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Perlen der Redaktion: Walter Scheurers Highlights 2021

05.01.2022 | 22:15

Ein weiteres ungewöhnliches Jahr ist vorüber. Mein 2021 im Rückblick.

Auf "Was hätte nicht alles in diesen 12 Monaten sein können / müssen / sollen", oder "Wie schön wäre es gewesen, wenn..." und ähnliche Geschichten verzichte ich ganz bewusst. Vielmehr möchte ich der, wahrscheinlich noch mehr als alle anderen unter der Pandemie leidenden, Musikerschar vorab meinen bewundernden Dank aussprechen. In erster Linie dafür, dass es dermaßen viele hochklassige Veröffentlichungen in diesem Jahr gegeben hat. Noch viel mehr aber dafür, dass kaum ein Künstler frustriert das Handtuch geworfen hat. Respekt!

Quarantäne und diverse Lockdowns haben zwar auch in diesem Jahr dazu geführt, dass so manche Formation ihre Arbeitsweise ändern, und sich zum Teil gar völlig neu organisieren musste, an hochkarätigen Scheiben mangelte es aber auch 2021 keineswegs. Da zudem auch ein Format, das in der letzten Dekade leider ein wenig untergegangen ist, ein - wenn auch in veränderter Form - kleines Revival feiern durfte, möchte ich damit anfangen.

Klar, über den Charme von Livestream-Mitschnitten, in welcher Form auch immer, lässt es sich vorzüglich philosophieren und diskutieren. Am Umstand, dass so manche Band auch dabei jene unbändige Energie, die ihre Shows auszeichnet und die "früher" generell den Reiz von Live-Scheiben ausmachte, an den Tag zu legen vermochte, dagegen nicht.

Mein absoluter Favorit aus dieser Ecke in diesem Jahr stammt von ARMORED SAINT. Und das nicht bloß, weil die Herren eine ihrer Göttergaben am Stück zelebrierten, sondern weil die Umsetzung von "Symbol Of Salvation Live" in allen Belangen geglückt ist.

Als nicht minder essentiell empfinde ich auch "The Bastard Tracks" von einer weiteren zu meinen persönlichen Live-Favoriten zählenden Formation. Dass sich DEATH ANGEL dafür sogar so manch' sträflich unbeachteten Track herausgepickt hat, macht die Sache natürlich umso spannender.

Weniger auf Energie und Dynamik, dafür umso mehr auf die Intensität der Darbietung setzt CANDLEMASS generell. Die als "Green Valley Live" festgehaltenen Lockdown-Sessions sollten nicht nur jeden Fan der Band erfreuen, sondern auch jenen Zeitgenossen Respekt abverlangen, denen es vielleicht nicht bewusst ist, was Leif Edling in der letzten Dekade durchmachen hat müssen.

Dennoch bleibt das Format "Live-Album" fraglos unerreicht, wenn es in "Old School"-Manier (oder sagt man dazu demnächst "Prä-pandemisch"?) mitgeschnitten wurde, und der Hörer den Eindruck erhält "mittendrin statt nur dabei" zu sein. Das diesbezügliche Highlight in diesem Jahr hat KROKUS mit "Adios Amigos - Live @ Wacken" abgeliefert. Schade zwar, dass die Herren tatsächlich endgültig aufhören, mit diesem Abschiedsalbum werden sie ihren Fans aber mit Sicherheit noch lange Jahre Freude bereit. Thank You For The Music!

Da ich mich in den Jahren zuvor nicht ganz so intensiv mit diesem Thema beschäftigt habe, werde ich erst eruieren müssen, ob die Anzahl an Neuauflagen 2021 tatsächlich wesentlich größer geworden ist. Fakt ist jedenfalls, dass mir noch nie ein derartiger Schwall an hochwertigen Re-Releases aufgefallen ist wie in diesem Jahr. Da sich darunter zum Teil auch noch wahre Schätzchen befinden, die sich bislang höchstens in inzwischen völlig ausgenudelter Musikcassetten-Form in meinem Archiv befinden, war die Beschäftigung damit umso erfüllender.

