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REZET: Interview mit Ricky Wagner

28.01.2021 | 12:27

Die REZET-Maschinerie läuft auf Hochtouren und eines ist sicher: Wer "Deal With It!" und anspruchsvollen Thrash Metal mit Melodie und Köpfchen mochte, kommt auch an dem neusten Werk nicht vorbei. Darum sprachen wir auch mit REZET-Kopf und Gitarrist Ricky Wagner über "Truth In Between", die Hintergründe zur Platte und das Genre im Allgemeinen. Here we go...

Moin Ricky. First of all: Wie geht es euch? Alles im Lot im REZET-Camp?

Hi Marcel! Uns geht es soweit ganz gut, danke der Nachfrage. Wir bereiten gerade alles für unsere kommende Album-Release-Stream-Show am 30. Januar vor.

Euer letztes Album "Deal With It!" hat gerade einmal 24 Monate auf dem Buckel. Könnt ihr mir ein kleines Update geben, was in der Zwischenzeit bei euch so passiert ist?

Mit "Deal With It!" sind wir zweimal durch Europa getourt. Das erste Mal als Support für unsere Freunde von NERVOSA, ziemlich direkt nach dem Release unseres Albums. Das müsste also im Frühjahr 2019 gewesen sein. Die zweite Rutsche folgte dann auf der KILLFEST-Tour im Herbst selbigen Jahres. Da haben wir dann für OVERKILL, DESTRUCTION und FLOTSAM & JETSAM eröffnet. Es ging also erstmal ganz gut los, aber für 2020 hatten wir noch weitaus mehr geplant. Was dann passiert ist, wissen wir ja alle. Wir haben 2020 dann komplett mit Schreiben und Recorden des neuen Albums verbracht. Trübsal blasen und in Selbstmitleid versinken war keine Option für uns.

Nun kommt mit "Truth In Between" die nächste REZET-Scheibe auf den Markt. Wie verliefen denn Songwriting- und Aufnahmeprozess während der Corona-Situation?

Der große Unterschied war diesmal eben so viel Zeit zu haben, sich vollkommen auf diese Sache zu konzentrieren. Vorher entstanden Alben eigentlich immer Mal zwischen Touren und anderen Dingen, man hat ja auch noch ein Privatleben. Da ging 2020 aber ja nicht allzu viel, deshalb konnten wir uns ganz unserem fünften Album verschreiben. Das war die erste Platte, die von der gesamten Band von Punkt Null an entstand. Das hört man, sie klingt sehr lebendig. Zuletzt aber auch deshalb, weil wir uns ja dafür entschieden hatten, die Rhythmus-Fraktion inklusive Gitarren live aufzunehmen.

Hand aufs Herz: Würde das Album außerhalb der Pandemie anders klingen? Inwieweit hat die Zeit euch bei dem Album beeinflusst?

Du meinst vielleicht aber auch atmosphärisch und textlich, oder? Ich habe schon gelesen, dass "Truth In Between" ein bisschen düsterer und wütender als der Vorgänger klingt. Das könnte schon damit zusammenhängen, ja.

Die Platte hat einen ziemlich vieldeutigen Titel. Welche Wahrheit steckt denn genau wozwischen? Was wollt ihr mit dem Titel aussagen?

Wir haben uns dazu entschieden, den Titel und die Texte des Albums für unser Publikum frei deuten zu lassen. Wir sind dafür bekannt, unsere Meinung ehrlich herauszusagen und Missstände deutlich aufzuzeigen. Diesmal wollten wir etwas anderes probieren, was sich aber auch mit dem Albumtitel deckt, verstehst du? Wenn du mich persönlich fragst, deute ich Meinungsfreiheit und Toleranz in den Titel hinein. Das Cover ist da noch etwas tiefgründiger.

Musikalisch betrachtet und von deiner Sicht aus: Worin liegen die Unterschiede zwischen "Deal With It!" und "Truth In Between"? Ich finde, dass das Album noch entschlossener und zum Teil auch wütender ausgefallen ist.

