei Peep niveaulos verarscht wurde. Ich finde Verarsche ja grundsätzlich gut, aber wenn es unters Bild Niveau sinkt und nur noch beleidigend wird, dann find ich das nicht mehr lustig.

Georg:
Heute habt ihr 3 Vorgruppen dabei, wie kam es zu einem so großem Programm?

Gerrit:
Wir hatten eine lange Vorbereitungszeit vor der CD Präsentation und hatten sehr viele Bands auf der Wunschliste. Es gibt bei jedem von uns zig Bands die man persönlich kennt oder geil findet... Wir haben 2 Leute in der Band die einen Plattenlabel haben. Diese wollten wir ursprünglich nicht featuren, aber nun sind doch 2 Bands von diesem Label dabei. Das lag einfach daran, daß wir heute mit 200 -300 Leuten rechnen und das gerade die Unkosten reinbringt, davon können wir keine teure Band holen. Wir hätten gerne Lefay, Destiny´s End oder so eine andere befreundete Band geholt, aber das hätte wohl nur alleine wegen dem Flug 5000,- DM gekostet. Auf jeden Fall hat jeder von uns mit Bands gesprochen und welche angesehen, und auf einmal wurde die Zeit knapp. Und dann haben noch Bands mit denen wir gerechnet haben abgesagt, wie z.b. Desaster, wobei ich immer noch nicht weiß warum sie abgesagt haben. Uns haben sie gesagt sie hätten keine Zeit, von anderen hab ich gehört sie hätten keinen Bock, ich werd sie mal darauf ansprechen, wenn ich sie sehe. Und letztendlich mußten wir dann auf das Label zurückgreifen, damit das ganze nicht floppt. Die Bands spielen also heute nicht weil sie bei dem Label sind, sondern trotzdem daß sie bei dem Label sind. Und Solemnity kamen drauf weil ich sie 3 mal Live gesehen habe, die machen eine gute Show und spielen sich den Arsch ab.

Georg:
Meinst du nicht daß 4 Bands viel sind?

Gerrit:
Logisch, ich bin auch kein Freund von großen Festivals. Ursprünglich wollten wir ja 5 Bands spielen lassen, aber nachdem der zweite Opener abgesagt hatte haben wir die Zeiten verlängert. Aber ich sehe auch das Problem, daß der Abend sehr lange ist aber ich hoffe, daß wir den Leuten ein gutes Programm bieten können, mit Solemnity, die eine gute Show machen und Dark At Dawn und Destillery die super Musik machen.

Georg:
Habt ihr auch schon eine neue Tour geplant?

Gerrit:
Nein, das ist noch zu früh darüber was zu sagen. Wir wollen zwar auf Tour gehen, aber Bands und so kann ich noch nicht sagen. Es wäre ja auch peinlich wenn man eine Band bekannt gibt und das dann doch nichts wird. Aber ich hoffe, daß was gutes klappt wie letztes Jahr die Nevermore / Lefay Tour. Ich hoffe daß wir die neue Platte dadurch gut promoten können, deswegen sind wir ja auch bei einer Plattenfirma, sonst könnten wir das selbst machen. Und das ist ja auch unsere Bedingung wenn wir bei Metalblade nochmal unterschreiben. Auch wenn ich bei Metalblade arbeite und mit den Leuten dort super klarkomme, aber ne Tour muß her. Das muß für eine Band wie wir eine sind, die in Deutschland auch gar nicht mal schlecht verkaufen einfach drin sein.

Georg:
Würdest du auch mit Metallica, Slipknot oder KoRn auf Tour gehen?

Gerrit:
Also von KoRn habe ich mal ein paar Rifffetzen gehört und die fand ich schon ekelhaft. Slipknot, den Namen les ich jeden Tag und habe auch neulich mal jemanden bei Metalblade gefragt, was das ist und der hat nur gemeint, gefällt dir eh nicht. Und Metallica, die ziehen höllenviel Leute wo sich auch ab und zu noch ein Metaller darunter verirrt. Wer würde ausschlagen vor Metallica zu spielen? Da kannst du deinen Kopf die ganze Zeit gegen die Wand hauen und sagen "Mein Gott, bin ich heute wieder True!" Es gibt heute auch viele Festivals wo KoRn oder Metallica spielen, da würde ich auch nicht sagen, ich spiele nicht weil die da sind. Aber es gibt eigentlich keine Band mit der wir nicht touren würden, warum auch? Man kann überall neue Fans gewinnen.