Allen voran zu erwähnen sind diesbezüglich "Night Of The Blade - The Night Before" von TOKYO BLADE, "The Sybling" der Texas-Kult-Truppe MILITIA und natürlich "Forgotten Realm" von OBLIVION KNIGHT. Aber auch MESHEEN, LEGIONED MARCHER und JAG WIRE dürfen hier nicht unerwähnt bleiben.

Als nicht unbedingt innovativ darf die Idee von Jeff Scott SOTO betrachtet werden, einige seiner größten Hits aus unterschiedlichen Karriere-Stationen mit diversen Kollegen im Duett neu einzusingen. Da die Umsetzung aber definitiv ein Hammer geworden ist, sei auch "The Duets Collection - Volume 1" in diesem Rahmen erwähnt.

Ebenso wenig originell wirken Cover-Alben. Zumindest auf den ersten Eindruck hin, doch wer sich dermaßen grandios beim Bearbeiten von Fremdmaterial schlägt wie MONSTER MAGNET, wird deshalb aber bestimmt nicht verurteilt werden. Warum auch? Für das Interpretieren von Kompositionen anderer Künstler muss man schließlich verdammt viel auf dem Kasten haben. Wer's nicht glaubt, möge sich bitte an die Altmeister DEEP PURPLE wenden, denn "Turning To Crime" (also doch, oder wie?) ist weit mehr als nur ein "Lockdown-Füller" geworden.

Breit gefächert, wie mein Musikgeschmack nun mal ist, lassen sich auch in meiner Top 20-Liste Exponate aus nahezu allen Genres vom Blues über Classic und Hard Rock bis zum Prog und Thrash Metal finden. Da es aber auch darüber hinaus noch jede Menge anderer hochklassiger Veröffentlichungen gegeben hat, will ich auch davon einige erwähnen, da sie mich in diesem Jahr ebenso begleitet haben wie unzählige Klassiker, die ich mir - Frevel, Blasphemie, macht Teer und Federn klar... - seit geraumer Zeit durch unseren Spotify-Familienzugang immer und überall bei Bedarf kurzfristig reinpfeifen kann.

Der traditionsbewusste Hard-Rock-Fan etwa erhielt zu Beginn des Jahres eine wahre Vollbedienung in Form von "Locked & Loaded" (VOODOO CIRCLE), "Immortal" (MSG) und "Holy Ground" (THE DEAD DAISIES), wobei ich letzteres erst Wochen und Durchgänge später so richtig ins Herz geschlossen habe.

Im Laufe der zwölf Monate sollten auf diesem Sektor noch einige weitere exquisite Exponate folgen, etwa von WAYWARD SONS, MAD MARGRITT, Herman FRANK, PRINS SVART, VICTORY und L.A. GUNS.

Auch der Progressive Metal hatte zahlreiche gelungene Exemplare zu bieten, mich persönlich haben die aktuellen Dreher von NEED, HAGRA, ASTRAKHAN, OCTAVISION, ELDRITCH und SWEET OBLIVION angesprochen. Letztgenannte selbstredend auf Grund der wahrlich beeindruckenden Gesangsdarbietung von Geoff Tate.

Aus der Ecke Blues Rock / Classic Rock hätten es sich ebenso noch einige Interpreten mit ihren aktuellen Veröffentlichungen verdient ins Ranking zu kommen, konnten aus Platzmangel aber nicht mehr berücksichtigt werden. Allen voran die mir zuvor unbekannten Formationen THE NOVA HAWKS und THE COLD STARES. Aber auch die Haudegen Ricky WARWICK und Gilby CLARKE hatten gediegenen Stoff anzubieten.