Ja, mit der Aussage bist du definitiv nicht alleine. Ich finde "Deal With It!" war noch etwas mehr auf den Punkt, weniger verspielt, eher auf ein Riff bezogen. Ich höre jetzt im Nachhinein, dass die Songs relativ unkompliziert geschrieben werden mussten und auch im Studio recht geradeaus bearbeitet wurde. Ich mag das Album immer noch sehr gerne. "Truth In Between" ist da wieder mehr an unsere Anfangstage angelegt. Verspielter und hier und da auch verträumter. Es ist aber nicht in Griffbrettgewichse ausgeartet, sondern zeigt einfach weitere Facetten der Band. Ich denke das Album hat all unsere Stärken als Band zusammengebracht. Nicht zuletzt durch die grandiose Arbeit von Eike als Produzenten. Es ist unser stärkstes Album in punkto Songwriting und Produktion, das ist klar für mich. Geschmäcker sind natürlich verschieden und alles ist subjektiv in der Kunst, aber das kann ich als Bandgründer wirklich so klarstellen.

Generell finde ich die Platte auch um einiges abwechslungsreicher als den Vorgänger. Hier etwas schwermetallischer, dort etwas punkiger, hier sehr viel Old-School, dort ein paar modernere Einflüsse - wie wichtig ist für euch als Thrash-Metal-Band die Abwechslung?

Ja, genau, sagte ich ja auch, dass viele Facetten ans Licht kommen. Das war aber tatsächlich schon immer so bei uns. Ich denke, mit "Truth In Between" haben wir es uns einfach noch etwas mehr getraut. Die vorherigen Platten standen schon eher unter dem Deckmantel "Thrash-" und "Speed Metal", was auch total okay ist, da REZET hier zu Hause ist und sich hier etabliert hat. Mir ist aber wichtig, dass ich Spaß an dem habe was ich tue, ich könnte nicht zweimal den gleichen Song schreiben, geschweige denn ein gleiches Album produzieren! Ich mag das ganze Labeling wie "Thrash", "Crossover", "Death", "Black", "White", "Emo", "Female" usw. aber eh nicht. Es ist halt Metal, oder wie Lemmy sagen würde: "Rock 'n' Roll".

Irgendwie erinnert mich der letzte Track 'The Last Suffer' an eure Frühwerke. Ist das doch noch einmal ein kleiner Blick zurück in eure Geschichte?

Das ist einfach ein weiterer Song. Ich habe noch nie im Vorfeld einen Song mit einem Plan geschrieben, ich bin Sternzeichen Fische, sowas kann ich nicht! Ich verstehe aber, wenn der Song an unsere Anfangstage erinnert.

Wie wird es bei REZET ab Februar aussehen? Welche Pläne stehen für die Zeit nach der Veröffentlichung der neuen Platte an?

Wir haben eine Menge Pläne, aber ich möchte hier nicht allzu viel vorwegnehmen, auch, weil niemand weiß, inwieweit sich diese Pläne tatsächlich umsetzen lassen. Ich hoffe natürlich am meisten, dass wir endlich wieder auf Tour gehen können!

Eine letzte Frage: SLAYER hat sich aufgelöst, von ANTHRAX ist auch noch nichts Neues zu erwarten, die Bay-Area jedoch bebt einmal mehr gewaltig. Wie wertet ihr als deutsche Thrash-Metal-Band die Szene momentan im Allgemeinen?

Die Musik-Szene ist global wahrscheinlich so produktiv wie nie zuvor. Das hat natürlich auch viel mit dem Internet und der Vernetzung im Allgemeinen zu tun. Fluch und Segen, aber das ist ein anderes Thema. Ich bin natürlich als Musiker mittendrin, bekomme aber nicht allzu viel von Neuerscheinungen mit, weil ich Vollzeit mit REZET beschäftigt bin, weißt du? Gerade läuft auch TANKs "Filth Hounds Of Hades". Ich mag die alten Sachen halt noch am liebsten, auch wenn ich selbst viel jünger bin.

Ricky, danke für Zeit und Geduld. Dir gebühren die letzten Worte. Was möchtest du noch loswerden?

Bleibt gesund, vor allem in der Birne! Wir sehen uns auf Tour!

Redakteur:
Marcel Rapp

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