Georg:
Welche Frage wolltest du schon immer mal beantworten?

Gerrit:
Warum ich als Metaller Kate Bush so geil finde, obwohl ich eigentlich Metaller bin. Ich weiß es eigentlich auch nicht genau. Ich hab das Lied Wuthering Heights 1978 oder 79 im Radio gehört und fand das geil, ich war richtig elektrisiert, ich wusste aber nicht von wem es war. Und zwei Jahre später hab ich Babuschka im Radio gehört und dachte mir "geile Stimme aber nicht so guter Song, aber ich muß mir mal ne Platte holen." Und dann hatte ich bis 88 meine Ultra Metal Phase in der ich nur Metal gehört habe. Und dann hab ich irgendwann im Plattenladen gestanden und da war ne neue Kate Bush draußen und die habe ich mir dann in einem Metalplattenladen aufgelegt und hab mir gedacht, hey jetzt bist du ja 18, da kannst du erwachsen genug sein, dir auch mal was anderes als Metal zu kaufen. Ich hör eigentlich 100% am Tag Metal und einmal im Jahr Kate Bush, aber die Frau fasziniert mich, ich hab mir alle Singles und alle Platten von ihr zugelegt. Ich lieb die einfach innig und heiß und hoffe auch, sie eines Tages zu treffen. Aber das komische ist, daß es gerade im Doom Bereich viele Metalheads gibt, die Kate Bush mögen. Irgendwas muß die Frau haben, was auch auf beinharte Metaller wirkt. Die Frage würde ich gerne mal in einem großen Magazin beantworten. Natürlich liebe ich Metal und kann ohne harte Gitarre nicht leben, aber ab und zu habe ich meine 5 Minuten in denen ich Kate Bush hören will.

Georg:
Wünscht du dir die 80er zurück?

Gerrit:
Also kommerziell gesehen ja, aber andererseits weiß ja eh keiner was die Bands wirklich in den 80ern verkauft haben. Damals hat man immer die Zahlen von Demobands gehört, die behauptet haben, sie hätten 2000 Demos verkauft. Und wenn du dann irgendwann mal einen Deal hast, wie wir 1996, dann denkst du jetzt mußt du 30.000 verkaufen. Und wenn du dann nur ein paar Hundert oder ein paar Tausend verkaufst bist du erstmal gebrochen. Aber mit den Zahlen lügt sich eh jede Plattenfirma ins Knie, da wird so viel Propaganda nach außen hin gemacht. Ich arbeite ja jetzt bei einer Plattenfirma und ich krieg mit was die Bands so verkaufen und trommeln gehört einfach zum Geschäft. Jeder Waschmittelverkäufer sagt, natürlich verkauft sich das Zeug wie geschnitten Brot und wenn du dann die Tür zumachst sinkt er heulend in sich zusammen. Ich weiß nicht ob die 80er geiler waren als die 90er, gut anfang der 90er war der Metal schon im Underground. Selbst Rock Hard hat dann mal Rammstein aufs Cover gepackt. Ich will das ihnen ja gar nicht vorwerfen, die müssen ja auch überleben, aber die mußten halt stilfremde Scheiße reinpacken und ich bin dagestanden und habe mir gedacht ob ich noch das selbe Heft lesen würde. Aber seit 97 geht es aufwärts und da will ich auch Hammerfall nicht unerwähnt lassen, die haben da auch dazu beigetragen, daß die Leute wieder mehr in diese Richtung gesehen haben. Aber die meisten meiner Lieblingsalben sind 83-87 rausgekommen und nicht in den 90ern.

Georg:
Die Metal Szene ist ja sehr groß geworden und zerfleischt sich stilmäßig, jeder will die Stile die er nicht mag ausgrenzen, egal ob das nun Powermetal, Black Metal oder Hardcore ist.