Ähnlich erging es mir in der Melodic-Abteilung, aus der mich vorwiegend Werke von gestandenen Recken (HARDLINE, NIGHT RANGER) und Durchstartern der letzten Jahre (ECLIPSE) in Party-Laune zu versetzen wussten. Das gelang aber auch der Newcomer-Truppe STRYKENINE, die eines der unterhaltsamsten Debütalben des Jahres abgeliefert hat.

Apropos Newcomer: Neben den SABBATH-Huldigern THE SONIC OVERLORDS, den dänischen Classic Rockern TIMECHILD und den schwer von LED ZEPPELIN beeinflussten HOWLIN' MAY QUEEN, haben es mir vor allem STARLIGHT RITUAL, NIGHTFYRE und BOOK OF NUMBERS angetan. Besondere Freude hat mir auch das Debüt von SPIRAL GRAVE bereitet, der Nachfolge-Band von IRON MAN. Respekt, meine Herren, Alfred wäre stolz auf euch!

Die beiden zuletzt erwähnten Bands stellen aber nur einen Teil all jener Truppen dar, die sich im Spannungsfeld von Doom Metal, Psychedelic und Stoner Rock bewegen und mich beeindruckt haben. Speziell in dieser Szene tut sich dermaßen viel, dass auch für 2022 wieder mit jeder Menge lässiger Veröffentlichungen zu rechnen ist.

Mal sehen, ob sich bis zum Jahresende wieder eine dermaßen große Anzahl an Namen finden lässt, die ich Euch wärmstens ans Herzchen legen möchte. Was 2021 betrifft, hätte ich da auf jeden Fall noch DUNBARROW, DEMON INCARNATE, HEAVY TRIP, SUNCRAFT, SOLAR MANTRA, THE AGE OF TRUTH und MALOSSI anzubieten.

Was ich von 2022 sonst noch erwarte?

Dass die schon jetzt umstrittenste Fußball-WM aller Zeiten, die noch dazu zu einem völlig absurden Zeitpunkt (November bis Mitte Dezember, geht's noch? Wobei Public Viewing auf Christkindl-Märkten hat schon was, ich glaub', das könnte sogar ein Renner - und leider auch so mancher Cluster - werden...) angesetzt ist, zumindest sportlich Großes bringt.

Im Hinblick auf die Musikszene lässt sich da nur ganz schwer etwas vorhersagen, denn zumindest im Moment habe ich schon wieder den Eindruck, dass jedes zweite Konzert erneut nach hinten verschoben wird. Von daher ist wohl nicht mehr als abwarten und, ähem, (Hopfenblüten-)Tee trinken möglich...

Abgesehen davon hoffe ich, dass sich die in den letzten anderthalb Jahren aufgerissenen Gräben innerhalb der Gesellschaft wieder einigermaßen begradigen lassen.

Im Klartext heißt das - vor allem für alle, die es nicht anders verstehen (wollen) - Leute, wir können nur MITEINANDER! Also sollte jeder von sich aus ein Stück auf den anderen zugehen. Machen wir also wieder das BESTE daraus!

Und hier nun endlich meine Top 20-Alben in der Übersicht:

Rang

Band Album
1. THE GEORGIA THUNDERBOLTS Can We Get A Witness
2. GARY MOORE How Blue Can You Get
3. STÖNER Stoners Rule
4. UNTO OTHERS Strength
5. IRON MAIDEN Senjutsu
6. HELLOWEEN Helloween
7. EXODUS Persona Non Grata
8. APOSTLE OF SOLITUDE Until The Darkness Goes
9. BLACKBERRY SMOKE You Hear Georgia
10. SPIDERGAWD VI
11. THE QUILL Earthrise
12. THUNDER All The Right Noises
13. ELECTRIC BOYS Ups!de Down
14. BLACK LABEL SOCIETY Doom Crew Inc.
15. MEMORY GARDEN 1349
16. PARADOX Heresy II
17. LAND OF GYPSIES Land Of Gypsies
18. MORDRED The Dark Parade
19. COUNT RAVEN The Sixth Storm
20. DREAM THEATER A View From The Top Of The World

Redakteur:
Walter Scheurer

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