Gerrit:
Das war aber in den 80ern genauso. Ich hab die Metalszene seit dem ersten Metal Hammer mitbekommen. Davor habe ich zwar auch Metal gehört aber durch den Hammer habe ich die Infos bekommen. Und dann ist ja auch der Metal explodiert. Und damals fing das schon an, sogar in der Werbung. "Hellhammer makes Venom sound like the Bee Gees". Bring das mal heutzutage. Ich bin durchaus der Meinung, daß man Sacred Steel wesentlich agressiver vermarkten könnte. Wenn ich in der Promotion was zu sagen hätte würde ich verbreiten, daß wir 3 mal beim Hammer den letzten Platz gemacht haben, das ist der Hattrick. Gehasst von vielen, so in der Art wie die Onkelz sich vermarkten. Ich mag die Onkelz zwar nicht aber ihre Vermarktung stimmt.
Ich lebe für meinen Teil den Heavy Metal Life Style, ich laufe auch privat so rum wie ich hier gerade rumsitze, gut ich habe vielleicht nicht jeden Tag Nieten an, aber doch sehr oft und ich denke das fehlt der Szene, weil zu viele nur reinschauen, sich aber damit nicht identifizieren. Oder auch diese Tralala Bands die gerade in sind, das ist für mich auch kein Metal, das ist mir zu fröhlich. Ich höre halt lieber Bands die einem weh tun, als Bands die wie beim Kaffeekränzchen klingen.
Die Szene zerfleischt sich jetzt wie in den 80ern.

Georg:
Und da machen gerade Manowar einen Song wie Brothers of Metal.

Gerrit:
Ja, wobei der Song von ´86 ist und nicht von ´96. Ich krieg bei dem Song auch ne Gänsehaut und das fehlt auch der Szene. Und wenn ich höre die oder die Band mag uns nicht und ich weiß nicht warum, aber dann überleg ich mir daß ich ja selbst auch schon über Bands gelästert habe die ich nicht kannte. Natürlich wäre ich auch froh es gäbe eine friedliche Metalszene wo sich der Marduk Fan mit dem Stryper Fan in den Armen liegt und sagt, ich mag zwar deine Musik nicht aber sind wir nicht alle Metaller? Das ist eine Traumvorstellung und als harmoniesüchtiger Mensch fänd ich das auch Klasse. Aber vielleicht würde das dem Ganzen den Reiz nehmen. Zum Glück ist es beim Metal ja nicht so wie bei den Fußball Fans wo sich die Fans nach den Spielen gegenseitig aufs Maul hauen. Gut im Black Metal Bereich gibts da auch extremeren Hass untereinander aber im Großen und Ganzen ist die Metal Szene im Vergleich zu anderen Szenen okay. Ich denke so lange es noch augenzwinkernd gemeint ist, ist es okay, aber wenn man sich dann beim Treffen aufs Maul haut ist es nicht mehr okay. Das hat auch nichts mehr mit Metal Spirit zu tun. Metal Spirit heißt leben und leben lassen. Ich will ja auch akzeptiert werden und wenn ich mit Patronengurt zum Bäcker gehe genauso bedient werden wie jeder andere. Ich werde da jetzt auch so behandelt, weil ich schon lange in dem Ort wohne und halt auch schon ab und zu was über Sacred Steel in der Zeitung war. So, ich meine, ich lach mich auch kaputt wenn einer ne Kopfsocke aufhat und denk mir wie kann man sein Leben nur so wegschmeißen, aber andererseits wenn das sein Lebensinhalt ist muß man es halt akzeptieren. Und Metal ist für mich auch auf jeden Fall Toleranz und nicht Agressionen aufbauen. Ich habe da auch früher Scheiße gelabert wie z.B. als ich eine Anti Metallica Ansage vor 2 Jahren in Griechenland gemacht habe, und das sehen wir immer noch an den rückläufigen Verkaufszahlen in Griechenland. Da waren die Fans ziemlich angepisst und haben nicht verstanden wie man etwas gegen Metallica haben kann, die seien ja Super Helden. Das finde ich nicht, ich finde daß Metallica dem Metal seit 10 Jahren in den Arsch treten, aber ich will in Zukunft auch mehr aufpassen was ich sage, ich möchte nicht die Agessionen weiter steigern. Ich will zwar nicht political correct sein, aber ich möchte auch nicht unnötig jemanden ankacken. Da bin ich schon eher für Toleranz

Georg:
Vielen Dank und auf ein gutes Konzert heute abend.

Redakteur:
Georg Weihrauch

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